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Qualifikation zur Euro 2013

Fußballkrimi in Zwolle

Niederlande - England 0:0 (0:0)

Bericht Marion Kehren, Bilder Katrin Müller

30. Oktober 2011
– Die Stimmung im fast ausverkauften FC Zwolle Stadion war gigantisch. Die Akteurinnen auf dem Platz ließen keinen Wunsch offen und servierten den 9.200 Zuschauern einen Fußballkrimi par excellence!

Manon Melis, Karen Bardsley, Casey Stoney

Der Sturm ging vorwiegend auf ein Tor, auf das der Engländerinnen. Dank der guten Leistung von Torfrau Karen Bardsley hielt die Null stand, denn oftmals waren die Oranjes, wie hier Manon Melis von der Abwehr nicht aufzuhalten.


Marloes de Boer, Annemieke Kiesel-GriffioenDer Zuschauerandrang lies erahnen welch einen hohen Stellenwert die Partie gegen England haben sollte. Nur ein einziges Mal in der Geschichte des niederländischen Frauenfußballs gab es in einer Partie mehr Zuschauer: Im Jahr 2001 gegen Deutschland im Arke Stadion des FC Twente! Aber das war Schnee von gestern. In der heutigen Partie ging es schlichtweg um die Rangfolge der Gruppe 6. Die Niederländerinnen, die bei der vergangenen EM im Halbfinale gegen eben jenen Engländerinnen ausschieden, hatten nun die Gelegenheit schlechthin diese Schmach zu rächen. Aber bevor das Spiel starten sollte wurden erst einmal mit Annemieke Kiesel-Griffioen und Marloes de Boer zwei verdiente Nationalspielerinnen der Niederlande verabschiedet. Die ehemalige Bundesligaspielerin Kiesel-Griffioen wurde zudem zum „Bondsridder“ (Verbands-Ritter) geschlagen und für ihre außergewöhnliche Leistung von 151 Länderspielen geehrt. In den Niederlanden gibt es weder im Männer- noch im Frauenfußball einen Spieler mit mehr Länderspielen.


Ohne große Umschweife begann ein rasantes Spiel, welches bis zum Schlusspfiff kaum an Tempo verlieren sollte. Die Niederlande wollte den absoluten Sieg und bestimmte die Partie nach Belieben. England kam kaum zum Zuge obwohl das Team um Kult-Trainerin Hope Powell punkten musste, um nicht gänzlich den Anschluss an die Tabellenführung (nach der blamablen Vorstellung in Serbien) zu verlieren. Die Oranjes spielten die Three Lions förmlich schwindelig. Nach einem schönen Doppelpassspiel zwischen Kirsten van de Ven und Sylvia Schmit scheiterte Stürmerin Manon Melis vom neuen Schwedischen Meister Malmö nur knapp (15. Minute). Eine Minute später war es wieder Melis, aber dieses Mal scheiterte sie an Englands Nationalkeeperin Karen Bardsley. Bardsley übrigens hatte an diesem Tag mächtig viel zu tun, während Loes Geurts in den ersten 45 Minuten eine ruhige Kugel schieben konnte. Das Spiel der Niederländerinnen war schön anzusehen. Wie aus dem Lehrbuch ließen sie den Ball einfach durch die Reihen laufen und kombinierten gut, während die Engländerinnen augenscheinlich ihre Probleme hatten… ob es vielleicht am Kunstrasen lag, bleibt einmal dahin gestellt.


Das niederländische Pressing ging munter weiter, wobei die Rachel Unittniederländische Kapitänin Daphne Koster mit ihren genialen Pässen immer wieder für ein vorzügliches Aufbauspiel von hinten sorgte. Ein eklatanter Abwehrfehler von Sophie Bradley lies ein Raunen durch das Stadion gehen, als diese das Spielgerät direkt vor den Füßen von Melis platziert. Diese war aber viel zu überrascht um die Einladung anzunehmen. Erst nach mehr als 32 Minuten schafften es die Three Lions gefährlich vor dem Tor von Loes Geurts aufzutauchen, aber Casey Stoneys Schuss wird abgefälscht und so versiegte diese Möglichkeit im Nirwana. Nur sehr selten drangen die Engländerinnen wirklich gefährlich in die gegnerische Hälfte vor. Hope Powell tobte an der Seitenauslinie und wäre wohl am liebsten auf den Platz gelaufen um ihrem Team zu helfen. Die letzten Minuten vor Ende der ersten Halbzeit war es der berühmt berüchtigte Sturm auf ein Tor – das der Engländerinnen. Schon lange hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Sitzen, die frenetischen Anfeuerungen schallten durch das Stadion und trugen ihre Oranjes immer weiter zu Höchstleistungen.

Der Hexenkessel von Zwolle trug spätestens Anfang der zweiten Halbzeit seinen Namen zu Recht. Erst foulte Keeperin Geurts Fara Williams unnötigerweise im Strafraum und kassierte dafür zu Recht die gelbe Karte aus den Händen von Deutschlands Vorzeigeschiedsrichterin Bibiana Steinhaus und England wurde ein Strafstoß zugesprochen. Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Zuschauer ging der Pfiff der Unparteiischen unter, die sensationelle Reflexbewegung von Geurts aber nicht. Sie parierte den Strafstoß von Williams mit Bravour und wurde danach wie eine Heldin gefeiert. Im direkten Gegenzug scheiterte Melis einmal mehr an Bardsley, bei der sich die Mannschaft wirklich bedanken konnte, denn ihre Paraden waren teilweise sensationell.

Von nun an ging es Schlag auf Schlag und selbst die mediale Journalistenwelt hatte alle Mühe sich noch auf die Arbeit zu konzentrieren so intensiv wurde die Partie von beiden Seiten geführt. Großes Glück hatten die Three Lions in Minute 59 als gleich zwei Mal binnen einer Minute das Leder and den Pfosten krachte und nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte. Schon längst wäre die Führung für die Oranjes verdient gewesen, aber das 0:0 hatte immer noch Bestand. Während Powell immer wieder mit dem Schiedsrichtergespann haderte und kurz vor einem Platzverweis stand, zauberten die Niederländerinnen weiter was das Zeug hielt. Eine kleine fünfminütige Schwächeperiode der Niederländerinnen konnte von den Engländerinnen durch Rachel Yankey und Alex Scott nicht genutzt werden. Die Elf von Trainer Roger Reijners blies zehn Minuten vor Abpfiff zur Schlussoffensive und die Gäste hielten so gut es ging dagegen. Englands Abwehr hatte am heutigen Tage ein Sonderlob verdient, denn ohne die tolle Arbeit von Rachel Unitt und Co hätte das Spiel auch gut ins Auge gehen können.


Hope PowellStimmen zum Spiel:

Hope Powell (Nationaltrainer England): „Es war ein sehr, sehr hart umkämpftes Spiel. Wir sind hierher gekommen um zu gewinnen, aber letztendlich können wir froh sein gegen eine solch starke Mannschaft einen Punkt geholt zu haben. Unserer Defensive wurde alles abverlangt und wir haben offensiv viel zu wenig gezeigt. Für uns war es wichtig hier nicht zu verlieren.

Roger Reijners (Nationalcoach Niederlande): „Es war ein tolles Spiel von beiden Seiten. Zu Beginn des Spiels waren wir doch recht nervös, aber dann haben wir es gut kombiniert. In vielen Phasen des Spiels haben wir dominiert, aber leider keinen Erfolg erzielen können. England hat eine gute Mannschaft mit großartigen Spielern von denen ständig Gefahr ausgeht. Viel Glück hatten wir natürlich bei dem Strafstoss. Ich bin jetzt schon auf das Rückspiel gespannt, dass wird bestimmt ähnlich spannend werden.“





Dyanne Bito, Jessica ClarkeKirsten van de Ven, Rachel Yankey



Stenogramm:

Niederlande:
Loes Geurts - Dyanne Bito, Daphne Koster, Mandy van den Berg, Claudia van den Heiligenberg, Anouk Hoogendijk, Sylvia Smit, Sherida Spitse, Manon Melis, Kirsten van de Ven, Lieke Martens (69. Chantal de Ridder)

England:
Karen Bardsley - Alex Scott, Rachel Unitt, Jill Scott, Sophie Bradley, Casey Stoney, Jessica Clarke (46. Stephanie Houghton), Fara Williams, Ellen White, Karen Carney, Rachel Yankey

Tore:
keine

Gelbe Karten:
Guerts / Williams

Schiedsrichterin:
Bibiana Steinhaus mit Katrin Rafalski und Christina Biehl (als GER)

Zuschauer:
9200





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