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FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006Wer folgt auf Birgit Prinz?Start der Porträt-Serie | ||
Von Katja Öhlschläger 17.11.2006 An Spannung gewonnen hat die Wahl heuer alleine schon durch die Bombe, die am 12. Oktober platzte: dem Tag, an dem die FIFA die Kandidatenliste der Öffentlichkeit präsentierte. Die deutsche Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, die in den letzten drei Jahren auf das oberste Treppchen im Zürcher Opernhaus springen durfte, steht 2006 für die TrainerInnen und Spielführerinnen der FIFA-Mitgliedsländer, deren Votum über die Endausscheidung entscheidet, nicht zur Wahl. Ein bemerkenswerter Vorgang, dessen Gründe sicherlich nicht in Prinz' ebenso seltener wie sympathischer Abneigung gegenüber Rekorden und persönlichen Auszeichnungen zu suchen sind. Bereits seit geraumer Zeit polarisiert die unlängst 29 Jahre alt gewordene Frankfurterin als Person und durch ihre sportliche Leistung. Für die einen - dazu zählt nicht nur, aber auch die weniger informierte Presse, die den Frauenfußball lediglich bei Titelgewinnen oder wahlweise auch bei Skandälchen für die Klatschspalten zur Kenntnis nimmt und Prinz in der nationalen Wahl in für den Frauenfußball schon abträglicher Art und Weise abonnementweise zur Fußballerin des Jahres wählt - ist und bleibt sie eine Ausnahmefußballerin, für andere ist sie völlig überbewert und/oder hat erheblich an Klasse verloren. Dreimal in Folge Weltfußballerin, diesmal nicht einmal vornominiert: Birgit Prinz. "Ausnahmefußballerin" - ein Prädikat, das sie auch heute noch verdient, wo sie in ihrer Vormachtsstellung auf nationaler wie internationaler Ebene vehement attackiert wird - von Spielerinnen, die in den letzten Jahren mindestens zu Prinz aufgeschlossen, für manche ihr auch schon den Rang abgelaufen haben. Dieser Entwicklung und der wachsenden internationalen Breite (die 20 Nominierten kommen aus 15 Nationen) hat nun offensichtlich auch die FIFA Rechnung getragen (siehe auch das Interview mit Tatjana Haenni), indem sie den Weg freigemacht hat für andere Spitzenakteurinnen, die nun in einem erfreulich offenen Wettbewerb das Rennen unter sich ausmachen werden. Ob der radikale Schnitt, die dreimalige Weltfußballerin von vornherein außen vor zu lassen, unangebracht, weil opportunistisch gegenüber der Kritik an Prinz' Dominanz, grenzwertig oder überfällig war, darüber werden auch diesmal wieder die Meinungen weit auseinander gehen. Für eine Spielerin, die noch nie in Schubladen gesteckt werden konnte und wollte, vermutlich nicht die schlechteste Situation.
![]() Die Konstanz in Person: Malin Moström ist die einzige Spielerin, die seit 2001 bei jeder Weltfußballerinnen-Wahl nominiert wurde.
Aber auch andere internationale Größen des Frauenfußballs wie die Schwedin Hanna Ljungberg, die im letzten Jahr Drittplatzierte US-Amerikanerin Shannon Boxx oder die Norwegerin Solveig Gulbrandsen tauchen nicht in der Liste auf - aus verschiedenen und unterschiedlich zu bewertenden Gründen. Ljungberg war wegen eines Zusammenpralls mit der französischen Torfrau Sarah Bouhaddi beim Algarve-Cup für mehrere Monate ausgefallen, dann aber in beeindruckender Manier zurückgekehrt, um mit |
Eine heiße Favoritin: Marta aus Brasilien. | |
ihrem Verein Umeå IK überlegen die Meisterschaft zu gewinnen, sich für die WM zu qualifizieren und gerade erst kürzlich ins UEFA-Cup-Finale einzuziehen. Shannon Boxx ist seit ihrem Kreuzbandriss, den sie sich im Juli im Training mit der Nationalmannschaft zuzog, außer Gefecht gesetzt und fehlt ihrer Mannschaft damit auch beim am Sonntag beginnenden WM-Qualifikationsturnier in den USA. Die schönste Erklärung für ihre ![]() Deutsche Mittelfeldstrategin mit guten Chancen: Renate Lingor (links/gegen die Essenerin Karina Hellmann). Nichtnominierung findet sich bei der Norwegerin Gulbrandsen. Die 25-Jährige war im Sommer zum ersten Mal Mutter geworden und dennoch bereits im Oktober bei den UEFA-Cup-Viertelfinals gegen den FFC Frankfurt als erfolgreiche Torschützin wieder mit von der Partie. Eine alte Bekannte bei den Wahlen zur Weltfußballerin ist die Schwedin Malin Moström. Sie ist die einzige Spielerin, die seit 2001 jedes Mal nominiert war. Zusammen mit der Brasilianerin Marta, die, obwohl erst 20 Jahre alt, immerhin schon fünf Mal in den illustren Kreis der Kandidatinnen aufgenommen wurde, zählt sie zur Meistermannschaft von Umeå IK und steht im UEFA-Cup-Finale. Während sich Moström mit ihrer Nationalmannschaft bereits souverän für die Weltmeisterschaft in China qualifiziert hat, kämpft das Team von Marta gerade in Argentinien beim südamerikanischen Qualifikationsturnier um das WM-Ticket. Und zwar, so sicher ist sich Coach Jorge Barcellos, ohne die Ausnahmespielerinnen Marta und Katia. Nach zwei Siegen in den ersten beiden Spielen kann er sich zunächst bestätigt fühlen und Marta, die derzeit vom US-Club Indiana und zwei deutschen Spitzenclubs umworben wird, sich schon einmal vorsichtig auf ihre zweite WM-Teilnahme freuen, nachdem sie in diesem Jahr von ihrem Verein nicht für die U-20-WM in Russland freigestellt wurde. Erfolge in Verein und Nationalmannschaft können 2006 auch Renate Lingor und Kelly Smith, beide zum vierten Mal nominiert, aufweisen. Mit ihren Nationalmannschaften haben sie die Fahrkarte zur WM bereits sicher und mit ihren Vereinen sind sie auf Meisterschaftskurs. Arsenal gelang in diesem Jahr das Double aus Pokal und Meisterschaft, und seit letzter Woche steht auch ihre erste UEFA-Cup-Finalteilnahme fest. Eine Tatsache, die Lingor neidisch machen dürfte, denn der europäische Titelverteidiger im Vereinsfußball scheiterte bereits im Viertelfinale am norwegischen Meister Kolbotn IL. Gelegenheit für die Vierte der nationalen Wahl zur Fußballerin des Jahres, sich ganz auf Pokal und Meisterrunde zu konzentrieren, wo ihr Verein, der FFC Frankfurt, beste Karten hat, den Pokal am Ende in die Höhe strecken zu können.
Obwohl sie erst 23 Lenze zählt, steht auch die Kanadierin Christine Sinclair schon zum vierten Mal zur Wahl. Beim "Peace Queen Cup" Anfang November wurde sie mit sechs Toren Torschützenkönigin und unterlag den USA erst im Finale mit 0:1. Goldene Torschützin der siegreichen Mannschaft war Kristine Lilly. Die 35-Jährige, die bis auf das vergangene Jahr immer im Kreise der Auserwählten auftauchte, krönte damit ein für sie denkwürdiges Jahr, in dem sie am 18. Januar beim Vier-Nationen-Turnier in China ihr 300. Länderspiel absolvierte und damit eine Marke für die Ewigkeit aufstellte. Fehlt nur noch die Qualifikation für die WM in China - für die favorisierten USA und Kanada. Gut möglich also, dass Christine Sinclair und Kristine Lilly dann wieder aufeinander treffen. Einem möglichen Finale könnten sie dann allerdings gelassen entgegen blicken, denn die Finalteilnahme reicht für die WM-Fahrkarte bereits aus. |
Zum zweiten Mal dabei sind die Französin Laura Georges, die Dänin Cathrine Paaske Sørensen und die Finnin Laura Kalmari. Legionärin Georges spielt bereits seit 2004 mit großem Erfolg für das Boston College. In diesem wurde sie zur Abwehrspielerin des Jahres in der ACC (Atlantic Coast Conference) gewählt, in die Mannschaft des Jahres berufen und ist nominiert für den Hermann Trophy Award, der traditionellen Auszeichnung für die besten College-Spieler und Spielerinnen. Ein perfektes Jahr eigentlich, wenn die Französin im Oktober nicht das bittere Scheitern gegen England im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel hätte einstecken müssen. Eine Erfahrung, die sie mit der Finnin Laura Kalmari teilt, obwohl Kalmari mit ihren 8 Qualifikationstoren (16 hat Finnland insgesamt erzielt) alles für eine erfolgreiche Qualifikation getan hatte. Auch die Finninnen traten am letzten Spieltag zum Showdown an. Gegen Dänemark, die Mannschaft von Cathrine Paaske Sørensen. Damit ging ein durchschnittliches Jahr für Kalmari zu Ende, denn im Pokal schieden die Stockholmerinnen bereits im Viertelfinale aus und mit dem zweiten Platz in der Meisterschaft wurde die direkte Qualifikation für den UEFA-Cup verpasst, sodass man jetzt auf den Konkurrenten UIK hoffen muss, um als zweites schwedisches Team startberechtigt zu sein. Demgegenüber kann sich Paaske Sørensen über Erfolg auf der ganzen Linie freuen. Mit der Natio gelang ihr die WM-Qualifikation (4 Treffer), in der Meisterschaft steht Brøndby Kopenhagen an erster Stelle und mit dem Erreichen des Halbfinals im UEFA-Cup konnten die Däninnen europaweit ein Zeichen setzen. Die Dritte bei Dänemarks Wahl zur Fußballerin des Jahres 2005 (hinter Merete Pedersen und Johanna Rasmussen) hatte daran entscheidenden Anteil, als sie beim Hinspiel gegen Turbine Potsdam ihre Elf bereits nach sieben Minuten in Führung und damit auf die Siegerstraße brachte. Moström, Marta, Lingor, Lilly oder auch Smith - ihnen kann man sehr gute Karten bescheinigen, bis zuletzt im Rennen um die neue Königin des Frauenfußballs zu bleiben. Vielleicht aber bleibt die Nichtnominierung von Birgit Prinz auch nicht die einzige Überraschung der diesjährigen Wahl und es gewinnt eine, die niemand erwartet hat. Wer das sein könnte und wer noch alles zur Wahl steht, das erfahrt ihr in unserer Serie, bei der wir euch viel Spaß beim Lesen und möglichst viele neue Erkenntnisse wünschen.
![]() Derzeit auf Erfolgskurs befindet sich die Dänin Cathrine Paaske Sørensen (r.), hier im Zweikampf mit Potsdams Essi Sainio im UEFA-Cup-Viertelfinale.
Die 20 Nominierten in der Übersicht (grün hervorgehoben die letztjährigen Porträts, blau hervorgehoben folgen nach und nach die neuen): | |