Europameisterschaft 2009Die Zukunft ist jung: Umbruch geglücktDie Tre Kronor greifen nach dem EM-Thron | ||
Text von Rainer Fußgänger 17.08.2009 Als die schwedische Frauenfußballnationalmannschaft trotz des abschließenden 2:1-Sieges gegen Nordkorea in der Vorrunde der WM 2007 ausgeschieden war, hagelte es in Schweden Kritik. Johan Esk, Sportkommentator der größten schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter etwa schrieb, dass die glorreichen Zeiten der Blaugelben vorbei seien. Man würde sich in den nächsten Jahren darauf einstellen müssen, dass die Schwedinnen schon im Flieger säßen, während die Besten die Titel ausspielen würden. Nicht einmal zwei Jahre später jedoch muss Schweden nach dem Sieg beim Algarve-Cup, bei dem man nacheinander Deutschland und die USA schlug, nach dem eindrucksvollen 3:1 gegen Brasilien bei der Einweihung der schwedischen Nationalarena für Frauenfußball in Göteborg, zu den Favoriten der Women’s Euro 2009 gezählt werden. Und wenn man die künftige Frankfurterin Sara Thunebro nach den EM-Favoriten fragt, dann antwortet sie, dass sie sich dafür nicht interessiere. Man konzentriere sich auf das eigene Spiel: „Wir haben uns sowohl in der Organisation wie auch in der spielerischen Entwicklung verbessert. Jetzt haben wir ein offensives Spiel, in dem die Pässe besser ankommen als vor zwei Jahren. Für mich als Außenverteidigerin bedeutet das, dass ich nachrücken kann und dann wird es für die Gegner einfach schwieriger, weil wir mehr da vorn sind,“ sagt Sara Thunebro. ![]() Sara Thunebro spielt ab der kommenden Saison beim 1. FFC Frankfurt. Die 30-Jährige ist in der Tat symbolisch für die Entwicklung des schwedischen Fußballs in den letzten Jahren. Thunebro hat sich von einer soliden Abwehrspielerin zu einer der heute weltbesten Spielerinnen auf ihrer Position entwickelt. „Wir glauben, dass wir eine sehr gute Auswahl zusammengestellt haben, die verschiedenste Spielertypen enthält und auch mindestens jeweils zwei Alternativen auf jeder Position enthält,“ sagte Thomas Dennerby bei der Pressekonferenz, in der er die 22 Spielerinnen vorstellte, die Ende August alle Gruppenspiele (gegen Russland, Italien und England) in Turku bestreiten werden. ![]() Trainer Thomas Dennerby hofft auf eine erfolgreiche EM-Teilnahme seiner Mannschaft. Einige Namen sind seit Jahren wohlbekannt und sie zählen nach wie vor auch zu den Leistungsträgerinnen. Allen voran Kapitänin Victoria Sandell Svensson von Djurgården und Malmös große Mittelfeldstrategin Therese Sjögran. Beide sind inzwischen 32 Jahre alt, aber nach wie vor gehören |
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Die schwedische Auswahl qualifizierte sich ohne Niederlage, Punktverlust und Gegentor für die Europameisterschaft und gilt damit berechtigt als einer der großen Favoriten des Turniers. | |
sie zur Spitze des europäischen Fußballs. Sjögran ackert dabei in allen Zonen des Fußballfeldes, während Sandell Svensson für die bisweilen genialen Pässe zuständig ist. Oft heißt die Adressatin dieser Zuspiele Lotta Schelin. Die 25-Jährige ist gleichermaßen groß (1,78 m) wie elegant und auch wenn Vergleiche mit Männern verpönt sind, erinnert sie in ihren Bewegungen und ihrer Spielweise dann und wann an Thierry Henry. Von dem besitzt sie auch eine DVD, auf der man mehr als 100 Tore des Franzosen sehen kann. Schelin hat exakt das Durchschnittsalter der Equipe Dennerbys und seiner Assistentin Lillie Persson. Das liegt nämlich bei 25,5 Jahren. Der Generationswechsel ist geglückt und manche sehen schon die stärkste schwedische Mannschaft seit vielen Jahren. Nicht mehr dabei sind Umeås Hanna Ljungberg und Frida Östberg, die in der WPS für Chicago kickt. Dafür aber stehen drei Spielerinnen des Jahrgangs 1989 auf der Liste, die am 28.07. bekanntgegeben wurde: Kosovare Asllani stammt aus Vimmerby und spielt seit zwei Jahren für den amtierenden Viyemeister Linköpings FC, der erstmals am Women’s Cup teilnimmt. Asllani, die „Kosse“ (gesprochen: Kusse) genannt wird, ist eine sehr technisch begabte offensive Spielerin, die auch außerhalb des Platzes nicht mit ihrer Meinung hinter den Berg hält. So erregte eine Äußerung Asllanis im Frühjahr Aufsehen, als sie sagte, dass sie sich keine Frauenfußballspiele ansehen würde, die seien einfach zu schlecht. ![]() Kosovare Asllani ist eine der jungen Spielerinnen mit denen der Umbruch in der schwedischen Mannschaft gelang. Louise „Lollo“ (gesprochen: Lullu) Fors kickte bislang nur für Stockholmer Vereine. Bei Hammarby wurde die 19-Jährige „Lollodinho“ genannt und in der Tat gibt es kaum eine Spielerin, die spielerisch so mit Talent gesegnet ist wie Fors. Vergangenes Jahr verbesserte sie sich enorm, spielte eine glänzende Saison unter dem ausgefuchsten Trainer Benny Persson bei AIK, der das Optimum aus ihr herausholte und sie wohl auch zu Extrastunden in den Kraftraum schickte. In dieser Saison ging es schwach los, aber je näher die EM rückte, desto besser spielte Fors, ganz im Gegensatz zu ihrem Verein. „Sicher habe ich an die EM gedacht, aber eine Zeitlang lief es nicht so gut für mich im Verein. Aber dann war ich in der U23-Auswahl dabei und bevor ich dahin fuhr rief mich Thomas [Dennerby] an und sagte, dass ich eine Chance hätte, wenn ich gut in der U23 spielen würde. Und so kam es dann,“ sagt Louise Fors. Die Nummer 22 auf der Liste hatte der |
schwedische Fußballverband bei der Veröffentlichung des Aufgebots für Finnland zunächst vergessen. So dass sich schon ihr Trainer Torbjörn Nilsson Gedanken gemacht hatte: „Ich dachte, die ist doch heute mit dem Zug nach Stockholm gefahren zur Nationalmannschaft, wieso ist sie nicht auf der Liste?“ sagte Nilsson. Der Fehler wurde schnell korrigiert und so ist die Torjägerin Nummer 1 auch im Team: Linnéa Liljegärd. 16 Tore in 16 Spielen. Die bislang nur ein A-Länderspiel hat und sich in letzter Minute mit einem goldenen Tor für Göteborg gegen Umeå ins Aufgebot schoss. „Nach dem Spiel kam Thomas zu mir und fragte mich, ob ich mitkommen will. Ich war fast sprachlos und war auch so kaputt nach dem Spiel, dass ich das erst mal gar nicht so richtig verstanden habe.“ ![]() Was für eine Quote: Linnéa Liljegärd erzielte in 16 Einsätzen ebensoviele Tore. Eine, die man leicht und gern unterschätzt, die es aber faustdick hinter den Ohren hat. Liljegärd wird sicher nicht gleich in die Startformation rutschen, aber sie wird ein glänzender Joker sein. Schwedens Auswahl hat allen Grund zum Selbstbewusstsein. Ungeschlagen 2009 und was neu ist, dass sie auch dann gewinnen können, wenn sie einmal nicht so gut spielen, wie Sara Thunebro mir sagte. Victoria Sandell Svensson hat gesagt, dass sie nach der EM in der Nationalmannschaft aufhören wolle. Es ist wohl die letzte Gelegenheit für sie und Sjögran, die man einst die goldene Generation des schwedischen Frauenfußballs nannte, auch wirklich Gold zu holen. Das Aufgebot: Voraussichtliche Startelf:
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