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Qualifikation zur Europameisterschaft 2013

Deutscher Hurrikan fegt Kasachstan weg

Deutschland - Kasachstan 17:0 (10:0)

Text und Bilder von Tom Schlimme

20.11.2011  Vor 6528 begeistert mitgehenden Zuschauern in Wiesbaden deklassierte das deutsche Team den völlig überforderten Gegner aus Kasachstan mit 17:0.Mit diesem Rekordsieg schoss sich die deutsche Nationalmannschaft an die Spitze der EM-Qualifikationsgruppe 2 und hat sich damit die bestmögliche Ausgangsposition für das Spiel beim bisherigen Gruppenersten Spanien geschaffen, das am Donnerstag ausgetragen wird.

Alexandra Popp

Unbeholfen gegen Alexandra Popp: Natalya Ivanova zieht am Trikot, Nadezdha Alyakina schlägt ein Luftloch... Popp konnte sich oft gegen mehrere Gegenspielerinnen durchsetzen, wie viele im deutschen Team an diesem Tag

„Es war, als sei ein Hurrikan über uns hinweggefegt”, kommentierte nach dem Spiel der zerknirscht wirkende Trainer von Kasachstan, Andrey Vaganov. „Wir sind noch nicht soweit, gegen einen mehrfachen Welt- und Europameister bestehen zu können, das hat man heute gesehen”, schob Vaganov nach. Allerdings muss man die Frage stellen, ob er sein Team nicht auch völlig falsch eingestellt hatte. Denn Kasachstan machte alles so, wie es das deutsche Team für einen Kantersieg brauchte. Die Gäste spielten defensiv, aber sie standen nicht auffallend tief, bauten keine Mauern vor dem eigenen Strafraum auf, stellten sich nicht mit 11 Spielerinnen hinten rein, wie man das schon von manch anderem deutschen Gegner gesehen hat. Im Zweikampf zeigten sich die Spielerinnen aus Kasachstan sehr zurückhaltend, es gab sehr wenig Fouls und völlig zu recht auch keine einzige gelbe Karte im Spiel. Ungefähr dreimal kamen die Kasachinnen auch mal nach vorne, und einmal musste Nationalkeeperin Nadine Angerer sogar all ihr Können aufbieten, um ein Gegentor zu verhindern. So rannten die Kasachinnen also mit offenem Visier in ihr Unglück, das sie allerdings auch mit haarsträubenden Fehlern in der Abwehr begünstigten, so einige schlechte Torwartaktionen und krass auch das Handspiel im Strafraum, welches zum Elfmeter für Deutschland führen musste. Entscheidend war aber das schlechte Zweikampfverhalten, die deutschen Spielerinnen konnten sich immer wieder auch gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzen.



Doch auch gegen einen schlechten Gegner muss man erst einmal selber gut spielen, und diese Leistung kann man dem deutschen Team nicht aberkennen. Es gab auch vorher schon Treffen gegen unterklassige Gegner, doch ein solcher Rekordsieg (das bisher höchste Ergebnis war ein 13:0 gegen Portugal) war dabei noch nie heraus gesprungen. Die deutschen Spielerinnen spielten von der ersten bis zur letzten Minute mit voller Konzentration, nahmen auch bei hoher Führung keinen Gang raus, und zeigten vor dem Tor ein hohes Maß an Effektivität, wie man es zuletzt oft vermisst hat. Ausschlaggebend für den hohen Sieg war das gute Flügelspiel. Auf der rechten Seite war es meist Lira Bajramaj, die sehr gut von der oft mitstürmenden Babett Peter, heute als Rechtsverteidigerin aufgeboten, unterstützt wurde. Es war dann auch kein Zufall, dass Peter drei Tore erzielte. Allein dieser rechte Flügel hätte schon das Spiel alleine gewinnen können. Doch ich fand den linken Flügel mit Melanie Behringer und der ebenfalls toll stürmenden Linksverteidigerin Verena Faißt sogar noch einen Tick stärker. Die ersten, naturgemäß besonders wichtigen Tore wurden von hier eingeleitet. Mit diesen Flügelzangen, die sich auf beiden Seiten locker auch gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzten, nahm der deutsche Angriff die Abwehr Kasachstans völlig auseinander. Das wird allerdings dann erst richtig effektiv, wenn in der Mitte auch Spielerinnen sind, die ein hohes Maß an Torgefährlichkeit ausstrahlen, und auch dies passte an diesem Tag.

Denn in der Mitte präsentierten sich Alexandra Popp und Celia Okoyino da Mbabi in bestechender Form. Beide machten aus fast jeder Chance ein Tor, beide hängten ihre Gegenspielerinnen ab, wie sie wollten. Die ersten sechs Tore machten die deutschen Mittelstürmerinnen unter sich aus, zweimal Popp, viermal Celia. Erst dann kamen mit Simone Laudehr zum 7:0 dann auch nach und nach die anderen Spielerinnen an die Reihe. So muss es sein, Haupttorgefahr ausgehend von den Spitzen! Weiterer wichtiger Faktor: Deutschland hatte in vielen Szenen die Lufthoheit im Strafraum von Kasachstan, wobei natürlich die bekannt kopfballstarken Popp und Laudehr, aber auch Celia und die bei Ecken noch vorne kommende Saskia Bartusiak hervor zu heben sind.


So stimmte also praktisch alles im deutschen Spiel. Eine taktische Variante von Bundestrainerin Silvia Neid sollte aber noch erwähnt werden: in der Pressekonferenz nach dem Spiel wurde Neid gefragt, wieso sie Lena Goeßling in die Innenverteidigung zurück gezogen und dafür Annike Krahn auf der Bank gelassen hatte. Neid erklärte, dass Krahn die stärkere Abwehrspielerin sei, in diesem Spiel sei es aber wichtig gewesen, gut aus der Abwehr heraus zu spielen, und da sei Goeßling stärker. Auch diese Rechnung ging sicherlich auf. Aber gegen einen stärkeren Gegner kann man also durchaus wieder mit Krahn im Abwehrzentrum rechnen, möglicherweise schon am Donnerstag in Spanien. Dieses Spiel könnte schon eine kleine Vorentscheidung für das Gelingen der EM-Qualifikation bringen. Ab 20.30 Uhr überträgt Eurosport live.

Alexandra Popp Celia Okoyino da Mbabi Melanie Behringer



Deutschland:
Angerer - Peter, Goeßling, Bartusiak, Faißt - Odebrecht, Laudehr - Bajramaj, Okoyino da Mbabi (70. Marozsan), Popp (70. Müller), Behringer (46. Mittag)

Kasachstan:
Zheleznyak - Idiatulina, Aljakina, Scholschijewa (79. Schanacajeba), Li (46. Birwagen) Bissembajewa, Iwanowa, Mjasinkowa, Kirgisbajewa Krassjukowa, Karibajewa

Tore:
1:0 Okoyino da Mbabi (3.)
2:0 Popp (5.)
3:0 Okoyino da Mbabi (10.)
4:0 Popp (11.)
5:0 Okoyino da Mbabi (14.)
6:0 Okoyino da Mbabi (16.)
7:0 Laudehr (23.)
8:0 Popp (31.)
9:0 Behringer (36., Elfmeter)
10:0 Laudehr (41.)
11:0 Bajramaj (51.)
12:0 Popp (59.)
13:0 Peter (62.)
14:0 Peter (65.)
15:0 Müller (74.)
16:0 Müller (85.)
17:0 Peter (89.)

Gelbe Karten: - /-

Schiedsrichterin: Carina Susanne Vitulano (Italien) mit Romina Santuari (Italien) und Eleonora Capello (Italien)

Zuschauer: 6528



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Weitere Bilder vom Spiel auf: www.girlsplay.de

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