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Qualifikation zur Euro 2013

Mit einem blauen Auge davongekommen

Niederlande – Slowenien 3:1 (1:1)

Bericht von Marion Kehren, Fotos von Marion Kehren und Katrin Müller

07. April 2012 – Vor 3.500 Zuschauern im Stadion De Koel (Venlo) mussten die Zuschauer lange Zeit ausharren, bis die hoch favorisierten Niederländerinnen den Sieg gegen die Underdogs aus Slowenien in trockenen Tüchern hatten. Denn der Tabellenerste der Gruppe 6 tat sich gegen den 62. der FIFA-Weltrangliste äußerst schwer.


Angelika Kirsch, Petra Hauser, Nicole Südholt, Jörg Schemberg

Leider viel zu selten kam es zu solchen Kopfballduellen wie hier zwischen Anisa Rola, Urška Žganec und Manon Melis. Zu selten ließen die Niederländerinnen ihr eigentliche Können aufblitzen und brachten sich dadurch selber in Gefahr. (Foto: Katrin Müller)


Niederländische FansAuf dem Papier schien es eine eindeutige Sache zu werden und so sah man wohl auch den zahlreichen Ausfällen auf Seiten der Oranjes eher gelassen entgegen. Neben Kapitänin Daphne Koster fehlte verletzungsbedingt auch Chantal de Ridder sowie die gelb gesperrte Claudia von den Heiligenberg. Aber auch Slowenien hatte sein Päckchen zu tragen. Mit Trainer Rob Damir saß ein neuer Coach an der Seitenauslinie, der Žižek Darko abgelöst hatte. „Es gibt keinen Zweifel, wer der Favorit in dieser Partie ist. Wir freuen uns auf dieses Spiel und ich möchte, dass jede Spielerin ihre beste Leistung abruft. Es ist wichtig für uns, anders können wir keine gründliche Analyse durchführen um die Fortschritte im Spiel zu bewerten ", so der Coach in einem ersten Statement vor der Partie. Verzichten musste Damir allerdings auch auf die angeschlagene Kapiänin Anja Milenkovic sowie auf Verteidigerin Manja Benak.

Bevor jedoch die Partie angepfiffen wurde, gab es noch einen Grund zum Feiern. Denn mit Sarina Wiegman-Glotzbach (42, 104 Länderspiele) und Marleen Wissink (42, 141 Länderspiele) wurden zwei weitere Spielerinnen in den Kreis der „Bondsridder“ (höchste Auszeichnung eines Fußballers in den Niederlanden) aufgenommen. Bis letztes Jahr wurde diese Ehrung nur den männlichen Fußballerspielern zu Teil wie z.B. Edwin van der Sar, Frank de Boer oder Ruud Gullit. Im letzten Jahr erhielt mit Ex-Nationalspielerin Annemieke Kiesel-Griffioen (156 Länderspiele) erstmals eine Spielerin diesen Titel. Sarina Wiegman-Glotzbach trainiert derzeit das Frauenteams von ADO Den Haag, Marleen Wissink arbeitet aktuell als U15-Nationaltrainerin der Juniorinnen. FanSoccer gratuliert recht herzlich!

Sarina Wiegmann-Glotzbach, Marleen WissinkDie Oranjes zeigten sofort nach Anpfiff wer der Herr im Haus sein sollte und schnürten die Gäste förmlich in der eigenen Hälfte fest. Nach drei Minuten schoss Duisburgs Neuzugang Lieke Martens (im Ligabetrieb nicht spielberechtigt)  noch knapp am Tor vorbei, aber wenige Minuten später sorgte Maayke Heuver für den ersten Torjubel an diesem Abend und für ihr erstes Tor in der Nationalmannschaft. Nach einer schönen Vorlage von Manon Melis lies sie sich nicht lange bitten und netzte ein. Alles schien nach Plan zu laufen, allerdings taten sich die Niederländerinnen in der Folgezeit recht schwer. Ungenaue Pässe, Einfallslosigkeit und Unkonzentriertheit sorgten dafür, dass die Niederländerinnen ihr eigener, größter Gegner waren und daher die vielen Chancen nicht genutzt wurden.

Erst nach knapp 20 Minuten schafften es die Sloweninnen einmal kurz über die Mittellinie zu blicken, bevor das Powerplay der Oranjes weiter vollzogen wurde. Doch die drückende Überlegenheit wurde weiterhin nicht genutzt. So kam was kommen musste! Während mittlerweile das halbe Stadion in eine Art Dämmerschlaf zu verfallen schien, nutzte Sloweniens Kapitänen Mateja Zyer einen fatalen Fehler der viel zu weit vor dem Tor stehenden Keeperin Loes Geurts kaltschnäuzig aus, indem sie mit einer Bogenlampe über mehr als 30 Meter zum 1:1 ins niederländische Gehäuse traf. Die Niederländerinnen völlig geschockt wussten gar nicht wie ihnen geschah, während die Gäste etwas Selbstvertrauen tankten.

Urška Žganec, Lieke MartensEs schien fast, als hätte Trainer Roger Reijners in der Halbzeitpause die richtige Sprache gefunden, denn binnen drei Minuten wiesen die Niederländerinnen mit Martens, Melis und Bito gleich drei gute Tormöglichkeiten vor. Allerdings sprang wieder nichts Zählbares dabei raus. Nach wie vor stand Sloweniens Abwehr hervorragend und lies sich auch nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Aber auch die Gäste änderten ihre Taktik und kamen nun vereinzelt gefährlich vor das Tor der Oranjes. Nach einer Ecke von Zver landete der gut platzierte Kopfball von Andreja Nikl in den Armen von  Loes Geurts. Kirstin van de Ven scheiterte gleich mehrfach auf niederländischer Seite, hatte aber in der 70. Minute doch das Glück auf ihrer Seite. Ein Freistoß von van den Berg segelte an die Querlatte und von dort direkt vor die Füße von Kirstin van de Ven, die den Ball nur noch einnetzen musste.

Die Sloweninnen gaben nicht auf und kämpften munter weiter und es entwickelte sich zeitweise eine ausgeglichene Partie, sehr zum Schaden der Niederländerinnen, denn das war wahrlich keine Werbung in eigener Sache. Es dauerte bis zur 80. Minute, bis Linköpings Stürmerin Manon Melis dem Spuk ein Ende setzte. Melis nutzte einen Abklatscher von Torhüterin Lucija Mori schamlos aus und vollendete zum 3:1 Endstand. Der niederländische Coach Roger Reijners zeigte sich in der Pressekonferenz relativ gelassen. "Das primäre Ziel war es, dieses Spiel zu gewinnen und das ist uns gelungen. Allerdings ist es auch ebenso bedauerlich, dass wir aus den zahlreichen Chancen nicht mehr gemacht und nach dem Führungstreffer nicht nachgelegt haben. Allerdings muss man auch zugeben, dass uns Slowenien mehr beschäftigt hat als vermutet.“

Die Niederländerinnen verweilen weiter auf Platz 1 in der Tabelle der Gruppe 6. Spannend wird es allerdings am 17. Juni werden, denn dann trifft man auf den stärksten Gegner in dieser Gruppe – auf England!


Stadion De KoelTeam ElftalenSlowenien


Dyanne Bito, Kaja ErzenOranja FanManon Melis, Anisa Rola


Stenogramm:

Niederlande:
Loes Geurts - Dyanne Bito, Leonne Suzanne Stentler, Mandy van den Berg, Petra Hogewoning, Anouk Hoogendijk, Kirsten van de Ven, Sherida Spitse, Manon Melis, Maayke Heuver, Lieke Martens (76. Sylvia Smit)

Slowenien:
Lucija Mori – Ines Špelič (46. Pamela Begič), Anisa Rola, Luzija Grad, Andreja Nikl, Mateja Zver, Fata Salkunič (87. Katja Nežmah), Tanja Vrabel (63. Natalija Golob), Kaja Eržen, Urška Žganec, Tjaša Tibaut

Tore:
1:0 Maayke Heuver (8.)
1:1 Mateja Zver (31.)
2:1 Kirsten van de Ven (70.)
3:1 Manon Melis (81.)

Gelbe Karten:
- / Mateja Zver, Urška Žganec, Tjaša Tibaut

Schiedsrichterinnen:
Marte Sørø (NOR) mit Vibeke Larsen (NOR), Monica Lokkeberg (NOR)

Zuschauer:
3.500


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de und www.kapixblog.net



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