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Europameisterschaft 2009

Gastgeber will Erfolg wiederholen

Finnlands EM-Ziel heißt Halbfinale

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

30.07.2009

Sein Tipp hieß 3:1 – am Ende war es ein 6:0. Dass die deutsche Mannschaft die Niederlande am vergangenen Samstag so hoch besiegen würde, hatte Michael Käld vor dem Spiel nicht gedacht. Der finnische Nationaltrainer saß auf der Tribüne und beobachtete die „Oranje“, seinen Gruppengegner bei der Europameisterschaft. Von dem Ergebnis wird er sich aber wohl nicht blenden lassen, schließlich ist die Vorbereitung seiner Mannschaft so akribisch wie nie.

Im Januar wurde Käld innerhalb des Verbandes befördert. Vorher nur Teilzeit-Nationaltrainer, kann er sich seitdem voll auf seine Mannschaft konzentrieren. „Wir haben seit Beginn des Jahres mehr Tage miteinander verbracht als jemals zuvor“, sagt Käld über die intensive Vorbereitung, aber schließlich ist „eine Europameisterschaft im eigenen Land eine einmalige Erfahrung.“ Die Nordländerinnen nahmen am Vier-Nationen-Turnier in China teil, absolvierten ein Trainingslager auf Zypern, spielten den Algarve Cup und weitere Freundschaftsspiele, unter anderem in der letzten Woche gegen Schweden.

Bis Januar im Hauptberuf Lehrer, zur EM zum Vollzeittrainer befördert: Michael Käld.

„Schweden hat einen ähnlichen Stil wie unser Gruppengegner Dänemark“, begründet Käld die Wahl des Gegners mit der Stärke der Däninnen. „Sie sind körperlich fit und sehr organisiert. Jede Spielerin weiß genau, was sie zu tun hat.“ Gegen Schweden gab es eine 1:3-Niederlage, die jedoch aufzeigte, woran die EM-Gastgeberinnen im nächsten Monat noch arbeiten müssen. „Unser Mittelfeld hat nicht gut gespielt, wir haben den Schwedinnen zu viel Raum gelassen. Auch das Passspiel war nicht auf dem Niveau, das ich mir wünsche.“


Schlüsselspielerin und Spielführerin: auf Anne Mäkinen liegen große Hoffnungen

Verstärkung für das Mittelfeld erhofft sich Käld durch die Rückkehr von Anne Mäkinen. Die Spielführerin war im Spiel gegen Schweden verletzt, hatte zuvor auch das Vier-Nationen-Turnier und den Algarve Cup nicht mitspielen können. Dennoch ist sie für ihren Trainer eine „Schlüsselspielerin“. 2006 hatte sich Mäkinen aus privaten Gründen aus der Nationalmannschaft zurückgezogen, vor zwei Jahren startete sie ihr Comeback, war jedoch immer wieder von Verletzungen geplagt. Für die EM rechnet Käld fest mit ihr, ob sie die noch folgenden Testspiele absolvieren kann, ist unsicher.

Definitiv verzichten muss die Mannschaft auf Leena Puranen, die sich im Ligaspiel in Schweden einen Kreuzbandriss zuzog. „Es ist sehr schade, denn Leena war im Winter eine unserer besten.“ Die Hoffnungen liegen daher auf den Stürmerinnen Sanna Talonen und Linda Sällström. „Beide sind sehr schnell, Linda hat gegen Schweden getroffen – sie ist vielleicht unser Joker bei der EM.“

Dort heißt das große Ziel der Finninnen, das Halbfinale zu erreichen. „Vor vier Jahren haben dafür ein Sieg und ein Unentschieden gereicht, bei dem neuen Modus werden wir uns steigern müssen.“ Käld ist sich jedoch nicht nur über die Stärken der Däninnen im Klaren, gerade gegen die Niederlande möchte er auf keinen Fall in Rückstand geraten. „Schießt Holland ein Tor, dann gewinnen sie 1:0“, scherzt der Finne über die Fähigkeit der „Oranje“, ein Ergebnis über die Zeit


retten zu können. Aber auch darüber hinaus sieht er in der Mannschaft von Trainerin Vera Pauw einen schnellen und technisch versierten Gruppengegner. Ähnliches gilt für die Ukraine, auch wenn Finnland noch nie gegen den EM-Neuling spielte. „Ich konnte einen Mitschnitt der Partie gegen Russland sehen. Gerade die linke Seite der Ukraine ist stark. Für sie ist es die erste EM-Teilnahme, da werden sie noch mal extra motiviert sein.“

Mit den Stärken der Neulinge aus den Niederlanden und der Ukraine begründet Käld, dass es seiner Meinung nach die richtige Entscheidung gewesen sei, das Teilnehmerfeld von acht auf zwölf Teams zu vergrößern. Damit nicht genug, unterstützt er die Überlegungen, schon 2013 auf 16 Mannschaften zu erhöhen. „Es sind neue Mannschaften dabei, aber das Turnier wird dennoch enger sein als zuvor und auf hohem Niveau gespielt.“

Auf ausverkaufte Stadien hofft Käld allerdings nur bei den Spielen der eigenen Mannschaft, bei den Partien der anderen, teils in den kleinen Stadien von Lahti und Turku, wäre er schon mit 2.000 bis 3.000 Zuschauern sehr zufrieden. Dabei sei die EM in den Medien ein immer größeres Thema. „Wir brauchen natürlich einen guten Auftakt gegen Dänemark, damit die Leute wieder kommen. Aber wir freuen uns auf Spiele und hoffen, dass wir auch nachhaltig etwas für den Frauenfußball tun können.“

Schnelligkeit und Ballkontrolle: Sanna Talonen soll Finnland ins Halbfinale schießen.

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