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Wahl zur Weltfußballerin 2007Nordamerikanisches Offensivtrio nominiertDie Kandidatinnen aus den USA und Kanada | ||
Von Katja Öhlschläger29.11.2007 Die Arbeit, Gemeinsamkeiten zwischen den drei Nominierten aus Nordamerika zu suchen, muss sich niemand machen. Sie springen einem förmlich ins Auge. Kristine Lilly, Abby Wambach (beide USA) und Christine Sinclair (Kanada) fühlen sich nicht nur allesamt im Angriff zu Hause und kommen zusammen auf 258 Tore im Nationaltrikot. Nein, jede von ihnen durfte sich bereits Fußballerin des Jahres in ihrem Land nennen, wirklich schlechte Spiele sind an einer Hand abzuzählen und für Aufsehen sorgten sie schon in einem Alter, in dem die meisten noch das Trikot ihrer Jugendnationalmannschaft tragen. Kurz - gegen diese drei Stürmerinnen in einem Team würde wohl keine Abwehr gerne freiwillig spielen.
Land: USA Position: Angriff Aktueller Verein: Univ. North Carolina Größte Erfolge: Weltmeisterin 1991 und 1999, Olympiasiegerin 2004 Persönliche Auszeichnungen: US-Fußballerin der Jahre 1993, 2005 und 2006 >> Porträt von 2006
Was die 36-jährige Kristine Lilly im Frauenfußball erreicht hat, ist einzigartig und nur noch äußerst schwer zu toppen. 1991, als damals 20-Jährige, bestritt sie ihre erste WM und wurde Weltmeisterin. Als Stammspielerin - natürlich. 16 Jahre später, im September diesen Jahres, fand die fünfte Frauenfußball-Weltmeisterschaft statt. Kristine Lilly hat alle Turniere begleitet, es war ihre fünfte Teilnahme. Der 14. Juli heißt in Connecticut seit diesem Jahr "Kristine Lilly Day". Wahrscheinlich, und das ist für jeden Liebhaber echter Fußballkunst mehr als schade, war es ihre letzte. Im Spiel um den dritten Platz nahm der ehemalige Nationaltrainer Greg Ryan seine Kapitänin acht Minuten vor Schluss vom Platz, um ihr die stehenden Ovationen des Publikums zu schenken. Mitspielerinnen wie Kontrahentinnen applaudierten, als die US-Fußballerin der Jahre 1993, 2005 und 2006 den Rasen verließ. 2011 bei der WM in Deutschland wäre Lilly bereits 40 Jahre alt. Mit der angedachten Vorverlegung auf Juni statt September käme man ihr schon ein wenig entgegen... Kein Zweifel, ein Abschied dieser bemerkenswerten Fußballerin vor vollen Rängen in Deutschland wäre ein mehr als würdiger Rahmen, bleibt aber vermutlich nur Wunschdenken. Leider. Denn Lilly gehört - fünf Euro ins Phrasenschwein - noch längst nicht zum alten Eisen. Von ihrer Torgefährlichkeit hat sie nichts eingebüßt, ihre Dribblings werden immer noch von vielen Gegenspielerinnen verflucht. Gleichwohl vermochte es jedoch auch die erfahrene Rekordnationalspielerin nicht, dem US-amerikanischen Spiel bei dieser WM Leben einzuhauchen. Da ihr einige wichtige Torvorlagen gelangen, gehörte sie noch zu den Besseren. Doch den Aufgaben einer Kapitänin wurde sie nicht vollends gerecht, konnte ihr Team bei der 0:4-Schmach gegen Brasilien im Halbfinale nicht aufrütteln. In diesem Jahr kommt ihre Nominierung daher etwas überraschend.
Land: USA Position: Angriff Aktueller Verein: Univ. Florida Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2004, WM-Dritte 2003 und 2007 Persönliche Auszeichnungen: US-Fußballerin der Jahre 2003 und 2004, Bronzener Schuh Olympia 2004, WUSA-Rookie (Neuling) 2002 >> Porträt von 2006 Während Lilly in China nur durchschnittliche Leistungen abrufen konnte, schien die zweite Nominierte aus dem Land des hohen Turnierfavoriten den Titeltraum mit ihren Toren fast alleine am Leben zu halten. Ob ihr |
![]() Kristine Lilly (l.) und Abby Wambach mit dem amerikanischen Fußball-Nachwuchs nach dem Titelgewinn beim diesjährigen Algarve Cup. | |
Führungstreffer gegen Nordkorea, ihre beiden Tore beim wichtigen 2:0-Sieg gegen Schweden oder ihr Kopfball, der im Viertelfinale gegen England kurz nach dem Seitenwechsel den Bann brach - Wambach ragte aus einer enttäuschenden US-Mannschaft mehr als positiv heraus. Ihre Direktabnahme aus gut 22 Metern zum 1:0 im Vorrundenspiel gegen Schweden, in dem nach dem Unentschieden zum Auftakt gegen Nordkorea die Weichen gestellt wurden, zählt zu den schönsten Toren dieser WM.
Fast perfekt passte es zur amerikanischen Vorliebe für Heldengeschichten, dass sich Wambach im Auftaktspiel gegen Nordkorea zu Beginn der zweiten Halbzeit am Kopf verletzte und in der Umkleidekabine mehrfach genäht werden musste. Genau in den Minuten, in denen Wambach nicht mitwirken konnte, fielen der nordkoreanische Ausgleichs- und Führungstreffer. Mit Wambach ("Ich habe ihn [den Mannschaftsarzt) angebrüllt, dass er schneller machen sollte, was wohl nicht sehr hilfreich war"), die unbedingt weiterspielen wollte, sei die nötige Stabilität ins US-Spiel zurückgekommen, hieß es später. Man muss diese Beurteilung in ihrer Eindimensionalität nicht teilen, doch dass die WM für die USA ohne eine Abby Wambach vermutlich eine noch herbere Enttäuschung geworden wäre, ist zweifelsohne wahr. Abby Wambach war eine der wenigen US-Amerikanerinnen, die auch bei der WM in China überzeugen konnten. Vor allem ihr Führungstreffer gegen England, nachdem die USA im ersten Spielabschnitt kein Mittel fanden, die von Englands Trainerin Hope Powell taktisch genial aufgestellte Abwehr auszuhebeln, hielt die USA im Rennen. Eine Wambach und zehn Wambach-Klone hätten sich möglicherweise im Halbfinale gegen Brasilien nicht so leicht ihrem Schicksal ergeben, doch so kämpfte die 24-Jährige weitestgehend alleine auf weiter Flur, um mit ihren Treffern zum 1:0 und 2:0 im Bronzematch gegen Norwegen ihrer Mannschaft schließlich doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss zu verhelfen. Vollkommen zu Recht gehört Wambach deshalb auch in diesem Jahr - wie auch Kristine Lilly, Lori Chalupny, Heather O'Reilly und Cat Whitehill - zu den fünf Nominierten bei der Wahl zur US-Fußballerin des Jahres.
Land: Kanada Position: Angriff Aktueller Verein: Vancouver Whitecaps Größte Erfolge: U19-Vizeweltmeisterin 2002, WM-Vierte 2003 Persönliche Auszeichnungen: Kanadas Fußballerin der Jahre 2005 und 2006 >> Porträt von 2005
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Selber hui, Mannschaft pfui - könnte man meinen, dass das auch auf Christine Sinclair zutrifft, da Kanada nach der Vorrunde die Koffer packen musste. Doch weit gefehlt - die Kanadierinnen präsentierten sich in der stärksten Turniergruppe gegen Norwegen und Australien in guter Verfassung. Am Ende fehlt auch ein wenig das Glück, denn um ein Haar hätte Sinclair, deren Stern im Jahr 2002 bei der U19-WM im eigenen Land aufging, nach dem letzten Gruppenspiel gegen Australien als Matchwinnerin gefeiert werden können. In einer umkämpften Partie stand es fünf Minuten vor Schluss 1:1. Ein Punkt, der Kanada nicht reichte. Doch dann setzte Sinclair zum Kopfball an, traf zum 2:1 und sorgte für Riesenjubel bei ihren Teamkolleginnen. Wäre nicht noch die verflixte 92. Minute gewesen, in der Cheryl Salisbury den Kanadierinnen den Knockout verpasste.
Vermutlich hätte Christine Sinclair auf alle neuen Rekorde - sie ist mittlerweile Kanadas erfolgreichste WM-Torschützin und hat mit 24 Jahren bereits die 100er-Länderspielmarke geknackt - liebend gerne verzichtet, um die K.O.-Runde zu erreichen. Doch mit etwas Abstand betrachtet kann Sinclair auch stolz auf sich sein, hat sie ihre Mannschaft trotz mehr als durchwachsener Vorbereitung und mehrere Monate andauernder interner Streitigkeiten zu einer geschlossenen Einheit geformt, die auch den späteren WM-Dritten Norwegen an den Rand einer Niederlage brachte. Anfang des Jahres erschütterte ein Rechtsstreit zwischen drei - mittlerweile - ehemaligen Nationalspielerinnen und Trainer Even Pellerud, respektive dem kanadischen Verband den kanadischen Frauenfußball. Das Trio um Charmaine Hooper hatte dem Verband vorgeworfen, mit Geldgeber Greg Kerfoot gemeinsame Sache zu machen, um die Nationalspielerinnen zu seinem Verein Vancouver Whitecaps zu lotsen. Christine Sinclair ging 2007 wieder einmal auf Rekordejagd. Doch lieber wäre es ihr vermutlich gewesen, nicht schon nach der WM-Vorrunde die Koffer packen zu müssen. Hooper und Co. liefen seitdem nicht mehr für das Team der Ahornblätter auf, Sinclair äußerte sich unmissverständlich: "Wir kamen gut klar, wir waren sogar besser. Ich denke, das Thema ist erledigt. Ich will sie nicht mehr in unserem Team haben." Eine Aussage, mit der sie sich nicht nur Freunde gemacht hat. Dass sie als Kapitänin vor einer klaren Positionierung zurückgeschreckt hätte, kann man ihr jedenfalls nicht vorwerfen.
Einleitungstext
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