![]() |
Wahl zur Weltfußballerin 2007Mit Selbstbewusstsein und Respekt auf der ErfolgsspurAriane Hingst (Deutschland) | ||
Von Rainer Fußgänger05.12.2007 Ariane „Ari“ Hingst hat fast ihr ganzes Fußballerinnenleben in Berlin und Potsdam verbracht. Zu Beginn des Jahres wechselte sie dann mit fast 28 Jahren zum schwedischen Vizemeister Djurgården, mit dem Turbine Potsdam seit den Spielen im Women's Cup vor einigen Jahren eine Art Freundschaft verbindet. „Nach den Spielen gegen Djurgården haben wir noch mit den Schwedinnen lange zusammengesessen und gefeiert, und irgendjemand fragte, ob ich nicht Lust hätte, mal für Djurgården zu spielen“, berichtet Ari. Es dauerte dann doch noch seine Zeit, aber letztlich landete sie in Schweden, einem Land, das sie schon vor ihrem Wechsel gut fand, und mit 27 dachte sie sich „Jetzt oder nie“ und packte im März die Koffer. Statt in der Innenverteidigung - wie in der deutschen Nationalmannschaft - spielte Ari in der gesamten Saison im Mittelfeld von Djurgården, was ihr nach eigener Auskunft richtig Spaß machte. So durfte sie sich auch häufiger als in Deutschland in die Offensive einschalten und erzielte immerhin sechs Saisontore, obwohl sie nicht in allen Spielen dabei war. Immer wieder saß Ari im Flieger nach Deutschland und reiste zu Spielen, Trainingslagern und Leistungstest der Nationalelf – eine sehr intensive Vorbereitung seitens des DFB mit dem bekannten Erfolg der erfolgreichen Titelverteidigung.
Von 2004 bis 2006 durfte Ari als Potsdamer Kapitänin dreimal den DFB-Pokal (hier auf dem Bild 2006) und zweimal den Meisterpott in die Höhe recken.
Position: Abwehr/Mittelfeld Aktueller Verein: Djurgården Damfotboll Größte Erfolge: Weltmeisterin 2003 und 2007, Europameisterin 1997, 2001 und 2005, Olympia-Bronze 2000 und 2004, Deutsche Meisterin 2004 und 2006, Deutsche Pokalsiegerin 2004, 2005 und 2006 Persönliche Auszeichnungen: All-Star-Team der WM 2007 Hätten die Schwedinnen nicht schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten können, wäre es dabei im Viertelfinale wohl zum Spiel gegen Schweden gekommen und zum Duell gegen ihre neuen Mannschaftskameradinnen Sara Thunebro, Linda Forsberg und nicht zuletzt Victoria Svensson. In
|
![]() Ariane Hingst ist eine feste Größe im Nationalteam. Bereits 1997 gewann sie mit 18 Jahren ihren ersten großen Titel. | |
der Umkleidekabine wurde bei Djurgården des öfteren über die mögliche Begegnung geredet und Ariane Hingst zeigte sich dabei immer optimistisch und teilte den Schwedinnen lakonisch mit, dass sie nur gute Erinnerungen an Spiele gegen Schweden habe. Bei Turbine Potsdam trug Ari die Kapitänsbinde, die bei Djurgården Nationalstürmerin Victoria Svensson gehört, was der Deutschen nicht die geringsten Probleme bereitet. Der Verein hat ihr eine Wohnung nur wenige hundert Meter vom Stadion Kristineberg besorgt, und da wohnte sie in der Nachbarschaft der anderen Legionäre Bente Nordby (Norwegen) und Dorte Dalum Jensen (Dänemark). Wichtig ist ihr, dass sie die Möglichkeit hat, neben dem Fußball auch noch andere Dinge zu tun. Die ausgebildete Physiotherapeutin wird wohl, wenn alles klappt, in ihrer zweiten Saison in Schweden in diesem Beruf zumindest zeitweise mit der Eishockeymannschaft von Djurgården arbeiten.
Das schlechte Abschneiden der deutschen Mannschaft im Algarve-Cup, das den Gegnerinnen Hoffnungen machte, dass die Vorherrschaft Deutschlands in internationalen Zusammenhängen beendet werden könnte, hat ihr jedenfalls vor der WM zumindest äußerlich kein Kopfzerbrechen bereitet. Das Selbstbewusstsein mit dem gesunden Respekt vor den gegnerischen Teams, das Ariane in einem Gespräch vor der Abreise nach China vermittelte, war ungebrochen. Dass es dann zur Titelverteidigung ohne Gegentor kommen würde, damit hatte wohl auch sie nicht gerechnet. Die deutsche Abwehr mit der Innenverteidigung aus Annike Krahn und Ariane Hingst hatte entscheidenden Anteil daran, dass die Neid-Truppe in China triumphieren konnte. Und wenn es mal aufs eigene Tor ging, dann retteten der Innenpfosten (wie im Finale gegen Brasilien) oder die überrragende Nadine Angerer.
|
Schon kurz nach der WM hörte man Gerüchte, dass Nadine Angerer auf dem Weg nach Schweden sei. Und es ist wohl nicht abwegig zu vermuten, dass Ariane Hingst hier zumindest für die schwedische Liga und ihren neuen Verein Werbung gemacht haben dürfte. In der nächsten Saison wird daher beim schwedischen Vizemeister neben Ariane Hingst (die wohl in die Innenverteidigung zurückrutschen wird, da Jane Törnqvist den Verein verlassen wird) auch Weltmeisterin Nadine Angerer spielen - und auch Stürmerin Jennifer Meier (vorher QBIK) hat nun einen Zweijahresvertrag in Stockholm unterschrieben. Scherzhaft soll die Äußerung gefallen sein, dass in der Kabine nicht Deutsch gesprochen werden soll und wer weiß, vielleicht wird die deutsche Abteilung im schwedischen Frauenfußball noch größer. Ariane Hingsts Nominierung unter die 26 besten Fussballerinnen der Welt jedenfalls ist hochverdient. Sie hat eine tolle Saison in Schweden gespielt und wurde von den schwedischen Medien sehr positiv bewertet. Im Team ist sie offenkundig aufgrund ihrer Frohnatur sehr beliebt, und wenn Umeå IK den Women's Cup nach Schweden holen sollte, dann wird Ariane Hingst nicht nur in der deutschen Nationalmannschaft international agieren. Nach dem zweiten Jahr in Schweden will Ariane Hingst überlegen, wie es mit dem Fußball weitergeht.
Seit April diesen Jahres trägt Ariane Hingst das Trikot des schwedischen Vizemeisters Djurgården Damfotboll.
Einleitungstext
| |