Von Nora Kruse (Text u. Fotos)
11.08.2009
Sie hatten bislang eine sehr intensive Vorbereitung. Wie zufrieden sind Sie?
Ich bin sehr zufrieden, aber unser Budget ist, verglichen mit anderen Ländern, sehr eingeschränkt. Der Verband hat alles getan, um uns eine optimale
Vorbereitung zu ermöglichen. Wir haben uns daher entschieden, zwei zweitägige Trainingscamps pro Woche zu organisieren. Danach regenerieren sich die
Spielerinnen zu Hause.
Seit wann trifft sich die Mannschaft?
Seit dem 22. Juni. In der Vorbereitung auf das Vier-Nationen-Turnier hatten wir bereits zwei Trainingstage, zwei Tage frei, dann wieder zwei Tage
Training und einen frei. Nach dem Turnier haben wir uns erst eine Woche später für das Deutschland-Spiel getroffen, im Anschluss erneut zweitägige
Trainingscamps.
Denken Sie daran, das Vier-Nationen-Turnier regelmäßig zu veranstalten?
In diesem Jahr wurde es für die EM durchgedrückt, aber es gab so viel Interesse daran, dass es einige Stimmen im Verband gibt, es regelmäßig
durchzuführen.
Seit Ende 2004 ist Vera Pauw für die Nationalmannschaft verantwortlich.
Und wie sah es mit dem öffentlichen Interesse aus?
Das war nicht hoch, aber es war in der ersten Ferienwoche. Und ich glaube, die Hälfte der Bevölkerung ist dann ausgeflogen. Touristen, die nach Holland
kommen, wissen nichts von den Spielen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt war das Publikum nicht wichtig. Wir wollten zur richtigen Zeit gegen die richtigen
Gegner spielen.
Also waren Sie zufrieden?
Na ja, wir haben gegen China verloren und zu viele Tore verschenkt. Aber es hat uns auch gezeigt, wo wir anfällig sind und woran wir arbeiten müssen.
Woran zum Beispiel?
Die Spielerinnen müssen realisieren, dass es keinen einzigen Zeitpunkt im Spiel gibt, an dem sie über sich nachdenken können. Man muss innerhalb seiner
Aufgaben und Rolle spielen. Außerdem haben wir zu viele individuelle Fehler gemacht.
Deutschland-Legionärin: Mittelfeldspielerin Annemieke Kiesel.
Neben dem Vier-Nationen-Turnier haben Sie den Cyprus Cup gespielt. Der hat sich mittlerweile etabliert?
Ja. Ich hatte schon lange versucht, ein Turnier neben dem Algarve Cup auszurichten. Dann hat Anna Signeul (Anm. Trainerin Schottlands) die
Initiative ergriffen und ich bin sofort eingestiegen. In diesem Jahr waren wir
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Sie betreten Neuland: Die Niederlande haben sich erstmals für die Europameisterschaft qualifiziert.
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bereits acht Teams, und England ist als Co-Organisator dabei. Wir drei
werden also jedes Jahr dort sein. Aber es gibt auch Mannschaften beim Algarve Cup, die mittlerweile signalisiert haben, lieber auf Zypern spielen zu
wollen. Wir möchten aber den anderen Mannschaften eine Chance geben.
Also gibt es keine Pläne, das Teilnehmerfeld zu vergrößern?
Nicht zu diesem Zeitpunkt. Es ist sehr schwierig, ein Turnier aus der Ferne zu organisieren, also möchten wir Schritt für Schritt vorgehen.
Ihre EM-Gegner haben den Algarve Cup gespielt. Wie schätzen Sie Ihre Gruppe ein?
Es ist die einzige Gruppe, die uns eine Perspektive gibt. Aber wir müssen realistisch über unser Niveau sein. Wir werden immer besser und die EM ist eine
fantastische Möglichkeit für uns. Das Wichtigste ist, dass wir zurück schauen und sagen können, alles gegeben zu haben.
Das ist Ihr Ziel für die EM?
Ja. Wir möchten für uns aus dem Turnier alles rausholen. Es ist eine sehr junge Mannschaft und wir wissen nicht, wie wir unter Druck und mit all den
neuen Eindrücken reagieren.
Ich denke, über Dänemark und Finnland wissen Sie sehr viel – wie sieht es mit der Ukraine aus?
Ich habe mit Schottland mal gegen sie gespielt, aber das ist einige Jahre her. Ich kenne sie ein wenig und wollte mir das Spiel gegen Polen anschauen.
Unglücklicherweise wurde es abgesagt.
Sie hatten sich auch für die Ausrichtung dieser EM beworben. Werden Sie es 2013 erneut versuchen?
Ja. Wir haben eine neue Liga, die Eredivisie, gestartet. Das war entscheidend in unserer Qualifikation. Die Liga wird sich weiter entwickeln, und wenn wir
die EM 2013 bekommen, wird es dem Frauenfußball bei uns einen Schub geben.
Sie haben die Liga gerade erwähnt. Was hat sich für die Spielerinnen verbessert?
Sie können auf einem höheren Niveau trainieren, und zwar täglich. Das allgemeine Niveau verbessert sich folglich.
Es ist möglich, täglich zu trainieren, auch wenn die Spielerinnen nicht bezahlt werden. Wie ist das mit der Arbeit zu vereinbaren?
Sie arbeiten Teilzeit und trainieren früher, so gegen 15 oder 16 Uhr. Danach können sie nach Hause und haben die Abende frei. Früher waren sie erst gegen
23 Uhr zu Hause.
Wie profitiert die Nationalmannschaft davon?
Wir haben, ehrlich gesagt, anfangs einige Fehler gemacht. Wir dachten, die körperliche Fitness der Nationalspielerinnen würde sich verbessern, aber das
war nicht der Fall. Sie hatten bereits fünfmal in der Woche trainiert, meist mit Jungs und Männern, zweimal mit ihren Vereinen. Als die Liga startete,
begannen sie, fünfmal pro Woche innerhalb der Vereine zu trainieren. Also wurde die Intensität des Trainings für unsere Spielerinnen weniger, obwohl wir
weiterhin einmal pro Woche mit der Nationalmannschaft trafen. Nach dem
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Spiel gegen Deutschland 2007 dachten wir, die Trainingseinheiten mit der
Nationalmannschaft seien nicht mehr nötig – und das war unser größter Fehler. Wir haben nicht gedacht, dass sich die körperliche Fitness so verschlechtern
würde.
Wie und wann haben Sie reagiert?
Nach dem Spiel gegen Belgien im vergangenen Jahr haben wir die Trainingseinheiten mit der Nationalmannschaft wieder aufgenommen. Seit den Playoff-Spielen
gegen Spanien treffen wir uns jeden Sonntag, um im konditionellen Bereich zu arbeiten.
England hat zentrale Verträge mit den Nationalspielerinnen eingeführt. Ist Ähnliches in den Niederlanden geplant?
Nein. Die Spielerinnen haben Verträge, die ihnen Geld zusichern, sollte sich ein Sponsor finden. Aber zu diesem Zeitpunkt ist keiner interessiert. Einige
größere Unternehmen hatten vorgefühlt, dann aber wegen der Wirtschaftskrise zurückgezogen.
Das Trainergespann Ed Engelkes und Vera Pauw vor der Partie gegen Deutschland.
Was ist der nächste wichtige Schritt, um den Frauenfußball im Land weiterzubringen?
Die EM 2013. Wir müssen sie einfach nach Holland bekommen, es würde unglaublich helfen. Nach den Finals in diesem Jahr beginnt die Bewerbungsphase und wir
werden unsere Unterlagen einreichen. Das Konzept muss überarbeitet werden, denn eventuell wird die EM auf 16 Mannschaften vergrößert.
Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Ihre Tipps für Halbfinals und Finale?
Natürlich Deutschland, das ist ganz logisch, Schweden ebenso. Aber ich denke, dass England sehr, sehr gut abschneiden wird. Wenn sie nicht zu früh im
Turnier auf Deutschland treffen, haben sie die Chance, das Finale zu spielen.
Neben Annemieke Kiesel ist Manon Melis (r.) die einzige Spielerin im EM-Kader, die im Ausland kickt.
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