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Weltfußballerin 2007

"Ich kann gar nicht glauben, wie viel sich geändert hat."

Lisa De Vanna (Australien) im Interview

Von Peter Henkel

06.12.2007

Die Matildas aus "Down Under" zählen zu den positiven Überraschungen der Weltmeiterschaft 2007. Die 23-jähriger Lisa De Vanna aus dem australischen Angriff wurde nicht nur als eine von vier Stürmerinnen in das All-Star-Team der WM2007 gewählt, sondern auch noch mit der Nominierung zur Wahl der Weltfußballerin 2007 geehrt. Wir sprachen mit ihr über die Weltmeisterschaft und die Situation des Frauenfußballs in Australien.

Fans von Lisa De Vanna

Auch im fernen China hat Lisa De Vanna ihre Anhänger.

Foto: Sally Shipard

FanSoccer: Es sind nun einige Wochen seit Deiner Rückkehr von der Weltmeisterschaft in China vergangen. Was denkst Du, mit ein bisschen Abstand, über das Turnier?
De Vanna: Ich hätte nie gedacht, dass ich bei diesem Turnier so eine Wirkung haben könnte, was sicherlich einer starken Teamleistung zu verdanken war. Ich glaube, wir haben überhaupt nicht realisiert, welche Aufmerksamkeit wir während des Turniers zu Hause in Australien hatten. Seit unserer Rückkehr ist das Medieninteresse an den Matildas und der Zukunft des Frauenfußballs in Australien sehr groß. Das ist unglaublich spannend.

Die Matildas haben sich in die Weltspitze gespielt. Wie habt Ihr das erreicht?
Ich denke, wir hatten alle das Gefühl, dass wir dem Rest der Welt beweisen mussten, das wir in der Lage sind, auf dem höchsten Niveau mithalten zu können. Nachdem wir uns nicht für die Olympischen Spiele in Peking im nächsten Jahr qualifizieren konnten, wussten wir, dass wir versuchen mussten uns zu beweisen. Wir sind gut genug, mit den Top-Nationen mitzuhalten. Und das haben wir Gott sei dank auch gezeigt.
Ich war auch einige Monate in England, zum Fußballspielen und zum Arbeiten. Ich konnte dort zwar nicht so konsequent spielen wie ich das vor hatte, aber ich habe trotzdem viel gelernt. Aber das Wichtigste was ich von dort mitgenommen habe, ist zu wissen, was ich als Fußballspielerin erreichen möchte. Natürlich habe ich auch meine Höhen und Tiefen wie andere auch, aber ich habe sehr zielgerichtet für die Weltmeisterschaft trainiert. Wir alle haben das als Team so gemacht.


Außer im Spiel gegen Brasilien hat Dich Tom Sermanni ausschließlich als Joker eingesetzt, weil er denkt, dass Du dann effizienter spielst. Stimmst Du dem zu oder würdest Du nicht lieber von Beginn an spielen?
Ich hatte damit gerechnet, auf der Bank zu sitzen. Ich war schon immer der Joker und es war nie wirklich wichtig für mich, ob ich in der Startelf stehe oder nicht. Wegen der tollen Form unserer Stürmerinnen war ich mehr als glücklich, eingewechselt zu werden. Nach dem Kanada-Spiel hatte ich es im Gefühl, gegen Brasilien von Anfang an spielen zu dürfen. Am Tag vor dem Spiel hat mich Tommy (Tom Sermanni) gefragt, ob ich von Beginn an spielen wolle. Ohne zu zögern, was eher untypisch für mich ist, habe ich zugesagt. Ich war einfach bereit, in der Startelf stehen zu können. Jetzt habe ich auch größeren Respekt für die Spielerinnen, die 90 Minuten durchhalten könnten (lacht)

Von außen betrachtet, wirkt Sermanni wie ein akribischer und gewissenhafter Trainer. Stimmt der Eindruck?
Er ist sehr entspannt. Manchmal verstehe ich den Sinn einer speziellen Trainingseinheit nicht - aber bei Tommy hat alles einen Grund! Ich denke immer, er gibt vor, nicht zu wissen, was vor sich geht, aber ist in Wahrheit über alles informiert. Wir verdanken Tommy und dem Umfeld, das er uns geschaffen hat, sehr viel von unserem Erfolg. Wir wissen alle, wann es an der Zeit ist, uns zu entspannen, aber genauso, wann wir uns voll konzentrieren müssen.

Flagge Australien

Im Viertelfinale hat Brasilien aufgrund einer Fehlentscheidung einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Wart Ihr darüber sehr verärgert, weil Brasilien schlagbar gewesen wäre?
Ja, es wäre ein Freistoß gewesen, weil es nicht im Strafraum war. Wer weiß, ob wir das Spiel hätten gewinnen können, wenn Brasilien dieses Tor nicht erzielt hätte. Es war auf alle Fälle frustrierend, mit 0:2 zurück zu liegen. Aber wir haben uns reingehängt, wie in jedem anderen Spiel bei der WM. (lacht) Ich denke, wir haben den Brasilianerinnen zu viel Respekt entgegengebracht, hätten körperbetonter spielen müssen und haben ihnen zu viel Raum gelassen - und genau dann ist Brasilien gefährlich.

Die WM-Spiele wurden vom australischen Fernsehen übertragen. Gibt es jetzt eine andere Wahrnehmung des Frauenfußballs?
Ich kann gar nicht glauben, wie viel sich geändert hat. Wenn ich mich heute über Fußball unterhalte, sind es nicht die Socceroos (Anm: Australische Nationalteam der Männer), die allen auf den Lippen liegen, es sind die Matildas!


Was denkst Du über Australiens Wechsel zur AFC?
Da gibt es Vor- und Nachteile. Wir haben jetzt mehr Spiele auf hohem Niveau, dafür ist die Qualifikation für große Ereignisse viel komplizierter, als zuvor. Insgesamt überwiegen jedoch die Vorteile. Jetzt erarbeiten wir uns wirklich unseren Platz bei den Weltklasse-Turnieren. Es ist viel besser zu wissen, dass man wirklich verdient hat, dabei zu sein.

Im Unterschied zu vielen Ländern in Europa gibt es in Australien keine nationale Liga. Für welchen Club spielst Du und wie ist der Spielbetrieb organisiert?
Ich habe ein Stipendium vom Western Australian Institute of Sport. Wir haben nicht jede Woche ein Spiel, was extrem nervt. Daher besteht meine Woche meist aus Training und bei den wenigen uns gebotenen Gelegenheiten spielen wir gegen Jungs. Manchmal trainiere ich auch mit ihnen. Aber ich ziehe es vor viel alleine zu trainieren. Insbesondere natürlich, wenn ich wegen meiner Arbeit das Training verpasst habe. Ich hoffe sehr, dass im nächsten Jahr der Spielbetrieb in einer nationalen Liga aufgenommen werden kann.

Die Chancen für eine nationale Liga sind also da?
Ja. In den nächsten Wochen wird es einige kleinere Turniere geben, mit denen man das Publikumsinteresse am Frauenfußball testen will. Ich hoffe sehr, dass die Reaktionen positiv sind und dass dies die FFA (Anm: Australischer Fußballverband) anspornt, die Pläne umzusetzen.

Würde es Dich auch interessieren, einmal ins Ausland zu gehen, um dort zu spielen?
Es würde mich sogar sehr interessieren. Im Moment beschäftige ich mich mit den verschiedenen Optionen. Am liebsten würde ich nach Schweden, aber ich bin mit mehreren europäischen Vereinen im Gespräch. Ich möchte unbedingt gegen Spielerinnen, wie Marta, antreten. Ich habe unheimlichen Respekt vor ihr und will in den nächsten Jahren mindestens genauso gut werden.
Ich werde es meinen Füßen überlassen, möchte aber wirklich, dass in den nächsten Monaten etwas passiert. Ich würde schon im nächsten Jahr gerne im Ausland spielen. Professionelle Fußballerin zu sein wäre großartig!


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