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FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006Quo vadis, Sandrine Soubeyrand?Sandrine Soubeyrand (Frankreich) | ||
Text und Bilder von Nora Kruse30.11.2006 Sandrine Soubeyrand ist zum ersten Mal unter den zwanzig Nominierten, doch wie viele kennen die Aufräumerin vor der französischen Abwehr? Würde man eine Umfrage starten, fiele den meisten wahrscheinlich eher Marinette Pichon ein, denn sie "ist in Frankreich die einzige, die eine gewisse Popularität aufbieten kann", weiß auch Nationaltrainerin Elisabeth Loisel. Es ist also an der Zeit, die 113fache Nationalspielerin etwas in den Vordergrund zu rücken. Am 12. April 1997 debütierte Soubeyrand im Trikot der „Équipe Tricolore“ und ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Die 33jährige Sportlehrerin vom FCF Juvisy ist im Team von Elisabeth Loisel die klassische "Nummer 6" und räumt vor der Abwehr auf. Ihre Rolle interpretiert sie dabei jedoch häufig recht offensiv und setzt damit um, was die Nationaltrainerin ihrer jungen Mannschaft schon lange versucht anzutrainieren: häufigeren Positionswechsel, um nicht so berechenbar zu sein.
Erstmals aufgefallen ist mir Soubeyrand bei der Europameisterschaft in England im vergangenen Jahr gleich im ersten Spiel gegen Italien: Die Französin bereitete zwei Tore vor, traf mehrmals nur das Metall, zeigte sich als gute Freistoßschützin (wenn auch ohne zählbaren Erfolg) und hielt der Abwehr den Rücken frei. Sie war immer im Zentrum des Geschehens, übernahm Verantwortung, leitete und zeigte vollen Einsatz. Hätte im dritten Spiel gegen Norwegen ihr Treffer kurz vor dem Abpfiff gezählt, wären die Französinnen auch erstmals bei einem großen Turnier über die Gruppenphase hinausgekommen. Verdient hätten sie es bei der Europameisterschaft allemal: es war eine technisch tolle Mannschaft, die Zusammensetzung stimmte und gegen Norwegen hätte man von den Spielanteilen her gewinnen müssen. Aber es ist eben keine Eigenschaft der Französinnen, den Sack zuzumachen, wenn es darauf ankommt. Sandrine Soubeyrand im Zweikampf mit der niederländischen Nationalspielerin Manon Melis Doch bislang konnte sich Frankreich zumindest immer für ein Großereignis qualifizieren und auch die Weltmeisterschaft in China dürfte fest eingeplant gewesen sein, bis die Niederländerinnen ihren Nachbarn gleich im ersten Spiel einen Schock versetzten: Marloes de Boer traf in der 65. Minute zum 1:0 für die "Oranjes". Nachdem auch das Duell mit dem direkten Konkurrenten England nur unentschieden endete, machte man sich in Frankreich Gedanken, denn die Qualifikation stand auf der Kippe. Besonders bitter war dies für die Routiniers Pichon und Soubeyrand, weil beide in China ihre Karriere mit einer Weltmeisterschaft ausklingen lassen wollten. |
Dynamisch: Sandrine Soubeyrand, Frankreichs Abräumerin vor der Abwehr ist auch im Offensivspiel ganz stark! | |
So erklärte Soubeyrand vor dem Rückspiel gegen die Niederlande, dass sie im Falle einer Niederlage ihre Karriere beenden werde, schließlich sei man dann aus dem Rennen um die Qualifikation. Die Französinnen reisten durch die Verletzung von Sonia Bompastor ersatzgeschwächt ins niederländische Zwolle, boten dort jedoch eine Galavorstellung. Hauptdarstellerin: Sandrine Soubeyrand. Nicht nur wegen der Abwesenheit von Bompastor bekam sie von ihrer Trainerin die Kapitänsbinde, es war auch eine Anerkennung seitens Loisel: "Ich wusste, sie würde alles geben und ein phantastisches Spiel abliefern." Recht sollte sie behalten, denn Soubeyrand hielt ihre Mannschaft im Rennen um das Ticket nach China. Sie schaltete sich einmal mehr offensiv ins Spielgeschehen ein, gab von hinten Impulse, setzte zu Flankenläufen an, gab uneigennützig an Mitspielerinnen ab, kam durch die Mitte, spielte ihre Zweikampfstärke aus und schoss Freistöße. Am Ende fuhr Frankreich mit einem 2:0 nach Hause, beide Male ließ es Soubeyrand im Kasten von Marleen Wissink klingeln. Das Ausscheiden in der Qualifikation war aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Es sollte sich alles im direkten Duell mit England entscheiden, das Frankreich gewinnen musste, um aufgrund des direkten Vergleichs nach China fahren zu dürfen. Das Ticket zur Weltmeisterschaft lösten dennoch die Engländerinnen und Elisabeth Loisel stellte sich nach dem Abpfiff einmal mehr schützend vor ihre Mannschaft, die von ihr niemals öffentlich kritisiert wird: "Ich bin unheimlich stolz auf meine Spielerinnen. Sie haben gekämpft, gearbeitet und alles gegeben. Man darf nicht vergessen, dass sie jung sind – sehr jung." Marinette Pichon machte nach dem Abpfiff ernst mit der Ankündigung, ihre Karriere beenden zu wollen, Sandrine Soubeyrand hielt sich etwas bedeckter. Das Testspiel der Französinnen gegen Belgien am 22. November zeigte jedoch, was sich schon herauskristallisierte: sie macht weiter. Elisabeth Loisel dürfte es freuen, schließlich wäre in ihrem Kader sonst keine Spielerin über 30. Eine erfahrene Spielerin, die die Fäden zieht, die jungen Leute antreibt und Ruhe ausstrahlt, ist von Nöten. Dass eine Sandrine Soubeyrand diese Rolle übernehmen kann, ist unstrittig. |
"Sandrine ist eine herausragende Spielerin mit unglaublich viel Erfahrung", erklärt Loisel, die knapp drei Jahre Zeit hat, um ihre Mannschaft auf die Europameisterschaft in Finnland vorzubereiten. Soubeyrand wäre dann 35 Jahre alt, wodurch ihre Entscheidung auch nach hinten losgehen kann. Hätte sie jetzt aufgehört, wäre Frankreich zum echten Umbruch gezwungen gewesen und hätte innerhalb von drei Jahren ein eingespieltes Team aufbauen können. Will Soubeyrand ihrer Mannschaft noch in der Qualifikation helfen und dann aufhören, wird ein großes Loch gerissen. Die Zeit bis zur Europameisterschaft wäre dann nicht mehr ganz so lang, Frankreich hat aber nicht den Unterbau und die Erfahrung, solche Lücken so schnell zu schließen. Noch ein Bild vom Spiel Frankreich - Niederlande: Sandrine Soubeyrand wird von Petra Hogewoning und Marloes de Boer in die Zange genommen Es ist also eine interessante Situation und es bleibt abzuwarten, welchen Zeitpunkt sich Soubeyrand für ihren Rückzug sucht. Elisabeth Loisel ist aber schon jetzt "stolz, seit so vielen Jahren auf eine Spielerin wie sie bauen zu können." Außerdem fehlen nur noch acht Einsätze in der Nationalmannschaft, um den Rekord von Corinne Diacre (121 Länderspiel) einzustellen…
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