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Europameisterschaft 2009, Gruppe C

Mangelhafte Chancenverwertung verhindert Russlands Viertelfinaleinzug

Russland - Italien 0:2 (0:0)

Text und Bilder von ViolA

05.09.2009   Am letzten Gruppenspieltag stand für die vier Mannschaften der Gruppe C noch alles offen. Schweden, mit zwei Siegen auf Platz eins, war als einzige Mannschaft sicher im Viertelfinale und traf auf England. In Helsinki kam es zu der Begegnung Russland gegen Italien. Die Russinnen wären bei einem Sieg Tabellenzweiter geworden und hätten damit auch Dänemark das Viertelfinalticket gelöst, Italien reichte bereits ein Unentschieden um als Gruppendritter weiterzukommen.

Die Partie begann mit einer Vielzahl von Möglichkeiten auf beiden Seiten, wenn gleich die der Russinnen schnell an Übergewicht gewannen. Die Erste gehörte jedoch den Italienerinnen: Melania Gabbiadini wurde jedoch nach einem Alleingang kurz vor dem Tor von Elvira Todua, die nach einer längeren Verletzungspause zwischen die russischen Pfosten zurückgekehrt war, von Abwehrspielerin Anna Kozhnikova gestoppt. Eine Minute später spielte sich die russische Auswahl eine Großchance heraus, als Rossiyankas Olga Petrova zum Schuss kam. Anna Picarelli wehrte jedoch ab und hielt Petrovas Nachschuss sicher. Bayerns Carolina Pini, die einzige in Deutschland spielende auf dem Platz, verpasste das Tor in der fünften Minute nur knapp.

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Carolina Pini vom FC Bayern München (links) im Zweikampf mit Elena Morozova bei der Verteidigung des eigenen Tores. Keeperin Anna Picarelli braucht schließlich nicht einzugreifen

Für einigen Wirbel sorgte Elena Morozova, die das Spiel sowohl unermütlich von der rechten Außenbahn antrieb, als auch immer wieder selbst gefährlich vor dem gegnerischen Tor auftauchte. So auch in der zehnten Minute, als sie direkt vor dem Tor stehend auf die besser positionierte Olesya Kurochkina zurücklegte. Deren Schuss blockte Picarelli jedoch ebenfalls ab. Wenig später scheiterte sie abermals an der italenischen Torfrau und ihr Nachschuss flog übers Tor.

In der 17. Minute kam Italien zu einem der wenigen Torchancen, doch Kapitänin Patrizia Panico scheiterte an Todua, die den Schuss mit einer Glanzparade abwehrte. Danach übernahm Russland wieder die Kontrolle über das Spiel, scheiterte aber weiterhin am eigenen Unvermögen, Nervösität und der gut reagierenden italienischen Torfrau. Valentina Savchenkova, die bei Zvezda-2005 Perm unter Vertrag steht, stieß über die linke Außenbahn nach vorne und suchte selbst den Abschluss, traf dann aber nur das Außennetz.

Sara Gama

An der vielbeinigen italienischen Abwehr war kein Vorbeikommen. Hier verhindert Sara Gama, dass Elena Fomina zur in der Mitte von Carolina Pini gedeckten Elena Morozova durchstecken kann

Nach einer halben Stunde Spielzeit meldeten sich die Italienerinnen per Distanzschuss aus knapp 30 Metern durch Sara Gama zurück. Ihren Schuss lenkte Torfrau Todua mit den Fingerspitzen übers Tor. Knapp fünf Minuten später wurde sie zu einer weiteren Glanzleistung gezwungen: Panicos Schuss stoppte sie auf der Linie.


Olesya Kurochkina

Einige Male stand Russland kurz vor einem Torerfolg. Auch hier sieht es in der Perspektive des Bildes so aus, als sei Italiens Keeperin Anna Picarelli geschlagen, doch der Ball prallt quer durch den Strafraum, und auch Olesya Kurochkina mit der Nr. 10 bekommt keine Möglichkeit, ihn einzunetzen

Doch auch die Russinnen blieben gefährlich. Kurz vor der Pause hatten sie ihre größte Torchance: Elena Fomia traf jedoch nur den Pfosten und der Nachschuss von Olga Petrova landete an der Querlatte. Nur vier Miunten später scheiterte letztere abermals vor dem Tor, als sie den Ball Volley übers Tor setzte. Eine Führung Russlands wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen, wie auch der italienische Trainer Pietro Ghedin nach dem Spiel zugab: "Russland hat grandios gespielt. Wir hatten viel Glück."

Olga Petrova

Olga Petrova (Nr. 15) traf kurz vor der Pause nur die Querlatte des italienischen Tores

Die italienische Auswahl kam nach dem Wiederanpfiff immer besser in die Partie. So musste Rossiyankas Abwehrspielerin Nathalia Pertseva den Ball in der 53. Minute von der Torlinie kratzen. Doch auch Russland kam zu weiteren Möglichkeiten: Die zur Pause für die verletzte Kapitänin Tatiana Skotnikova gekommene Ekaterina Sochneva flankte den Ball in den Strafraum, doch Picarelli pflückte der heranstürmenden Kurochkina den Ball vom Fuß.

In der 77. Minute wehrte Todua einen Freistoß der Italienerinnen glänzend ab, hatte jedoch keine Abwehrchance beim Nachschuss von Melania Gabbiadini, die zum Player of the Match gewählt wurde. Die 1:0-Führung der italienischen Auswahl wirkte wie ein Schock auf die Russinnen, die die Partie bis dahin praktisch kontrolliert hatten. "Nach dem ersten Tor hat Russland an Konzentration und Hoffnung verloren und wir haben dies nutzen können. Wir haben immer besser gespielt und das Spiel letztendlich in die Hand genommen," bilanzierte Pietro Ghedin.

Anna Picarelli

Auch dieser Angriff endet in einem Kullerball genau auf Italiens Keeperin Anna Picarelli. So konnte Russland kein Tor gelingen!

Trotzdem kamen die Östeuropäerinnen noch zu einigen Chancen. Doch Anna Kozhnikovas Kopfball ging übers Tor (80.) und Natalia Barbashinas Schuss traf nur den Pfosten (83.). Italien nahm nach der Führung das Tempo heraus, erzielte in der Nachspielzeit allerdings noch einen weiteren Treffer. Tatiana Zorris Freistoß schlug unhaltbar zum 2:0-Sieg in der rechten unteren Torecke ein.

Trainer Ghedin zeigte sich nach dem Spiel sichtlich begeistert: "Ich bin stolz auf die Mannschaft, wir haben das beste Ergebnis seit 20 Jahren erreicht. Wir haben gegen große Mannschaften wie England und Russland sechs Punkte geholt."


Sein russischer Kollege Igor Shalimov, der seiner Mannschaft bis 2011 erhalten bleiben wird, wußte den Niederlagen dennoch etwas abzugewinnen: "Die diesjährige Europameisterschaft ist das erste große Turnier für uns und wir nehmen viel Erfahrung mit nach Hause. Die Spielerinnen wissen nun was sie noch tun müssen, um so ein Level zu erreichen. Natürlich wollten wir ein besseres Ergebnis erreichen. Nicht zuletzt auch um die Entwicklung des Frauenfußballs in Russland zu stärken und voranzutreiben." Als nächstes Ziel setzte er sich und der Mannschaft die Weltmeisterschaftsendrunde in Deutschland. "Unsere Technik, Strategie und Fitness waren gut, aber es fehlt noch an einigen anderen Dingen." Sollten sie diese Probleme, allen voran das der fehlenden Stürmerinnen, bis dahin gelöst haben, dürften sie auch in Zukunft für einige Überraschungen sorgen und sicherlich mit einem deutlich besseren Ergebnis abschneiden.

Igor Shalimov

Russlands Trainer Igor Shalimov bat um Verständnis für das schlechte Abschneiden seines Teams: „Es war das erste große Turnier für uns”. Für die weitere Entwicklung seiner Elf sei dies ein sehr wichtiger Schritt gewesen




Russland:
Todua - Pertseva, Kozhnikova, Tsybutovich, Poryadina (61. Elena Danilova), Fomina, Skotnikova (46. Sochneva), Savchenkova (68. Barbashina), Kurochkina, Petrova, Morozova

Italien:
Picarelli - Gama, D'Adda, Tuttino (10. Zorri), Tona, Schiavi, Domenichetti, Gabbiadini, Carissimi, Panico, Pini (64. Manieri)

Tore:
0:1 Gabbiadini (77.)
0:2 Zorri (90+3.)

Gelbe Karten: Pertseva, Tsybutovich / Carissimi

Schiedsrichterin: Gyöngyi Gaal (HUN)


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