Fußball und FilmJetzt auch Auswärtsspiele!Das Fußballfilmfestival „11mm” geht erstmals auf Gastspielreise | ||
Text von Christian Heidler 06.05.2010 Seit sieben Jahren organisiert der Verein „Brot & Spiele” nun schon das Fußballfilmfestival „11mm” in Berlin und hat sich dabei zu einem Mekka aller Fußballfreunde entwickelt, die ihren Lieblingssport nicht nur aus der Stadion- oder Live-Spielübertragungsperspektive sehen wollen. Und wohl auch zur Überraschung der Organisatoren gibt es solch eine Fülle und Vielfalt an Filmen rund um den Fußball, dass Stoff und Neugier nicht zu versiegen scheinen. Rund 40 Streifen vom kaum zehnminütigen Kurzfilm bis zum abendfüllenden Leinwandepos wurden Mitte März im Filmkunsthaus „Babylon” präsentiert. Darunter so unterschiedliche Angebote wie der englische Spielfilm „Looking for Eric” (von Ken Loach und mit Eric Cantona), der schwedische Kinderfilm „Fimpen, der Knirps” oder der deutsche Kassenschlager „König der Mittelstürmer” von 1927 (Stummfilm mit musikalischer Live-Begleitung!). Und als wäre die Qual der Wahl nicht schon groß genug, befinden sich auch zahlreiche interessante Dokumentationen im Programm, für die hier einmal stellvertretend „Der Zirkus kommt vorbei” genannt sein soll, eine Reportage aus Südafrika, welche die Planungen der FIFA und des südafrikanischen Verbandes in Relation zu den Bedürfnissen und Lebensumständen der Einheimischen setzt. ![]() „Wo dieses Poster zu sehen ist, da kann das Fußballfilmfestival nicht weit sein. Natürlich wird darauf auch das Schwerpunktthema Afrika aufgegriffen.” Apropos Südafrika: Die bevorstehende Männerfußballweltmeisterschaft 2010 war Anlass, den Fußballkosmos Afrika zum diesjährigen Schwerpunktthema zu wählen. Frühere Festivals stellten u.a. England oder den Fußball in der DDR in den Mittelpunkt und 2011 soll es dann der Frauenfußball sein! Die Fußball spielenden Frauen haben die Veranstalter freilich nicht erst für kommendes Jahr entdeckt. So gab es in der Vergangenheit u.a. auch schon „Bend it like Beckham” oder „Football under cover” in den Kinosälen zu betrachten. Und dass neben den Machern auch die Besucher für den Frauenfußball aufgeschlossen sind, das bewies 2008 die Verleihung des |
Rasen und Auswechselbank machen schon von außen deutlich, dass es drinnen um Fußball geht. Das Kino „Babylon” in Berlin-Mitte ist inzwischen Heimspielstätte des internationalen Fußballfilmfestivals | |
|
Publikumspreises an Britta Beckers „Die besten Frauen der Welt.” Auch im aktuellen Programm war der Frauenfußball vertreten. In der Kürze von lediglich 7 Minuten beleuchtete dabei „Girls Dream” die Hoffnungen von Mädchen aus dem Mathare Slum in Nairobi (Kenia) und wie ihnen der Fußball Kraft und Halt gibt. Quasi eine Ergänzung zu Herbert Ostwalds Doku ''Dodo - Zwischen Wellblech und Weltbühne,'' der auch schon auf dem Festival zu sehen war. Aus Afrika berichtete auch der Dokumentarfilm „Mapi Liberia.” Ein einfühlsames Werk über Mädchen und Frauen, die in einem Flüchtlingslager von Liberianern mit dem Training für ein Fußballspiel außerhalb ihres Camps beginnen. Und schließlich feierte da noch mit „Die schönste Nebensache der Welt” ein sehr sympathischer Streifen seine Welturaufführung, der recht humorvoll Einblicke in die weiter zurück liegenden Tage des deutschen Frauenfußballs in Ost und West gewährt – und, dies sei hier nicht verschwiegen, vom Publikum zum drittbeliebtesten Beitrag des Festivals gewählt wurde. Wer nun die Vorführungen in der Hauptstadt nicht besuchen konnte, dem bleibt zumindest noch die Möglichkeit, einen kleinen Festivaleindruck zu gewinnen. Denn erstmals in seiner Geschichte geht das Internationale Fußballfilmfest auf Tournee: Auswärtsspiele von „11 mm” mit Auszügen aus dem Programm soll es demnach zunächst im Mai in Dortmund (12./13.), Köln (14./15.) und Magdeburg (28./29.) geben. Im Juni wird dann in Nürnberg (4.-6.) und Kassel (8.-10.) gespielt, ehe im Herbst die Saison in Frankfurt und Jena ausklingen soll. Dabei wird das mit den jeweiligen Partnern vor Ort abgestimmte Filmangebot sicherlich den ein oder anderen lokalen Bezug haben. So soll „Die schönste Nebensache der Welt”, in dem zahlreiche Protagonistinnen aus dem Ruhrgebiet mitwirken, auch in Dortmund zu sehen sein. Zur Aufführung im Kino im Stadion (Signal Iduna Stadion) am 13.05., 21 Uhr werden auch die meisten Mitwirkenden und einige Filmschaffende erwartet! |
„Nicht schummeln, Liebling” hieß eine Filmkomödie mit den ostdeutschen Schlagerstars Frank Schöbel und Chris Doerk aus dem Jahre 1973, in der sich die Mädels eines fußballverrückten Städtchens entschließen, eine eigene Mannschaft zu gründen. Passend zum Schwerpunkt DDR-Fußball wurden vergangenes Jahr die Festivalplakate mit einem Bild aus diesem DEFA-Streifen versehen. Man beachte die Trikots!
Von weiteren Gelegenheiten die oben genannten oder auch andere Frauenfußballfilme präsentiert zu bekommen, war leider bislang nichts zu erfahren. Dennoch wäre den Veranstaltungen ein zahlreiches Publikum zu wünschen. Vielleicht führt ein reger Zuspruch dann 2011 zu einer Neuauflage der Gastspielreise mit einem umfangreicheren Programm und mit einem ordentlichen Anteil an Filmen rund um die weibliche Seite des Fußballspiels. Schließlich gibt es inzwischen auch im „Subgenre Frauenfußballfilm” ein vielfältiges und reichhaltiges Angebot!
| |