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FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006

Fels in der Brandung

Cheryl Salisbury (Australien)

Von Markus Juchem

23.11.2006   Mit ihrer Ruhe und Abgeklärtheit ist die routinierte 32-jährige Verteidigerin ein wichtiger Pfeiler in der australischen Nationalmannschaft.

Der Aufschwung des australischen Frauenfußballs in den vergangenen Jahren ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Cheryl Salisbury. Die 32-jährige australische Rekordnationalspielerin und -torschützin (124 Einsätze, 30 Tore) hat als einzige Australierin an allen großen internationalen Turnieren teilgenommen, für die sich die Quantas Matildas bisher qualifiziert haben. So kann die Spielführerin auf die Erfahrung von drei FIFA-Weltmeisterschaften (1995, 1999, 2003) und zwei Olympischen Fußballturnieren (Sydney 2000 und Athen 2004) blicken.

Schon 2004 war sie in das FIFA All-Star-Team berufen worden, das in Paris im Rahmen der 100-Jahres-Feierlichkeiten des Fußball-Weltverbands gegen Weltmeister Deutschland spielte, vor kurzem wurde sie zu ihrer eigenen Überraschung für die Wahl zur FIFA Weltfussballerin 2006 nominiert.

"Das macht einen schon stolz, denn diese Nominierungen kommen ja nicht von Freunden oder der Familie. Es ist eine Anerkennung für die Arbeit, die man über die ganzen Jahre geleistet hat." Große Chancen rechnet sie sich allerdings nicht aus: "Wenn man in die Geschichte schaut, ist jede Spielerin des Turniers bei einer WM oder Olympischen Spielen eine Stürmerin oder offensive Mittelfeldspielerin, nur ganz selten eine Verteidigerin. Außerdem stehen auf dieser Liste eine ganze Reihe außergewöhnlicher Spielerinnen."

In ihrer langen Karriere, die 1994 als 20-Jährige mit einem Länderspiel und einem Treffer gegen Russland begann, war "Chez" bereits auf fast allen Positionen im Einsatz. So spielte sie bei der WM 1995 in Schweden im Mittelfeld, 1999 in den USA als Stürmerin und 2003 in den USA als Verteidigerin. Eine Position, die sie auch heute noch einnimmt.

Von den Erfahrungen, die sie auf den unterschiedlichen Positionen sammelte, profitiert die Spielerin


von Northern NSW Pride noch heute. "Das kommt mir natürlich zu Gute und es beeinflusst auch, wie ich mit den anderen Spielerinnen zusammen wirke. Man bekommt ein ganz anderes Gefühl dafür, wo die Spielerinnen sich befinden und wie sie dort agieren", so Salisbury.

Flagge Australien

In ihrer australischen Heimatstadt Newcastle begann Salisbury in früher Kindheit Fußball zu spielen. "In unserer Nachbarschaft gab es damals hauptsächlich Jungen. Sommer wie Winter haben wir draußen Fußball gespielt. Einige bevorzugten Rugby, aber Fußball war da für mich als Mädchen schon etwas angenehmer", erinnert sich Salisbury. Als Siebenjährige begann sie im Verein in einer Jungen-Mannschaft. "Ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, ob auch andere Mädchen im In- und Ausland Fußball spielen. Ich war ziemlich naiv."

"Als ich als 17- oder 18-Jährige zur Nationalmannschaft gestoßen bin, hatte ich vorher ja fast nur mit Jungen gespielt, so dass es für mich kein allzu großer Schritt war, in der Nationalmannschaft zu spielen. Als ich dann jedoch gesehen habe, welches Niveau beispielsweise einige der U.S.-Spielerinnen hatten, hat mir das erst richtig die Augen geöffnet."

Erfahrung in Japan und den USA
In der Folge sammelte die 1,79 Meter große Spielerin reichhaltige Erfahrung, u. a. in der japanischen L-League und in der früheren U.S.-Profiliga WUSA, wo sie bei New York Power unter ihrem heutigen Nationaltrainer Tom Sermanni spielte.

Die zweikampfstarke Spielerin mit dem erfahrenen Blick eines alten Hasen vereint die Robustheit einer Verteidigerin mit den technischen Fähigkeiten einer Mittelfeldspielerin und der Schussstärke einer Stürmerin. Als Spielerin ist sie mit den Jahren gereift. "Ich war immer ein schüchternes und ruhiges Kind. In einer Mannschaftsbesprechung habe ich früher nie das Wort ergriffen oder auch nur daran gedacht, mit den Medien zu


sprechen. Mit der Erfahrung und Reife von heute ist es für mich ganz natürlich, dass ich auf dem Spielfeld mit meinen Mitspielerinnen spreche und sie ermutige."

Trotz ihrer bereits lange andauernden Karriere ist die Motivation ungebrochen: "Ich liebe es einfach zu spielen, egal ob im Training oder in einem internationalen Turnier. Und ich bin sehr stolz, dass ich Spielführerin in der Mannschaft bin, denn wenn man älter wird, ist nicht mehr alles selbstverständlich für einen."

Salisbury hat den Frauenfußball in Australien über die Jahre wachsen sehen. „Das Spiel von damals ist mit dem von heute gar nicht mehr zu vergleichen. Der Standard hat sich außerordentlich verbessert. Salisbury hofft, dass sich auch der Nachwuchs von den zunehmenden Erfolgen der Australierinnen motivieren lässt, mit dem Fußball spielen zu beginnen.

"Wenn die jungen Mädchen sehen, dass man sich als Fußballspielerin für Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften qualifizieren kann, werden immer mehr den Sport ergreifen. Sie haben dann Idole, Träume und entwickeln auch Ehrgeiz." Und der Trend zeigt deutlich nach oben. Denn heute schafft man es in Australien bereits, eine wettbewerbsfähige U-17-Nationalmannschaft auf die Beine zu stellen. "Wenn ich diese Spielerinnen sehe, denke ich mir: ‚Verdammt, wäre ich doch nur mit 17 auch schon so gut gewesen.’ Und ich spreche nicht nur von ein oder zwei Spielerinnen."

Auch wenn Salisbury inzwischen zunehmend mit Knieproblemen zu kämpfen hat und so manche Trainingseinheit auslassen muss, will sie zumindest die nächsten beiden Highlights, die Weltmeisterschaft 2007 in China und die Olympischen Spiele 2008 in Peking noch mitnehmen. "Ich habe immer noch die Leidenschaft und den Antrieb, zu spielen und freue mich definitiv schon auf die Olympischen Spiele in Peking. Danach ist es vielleicht Zeit aufzuhören, aber man weiß ja nie!"


Zum Einleitungstext mit den Links zu den anderen Nominierten

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