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Zwischen WM-Fieber und Alltag

Ein Ausblick in das Jahr 2006

Von Christian Heidler

06.01.2006    Deutschland – Fußball – 2006. Mit dieser Wortkombination kann nur eines verbunden sein: Die Fußballweltmeisterschaft vom 09.06. bis 09.07.2006 im eigenen Lande. Und da haben wir schon den Salat! Es ist eine Weltmeisterschaft im Männerfußball. Diese WM ist gewiß bis zum Sommer das beherrschende Thema und sie wird vermutlich auch noch darüber hinaus sehr präsent sein. Kunst, Wirtschaft, Politik, das ganze öffentliche und private Leben wird schwer von diesem Ereignis geprägt sein, ob nun mit dem Strom schwimmend oder in bewußter Antihaltung. Da stellt sich die bange Frage: Und was ist mit dem Frauenfußball?

Schon der Konföderationen-Pokal vergangenes Jahr stellte den Frauenfußball ganz lässig in den Schatten, verdrängte die Europameisterschaft der Frauen in England aus der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Vermutlich werden sich mehr Menschen an den Wasserschaden im Frankfurter WM-Stadion als an den im Regen von Blackburn errungenen EM-Titel der deutschen Frauen erinnern...

Gut, so was wird sich 2006 nicht wiederholen. Selbst wenn es in Frankfurt wieder sintflutartig regnen und das Dach dem nicht standhalten sollte. Dieses Jahr kann keinem großen Frauenfußballturnier die Show gestohlen werden, denn 2006 ist ein „totes“ Jahr. Keine Frauen-WM, -EM oder Olympische Spiele, kein internationaler Titelkampf im Frauenfußball 2006. Selbst dem UEFA-Cup geht diesjahr der internationale Glanz etwas ab, stehen doch mit dem Titelverteidiger aus Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt zwei deutsche Vereine in den beiden Endspielen.

Kerstin Garefrekes, Sonia Bompastor

Auch für die Saison 2006/07 können packende Duelle im UEFA Cup erwartet werden, wie in dieser Szene zwischen Frankfurts Kerstin Garefrekes und Sonia Bompastor vom französischen Meister Montpellier HSC im Halbfinalhinspiel 2005

Foto: Nora Kruse

Womit wir schon halb beim nationalen Frauenfußball angelangt wären. Auch als Weltmeisterin muß sich Deutschland für die nächste WM erst noch qualifizieren, doch nach den ersten drei Erfolgen in den Gruppenspielen, dürften eigentlich nur noch allergrößte Pessimisten daran zweifeln, die WM 2007 in China könnte ohne die DFB-Auswahl stattfinden. Von den vier Heimspielen bleibt in 2006 nur noch eines auszutragen (11. Mai in Cottbus), ansonsten werden wir auf deutschem Boden nur noch Freundschaftsspiele unserer Natio zu sehen bekommen. Und da das Medieninteresse an der Frauen-Bundesliga noch immer sehr bescheiden ist, bedarf es keiner prophetischen Gaben, sich auszurechnen, dass der Frauenfußball in diesem Jahr in unserem Lande nicht mal ansatzweise im Rampenlicht stehen wird.

Eindeutig ein schlechtes Jahr für uns Frauenfußball-Freunde. Nicht nur, dass König Fußball (männlich!) den Frauenfußball noch mehr in den Schatten stellen wird, als wir es ohnedies gewöhnt sind, wir haben auch keine Trostpflaster, zu denen wir greifen könnten. Bliebe also nur, sich maßlos über die Ungerechtigkeit aufzuregen und der Elf von Ballack & Co ein schmähliches Aus in der Vorrunde zu wünschen? Schließlich ist Frauenfußball doch viel ehrlicher, natürlicher, spielerisch und technisch sehenswerter, mit anderen Worten weitaus schöner und sympathischer als deutscher Rumpelfußball! Nun, lassen wir das einfach mal so im Raume stehen.

Zeichnet einen wahren Fußballfan aber nicht erst mal die Begeisterung an dem Spiel als solches aus, egal ob Bezirks- oder Bundesliga, Jugend oder Senioren, Männer oder Frauen? Da mögen sich dann bei jedem gewisse Vorlieben ausbilden, sei es von der Spielanlage her (Sambafußball, Kampfspiel, taktisch diszipliniert oder frisch und unbekümmert...), entsprechend den Rahmenbedingungen (Event Champions League, Fußball „zum Anfassen“...) oder aufgrund einiger Spieler- oder Spielerinnenpersönlichkeiten.

Ballance 2006

Wie sich Männer- und Frauenfußballvereine gegenseitig unterstützen können, dafür geben die Frankfurter Bundesligisten Eintracht und 1. FFC beim Jugendtag von "Ballance 2006" im Stadion am Brentanobad ein gutes Beispiel

Foto: Thomas Schlimme

Aber eigentlich gehören wir doch alle der großen Familie der Fußball-Liebhaber an. Es schließt sich ja keinesfalls aus, sich sowohl für Frauenfußball als auch für Männerfußball zu begeistern.


Inka Grings, Birgit Prinz, Ralf Scholt, Tina Theune-Meyer

Ein Titel hebt das Medieninteresse (hier stehen Birgit Prinz, Inka Grings und Trainerin Tina Theune-Meyer Ralf Scholt von der ARD nach dem EM-Gewinn Rede und Antwort), doch in 2006 wird es für die Frauennationalmannschaft schwer, Aufmerksamkeit zu erhalten.

Foto: Nora Kruse

Die WM 2006 in Deutschland ist ein großes Fußballereignis, auf das wir uns alle freuen können. Wir werden hoffentlich spannende und schöne Spiele sehen, die eine gute Werbung für diesen attraktiven Sport sind. Fußball, der Lust auf mehr macht. Fußball, der Spaß

Hanebeck, Grings, Chojnacki, Balkenhol, Müller

Blick voraus: Die Meisterschaft im Visier haben Duisburgs Patricia Hanebeck und Inka Grings, noch etwas skeptisch die rot gekleideten Essenerinnen Carina Chojnacki, Jennifer Balkenhol und Barbara Müller (v.l.n.r.)

Foto: Heinz Günter Sporkel

beim Zuschauen bereitet. Fußball, der noch mehr Menschen dazu verführt, selbst der Kugel nachzujagen, hin und wieder in der Freizeit oder regelmäßig im Verein. Diese Fußballweltmeisterschaft kann sicherlich auch dem Frauen- und Mädchenfußball einen großen Schub verleihen!

Die deutschen Frauen sind Welt- und Europameister, die weibliche Jugend international sehr erfolgreich. Sollten wir da nicht selbstbewußt genug sein, den männlichen Kollegen nach vielen Jahren des Darbens auch wieder ein Erfolgserlebnis zu gönnen?

Der deutsche Frauenfußball hat in den letzten Jahren viel erreicht. Auch wenn uns das noch lange nicht genug ist, der Aufschwung kann nicht stetig so steil verlaufen. Vielleicht tut es gut, wenn 2006 zur Konsolidierung genutzt wird, die Arbeit an der Basis weiter vorangetrieben wird. Auf dass 2007 dann um so auffälliger im Zeichen des Frauenfußballs stehe!

Babett Peter, Shelley Thompson

Nachdrängende Jugend: Babett Peter (links) und Shelley Thompson – hier in einem Leistungsvergleich zwischen U19 und U21 – bieten sich auch für die A-Auswahl an

Foto: Nora Kruse

Bis dahin ist aber zunächst viel Alltag angesagt. Aber das schreckt doch einen Fan nicht wirklich, zumal doch genug geboten wird: Ein alljährlicher Höhepunkt ist das Endspiel im DFB-Pokal. Hier könnte es am 29. April zu einer Wiederauflage der Paarung aus den beiden Vorjahren kommen (1. FFC Turbine Potsdam gegen 1. FFC Frankfurt), was die beiden Halbfinalgegner Bayern München bzw. FCR Duisburg nur allzugern verhindern möchten. Trotz einiger erschreckend einseitig ausgegangener Partien, verlief der Pokalwettbewerb 2005/06 insgesamt durchaus interessant. Die reguläre Spielzeit reichte so manches Mal nicht zur Ermittlung eines Siegers aus, und manche Partie nahm einen eher unerwateten Ausgang. Die „eigenen Gesetze“ des Pokals machen sich mehr und mehr breit, so dass auch die neue Runde Spannung verspricht.

Im April stehen auch die beiden Finalspiele im UEFA-Cup zwischen Potsdam und Frankfurt an. Und wer weiß, wer Deutschland dann in der Saison 2006/07 in diesem Wettbewerb vertreten wird? Das hängt ja auch vom Ausgang der Bundesliga ab und da liegt mit Duisburg neben Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt ja noch immer ein drittes Team gut im Rennen. Auch in den beiden 2. Ligen ist für Spannung gesorgt. Sowohl was den Aufstieg als auch was den Klassenerhalt angeht, sind die Würfel längst noch nicht gefallen. Erfreulich auch, wie gut sich die Liganeulinge in der zweithöchsten Spielklasse schlagen.

Auch die Jugendnationalteams müssen sich wieder im internationalen Wettstreit beweisen. Hier ist die im August beginnende U-20 Weltmeisterschaft in Rußland besonders zu erwähnen. Eingeläutet wird das Frauenfußballjahr traditionell mit zahlreichen Hallenturnieren und auch ein international hochkarätig besetztes Feldturnier steht wieder auf dem Terminplan: Ob wir in


diesem März mehr Fernsehbilder vom Algarve Cup aus Portugal zu sehen bekommen als noch im Vorjahr?

Da erst eine Hälfte der Runde 2005/06 bestritten wurde, fällt es schwer schon auf die folgende Spielzeit zu blicken. Einer Saison, die nicht minder interessant werden dürfte. In dieser Zeit wird sich auch der Natio-Kader für die WM 2007 herausschälen und die Teilnehmerliste für das Trainingslager in Spanien beweist, dass Bundestrainerin Silvia Neid durchaus noch vielen Spielerinnen eine Chance einräumt. Auch unterklassig spielende Kickerinnen können dabei den Weg ins Aufgebot finden, wie die Beispiele Martina Müller (Zweitligist VfL Wolfsburg) und Babett Peter (Regionalligist 1. FC Lokomotive Leipzig) zeigen. Entscheidend ist für die Teamchefin, die zielstrebig am Generationenwechsel arbeitet, ob die Spielerinnen mit den im Verein gezeigten Leistungen überzeugen können. Beste Gelegenheit zum Leistungsnachweis bieten dann auch die vier WM-Qualifikationsspiele im August/September. Womit wir wieder beim Thema WM wären. Freuen wir uns einfach auf die Weltmeisterschaften 2006 und 2007 – und auf all die anderen Spiele, die uns der Fußballkalender beschert!

Ausgewählte Termine 2006:

Januar:
14./15.: Hallenturnier in Jöllenbeck (Bielefeld)
21.: Oddset-Cup in Bonn

Februar:
26.: 12. Spieltag der 1. Bundesliga

März:
01.: Freundschaftsspiel der Natio gegen China in Homburg/Saar
05.: 12. Spieltag der 2. Bundesliga
06.-16.: Natio beim Algarve-Cup in Portugal
11.-18.: U 19-Turnier in La Manga (Spanien) mit Spielen gegen Dänemark, Schweden und Norwegen
26.: DFB-Pokal Halbfinale
28.-30.: U20-Lehrgang mit Länderspiel

April:
12.-14.: U19 Länderspielreise in die Schweiz
17.-20.: U17 Länderspiele Dänemark – Deutschland
23./30.: U19 2. Runde der EM-Qualifikation in Slowenien mit Spielen gegen Schottland die Gastgeber und Irland
29.: DFB-Pokal Finale

Mai:
09.-11.: Länderspiel der U21
11.: WM-Qualifikation Deutschland - Irland in Cottbus
20./21.: 1. Endspiel im UEFA-Cup 1. FFC Turbine Potsdam - 1. FFC Frankfurt
27./28.: 2. Endspiel im UEFA-Cup 1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam
30.-02.06.: U17 Turnier in der Schweiz

Navina Omilade, Britta Carlson, Conny Pohlers

Conny Pohlers, Britta Carlson und Navina Omilade feiern 2005 im Berliner Olympiastadion den Gewinn des DFB-Pokals

Foto: Jan Kuppert

Juni:
05.: 22. Spieltag 1. und 2. Bundesliga

Juli:
11.-22.: U19-EM in der Schweiz
14.-23.: U21 Nordic Cup in Norwegen

August:
03.: Testspiel A-Natio gegen Italien
26.: WM-Qualifikation: Irland - Deutschland
17.-03.09.: U 20-Frauen-WM in Russland
30.: WM-Qualifikation: Schweiz - Deutschland

September:
24.: WM-Qualifikation: Schottland - Deutschland
28.: WM-Qualifikation: Russland – Deutschland

November:
23.: 23. Testspiel A-Natio gegen Japan


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