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Wahl zur Weltfußballerin 2007Der ferne OstenDie Kandidatinnen aus Asien | ||
Text von Christian Heidler2.12.2007 Da über den Frauenfußball in Asien bei uns allgemein wenig bekannt ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, zuerst die allgemeine Entwicklung kurz darzustellen, bevor ich zu den Kandidatinnen im einzelnen komme. Asien entwickelt sich anders und sein Frauenfußball wiederum anders als der dortige Männerfußball. Während es bei den Männern zwei regionale Zentren gibt, die Golfstaaten und Ostasien, schlägt das Herz im Frauenfußball eindeutig in Fernost. Die Verbände Chinas, Koreas und Japans sind führend auf dem Kontinent. Danach kommt lange nichts, was nicht heißt, es gäbe andernorts keine Entwicklung. So schickt sich Thailand an im Frauenfußball Fortschritte zu machen. Nicht ohne Grund hatte das südostasiatische Land die U 19 Weltmeisterschaft 2004 ausgerichtet. Und auch im Nahen Osten gibt es Bemühungen, die populäre Sportart auch den Frauen und Mädchen zugänglich zu machen wie wir beispielsweise von der Trainertätigkeit Monika STAABs vergangenes Jahr in Bahrein und ihrer aktuellen Arbeit – nach einem Zwischenstop in Pakistan - in Katar wissen.
Trotzdem ist die vorherrschende Wahrnehmung, Asien wäre im weltweiten Vergleich zurückgefallen. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte das Schwächeln der Vorzeigetochter Volksrepublik China sein. 1995 in Schweden als Vierter und 1999 in den USA als Vizeweltmeister präsentierte sich China als eine der Großmächte des Frauenfußballs, 2003 in den USA war aber bereits nach der 0:1 Niederlage gegen Kanada im Viertelfinale Schluß. Ähnlich das Bild bei den Olympischen Spielen: 1996 in Atlanta erkämpfte sich China die Silbermedaille, 2000 in Sydney und 2004 in Athen (0:8! gegen Deutschland und nur 1:1 gegen Mexiko) scheiterte China schon in der Gruppenphase. Das Reich der Mitte machte seither vorrangig durch Trainerwechsel von sich reden und verlor seine Spitzenposition an Nordkorea. So weltabgeschieden Nordkorea ist, so verschlossen zeigte sich auch sein Fußballverband. Werbung für den (asiatischen) Frauenfußball sieht eben anders aus als eine nichtssagende Pressekonferenz wie vor dem WM-Viertelfinale gegen Deutschland... ![]() Die quirlige Han Duan kann am Ball fast alles In seiner Hochzeit waren auch in der übrigen Welt Namen asiatischer Spielerinnen bekannt. Als die FIFA 2001 die erste Weltfußballerin ermitteln ließ, wurden zahlreiche Spielerinnen aus Asien genannt. Das galt auch noch für die beiden Folgejahre. Insbesondere handelte es sich um Chinesinnen wie LIU Ailing, BAI Jie oder LIU Ying. Ganz besonders hervorzuheben ist jedoch SUN Wen, die 2001 auf Platz 2 hinter Mia HAMM aus den USA gewählt wurde. Im folgenden Jahr belegte sie hinter HAMM und Birgit PRINZ dann noch mal den 3. Platz bei der Wahl zur Weltfußballerin. Drei Jahre zuvor bei der WM 1999 wurde SUN sowohl als beste Torschützin als auch als beste Spielerin ausgezeichnet und im Jahre 2002 wurde ihr auch zusammen mit Michelle AKERS der Titel „FIFA-Spielerin des Jahrzehnts“ verliehen. Aber auch die Japanerin Homare SAWA erlangte internationales Ansehen und wurde 2004 zu Asiens Spielerin des Jahres gekürt. In Japan hatte es schon in den 90ern den Versuch gegeben, eine Profiliga zu installieren. Auch unsere jetzige Bundestrainerin erhielt 1994 ein Angebot, blieb dann aber doch in Deutschland, da der DFB Legionärinnen seinerzeit aus dem Nationalmannschaftskader strich. Als später die amerikanische Profiliga startete, war das schon anders. Die WUSA versammelte damals die besten Spielerinnen der Welt und gab auch SUN Wen, BAI Jie und Homare SAWA die Gelegenheit ihr Können unter Beweis zu stellen und Weltgeltung zu erlangen. Die in China ausgetragene fünfte Weltmeisterschaft brachte dem asiatischen Frauenfußball nicht den ersehnten Durchbruch. Weder Gastgeber China noch der selbsternannte Titelanwärter Nordkorea schafften es wenigstens ins Halbfinale, Japan überstand nicht einmal die Gruppenphase. Umgekehrt muß man die Ergebnisse nicht als Enttäuschung werten. Sowohl Nordkorea (vor der WM Nr. 5 der Weltrangliste) als auch China (Nr. 11) kamen unter die besten Acht und scheiterten im Viertelfinale am späteren Weltmeister Deutschland bzw. an Norwegen. Nordkorea hatte bei seiner dritten WM-Teilnahme erstmals die 2. Runde erreicht und wußte auch spielerisch – insbesondere beim Auftakt gegen die USA - zu überzeugen. Nur Japan (Nr. 10) enttäuschte bei seinem Vorrundenausscheiden. Auf welch gutem Weg der asiatische Fußball wieder ist, wurde schon im Vorjahr bei der U 20 WM in Rußland deutlich. Mit |
Die als Weltfußballerin 2007 nominierte Han Duan (dritte von rechts) beim Gastspiel der chinesischen Nationalmannschaft in Deutschland am 1.3.2006 | |
Nordkorea und China hatten zwei asiatische Teams dem Turnier ihren Stempel aufgedrückt. Folgerichtig bestritten beide dann das Finale und auch die beste Spielerin (MA Xiaoxu, China) und die besten Torschützinnen (MA Xiaoxu und Song Hui KIM, Nordkorea) waren Aktive aus diesen Ländern. Und es gibt weitere Initiativen wie den Achtjahresplan des Japanischen Fußballverbandes oder das Bemühen in Südkorea eine Liga mit professionellen Strukturen einzuführen. Auch die Aufnahme Australiens in den Asiatischen Kontinentalverband AFC fördert die Konkurrenz und hebt das Niveau im „erweiterten“ Asien. Zudem gibt es in Asien etwas, worauf man in Europa bislang vergebens wartet: Eine Wahl der Spielerin des Jahres. 1999 handelte es sich noch um einen Sonderpreis, der SUN Wen verliehen wurde, seit 2003 wird Asiens Spielerin des Jahres alljährlich gekürt. Zur regelmäßigen Leistungsschau gehört auch die Auszeichnung einer Auswahlmannschaft des Jahres. In diesem Jahr ging der AFC sogar noch einen Schritt weiter, als losgelöst von der Preisverleihung für die Männer, eine eigenständige, dem Frauenfußball gewidmete Gala veranstaltet wurde. FIFA-Präsident Joseph Blatter ließ es sich nicht nehmen der Premiere in Kuala Lumpur beizuwohnen. In insgesamt 8 Kategorien wurden Ehrungen vorgenommen. Experten hatten zuvor aufgrund von Beobachtungen bei Spielen im Bereich des AFC oder der FIFA Nominierungslisten erstellt und veröffentlicht, ehe sie ihr abschließendes Votum abgaben. In der Kategorie „Asiens Spielerin des Jahres 2007“ wurde Kum Suk RI (Nordkorea) der erste Preis zuteil. Auf den Plätzen folgten Homare SAWA (Japan) und Collette MCCALLUM (Australien). Nominiert waren zudem auch Miho FUKUMOTO und Shinobu OHNO aus Japan, MA Xiaoxu und XIE Caixia aus der VR China, Heather GARRIOCK und Cheryl SALISBURY aus Australien sowie Un Suk RI aus Nordkorea. Auffallend, wie unterschiedlich die Nominierungen zwischen AFC und FIFA ausfallen! Keine der drei Topplatzierten beim AFC findet sich auf der Nominierungsliste zur Weltfußballerin wieder. Umgekehrt ist mit Un Suk RI nur eine FIFA-Nominierte auch von den Experten des AFC in die engere Auswahl gekommen. Wie ist das zu erklären? Verengt sich der Blick der FIFA-Experten vielleicht allein auf die Weltmeisterschaft?
Geburtsdatum: 15.06.1983 Nun aber zu den drei asiatischen FIFA-Nominierten des Jahrgangs 2007, von denen zwei aus der Volksrepublik China kommen, dem Gastgeberland der WM 2007. Selbst gestecktes Ziel der Chinesinnen war der Einzug ins Halbfinale. In der Vorrundengruppe D spielte China zuerst gegen Dänemark. In einer hochklassigen Partie wußte das Team von Marika DOMANSKI-LIFORS über weite Strecken zu gefallen und lag schon mit 2:0 in Führung. Die schußgewaltige LI Jie hatte dabei mit einem sehenswerten Distanzschuß den ersten Treffer der Chinesinnen erzielt. Obwohl Dänemark noch den Ausgleich schaffte, konnte China durch ein Tor kurz vor Schlußpfiff noch den viel umjubelten 3:2 Sieg perfekt machen. In Match 2 war dann Brasilien der Gegner. Trotz einer guten Anfangsphase der Gastgeberinnen waren die Südamerikanerinnen eine Nummer zu groß für China. Am Ende siegte der spätere Finalist mit 4:0. Im abschließenden Spiel gegen Neuseeland mußte ein Sieg her. China war deutlich überlegen und erarbeitete sich zahlreiche Chancen u.a. auch durch die quirlige HAN Duan. Doch es war nicht der Tag der Stürmerinnen. Den Führungstreffer besorgte wieder mal Abwehrchefin LI Jie (diesmal per Kopf), Mittelfeldas und „Spielerin des Spiels“ XIE Caixia sorgte für den 2:0 Endstand.
Geburtsdatum: 08.07.1979 Das Viertelfinale war erreicht, die große Bewährungsprobe hieß nun Norwegen. China zeigte sich abermals mit Offensivdrang, die Skandinavierinnen wußten aber geschickt ihr Tor zu verteidigen. Chinas größte Chance besaß HAN Duan in der 23. Spielminute, doch ihr Schuß aus Nahdistanz konnte von der norwegischen Torfrau noch reflexartig pariert werden. Am Ende reichte Norwegen ein Treffer durch Isabell HERLOVSEN zum Einzug ins Halbfinale. Für China, dessen Team sich noch im Umbruch befindet und mehrere Trainerwechsel zu bewältigen hatte, kam die Weltmeisterschaft noch zu früh um ganz vorne in der Weltspitze mitmischen zu können. |
HAN, die mit der Empfehlung von 95 Länderspieltoren in 129 Auswahlspielen in die WM gegangen war, blieb ein persönliches Erfolgserlebnis versagt. Als erfahrene Spielerin war sie jedoch genauso wie ihre Spielführerin LI Jie eine Stütze der Mannschaft. LIs starke Abwehrleistung blieb auch der Technischen Studiengruppe nicht verborgen. Die FIFA-Fachleute beriefen die 1,74 Meter große Defensivspezialistin, die vor der WM schon auf 191 Einsätze im Trikot der chinesischen Nationalmannschaft verweisen konnte, in das WM-All-Star-Team. Mit den Olympischen Spielen in Peking 2008 steht schon die nächste Herausforderung an. HAN und LI werden sicherlich darauf brennen, noch besser als bei der WM abzuschneiden und ihrem Volk und der Weltöffentlichkeit ihr Ausnahmekönnen zu beweisen.
Geburtsdatum: 01.01.1986 2005 Sun Hui HO, 2006 Kum Suk RI und 2007 nun Un Suk RI, zum dritten mal in Folge gehört eine Spielerin aus Nordkorea zu den Nominierten bei der Wahl zur Weltfußballerin. Kein Zweifel also, Asiens Nr. 1 im Frauenfußball verfügt über ein großes Potential an herausragenden Spielerinnen. Und die Weltmeisterschaft 2007 dürfte auch den nichtasiatischen Freunden des Frauenfußballs vor Augen geführt haben, daß Nordkorea inzwischen selbst zu den führenden Teams der Welt gehört.
Das Unentschieden im hochklassigen Vorrundenspiel gegen den damaligen Weltranglistenersten USA und das erstmalige Erreichen des Viertelfinales, wo Nordkorea trotz einer guten Vorstellung gegen den alten und neuen Weltmeister Deutschland ausschied, waren die eindrücklichsten Arbeitsnachweise der Ostasiatinnen. Bereits 2005 bei der Meisterschaft des Ostasiatischen Regional- verbandes gehörte Un Suk RI als Jungspund zur Stammelf. Bei der Asienmeisterschaft im Juli vergangenen Jahres erzielte RI insgesamt vier Turniertreffer, darunter den 1:0 Führungstreffer im Spiel um Platz 3 gegen Japan. Am Ende siegte Nordkorea in diesem Spiel mit 3:2 und sicherte sich damit die direkte Qualifikation für die WM in China. 2006 feierte die Spielerin aus Sinhung auch ihren ersten großen Titel als sie mit der Juniorinnenauswahl die FIFA U-20-Frauenfussball- Weltmeisterschaft gewann. Im Dezember 2006 folgte mit dem ersten Platz bei den Asienspielen in Doha der nächste Titelgewinn für RI.
Vor der Weltmeisterschaft in China stand 2007 noch die Qualifikation für die Olympischen Spiele von Peking 2008 an. Mit starken Leistungen (u.a. gegen Australien) meisterte Nordkorea diese Aufgabe souverän. Auch bei diesen Spielen gehörte Un Suk RI zu den Leistungsträgerinnen. Persönlicher Höhepunkt war sicherlich der 14:0 Erfolg in Hong Kong, zu dem sie gleich drei Treffer beisteuerte.
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