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Europameisterschaft 2009

Gruppenendspiel mit zwei Siegern

Schweden - England 1:1 (1:1)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

01.09.2009

Die englische Nationalmannschaft hat als bester Gruppendritter das Viertelfinale erreicht. Die „Three Lions“ trennten sich im Spitzenspiel von Schweden mit 1:1. Obwohl viele die Engländerinnen vor Turnierbeginn höher gehandelt hatten, könnte der dritte Rang nach den Entwicklungen in den anderen Gruppen nun das große Los sein.

„Viele haben England nach der Niederlage gegen Italien zum Auftakt nicht mehr so hoch gehandelt, wir haben uns dadurch nicht blenden lassen“, so Schwedens Trainer Thomas Dennerby. Obwohl den Engländerinnen ein Unentschieden zum Einzug ins Viertelfinale gereicht hätte, spielten sie von Beginn an offensiv nach vorne. Nach den sehr taktischen und defensiven Spielweisen der vergangenen Tage bot sich dadurch eine für die Zuschauer attraktivere Partie – taktisch gut überlegt war es dennoch.

Der zweite Platz in der Gruppe war von Anfang an ungeliebt bei den Engländerinnen – der Viertelfinalgegner hätte Deutschland geheißen, und dem Weltmeister wollte man gern aus dem Weg gehen. „Wir wollen die Gruppe gewinnen“, hatte Englands Nationaltrainerin Hope Powell vor dem Spiel gesagt. Nötig wäre dazu ein Sieg gegen den EM-Favoriten aus Schweden gewesen, und schnell zeigte sich, dass der durchaus möglich war.

Nach abgesessener Rotsperre wieder mit an Bord: Casey Stoney (l.), hier vor Anna Paulson am Ball, stabilisierte die linke Abwehrseite.

Die bereits für die nächste Runde qualifizierten Schwedinnen zeigten sich insbesondere mit Victoria Svensson und Lotta Schelin vorne sehr gefährlich, doch die Zuspiele auf die beiden Offensivspielerinnen kamen zu selten und zu ungenau. Beide mussten sich die Bälle häufig selbst im Mittelfeld erkämpfen und weite Wege gehen, sodass sich die englische Abwehr postieren konnte.

Dabei stach besonders Faye White hervor. Hope Powell musste sich vor der EM viel Kritik gefallen lassen, dass sie an ihrer Innenverteidigerin festhielt, obwohl diese aufgrund von Verletzungen wenig Spielpraxis sammeln konnte. Doch es zeigte sich ein ähnlicher Effekt, wie vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft: trotz Verletzung im Vorfeld lief White im Turner zu Hochform auf – im Spiel gegen Schweden gelang ihr ähnliches. Der Lohn kam gleich doppelt: In der 26. Minute traf White nach einem Freistoß per Kopf zur englischen Führung, nach der Partie wurde sie vom Technischen Team, vertreten durch Anna Signeul und Béatrice von Siebenthal, zur besten Spielerin des


Eindrucksvoll zurück gemeldet: Faye White nimmt die Auszeichnung als beste Spielerin der Partie entgegen.

Abends gewählt. White zeigte sich glücklich und dankbar zugleich. Glücklich über den Treffer, schließlich „schieße ich nicht so viele Tore“, dankbar über die Wahl, da sie ihn auch als Lohn für die ganze Arbeit der vergangenen Monate ansah. „Der Körper meldet sich einfach irgendwann“, so die 31-jährige Spielführerin, „aber die Ärzte und Physiotherapeuten haben mit mir wirklich super gearbeitet.“

Die offensivere Ausrichtung der „Lionesses“ schaffte auf der anderen Seite auch Räume für Schweden. Schon in der 20. Minute hätten sie durch Svensson in Führung gehen können, Schiedsrichterin Kateryna Monzul erkannte das Tor wegen Stürmerfoul korrekterweise jedoch nicht an. Dennoch unterstrich es die Gefährlichkeit der schwedischen Spielführerin, die immer wieder durch Einzelaktionen hervorstechen konnte. Schweden blieb gefährlich, und in der 39. Minute folgte der Lohn. Anna Paulson gewann das Laufduell mit Fara Williams, spielte auf Schelin, die im Strafraum gefoult wurde. Monzul zeigte auf den Elfmeterpunkt; Torhüterin Rachel Brown entschied sich zwar für die richtige Seite, hatte aber gegen den platzierten Schuss von Svensson keine Chance.

In Ballbesitz ist Victoria Svensson brandgefährlich, doch die Zuspiele auf sie waren meist zu ungenau.

Mit dem 1:1 ging es in die Pause. Die Schwedinnen kamen fitter aus der Kabine, zeigten einige schnelle und schöne Kombinationen – doch die zu ungenauen Zuspiele in die Spitze blieben das Problem. Nach etwa 15


Minuten übernahmen die Engländerinnen das Ruder und boten den engagierteren Fußball. England hatte zunehmend nichts mehr zu verlieren. Italien führte parallel gegen Russland, der dritte Platz in der Gruppe war gesichert, selbst bei einer Niederlage mit nur einem Tor Unterschied wären sie im Vergleich mit Dänemark besser gewesen und hätten sich für das Viertelfinale qualifiziert. Der so ungeliebte zweite Platz war nicht mehr möglich. Die Engländerinnen spielten auf Sieg.

Es sollte dennoch kein Tor mehr in Turku fallen. Schweden reichte der Punkt zum Gruppensieg, Italien und England qualifizierten sich ebenfalls für das Viertelfinale. Und der dritte Rang für die „Three Lions“ weckte Freude im Team: Deutschland umgangen, mit Finnland einen Gegner erwischt, der trotz vorzeitiger Qualifikation spielerisch noch nicht überzeugen konnte – außerdem vorerst kein neues Hotel. Bislang musste die Mannschaft für jedes Spiel die Stadt wechseln, jetzt dürfen sie bis Donnerstag in Turku bleiben.

Statistik

Schweden
Lindahl, Rohlin, Segerström, Paulson, Seger, Thunebro, Schelin (92. Lindén), Asllani (68. Nilsson), Svensson, Sjögran, Dahlkvist (60. Landström)

England
Brown, Scott, Stoney, Williams, Johnson, Carney, Chapman, Aluko (65. Westwood), K. Smith, S. Smith (90. Clarke), White

Tore
0:1 White (26.)
1:1 Svensson (39./FE)

Gelb
Sjögran, Asllani

Schiedsrichterin
Kateryna Monzul (Ukraine)

Zuschauer: 6.142

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