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Weltfußballerin 2007

Die heimlichen Stars

Die Kandidatinnen aus England und Dänemark

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

01.12.2007

Wenn es um den englischen Frauenfußball geht, ist es immer ein Name, der genannt wird: Kelly Smith. Die Mittelfeldspielerin ist ohne Zweifel eine der genialsten Fußballberinnen der Welt, laut der niederländischen National- trainerin Vera Pauw im vergangenen Jahr sogar die beste überhaupt. Unter die besten Drei bei der World Player Gala hat sie es dennoch wieder nicht geschafft, genau wie die dänische Strippenzieherin Cathrine Paaske-Sørensen.



Kelly Smith

Geburtsdatum: 29. Oktober 1978
Land: England
Position: Mittelfeld
Aktueller Verein: Arsenal LFC
Größte Erfolge:
Uefa-Cup-Siegerin 2007
Engl. Meisterin 1995, 2005-2007
Engl. Pokalsiegerin 1995, 2006, 2007
Engl. Ligapokalsiegerin 2005-2007
FA Women's Shield Siegerin 2007

Für Pauw war der Grund für Smiths fünften Platz im vergangenen Jahr klar: “Sie muss an einer WM teilnehmen.” Dann, so war sich die Niederländerin sicher, würden ihre Fähigkeiten endlich weltweit zur Kenntnis genommen werden. 2007 war nun der Moment gekommen, das erfolgreichste Jahr für den englischen Frauenfußball brachte nach 1995 wieder die Teilnahme an der WM. Im Alleingang hat Smith das Gruppenspiel ihrer Mannschaft gegen Japan gedreht. Und wäre das gesamte Offensivspiel der Engländerinnen so ballsicher, trickreich und antrittsschnell - der Weltmeister käme sicherlich von der Insel.
Doch die Theorie Pauws, die in diesem Jahr ebenfalls nicht für Smith stimmte, zog nicht - erneut hat es die 29-jährige offensive Mittelfeldspielerin nicht unter die besten Drei geschafft. Dabei war sie es auch, die die Fußballwelt bereits im Januar entzückte. Dort nämlich ergriff England die Möglichkeit beim Schopf, beim Vier-Nationen-Turnier in China teilnehmen zu können und Smith spielte so manch eine Gegnerin schwindelig - gerade ihre erste Halbzeit im Spiel gegen Deutschland bleibt in Erinnerung. Ihre Leistung wurde schließlich mit dem Titel als beste Spielerin des Turniers belohnt.

Kelly Smith

Am Ball wie kaum eine andere: Kelly Smith

Doch so erfolgreich das Jahr 2007 für Smith war, so viele Rückschläge musste sie in der Vergangenheit bereits hinnehmen. Verletzungen warfen Englands “Nummer 10” immer wieder zurück,


mal war es eine Knieverletzung, mal ein Kreuzbandriss, 2004 ein Beinbruch und nach ihrer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten zu Arsenal London eine Stressfraktur.
Zwischen 1995 und 2003 spielte Smith in den USA, in denen man ihr nachhaltig ein kleines Denkmal gesetzt hat. Vier Jahre lang kickte sie bis 2000 in der College-Mannschaft der Seton Hall University. Vier Jahre, die gereicht haben, neue Maßstäbe zu setzen. Sämtliche Statistiken der Mannschaft führt Smith mit deutlichem Abstand an, die Torschützenliste sieben Jahre nach ihrer Rückkehr nach England gar noch immer mit 50 Toren Unterschied auf den zweiten Rang. Sie schoss die meisten Tore, gab die meisten Torschüsse ab, gab die meisten Assists. Nur in einer Statistik ist sie weit und breit nicht zu sehen: die der meisten Spiele. Zu oft fiel sie wegen Verletzungen aus. Dass sie dennoch die wichtigsten Rekorde innehat, unterstreicht außerge- wöhnliche Leistung. Derer zu Ehren wird die “Nummer 6”, die Smith all die Jahre trug, in Seton Hall nicht mehr vergeben. Eine Anerkennung, die es bis dato nur für Basketballspieler gab.
Amerikas Ex-Nationalspielerin Brandi Chastain erklärte Smith in diesem Jahr zu einem nationalen Schatz der Engländer. Aber vor allem sei sie viele Jahre das bestbewahrte Geheimnis im Frauenfußball gewesen. Chastain hatte tatsächlich schon früh die Gelegenheit, Smith auf dem Platz gegenüber zu stehen. Nicht nur zu College-Zeiten, auch in den drei Jahren der US-Profiliga WUSA. Zwischen 2000 und 2003 kickte Smith in Philadelphia, Chastain in San José. Aber Smiths Wahrnehmung in Europa? Viel zu lange hat die auf sich warten lassen...

Kelly Smith

Eine echte "Nummer 10": im englischen Spiel läuft alles über Kelly Smith.

Seit 2004 ist sie nun zurück in England und hat sich mit Arsenal und der Nationalmannschaft enorm verbessert und immer mehr in die Öffentlichkeit gespielt. Bleibt abzuwarten, wann sie es als Einzelspielerin endlich schafft, die Lorbeeren zu gewinnen, die sie verdient.

Cathrine Paaske-Sørensen

Geburtstag: 14. Juni 1978
Land: Dänemark
Position: Mittelfeld
Aktueller Verein: Brøndby IF
Größte Erfolge:
Dän. Meisterin 2002, 2004-2007
Dän. Pokalsiegerin 2005
Fußballerin des Jahres 2004, 2006

Richtig die Lorbeeren einheimsen konnte auch Dänemarks Cathrine Paaske-Sørensen noch nicht und hat dabei vieles mit ihrer englischen Kollegin gemeinsam. Wie Smith begann auch die Dänin das Fußballspielen mit den Jungs - anders als die Engländerin suchte Paaske-Sørensen ihr Glück im Collegealter jedoch nicht in den USA, sondern blieb Dänemark in all den Jahren treu.




Nach vielen Jahren, in denen sie weite Anfahrtswege zu ihren Vereinen in Kauf nehmen musste, wechselte die 29-jährige Mittelfeldspielen 2000 zum dänischen Spitzenclub Bröndby IF, mit dem sie alle weiteren Erfolge feiern konnte. Im gleichen Jahr gab sie auch ihr Debüt in der Nationalmannschaft, aus der sie heute nicht mehr wegzudenken ist.

Beim Algarve Cup 2006 wurde Cathrine Paaske-Sørensen als beste Torschützin ausgezeichnet.

Genau wie Smith ist Paaske-Sørensen eigentlich nicht im Sturm beheimatet, gehört aber dennoch zu den torgefährlichsten Spielerinnen ihrer Mannschaft. 85 Länderspiele hat sie bislang absolviert, 23 Mal traf sie ins gegnerische Gehäuse. Das lässt sie in der dänischen Torschützenliste auf den sechsten Platz kommen und in der Gegenwart auf den vierten, denn zwei der vor ihr platzierten Landsfrauen sind nicht mehr aktiv.
Erst vor wenigen Tagen zeigte Paaske-Sørensen im nordischen Duell gegen Schweden um das letzte Olympiaticket einmal mehr ihre Klasse. Sie präsentierte sich ballsicherer und trickreicher als viele ihrer schwedischen Gegenspielerinnen und sie war es auch, die für Dänemark traf. Aber eben nur ein einziges Mal, für die Qualifikation wären wesentlich mehr Tore nötig gewesen.
Dass sie dazu auch in der Lage ist, bewies die gelernte Krankenschwester beim Algarve Cup im vergangenen Jahr. Nach vier Spieltagen in diesem hervorragend besetzten Turnier war sie es, die am Ende als erfolgreichste Torschützin ausgezeichnet wurde. Und das vor sämtlichen Spitzenstürmerinnen, wie Birgit Prinz, Abby Wambach, Marinette Pichon oder Kristine Lilly.
Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum sie am Ende der Saison 2006 zur dänischen Spielerin des Jahres gewählt wurde - bereits zum zweiten Mal nach 2004. Quirlig, torgefährlich und mit intelligenter Spielweise gehört Paaske-Sørensen mit Sicherheit zu den gefährlichsten Mittelfeld- spielerinnen der Welt, die jedoch mit Nationalmannschaft und Verein weiter auf den internationalen Durchbruch wartet. Mit beiden Mannschaften ist sie immer wieder in den höchsten Turnieren vertreten - doch ein Titel sprang noch nie dabei raus, selbst der Sprung in die Finals blieb bislang verwehrt.

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