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FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006

Drei Stars aus Fernost

Duan Han, Xiaoxu Ma und Kum-Suk Ri: Die Nominierten aus Asien

Teil 1

Von Christian Heidler

25.11.2006   Mit 4 Nominierten ist die Asiatische Fußball-Föderation (AFC) noch stärker vertreten als bei der letztjährigen Wahl der Weltfußballerin. Die Australierin Cheryl Salisbury ist freilich keine Asiatin im geographischen Sinne und nur aufgrund des Wechsels des australischen Verbandes von Ozeanien in den AFC dem asiatischen Kontinent zuzurechnen. Somit startet Asien erneut mit einem Trio aus Fernost ins Rennen.

Bemerkenswert ist zweierlei: Von den drei Vorgeschlagenen von 2005 (Sun Hui Ho, Eun Sun Park und Homare Sawa) findet sich heuer keine mehr auf dem Wahlzettel. Auch haben sich die Gewichte verschoben. Stand die Volksrepublik China letztes Jahr noch ohne eine Nominierte da, so wird das Gastgeberland der WM 2007 diesmal mit Duan Han und Xiaoxu Ma gleich zweifach repräsentiert. Nordkorea bleibt durch Kum-Suk Ri auch 2006 mit einer Spielerin auf der Auswahlliste.

Man darf gespannt darauf sein, wie sich die asiatischen Ausnahmespielerinnen im Wettstreit mit den Stars der übrigen Welt schlagen werden, auf welchen Plätzen sie am Ende zu finden sein werden. Interessant sicherlich auch, inwieweit das Votum der Juroren bei der Wahl zur Weltfußballerin mit der Meinung der asiatischen Experten in Einklang stehen wird. Am 29.11.2006 wird nämlich in einem feierlichen Rahmen in Abu Dhabi bekannt gegeben, wer den Titel Asiens Fußballerin des Jahres 2006 zuerkannt bekommt.

Neben der Südkoreanerin Jung-Suk Jung, wurden je zwei Spielerinnen aus China und Nordkorea nominiert. Für China sind dies U 20-Torhüterin Yanru Zhang sowie ihre Teamgefährtin Xiaoxu Ma. Als erstes weibliches Talent überhaupt erhielt Ma zudem noch eine Nominierung in der Kategorie „Jugendspieler des Jahres.“ Mit der Nordkoreanerin Son-Hui Kil ist eine weitere Spielerin unter den Nominierten, die bei der U 20-WM in Rußland ihr Können vor den Augen der Weltöffentlichkeit unter Beweis stellen konnte. Und schließlich ist da noch ihre Landsfrau Kum-Suk Ri, der wie Ma also die Ehre zuteil wurde, sowohl auf kontinentaler als auch auf weltweiter Ebene im Titelrennen zu stehen. Nur die Chinesin Han Duan bewirbt sich ausschließlich um die Krone der Weltfußballerin und nicht als Nachfolgerin für die Japanerin Natasuko Hara, die 2005 den Titel der AFC gewann. Nun aber zu den Portraits der drei asiatischen Nominierten bei der FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006:

Ri, Kum-Suk

Geburtsdatum: 16.08.78
Position: Sturm
Verein: Sobaeksu (Nordkorea)


Dass Nordkorea zu den führenden Nationen im Frauenfußball gehört, sollte sich spätestens seit der U 20 Weltmeisterschaft 2006 auch außerhalb Asiens herumgesprochen haben. Schließlich besiegte Nordkoreas Auswahl nicht nur in der Vorrunde den Titelverteidiger Deutschland, sondern trat auch dessen Nachfolge als Weltmeister dieser Altersgruppe an. Insofern ist es nicht ganz überraschend,


Fans Nordkorea

So jubeln wie beim Gewinn des WM-Titels der U 20 in Russland möchten die fußballverrückten Nordkoreaner gerne auch bei einem guten Abschneiden ihrer Ausnahmefußballerin Kum-Suk Ri bei der FIFA-Wahl zur Fußballerin 2006

Foto: Martin Kochem

nach Sun Hui Ho in 2005 nun erneut eine Spielerin aus der Demokratischen Volksrepublik Korea auf der Nominierungsliste für die Wahl zur Weltfußballerin zu finden. Kum-Suk Ri heißt sie und mit ihren 28 Jahren war sie natürlich nicht unter den Himmelsstürmerinnen von Moskau. Nein, sie ist eine ganz erfahrene Spielerin, deren Name so ziemlich auf jedem Turnier auftaucht, an dem Nordkorea seit 2001 teilgenommen hat.

Flagge Nordkorea

Asienmeister 2001 und 2003 sowie Gold bei den Asienspielen 2002, das sind die bedeutendsten Titel, die KumSuk Ri mit der Nationalmannschaft erringen konnte. Zudem stand sie bei den beiden bisherigen WM-Teilnahmen Nordkoreas im Kader. Doch Ri war nicht einfach nur dabei, sie war schon frühzeitig eine Schlüsselspielerin ihrer Mannschaft. Davon zeugt schon, dass sie 2001 wie 2003 Torschützenkönigin bei den Asienmeisterschaften wurde. Ihre Erfolgserlebnisse feierte sie dabei nicht nur gegen zweitklassige Gegner, nein sie traf auch, wenn es darauf ankam. Nachdem beim Turnier 2001 im Halbfinale mit der Volksrepublik China - mit sieben in Folge gewonnenen Meisterschaften bis dahin die Supermacht im asiatischen Frauenfußball - der Favorit bezwungen werden konnte, stand Nordkorea im Endspiel gegen Japan, in dem Ri einen der beiden Treffer zum 2:0 Sieg beisteuern konnte. 2003 standen nach Abschluß der Asienmeisterschaft stolze 15 Treffer auf ihrem persönlichen Konto, darunter je zwei Tore gegen Japan im Semifinale und China im Endspiel. Zuerst brachte Ri ihre Elf im Finale in Führung um dann in der durch Chinas Ausgleichstreffer erforderlichen Verlängerung einen Handelfmeter nervenstark zum siegbringenden Tor zu verwandeln.

Bei der WM 1999 lediglich Ergänzungsspielerin fürs Mittelfeld, gehörte Ri als Stürmerin vier Jahre später bereits zu den Stützen ihres Teams. Zur Weltmeisterschaft 2003 reiste die 1,70 Meter große Angreiferin schließlich mit einer Empfehlung von 40 Toren aus 65 Länderspieleinsätzen an. Doch wie


schon beim ersten Weltcup mußte Ri ohne eigenen Torerfolg bereits nach der Vorrunde die Heimreise mit ihrer Auswahl antreten. In ihrem Heimatland wurde sie aber dennoch in die Liste der 10 besten Sportlerinnen des Jahres gewählt und bei der Wahl des AFC zu Asiens Fußballerin des Jahres gehörte Kum-Suk Ri zu den drei Nominierten.

Zwar blieben Nordkorea danach die ganz großen Erfolge versagt, doch behauptete sich das Land sowohl bei der Ostasienmeisterschaft 2005 als auch der Asienmeisterschaft 2006 in der Spitzengruppe des kontinentalen Frauenfußballs. Im Halbfinale gegen den großen Rivalen China unterlag die von Kum-Suk Ri als Kapitän angeführte Mannschaft in Australien trotz Überlegenheit in einem großartigen Match unglücklich mit 0:1. Trotz dieser kräftezehrenden Partie und dreier nach Spielende ausgesprochener Feldverweise gegen aufgebrachte Mitspielerinnen, schafften Ri & Co noch einen Sieg im kleinen Finale gegen Japan und sicherten sich damit die direkte Qualifikation für die WM 2007 in China.

Wenig schmeichelhaft klingen die Attribute, die Ri inzwischen angehängt bekommt. Als „Veteran“ oder „altes Schlachtroß“ wird sie mitunter bezeichnet, doch ist das weniger despektierlich denn respektvoll gemeint. Schließlich weiß die mittlerweile 28 Jahre alte Offensivkraft mehr denn je mit überdurchschnittlichen Leistungen zu überzeugen. Neben ihrer großen Erfahrung sprechen insbesondere ihre außerordentliche Schnelligkeit sowie ihre Schuß- wie Kopfballstärke für Ri und als Spielführerin in der Nationalmannschaft muß sie Vorbild für ihre Teamkameradinnen sein. Ihr Werdegang ist typisch für eine Spielerin aus Nordkorea. Mit 14 Jahren begann sie ernsthaft Fußball zu spielen Sie trainierte fortan in einer der drei Fußballschulen des Landes und nahm schließlich ein Studium auf. Auf Vereinsebene trägt sie vermutlich noch immer das Trikot von Erstligist Sobaeksu, einem Klub, der wohl in der Region Pjöngjang beheimatet ist. Ein gutes Abschneiden bei der Abstimmung über die Weltfußballerin 2006 wäre nicht nur für Kum-Suk Ri persönlich eine große Auszeichnung sondern würde auch ihre fußballverrückten Landsleute sehr stolz machen.


Asien Teil 2 (Han Duan und Ma Xiaoxu)

Zum Einleitungstext mit den Links zu den anderen Nominierten

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