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Qualifikation zur Euro 2013

Rote Teufelinnen verlieren unglücklich gegen Norwegen

Belgien - Norwegen 0:1 (0:0)

Bericht Marion Kehren, Bilder Katrin Müller

29. Oktober 2011
– An manchen Tagen soll es einfach nicht sein! Wie heißt es doch so schön? Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu … so gesehen am Mittwochabend in Dessel/ Belgien.

Torjubel zum 0:1 für Norwegen, Belgien kann dies nur mit betretenen Gesichtern zu Kenntnis nehmen

Torjubel bei Norwegen, Marita S. Lund hatte per Kopf das 0:1 erzielt. Die roten Teufelinnen können dies nur mit betretenen Gesichtern zur Kenntnis nehmen.


Lisa Schwab, Stéphanie WendlingerNie war die Chance für Belgien, die Norwegerinnen zu schlagen so groß wie an diesem Tag, denn im Lager von Cheftrainerin Eli Landsem war völliges Chaos ausgebrochen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erlitten gleich mehrere Spielerinnen eine heftige Magen-und Darmgrippe. Nora Holstad Berge, Maren Mjelde und Hedda Strand Gardsjord waren überhaupt nicht in der Lage zu spielen, während einige andere die Zähne zusammen bissen. Ein 18-Frauenkader mit diversen Kranken? Da war guter Rat teuer und Landsem entschied sich Elise Enget, Hege Hansen und Line Holter aus dem hohen Norden einfliegen zu lassen. Leider erreichten die Spielerinnen erst 10 Minuten (!!!) vor Anpfiff ihr Ziel in Belgien, sodass keine Möglichkeit bestand sich anständig einzuspielen. Belgiens Cheftrainer Ives Serneels musste unterdessen lediglich auf Stefanie Van Broeck und Niki De Cock krankheitsbedingt verzichten. Während Tabellenführer Island mit großen Schritten gen Qualifikation für Schweden marschiert, sollten sich an diesem Tage die beiden Tabellennachbarn einen erbitterten Kampf um Platz 2 liefern.


Lisa Schwab, Stéphanie WendlingerWer dachte, dass das kleine Königreich Belgien Angst vor den großen Namen der Norwegerinnen hatte sah sich schnell eines Besseren belehrt. Das Team von Coach Serneels legte los wie die Feuerwehr und drängte die Skandinavierinnen weit in die eigene Hälfte zurück. Bereits nach sieben Minuten die erste Tormöglichkeit für die roten Teufelinnen durch Lien Mermanns, aber kein Problem für Ingrid Hjelmseth. Nach und nach löste sich Norwegen aus der intensiven Umklammerung. Zehn Minuten waren gespielt als nun auch sie zu ihrem ersten Torchance kamen. Nach schöner Vorarbeit von Ingvild Isaken verzog Elise Thorsnes das Leder nur knapp. Zwei Minuten später versuchte Thorsnes es erneut, nach Vorarbeit von Ingvild Stensland, leider wieder ohne Erfolg. Es schien als wäre es nur noch eine Frage der Zeit bis die Norwegerinnen in Führung gehen sollten, denn Belgien geriet förmlich unter Dauerbeschuss und konnte sich ein ums andere Mal bei der hervorragend agierende Keeperin Kelly Ickmans bedanken, die mit ihren Paraden die Null festhielt.


Aus einem nicht ersichtlichen Grund schwächelten die Gäste zur Mitte derIngvild Stensland, Davina Philtjens ersten Halbzeit zusehends und die Hausherrinnen machten da weiter wo sie begonnen hatten. Allerdings war das Tempo nicht mehr ganz so hoch wie am Anfang. Sie kombinierten mit viel Übersicht und nutzen die gesamte Breite des Spielfeldes, während Norwegen mit ihrem kurzen Passspiel kaum noch zum Zuge kam. Es lag eine Überraschung in der Luft! Zehn Minuten vor Ende der ersten Halbzeit zog Aline Zeler den Ball nur knapp über das Tor als wenig später eine reichlich undurchsichtige Situation die Gemüter der Zuschauer erhitzte. Aus vollem Lauf wurde Belgiens Davina Philtjens von Kristine Hegland von den Füßen geholt und zu Fall gebracht, doch die Unparteiische entschied nur auf Freistoß, der aber nichts einbrachte. Kurz vor dem Pausenpfiff hatte Norwegen mächtig Glück nicht doch noch in Rückstand zu geraten, als Guro Mienna einen abgefälschten Ball and die eigene Querlatte lenkte.

Die Zuschauer sahen in der zweiten Hälfte weiterhin eine tapfer kämpfende belgische Mannschaft, die in der 51. Minute förmlich das 1:0 auf dem goldenen Tablett serviert bekam. Unerwartet tauchte Heleen Jaques alleine vor dem gegnerischen Tor auf und schafft es aus knapp 3 Metern den Ball völlig zu verschießen. Dass nach der WM neuformierte Team aus Norwegen fand weiterhin nur schlecht in die Partie. Viele Unstimmigkeiten und ungenaue Passspiele prägten weiterhin das Spiel, während Eli Landsem an der Seitenlinie versuchte ihre Kickerinnen zu ordnen. Eine Standardsituation brachte schließlich die erhoffte Erlösung für die Skandinavierinnen. In der 66. Minute fand ein von Stensland getretener Eckball irgendwie im Strafraumgewühle den Kopf von Marita Lund, die das Spielgerät ins Netz bugsierte.

Torschützin Marita S. Lund kann auf ihrem erneuten Weg zum belgischen Tor von Aline Zeler noch kurz vor dem Strafraum aufgehalten werden.Der Tabellendreiunddreißigste der FIFA Frauen-Weltrangliste steckte nicht auf, ganz im Gegenteil! Mit der „Jetzt-Erst-Recht-Einstellung“ stürmten die Belgierinnen munter weiter, dabei besonders auffallend die unermüdlich agierende Tessa Wullaert und die nimmer müde Lien Mermans. In der 74. Minute hatten alle im Stadion schon den Torschrei im Halse stecken, als Aline Zeler einen Hammerschuss gen gegnerisches Tor ab gab. Ob der Ball nun vor, auf oder hinter der Linie gestoppt wurde, war leider kaum zu erkennen. Jedenfalls entschied das Schiedsrichtergespann, sehr zum Unmut Vieler, auf Abstoß und wieder war eine weitere gute Chance vergeben. Die Minuten rannen dahin. Belgien mühte sich weiter redlich, wurde aber leider nicht für seinen aufopferungsvollen Kampf belohnt, während Norwegen das Ergebnis geschickt zu verwalteten wusste.



Stimmen zum Spiel:

Eli Landsem (Nationaltrainerin Norwegen): „ Es war schon ein recht anstrengIngrid Hjelmsethendes Spiel. Belgien war gut aufgestellt und hat uns alles abverlangt. Natürlich war es für das Team schwer sich zu finden, schließlich hatten wir sehr unruhige Zeiten hier in Belgien. Erst zehn Minuten vor Spielbeginn hatte ich so viele Spielerinnen zusammen, dass wir hätten auswechseln können. Also so etwas brauche ich so schnell nicht noch einmal. Absoluter Favorit in dieser Gruppe ist für mich Island. Wir werden jetzt versuchen die restlichen Spiele zu gewinnen und im nächsten Jahr wird sich meine Mannschaft hoffentlich soweit gefunden haben, dass wir das Rückspiel gegen Island zu unseren Gunsten entscheiden können.“

Ingvild Stensland (Kapitänin Norwegen): „Also ich denke schon, dass wir heute das bessere Team waren. Belgien war gut, aber letztendlich sind wir glücklich nach dem verlorenen Spiel gegen Island die 3 Punkte mitnehmen zu können.“

Tamara Cassimon (Assistenztrainerin Belgien): Mit der gezeigten Leistung unserer Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Norwegen gehört mit zu den Topmannschaften in Europa und ich bin schon ein bisschen stolz, dass wir ihnen so lange Paroli bieten konnten. Es wird mit Sicherheit sehr schwer werden noch Platz zwei zu erreichen, aber ich denke schon, dass die Nationalmannschaft wieder eine Steigerung gezeigt hat.




Stenogramm:

Belgien:
Kelly Ickmans - Julie Grégoire, Heleen Jaques, Maud Coutereels, Lorca Van De Putte; Lien Mermans (75. Angélique De Wulf), Julie Biesmans, Audrey Demoustier, Davina Philtjens (81. Kristien Elsen); Aline Zeler, Tessa Wullaert (75. Anaelle Wiard).

Norwegen:
Ingrid Hjelmseth - Kristine Hegland, Marita S. Lund, Toril Akerhaugen, Guro Knutsen Mienna; Ingvild Stensland, Lene Mykjåland; Ingvild Isaksen (77. Gry Tofte Ims), Lisa-Marie Woods (63. Caroline Graham Hansen), Emilie Haavi (87. Line Holter); Elise Thorsnes.

Tore:
0:1 Marita S. Lund (66.)

Gelbe Karten:
- / Ingvild Isaksen

Schiedsrichterin:
Kateryna Monzul mit Natalia Rachynska en Yana Sashchyna (alle UKR)

Zuschauer:
920





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Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
http://www.vrouwenteam.be


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