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Kerstin Stegemann
Geburtsdatum: 29.09.1977
Land: Deutschland
Position: Abwehr
Aktueller Verein: SG Wattenscheid 09
Größte Erfolge: Weltmeisterin 2003 und 2007
Olympische Bronzemedaille 2000 und 2004
Europameisterin 1997, 2001, 2005
Deutsche Meisterin 2000 (FCR Duisburg)
 Kerstin Stegemann ist die Zuverlässigkeit in Person in der deutschen Viererkette
Bild: Nora Kruse
Mit Kerstin Stegemann ist eine weitere Abwehrspielerin für die Wahl zur Weltfußballerin nominiert, die sich das gegentorlose Abschneiden der deutschen Elf in China auf die Fahnen schreiben kann. „Miss Zuverlässig” ist einer der Spitznamen, den „Stege” zu recht trägt, denn mit der Präzision einer guten Uhr bringt sie Spiel für Spiel ihre Leistung und läßt kaum einmal eine Gegenspielerin an sich vorbei. „Lunge” würde allerdings auch passen, denn Stegemann hat eine unglaubliche Kondition und bringt auf dem Platz eine Laufleistung, die ihresgleichen sucht. Sechs Jahre lang war Kerstin Stegemann so etwas wie die Seele des Teams vom FFC Heike Rheine, doch nach dem Abstieg von Rheine in der vergangenen Saison wechselte sie zum Aufsteiger Wattenscheid 09, um dort gleich wieder eine Führungsrolle zu übernehmen.
Eine große Rolle im Leben von Kerstin Stegemann spielt ihre Leidenschaft für Pferde. Die Möglichkeit, ihre Pferde und das Fußballspielen in Wattenscheid gut unter einen Hut bringen zu können, waren ein wichtiger Grund, wieso sie die Angebote etlicher Spitzenvereine ausschlug und lieber beim Aufsteiger anheuerte.
 Kerstin Stegemann im Spiel gegen die Niederlande
Mit ihrer Interpretation der Position rechts in der Viererkette steht Kerstin Stegemann für die moderne taktische Ausrichtung, die sich in der Leistungsspitze im Fußball - auch bei den Männern - zunehmend durchsetzt. Außenverteidiger sind heute gleichzeitig auch zweite Flügelstürmer, die eine ganz wichtige Rolle im Angriffsspiel besetzen. Im blinden Verständnis mit Kerstin Garefrekes, mit der sie in Rheine lange zusammen gespielt hat, sorgt Stegemann in der Nationalelf für immensen Druck nach vorne. Dabei kommt ihr nicht nur ihre Kondition zu Gute, mit der sie viele Kilometer entlang der Seitenlinie Spiel für Spiel bewältigt, sondern auch, dass Stegemann genau wie Hingst mehr ist als eine reine Verteidigerin. Im Verein spielt sie meist im Mittelfeld und hat sich dort eine beachtliche Torgefährlichkeit erworben.
Mit derzeit 171 Einsätzen in der Nationalmannschaft ist Stegemann nach Birgit Prinz die Spielerin mit den meisten Einsätzen in der Nationalmannschaft.
Renate Lingor
Geburtsdatum:11.10.1975
Land: Deutschland
Position: Mittelfeld
Aktueller Verein: 1. FFC Frankfurt
Größte Erfolge: Weltmeisterin 2003 und 2007
Olympische Bronzemedaille 2000 und 2004
Europameisterin 2001, 2005
UEFA-Cup-Siegerin 2002, 2006
Deutsche Meisterin 1999, 2001, 2002, 2003 und 2005
Deutsche Pokalsiegerin 1999, 2000, 2001, 2002 und 2003
Portrait von 2005
„Nia!”, rief Renate Lingor in der achten Minute der Verlängerung des WM-Endspiels 2003 in Carson, USA, und zirkelte einen Freistoß genau auf den Kopf von Nia Künzer, die das Leder mit Wucht in die Maschen donnerte. Golden Goal, die deutschen Frauen waren erstmals Weltmeister, wir erinnern uns. Fast genau vier Jahre später, im WM-Finale 2007 in Schanghai war es dann Simone Laudehr, die einen von Renate Lingor getretenen Eckstoß mit dem Kopf
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zum entscheidenden 2:0 im Kasten von Brasiliens Keeperin Andreia versenkte. Es dürfte wohl weltweit nur ganz wenige Personen geben, denen das Kunststück gelang, jeweils im Endspiel der Weltmeisterschaft einen ruhenden Ball so genau auf dem Kopf der Mitspielerin zu platzieren, dass das entscheidende Tor die Folge war. Renate Lingor gehört jedenfalls dazu.
Nach einer von vielen Verletzungen und Rückschlägen geprägten Zeit war Lingor rechtzeitig zur WM-Endrunde wieder fit und brachte eine Leistung, die ihr sicher nicht mehr alle zugetraut hätten. Doch wer die Spiele ihres Vereins, des 1. FFC Frankfurt, regelmäßig verfolgt hatte, wunderte sich nicht. Nicht ohne Grund ist Renate Lingor seit 2003 inzwischen zum fünften Mal in Folge zur Weltfußballerinnenwahl nominiert, 2006 wurde sie am Ende sogar auf den dritten Platz gewählt. Wir haben bereits zur Wahl 2005 ein ausführliches Portrait von Renate Lingor erstellt (s.o.), und deshalb diesmal zur Abwechslung ein kurzes Interview mit ihr geführt:
Renate, wie siehst du eigentlich als Spielerin die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres, haben diejenigen, die die Spielerinnen aussuchen, überhaupt den Überblick?
Also ich finde, die Spielerinnen, die nominiert sind, sind wirklich alle sehr gut. Ich kann nicht beurteilen, wie die Auswahl zustande kommt, aber im Großen und Ganzen stimmt die Auswahl, da fällt mir keine ein, die da jetzt fehlen würde.
Du arbeitest inzwischen beim DFB, was machst du da genau?
Ja, seit etwa eineinhalb Jahren habe ich eine Halbtagsstelle beim DFB in der Abteilung Schulfußball. Meine Aufgabe ist die Qualifikation von Lehrkräften und die Kooperation zwischen Schulen und Vereinen voranzubringen. Das alles macht mir viel Spaß.
Von Fans anderer Vereine habe ich schon die Kritik gehört, das sei eine unfaire Bevorzugung des 1. FFC Frankfurt durch den DFB. Was sagst du dazu?
Maren Meinert, Bettina Wiegmann, Silvia Neid, um nur einige zu nennen, arbeiten auch beim DFB und kommen nicht vom 1. FFC Frankfurt. Ich bin sicher, ich hätte diese Möglichkeit auch bekommen, wenn ich bei einem anderen Verein spielen würde. Ich habe ein abgeschlossenes Studium in diesem Bereich, und habe diese Stelle einfach aufgrund meiner Qualifikation bekommen. Ich hatte das Glück, dass ich mit dem Studium gerade zum richtigen Zeitpunkt fertig war, und das hat dann einfach gut gepasst.
 Renate Lingor hofft, jetzt mal eine Weile von Verletzungen verschont zu bleiben
Bild: Nora Kruse
Du hattest ja immer wieder mal mit Verletzungen zu tun, und warst schon nach der WM 2003 vorsichtig mit deiner Prognose, ob du 2007 wohl noch dabei sein würdest. Jetzt hat es doch geklappt, wie geht es weiter?
Ich schaue nicht zu weit in die Zukunft. Olympia 2008 wäre super. Aber je älter man wird, desto mehr hat man mit vielen kleinen Verletzungen zu kämpfen. Ich will auch mit dem 1. FFC Frankfurt noch viel erreichen. Also ich schaue einfach, wie es nächstes Jahr aussieht, und dann sehen wir mal.
Der 1. FFC Frankfurt liegt ja durch das Unentschieden im Potsdamer Schneespiel zwei Minuspunkte hinter dem FCR Duisburg zurück, wie siehst du jetzt die Chancen für die Meisterschaft in dieser Saison?
Wir müssen halt die Spiele gegen Duisburg gewinnen. Aber es ist insgesamt gut, dass es jetzt enger zugeht und bei den Teams oben jeder jeden schlagen kann, ja auch andere hin und wieder mal gegen „Große” punkten können. Aber natürlich ist unser Ziel die deutsche Meisterschaft
Wie geht es überhaupt weiter mit dem Frauenfußball in Deutschland?
Ich finde es schön, dass sich der Frauenfußball so gut weiterentwickelt. Es kommt viel Nachwuchs nach und findet prima seinen Platz. Ich hoffe, dass dann nach und nach auch mehr Zuschauer kommen und 2011 dann der Höhepunkt einer positiven Entwicklung wird.
 Birgit Prinz hat sich wieder einmal durchgesetzt und kommt zum Schuss
Bild: Nora Kruse
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Birgit Prinz
Geburtsdatum:25.10.1977
Land: Deutschland
Position: Sturm
Aktueller Verein: 1. FFC Frankfurt
Größte Erfolge: Weltmeisterin 2003 und 2007
Vize-Weltmeisterin 1995
Olympische Bronzemedaille 2000 und 2004
Europameisterin 1995, 1997, 2001, 2005
Weltfußballerin des Jahres 2003, 2004
UEFA-Cup-Siegerin 2002, 2006
Deutsche Meisterin 1995, 1998 (FSV Frankfurt), 1999, 2001, 2002, 2003, 2005, 2007 (1. FFC Frankfurt)
Deutsche Pokalsiegerin 1995, 1996 (FSV Frankfurt), 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2007 (1. FFC Frankfurt)
Founders Cup-Siegerin (WUSA) 2002
Supercup-Siegerin 1996 (FSV Frankfurt)
Portrait von 2005
Mit momentan 116 Toren in 173 Länderspielen ist Birgit Prinz Deutschlands Rekordtorschützin. Wobei Rekord ein Wort ist, das die in Frankfurt geborene Prinz gar nicht ständig in Zusammenhang mit ihrem Namen hören möchte. Bescheiden wir sie ist, wird sie nicht müde, die Bedeutung der Mannschaft zu betonen, und dass eine alleine ohne das Team gar nichts gewinnen könne. Doch es ist halt ganz einfach eine Tatsache, dass Birgit Prinz auch aus sehr guten Mannschaften oft noch einen Tick heraussticht und in so manchem Spiel den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht. Auch von Birgit Prinz haben wir bereits bei der Weltfußballerinnenwahl 2005 ein Portrait erstellt, das wir diesmal durch ein kurzes Interview, das wir per mail geführt haben, ergänzen:
Birgit, eine etwas heikle Frage gleich zu Beginn: Wie wertest du den Umstand, dass du letztes Jahr überhaupt nicht nominiert worden warst?
Es gibt viele sehr gute Spielerinnen auf der Welt, da muss Birgit Prinz nicht immer unter den Nominierten sein.
Du hast neben dem Fußball immer noch anderes gemacht, bist ausgebildete Physio- therapeutin und hast auch zeitweise in diesem Beruf gearbeitet. Dabei bist du eine der wenigen Spielerinnen, die vom Fußball allein wenigstens einigermaßen leben könnte. Was hat die Arbeit als Physiotherapeutin für dich bedeutet?
Für mich ist und war es immer wichtig, mir ein zweites Standbein neben dem Fußball aufzubauen. Zusätzlich arbeite ich einfach gerne als Physiotherapeutin.
Jetzt studierst du nebenher noch Psychologie. Wie weit bist du mit dem Studium, wie viel Zeit kannst du da investieren, welche Ziele verfolgst du dabei?
Ich bemühe mich, mein Studium möglichst in der normalen Zeit zu absolvieren und investiere relativ viel Zeit. Derzeit bin ich im 5. Semester
Physio uns Psycho, Körper und Seele, wie hängt das für dich zusammen, was interessiert dich an diesen Themen?
Der Mensch besteht nun mal aus beiden Teilen und beide interagieren ständig miteinander. Besser zu begreifen wie beide zusammen hängen finde ich wirklich spannend!
Hast du schon Pläne für die Zeit nach der Karriere, oder ist das alles noch sehr weit weg?
Pläne habe ich… diese will ich aber nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.
Könntest du dir noch mal einen Wechsel ins Ausland vorstellen, zum Beispiel noch mal in die USA, wenn es dort 2009 wieder eine Profiliga geben sollte, oder auch mal nach Schweden?
Derzeit halte ich es für eher unwahrscheinlich, noch mal ins Ausland zu wechseln, aber man sollte niemals nie sagen!
Wenn du die anderen Spielerinnen bei der WM so betrachtest, wer hat dich dabei am positivsten überrascht (deutsche oder ausländische Spielerin)?
Von den deutschen Spielerinnen wusste ich ja wie gut sie sein können. Ich fand es am faszinierendsten, dass wirklich alle ihre Leistung abrufen konnten als es gezählt hat.
Was denkst du über die Entwicklung im Frauenfußball, geht es dir schnell genug vorwärts, wo siehst du die größten Probleme, was sollte noch getan werden, um weiter zu kommen?
Ich denke, wir befinden uns auf einem guten Weg, sicherlich gibt es noch viele Baustellen, bei denen es möglich wäre sie schneller zu beheben. In diese Diskussion möchte ich mich aber nicht auch noch reinhängen, ich denke hier wurden genug Meinungen bereits geäußert.
Vielen Dank an Renate Lingor und Birgit Prinz für diese Interviews!
Einleitungstext zur FIFA- Weltfußballerinnenwahl
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