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Qualifikation zur Euro 2013

Roten Teufelinnen behalten die Nerven und siegen

Belgien - Ungarn 2:1 (1:0)

Bericht und Fotos von Marion Kehren

18. September 2011 - EM-Qualifikationsauftakt der Belgierinnen in Dessel (Belgien) gegen Ungarn. Beide Teams haben das Ziel sich mit einer angemessenen Leistung der internationalen Bühne zu präsentieren, auch wenn keiner von beiden es in den letzten 20 Jahren in die Endrunde eines großen Turniers geschafft hat.


Angelika Kirsch, Petra Hauser, Nicole Südholt, Jörg Schemberg

Völlig bedröppelt und mit hängenden Köpfen verließen die Ungarinnen nach Spielende den Rasen, während Belgien sich über die ersten drei Punkte in der Qualifikation freuen durften.


Kleine Panne während der ungarischen Hymne - die belgischen Fanfahnen hingen zu tief!_Belgien zeigte sich, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in einem stark veränderten Bild. Mit Ives Serneels wechselte ein ehemaliger Profifußballer auf die Trainerbank und löste damit die glücklose Anne Noe ab, die nach der verpatzenden WM-Qualifikation arg in die Kritik geraten war. Serneels soll dem belgischen Frauenfußball ein neues Leben einhauchen und alte Zöpfe abschneiden. Dabei setzt er auf eine gute Mischung von jungen Spielerinnen und der Erfahrung gestandener Größen. Auch wenn u.a. mit Femke Maes längst die belgische Rekordnationalspielerin und Kapitänin das Schiff verlassen hat, scheint der Coach ein gutes Konzept gefunden zu haben. In einem ersten Freundschaftsspiel unter seiner Regie schlugen die roten Teufelinnen überraschend Russland, immerhin mit Trainerin Vera Pauw, mit 1:0. Aber auch wenn die Nationalmannschaft einen Achtungserfolg erzielt hat, lässt sich der desolate Zustand des Frauenfußballs kaum verbergen.


Genau so katastrophal ist die Situation in Ungarn. Die ungarische Liga sei, so laut Bundesligaspielerin Zsanett Jakabfi, in einem fürchterlichen Zustand und wenn überhaupt unteres Mittelmaß. Die Nationalmannschaft hat sich bis dato ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass die letzte WM-Qualifikation recht unglücklich auf Platz 3 abgeschlossen wurde. In einer rein osteuropäischen Gruppe mit der Ukraine, Polen, Rumänien und Bosnien und Herzegowina verloren die Ungarinnen lediglich ein einziges Spiel und dieser Punktverlust bedeutete das Aus für die nächste Runde. Der ehemalige Nationalspieler László Kiss übernahm das Traineramt im Jahr 2010.


Audrey Demoustir, Reka Szocs, Alexandra Ivett TothAufgrund mangelnder Werbung für diese Partie fanden sich gerade einmal knapp 180 Zuschauer im kleinen Armand Melissstadion in Dessel ein. Die Teufelinnen agierten in der Anfangsphase wesentlich druckvoller und hatten bereits nach wenigen Minuten die erste Torchance durch Audrey Demoustier, aber die großgewachsene Keeperin Réka Szócs, im Tor der Gäste, parierte perfekt. Im direkten Gegenzug scheiterte Zsófia Rácz ebenfalls nur knapp. Was allerdings dann passierte ist kaum zu erklären. Das Spiel wurde von Minute zu Minute zerfahrener und beide Teams agierten hypernervös. Zahlreiche Fehlpässe und überhastete Aktionen waren die Folge. Zwar erarbeitete sich die nimmer müde Demoustier in der 20. Minute nochmals eine tolle Ausgangsposition, aber wiederum war Szócs zur Stelle. Beide Trainer mahnten ihre Teams zu mehr Ruhe und Belgien schien sich kurz vor dem Halbzeitpfiff endlich besser unter Kontrolle zu haben. Nachdem gleich Maud Coutereels und Tessa Wullaert reihenweise Chancen vergaben, verlud Letztgenannte mit einer tollen Aktion die sonst fehlerlose ungarische Keeperin und schob in der 42. Minute zum vielumjubelten Führungstreffer ein.


Nach dem Seitenwechsel stellte László das Team einwenig offensiver ein und brachte mit Lilla Sipos eine frische Stürmerin für die doch recht blass gebliebene Réka Jakab. Zsanett Jakabfi bekam mehr Freiraum auf dem rechten Flügel und die zweite Halbzeit sollte die ihrige werden. Belgien wollte dort weitermachen, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Sowohl Stefanie Van Broeck wie Aline Zeller kamen dem gegnerischen Tor gefährlich nahe, doch die Ausbeute blieb aus. Die Ungarinnen hielten nun dagegen und ließen den roten Teufelinnen nicht mehr so viel Freiraum wie zuvor. Überflüssige Fouls und hartes Einsteigen der Hausherrinnen zogen vermehrt den Unmut der Gäste auf sich. Völlig unverständlich ahndete Schiedsrichterin Alexandra Ihringova weder ein Hand- noch ein Foulspiel im Strafraum der Belgierinnen, noch einen Faustschlag an die Augenbraue von Wolfsburgs Jakabfi, die später mit einem dicken Feilchen und einer Platzwunde die Umkleidekabine verlies. Nach und nach eroberten sich die Osteuropäerinnen mehr Spielanteile, nicht zuletzt aufgrund einer brillant agierenden Zsanett Jakabfi, die auf dem rechten Flügel agieren konnte wie sie wollte. Aber leider zeigte sich hier vor allem die Diskrepanz zwischen einer schnellen Spielerin aus der Bundesliga und den Kolleginnen, die in der ungarischen Liga ihren Dienst tun.


Schön verladen: Tessa Wullaert auf dem Weg zum 1:0.Während die Belgierinnen gleich haufenweise Chancen ausließen das Ergebnis in die Höhe zu schrauben, erarbeiteten sich die Gäste in der 75. Minute die bis dato beste Möglichkeit in der Begegnung, als Stürmerin Lilla Sipos einen Volleyschuss knapp über das Tor zimmerte. Eine Unzulänglichkeit in der belgischen Abwehr sorgte schließlich dafür, dass Ungarn den nicht ganz unverdienten Ausgleich durch Jakabfi erzielte. Der Jubel war noch nicht ganz verstummt, da drehte Belgien richtig auf. Eine dieser Möglichkeiten nutzte die gut agierende Demoustier zum 2:1 Endstand kurz vor Schluss.


Stimmen zum Spiel:

Ives Serneels (Belgischer Nationaltrainer): Das war heute eine knappe Angelegenheit die uns auch noch einmal unsere Fehler aufgezeigt hat. Nichtsdestotrotz hätten wir uns auch nicht beschweren dürfen, wenn wir ein Unentschieden erzielt hätten, aber am Ende zählen nur die 3 Punkte. Mit Sicherheit war die eine oder andere Schiedsrichterleistung fragwürdig.

Zsanett Jakabfi (Ungarische Nationalspielerin): Natürlich sind wir sehr enttäuscht. Wir hatten uns fest vorgenommen dieses Spiel zu gewinnen und die 3 Punkte mitzunehmen. Für mich völlig unverständlich ist die Tatsache, dass die Schiedsrichterin die Fouls des Gegners nicht geahndet hat, selbst als ich blutend am Boden lag hat sie nicht reagiert. Mindestens einen Punkt hätten wir verdient gehabt. Norwegen ist für mich der absolute Favorit in der Gruppe, aber danach ist alles offen.

Anne Noe (ehemalige belgische Nationaltrainerin): Es freut mich, dass das Team die ersten Punkte eingefahren hat. Besonders freut es mich, dass gleich vier Spielerinnen auf dem Platz standen, die aus einem Fußballinternat stammen. Das zeigt uns allen, dass wir auf einem richtigen Weg sind, auch wenn alles sehr langsam geschieht.

Team BelgienTeam UngarnSpannende Kämpfe zwischen Audrey Demoustier und Angela SmuczerZsanett Jakabfi reklamiert die harte Spielweise der Belgierinnen.



Stenogramm:

Belgien:
Van Houten – Biesmans, Jaques, Coutereels, Vandeputte, De Cook, Demoustier, Wullaert (82. Heiremans), Zeler (90. Wiard), Van Broeck, Mermans (82. Elsen)

Ungarn:
Szőcs – Dementer, Tóth, Gál, Smuczer, Szeitl, Vágó (87. Méry), Jakabfi, Rácz, Jakab (46. Sipos), Szuh (59. Padár)

Tore:
1:0 Wullaert (43.)
1:1 Jakabfi (81.)
2:1 Demoustier (85.)

Gelbe Karten:
- / -

Schiedsrichterin:
Alexandra Ihringova (ENG) mit Sian Massey (ENG) und Elizabeth Simms (ENG)

Zuschauer:
ca. 180


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de und http://www.vrouwenteam.be



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