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BuchbesprechungAus der Tiefe des TraumesEine literarische Damenelf präsentiert eine Anthologie vom Fußball inspirierter Texte | ||
Text von Christian Heidler02.05.2006 Zum Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland stapeln sich die Neuauflagen und Neuerscheinungen in den Sportregalen der Buchhandlungen und mit „Aus der Tiefe des Traumes“ ist ein weiteres neues Werk auf den Markt gekommen. Bezeichnenderweise fand ich das Buch mit dem Untertitel „Elf Frauen erzählen Fußballgeschichten“ jedoch bei den Literatur-Taschenbüchern. Der Rückseitentext preist das Buch damit an, die Autorinnen „werden uns beweisen, dass Foulspiel, Pöbelei und die viel beschworene Kunst des Stellungsspiels keinem Geschlecht alleine gehören.“ Das führt die Interessenten aber etwas in die Irre. Dieses Buch vermittelt nämlich weder Ideen und Anregungen zu Spielsystemen oder der Entwicklung des Fußballs noch präsentiert es uns Geschichten von großen Turnieren oder bemerkenswerten Spielen bzw. Spielern. Lediglich Uta-Maria Heims Ein Mann, ein Schrei, ein Tor – Fußball ist nicht unser Leben (Leseprobe1) gibt hier die notwendige Ausnahme von der Regel. Ansonsten geht es um Erzählungen rund um den Fußball. Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen meinen ihren männlichen Kollegen im Fach Fußballerzählung eine deren letzten Männer-Domänen streitig machen zu müssen. Eine tiefergehende Verbundenheit zum Fußballsport scheint dabei mit Annett Gröschner, die u.a. bereits ein Buch zum 1. FC Magdeburg geschrieben hat, lediglich eine Autorin in das Projekt mit einzubringen. Dass mir zudem keine der Frauen als Schriftstellerin ein Begriff war, mag vielleicht meinem Status als Literaturbanausen geschuldet sein. Die Kurzbeschreibung zu den elf in einem Literaturnetzwerk verbundenen Autorinnen weist schließlich viele von ihnen als Trägerinnen der unterschiedlichsten (mir weitgehend unbekannten) Preise und Auszeichnungen aus. Wenn im Untertitel von „Fußballgeschichten“ die Rede ist, dann gilt das offensichtlich in einem weiteren Sinn. Die vom Fußball inspirierten Texte vermitteln eher ein Bild, wie der Fußball in den Alltag der Menschen hineinspielt. Oder wie das Leben der Menschen in den Fußball hineinspielt. Die Erzählperspektive ist dabei zumeist diejenige einer |
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Frau mittleren Alters, die selbst nicht aktiv war oder ist. Zum Beispiel aus Sicht der Mutter eines Fußball spielenden Kindes. Das kann ganz amüsant daher kommen wie bei Dagmar Leupolds Fußball-Mutti in Sechs Vorlagen (Leseprobe2) oder bitterböse wie gleich in der ersten Geschichte. Da stellt uns Sibylle Berg in Halbzeit eine Frau vor, die generell nicht viel von Männern hält und sich dann von ihrem heranwachsenden Sohn entfremdet:
Doch auch wenn die Damen-Elf nicht gerade eine tiefempfundene Liebe zum Fußball zum Ausdruck bringen, zumeist wird die Kritik am Fußball bzw. seinen (männlichen) Fans mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Bei Fanny Müllers St. Pauli gegen Bavaria Leverkusen verrät dies schon der Titel der Geschichte. Die Österreicherin Eva Rossmann wiederum verbindet ihre Koch- und Krimileidenschaft mit dem Ernst-Happel-Stadion und Rapid Wien (Im Untergrund). Sicherlich lassen sich die 170 Seiten des Büchleins leicht in einem Rutsch lesen, doch laden die kurzen, in Stil und Inhalt recht unterschiedlichen Geschichten auch dazu ein, sie etwas auf sich einwirken zu lassen. Das gilt gerade für die ernsteren Erzählungen (Sonne rauf, Sonne |
runter von Antje Rávic Strubel, Hannes und der Ball von Annette Pehnt, Die Fußballfrau von Annett Gröschner). Zudem eignen sich die in sich abgeschlossenen Geschichten für eine kurze Lektüre auf dem Weg zu Schule, Arbeit, Training oder als Betthupferl vorm Einschlafen. Auch als Geschenk ist das mit schlichtem aber originellem Einband versehene Werk ganz gut zu verwenden. Sei es um einen fußballabholden Lesewurm über diesen Umweg unserem Lieblingssport etwas geneigter zu machen oder einen lesefaulen Fußballfan der Literatur wieder etwas näher zu bringen. Der Brückenschlag vom Fußball zur Literatur (und umgekehrt) scheint mir das eigentliche Anliegen dieses von der Nationalen Kulturstiftung und der Bundesregierung geförderten und von literaturhaeuser.net herausgegebenen Buches zu sein. Mit Frauenfußball haben die Geschichten zugegebenermaßen eher weniger zu tun. Allerdings vermittelt das Vorwort (Vor dem Spiel) auch eine Kurzform der Geschichte des Frauenfußballs. Alles in allem bietet „Aus der Tiefe des Traumes“ abwechslungsreiche und kurzweilige Unterhaltung sowie die ein oder andere ungewohnte, vielleicht gar überraschende Sicht auf den Fußball. Ein interessanter Einstieg von schreibenden Frauen in das Fach Fußballgeschichten. Man darf gespannt sein, wie jüngere Autorinnen in fünf oder zehn Jahren das Metier fortentwickelt haben werden. Ich bin mir aber sicher, dass dann in einer Fortsetzung der Frauenfußball mehr Raum einnehmen wird, als in diesem Erstling.
Aus der Tiefe des Traumes | |