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FIFA-Weltfußballerinnen-Wahl 2006Der neue chinesische Traumsturm?Han Duan und Ma Xiaoxu (China) | ||
Teil 1 (Kum Suk Ri) 30.11.2006
Han Duan
Geburtsdatum: 15.06.1983 Die heute 23-jährige Han Duan hatte gleich ihrer erst 18-jährigen Kollegin Ma Xiaoxu frühzeitig in der Jugendnationalmannschaft für Furore gesorgt und über diese den Sprung in den Erwachsenenbereich geschafft. 2002, damals 19-jährig, sorgte sie mit ihren zwei Treffern im Kleinen Finale der U19-Asienmeisterschaft gegen Nordkorea für den Gewinn der Bronzemedaille. Ein Jahr später gehörte die Angreiferin vom chinesischen Topclub Dalian Shide bereits dem WM-Kader unter dem damaligen und mittlerweile wieder zurückgekehrten Trainer Ma Liangxing an, stand aber noch im Schatten der chinesischen Vorzeigefußballerin Sun Wen.
Als die FIFA-Fußballerin des Jahrhunderts im Anschluss an die Titelkämpfe in den USA, bei denen man bereits im Viertelfinale gegen Kanada ausschied, dann zunächst ihre Fußballstiefel an den berühmt berüchtigten Nagel hängte, sollte die Olympiasaison 2004 für Han Duan den Durchbruch bedeuten. Dementsprechend wichtig für die vergleichsweise große Stürmerin (1,71 Meter) war der traditionell im Januar ausgetragene Four Nations Cup im eigenen Land. In einem gut besetzten Teilnehmerfeld sicherten sich die Chinesinnen durch ein 2:2 im abschließenden Spiel gegen Schweden den zweiten Platz - durch ein Tor der fünf Minuten vor Schluss eingewechselten Han Duan. Olympia konnte kommen - schien es zumindest. Doch eine knüppelharte Vorbereitung und mehrmonatige Kasernierung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Athen ließen die Spielerinnen schon im schlagzeilenträchtigen Auftaktspiel gegen Deutschland (0:8) müde und ausgebrannt wirken. Obwohl es in dieser Partie gerade Han Duan war, die ungeachtet des Spielstands nimmermüde offensive Akzente setzte, fand sie sich im zweiten Spiel gegen Mexiko nur auf der Bank wieder. Der Rest ist bekannt: China schied in der Vorrunde aus, verlor viel internationale Reputation und hatte einen langen Weg vor sich, um bei den beiden großen Turnieren 2007 und 2008 vor der eigenen Haustür wieder internationales Spitzenformat vorweisen zu können.
Im März diesen Jahres gelang Han Duan und Co. in Homburg/Saar ein 1:0-Erfolg gegen den amtierenden Weltmeister um Sonja Fuss (l.).
Derlei Enttäuschungen sind bekanntlich immer Anlass für Veränderungen, bei denen entweder alles umgekrempelt oder auf Altbewährtes zurückgegriffen wird. Im chinesischen Frauenfußball geschah etappenweise beides. Unter Interimstrainer Wang Haiming gewannen die Chinesinnen den Four Nations Cup 2005, obwohl sie den deutschen Frauen im letzten |
Han Duan: eine Spielerin, die es mit der deutschen Abwehr-Konstante Kerstin Stegemann (r.) aufnehmen kann. | |
Spiel mit 0:2 unterlagen - diese hatten aber eine überraschende Auftaktniederlage gegen Australien im Gepäck und blieben in der Endabrechnung hinter den Asiatinnen. Über die spielerischen Defizite konnte dieser Erfolg jedoch nicht hinwegtäuschen, und so folgte auf den Interimscoach Wang Haiming für einige Monate Pei Encai, ehe der chinesische Verband eine größere Lösung ins Auge fasste und umsetzte. Es gelang den Verantwortlichen, Ma Liangxing, der in der Zwischenzeit den Super League Club Shanghai Zhangbong (Männer) trainiert hatte, zu einer Rückkehr in den Frauenfußball zu bewegen, und mit ihm nur kurz darauf auch die legendäre Sun Wen. Dass aus der dadurch ausgelösten Aufbruchstimmung auch zählbar gute Ergebnisse resultierten, dazu hatten die beiden Nominierten in entscheidendem Maße beigetragen. Den Four Nations Cup 2006 schloss man als Zweiter hinter den überragenden USA ab und verlor gegen die Amerikanerinnen erst im Finale mit 0:2 (beide Tore erzielte die ebenfalls nominierte Kristine Lilly). Beim 1:1 gegen Frankreich traf Han Duan, und beim 3:1 gegen Norwegen wirbelten die beiden Kandidatinnen die Abwehr der Skandinavierinnen ein ums andere Mal so durcheinander, dass erkennbar wurde, mit welch durchschlagskräftigem Sturm die gegenerischen Abwehrreihen in Zukunft zu rechnen haben. Das 1:0 erzielte Han nach Vorlage von Ma Xiaoxu selber, für das dritte Tor sorgte dann Ma. Im Juli bei der Asien-Meisterschaft setzte sich der Aufwärtstrend dann fort. Durch ein 4:2 im Finale gegen "Asien-Neuling" Australien im Finale - Han Duan und Ma Xiaoxu egalisierten im Gleichschritt einen 0:2-Rückstand und trafen beide auch beim entscheidenden Elfmeterschießen ins Schwarze - sicherten sich die Frauen von Ma Liangxing den kontinentalen Titel und unterstrichen damit ihren Anspruch auf eine gute Platzierung bei WM und Olympia.
![]() Wenn Ma Xiaoxu antritt, haben ihre Gegenspielerinnen (hier die Kanadierin Selenia Iacchelli bei der U-20-WM) oftmals nur noch das Nachsehen.
Ma Xiaoxu
Geburtsdatum: 05.06.1988 Optimistisch stimmt die Frauenfußball-Freunde Chinas nach dem offenbar endgültigen Rücktritt Sun Wens - sie verletzte sich im Juni schwer und hat mittlerweile den Posten der stellvertretenden Generalsekretärin des Fußballverbandes von Shanghai inne - dabei vor allem das Zusammenspiel von Han Duan und Ma Xiaoxu. Die erst 18-jährige Ma wurde folgerichtig schon nach kurzer Zeit mit den Mechanismen der schnelllebigen Medienlandschaft konfrontiert, als ihr einige Journalisten den ehrenvollen wie belastenden Spitznamen "Sun Wen junior" verpassten. Ein Etikett, auf das die ebenfalls für Dalian Shide aktive Spielerin verlegen bis irritiert reagiert: "Ich weiß auch nicht, was das soll", meinte sie im Vorfeld der U-20-WM gegenüber www.fifa.com über den Vergleich mit der jahrelang erfolgreichen Sun, die Ma zwar als ihr Vorbild bezeichnet, deren Leistung sie im Vergleich zu ihrer bisherigen aber realistisch einordnen kann und lieber bescheiden auf die Verdienste ihrer Mannschaft und die Taktik des Trainers verweist.
Nach einem phänomenalen Jahr, wie es dieses für Ma war, und nach dem Abgang von Sun Wen, |
wird sich die 18-Jährige aber allen Anzeichen nach, ob sie es möchte oder nicht, damit arrangieren müssen, im Zentrum des öffentlichen Interesses zu stehen. Mit zu vielen Ehrungen und Lobpreisungen wurde sie in diesem Jahr überschüttet, angefangen im Januar mit dem bereits erwähnten zweiten Platz beim Four Nations Cup, bei dem sie sich einen Stammplatz im Frauenteam erarbeitete. So richtig für Furore sorgte die Offensivkraft dann bei der U19-Asien-Meisterschaft im April, über die die Qualifikation zur U20-WM in Russland gelang. Die 18-Jährige, die erst mit 11 Jahren in ihrer Heimatstadt Dalian ihre Begeisterung für den Fußball entdeckte, traf im Laufe dieses Turniers sage und schreibe zehn Mal und wurde damit selbstverständlich Torschützenkönigin. Doch Ma traf nicht nur oft, sondern lieferte mit dem Siegtreffer zum 1:0 gegen Nordkorea im Finale auch einen echten "Big Point".
![]() Kam in diesem Jahr aus dem Jubeln kaum mehr raus und bekam prompt den Spitznamen "Sun Wen junior" verpasst: Ma Xiaoxu Weiter ging es in diesem atemberaubenden Jahr mit der Asienmeisterschaft auf Frauenebene. 2003 erstmals in einer Jugendnationalmannschaft eingesetzt und 2005 die Premiere bei den Frauen gefeiert, avancierte die Stürmerin nun bereits zu einer Schlüsselspielerin bei den "Alten". Im Halbfinale gegen Nordkorea war es wie schon im Juniorinnenbereich Ma vorbehalten, die Partie mit einem einzigen Tor zu entscheiden. Und im bereits angesprochenen Finale war auch wieder auf sie Verlass, als ihr der Anschlusstreffer, die Vorlage zum Ausgleich und ein Elfmetertor gelangen. Mit insgesamt fünf Treffern wurde sie Torschützenkönigin und überdies vom Asiatischen Fußballverband zur "Besten Spielerin des Turniers" gewählt. "Beste Spielerin des Turniers" - ein ehrenvoller Titel, der Ma Xiaoxu, quasi als Krönung eines fast perfekten Jahres, auch bei der U20-WM in Russland im September diesen Jahres verliehen wurde. Obwohl die Chinesinnen gegen Nordkorea im Finale mit 0:5 eine herbe Niederlage einstecken mussten, überragte Ma mit ihrem Elan und ihrer Spielfreude, die ihr fünf Tore und zwei Torvorlagen einbrachten. Kein Wunder also, dass bei der Wahl des AFC zu "Asiens Fußballerin des Jahres", die vorgestern in Abu Dhabi die Auszeichnungen verlieh, kein Weg an Ma Xiaoxu vorbei führte. Doch nicht genug der Ehrungen und Superlative, denn die 18-jährige Newcomerin wurde auch mit dem Preis für den "Jugendfußballer des Jahres" ausgezeichnet - eine Ehrung, die bislang männlichen Kickern vorbehalten blieb.
Warten wir also ab, was die für den chinesischen Frauenfußball so bedeutenden Jahre 2007 und 2008 für die beiden Nominierten bringen werden. Für Han Duan vielleicht das erste weltweite Turnier, bei dem sie als Schlüsselspielerin die Rückendeckung ihres Trainers genießt. An der Seite eines 18-jährigen Talents, dem zu wünschen ist, dass es die Last des noch hinzukommenden sportpolitischen Drucks aushält, um seinen Weg gehen zu können. Wenn dieser nicht immer nur zu Superlativen einladen würde, dann wäre das nur normal. Es soll eine 29-jährige deutsche Spielerin, bei der Welfußballerinnen-Wahl ein bekanntes Gesicht, geben, die genau diese Maxime, nichts auf Rekorde und Titel zu geben, entgegen dem Zeitgeist konsequent vertritt. Sicher nicht das schlechteste Vorbild für Ma Xiaoxu.
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