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Qualifikation zur Euro 2013

Neidelf mit ansprechender Leistung

Deutschland - Schweiz 4:1 (1:0)

18.09.2011
Text und Bilder von Sascha Pfeiler

Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einer guten Leistung in der Augsburger SGL-Arena in die Qualifikation zur EURO 2013 gestartet. Nach Toren von Fatmire Bajramaj (2x), Linda Bresonik und Martina Müller siegte der Viertelfinalist der WM mit 4:1 gegen die Schweiz. Den Ehrentreffer für die Eidgenossinnen erziehlte Ramona Bachmann.

Torjubel Deutschland Frauenfussball Alexandra Popp Lena Goeßling Lind Bresonik Babett Peter Annike Krahn


Der Termin und die Anstosszeit (15:45 Uhr) waren etwas unglücklich gewählt. Am Tag des Wiesnanstiches im benachbarten München und zeitgleich mit der 1. Bundesliga der Männer wollten zum Auftakt in die EM-Quali gerademal gut 6.600 Zuschauer in das Augsburger Stadion kommen. Deutschlands Nationaltrainerin Silvia Neid empfand die Terminauswahl ebenfalls ungünstig, wollte aber von einer Reaktion auf das schwache Abschneiden bei der WM nichts wissen. "Erst wenn die Spiele im Oktober und November vor ähnlich kleiner Kulisse stattfinden sollten, machen wir uns Gedanken." Gedanken über die Stadionauswahl und auch die hohen Vorverkaufspreise der Tickets hätte man sich durchaus bei Bekanntwerden des Termines für das erste Qualispiel machen können. Leere bis halbvolle Zuschauerränge sind für die Stimmung im Stadion einfach nicht förderlich.

Fatmire Lira Bajramaj Caroline Abbé
Das deutsche Team, mit einem nach den Rücktritten von Birgit Prinz, Ariane Hingst, Kerstin Garefrekes und Ursula Holl veränderten Kader, ging das Spiel druckvoll an und nahm die Favoritenrolle gegen die in Bestbesetzung aufgestellte Schweizer Nationalmannschaft von der ersten Spielminute an. Kreative Momente waren zwar mit Seltenheit versehen, aber man merkte der Neidelf den Siegeswillen durchaus an. Auffällig vom Druck um ihre Person während der WM befreit, spielte Fatmire "Lira" Bajramaj auf. Auch wenn nicht jede ihrer Aktionen glückte, konnte man ihr durchaus den Drang zu einer Führungsrolle im deutschen Angriffsspiel zusprechen. In der ersten halben Stunde des Spieles setzte sich die Neu-Frankfurterin mehrfach in den Schweizer Strafraum ab. In der 27. Minute nutzte Bajramaj einen technischen Fehler der Schweizer Kapitänin Caroline Abbé, in Diensten des SC Freiburg, und drang wieder in den Strafraum ein. Um Wiedergutmachung bemüht, grätschte Abbé an der Grundlinie Bajramaj von der Seite um, traf zuerst die Beine und dann den Ball. Die italienische Schiedsrichterin Silvia Tea Spinelli entschied auf Eckball. Strafstoß und mindestens Gelb für Abbé wären wohl die bessere Entscheidung gewesen.

In der 32. Minute traf Bajramaj! Nach einem Fehlpass von Rahel Graf im Aufbauspiel der Schweizerinnen konnte Melanie Behringer unbedrängt über das halbe Feld laufen und bediente Bajramaj, die wuchtig vollendete und Torfrau Marisa Brunner, ebenfalls vom SC Freiburg, keine Chance ließ. Mit der Führung ging es in die Pause, auch wenn es nach weiteren Chancen der glücklosen Alexandra Popp und wiederum Bajramaj durchaus schon 4:0 hätte stehen können.
Nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild. Die Elf von Trainerin Beatrice von Siebenthal fand kein Rezept, sich durch die deutschen Reihen zu spielen, stattdessen ließen sie weitere Großchancen für Deutschland zu. Allen voran Melanie Behringer, die zweimal kurz nacheinander freistehend aus halbrechter Position scheiterte. In der 66. Minute war es erneut Behringer, die sich über das halbe Feld bis in den Strafraum durchsetzte und ins Zentrum passen konnte. Lira Bajramaj, nach einem Stellungsfehler von Sandra Betschart frei vorm Tor, traf zum verdienten 2:0.


Melanie BehringerFatmire Lira BajramajDeutsche FansLara Dickenmann Bianca Schmidt

Doch die Schweizerinnen kamen kurz nach dem 2:0 zum Anschlusstreffer. Annike Krahn sprang nach einem Anspiel der Ball zu weit vom Fuß, Ramona Bachmann (Umea IK) nutzte den Fehler, ging dazwischen und spielte auf die gerade eingewechselte Sandy Maendly (Torres Calcio). Mit einem wunderschönen langen Ball in die Spitze bediente Maendly Ana Maria Crnogorcevic vom 1.FFC Frankfurt, die von drei deutschen Abwehrspielerinnen nicht daran gehindert werden konnte, in die Mitte auf die völlig alleingelassene Ramona Bachmann zu passen. Bachmann ließ Nadine Angerer im deutschen Tor keine Abwehrmöglichkeit und schob zum 2:1 ein (68.).
An den Kräfteverhältnissen änderte sich nach dem Anschlusstreffer nichts. Das deutsche Team spielte weiter konzentriert auf Angriff und machte den Sack zu. In der 73. Minute war es die herausragende Linda Bresonik, die nach einer Flanke von Lena Goeßling zum 3:1 einköpfte. Den Schlusspunkt setzte die in der 75. Minute für Alexandra Popp eingewechselte Martina Müller. Und wieder war es Melanie Behringer, die Müller mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte versorgte. Das 1 gegen 1 verlor die Schweizer Torfau Brunner gegen Müller. Der Endstand.

"Wir konnten heute nicht das abrufen, was in uns steckt. Konzentrieren müssen wir uns in der Qualifikation auf die Gegner, die wir schlagen können, wie am kommenden Mittwoch Rumänien. Aber irgendwann wollen wir auch mal Deutschland schlagen." So kommentierte die Schweizer Nationaltrainerin Beatrice von Siebenthal die Auftaktniederlage. Silvia Neid konnte wesentlich glücklicher kommentieren: "Ich bin zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir haben unseren schwersten Gruppengegner besiegt. Einziges Manko ist die Chancenauswertung. Wir haben zu viele Möglichkeiten gebraucht, um zu unseren Toren zu kommen. Das muss besser werden."


Fotos von Karin Reuter:

Marisa Brunner Linda Bresonik Annike Krahn Sandra BetschartLinda BresonikAnnike Krahn Nadine AngererAna Maria Crnogorcevic



Stenogramm:

Deutschland:
Angerer - Schmidt, Krahn, Bartusiak, Peter (81. Feißt) - Goeßling, Laudehr - Bresonik, Bajramaj, Behringer - Popp (75. Müller)

Schweiz:
Brunner - Betschart, Graf, Abbe, Egli - Zumbühl (71. Wälti) - Moser (59. Meyer), Mehmeti (61. Maendly), Dickenmann, Bachmann - Crnogorcevic

Tore:
1:0 Bajramaj (32.)
2:0 Bajramaj (66.) 
2:1 Bachmann (68.)
3:1 Bresonik (73.)
4:1 Müller (79.)

Gelbe Karten: - / Mehmeti, Abbé

Schiedsrichterin: Silvia Tea Spinelli mit Cristina Cini und Romina Santuari (alle Italien)

Zuschauer: 6.632



Weitere Fotos unter:
www.girlsplay.de
und
karin.mikloweit.de


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