Europameisterschaft 2009, ViertelfinaleElfmeterkrimi entschädigt für müdes SpielNiederlande - Frankreich 5:4 n.E. (0:0) | ||
Text von ViolA 05.09.2009 Nachdem sich das Team der Niederlande schon durch eine engagierte Abwehrleistung ins Viertelfinale gemauert hatte, gelang dem Team von Trainerin Vera Pauw nun auch im Viertelfinalspiel gegen Frankreich das Kunststück, einen überlegenen Gegner durch konsequente Abwehrarbeit an den Rand der Verzweiflung zu treiben und schließlich sogar zu besiegen. Im ersten Viertelfinale zwischen Finnland und England hatte sich das Team von Trainerin Hope Powell durchgesetzt. In der zweiten Partie des Tages sollte der Halbfinalgegner Englands zwischen den Niederlanden und Frankreich ermittelt werden. Frankreichs Trainer Bruno Bini hatte seine Mannschaft dafür auf drei Positionen verändert: Céline Deville rückte erstmals für Sara Bouhaddi zwischen die Pfosten, Corine Franco war nach ihrer Verletzung wieder einsatzbereit und Amandine Henry sollte die Abwehr verstärken. Frankreichs Trainer Bruno Bini quittierte das Ausscheiden seiner Elf mit sichtlicher Enttäuschung Am Ende bemerkte Bini mit grimmigem Gesicht: "Wir hätten zehn Jahre so weiter spielen können und doch kein Tor gemacht." Ob dies tatsächlich der Fall gewesen wäre, ist schwer zu sagen. Allerdings fasst die Aussage des Trainers das Spielgeschehen in einem Satz knapp zusammen. Es beinhaltet die glänzende Abwehrleistung der niederländischen Mannschaft genauso wie die Ideenlosigkeit seines Team um eben jene Blockade zu überwinden. Spiele mit solch ausgelegter Taktik sind selten attraktiv, führen nicht selten aber zur Niederlage des Favoriten. Auch dieses Mal ging das Konzept auf und so zeigte sich Trainerin Vera Pauw den Journalisten nach der Begegnung mit einem breiten Strahlen. "Nach dem Einzug ins Viertelfinale waren wir so glücklich. Wir waren alle davon überzeugt, dass wir solche Gefühle nicht nochmal erleben würden in der nächsten Zeit. Es ist unbeschreiblich. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft." ![]() Vera Pauw, die Trainerin der Niederlanden hätte sich den Halbfinaleinzug ihrer Elf nicht träumen lassen Der überraschende Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft wurde nur durch wenige Torchancen der Französinnen gefährdet. "Immer wenn Thomis gerannt ist und am Ball war, wurde es gefährlich für uns. Ich habe meinen Spielerinnen gesagt, dass sie die gefährlichste Gegenspielerin ist und wir gut auf sie aufpassen müssen," erzählte Pauw. Es ist ihrer Mannschaft glänzend gelungen. |
Nach dem entscheidenden Elfmeterschuss durch Anouk Hoogendijk waren die Niederländerinnen in ihrer Freude kaum zu halten: erstmals bei einer EM-Finalrunde dabei, hat es das Team bereits bis ins Halbfinale geschafft! | |
|
In der ersten Halbzeit, als Frankreich noch zu Torchancen kam, hatte Thomis nur zwei Gelegenheiten um auf das Tor von Loes Geurts zu schießen. Ein Distanzschuss aus der 29. Minute ging jedoch übers Tor und ihren zweiten Versuch vereitelte Manoe Meulen in letzter Sekunde. ![]() Manoe Meulen rettete in höchster Not vor Frankreichs gefährlichster Angreiferin Elodie Thomis Dafür versetzte Manon Melis bei den überfallartig vorgetragenen niederländischen Kontern die französische Abwehr ein ums andere Mal in Aufruhr. In der 15. Minute entwischte sie dieser, lief frei aufs gegnerische Tor zu und schoss. Céline Deville kam gerade noch mit den Fingerspitzen an den Ball, der dann hauchdünn am Pfosten vorbeiging. Auch die zweite Halbzeit bot den gleichen Anblick: Zunehmend frustrierte und verzweifelte Französinnen rannten gegen die immer besser agierende niederländische Abwehr an, die durch einzelne Konter über Kirsten van de Ven und später Manon Melis entlastet wurde. Zwingende Torchancen sprangen jedoch auf beiden Seiten nicht heraus und so hieß es auch nach regulärer Spielzeit weiterhin 0:0. Somit ging es in die Verlängerung, die jedoch das Ebenbild der ersten 90 Minuten war und so musste die Partie schließlich im Elfmeterschießen entschieden werden. Die Niederlande hätten durch die über Manon Melis (links, hier gegen Camille Abily) vorgetragenen schnellen Konter sogar in der regulären Spielzeit in Führung gehen können Dort wurde es endlich spannend: Frankreich legte immer wieder vor und die Niederländerinnen glichen immer wieder aus, bis schließlich Corine Franco die Nerven versagten. Doch auch Niederlandes Kapitänin Daphne Koster verschoss und so stand es nach dem ersten Durchgang weiterhin Unentschieden. Als wäre das nicht kurios genug gewesen, wiederholte sich die Szene nachdem doch zunächst alle sicher verwandelt hatten: Ophélie Meilleroux traf den Pfosten, während Dyanne Bitos Schuss von Deville abgewehrt wurde. Daraufhin verschoss Candie Herbert. Als nächstes war Anouk Hoogendijk an der Reihe. Die 24-Jährige vom FC Utrecht entschied die Begegnung schließlich mit ihrem Treffer zum 5:4. |
Mit diesem Elfmeterschuss machte Anouk Hoogendijk den Sieg für die Niederlande perfekt "Wir haben in fast jeder Session Strafstöße geübt, da viele unserer Spielerinnen keinerlei Erfahrung damit hatten," bemerkte Vera Pauw. "Das hat uns jetzt sicherlich geholfen. Trotzdem bin ich fast gestorben, vor allem als wir die zwei Strafstöße verschossen haben." Sie lächelte und fügte hinzu: "Meine Spielerinnen haben aber gesagt, dass wir ein Team sind. Wir würden den Sieg verdienen und dass wir gewinnen werden. Sie haben einander alle unterstützt. Das hat uns so stark gemacht." Gegen England rechne sie sich keine Chancen aus, gab sie zu. Allerdings hätte sie sich einen Einzug ins Halbfinale vor der Europameisterschaft wohl auch nicht erträumen lassen. Zumal dieser nun zu einigen Veränderungen im Land führend wird. Der niederländische Verband wird seinen Spielerinnen das erste Mal Geld für die Leistungen auszahlen und eine Professionalisierung ab der kommenden Saison ermöglichen. Der Weg in die Zukunft ist also orange und vielleicht erwartet uns ja bereits in wenigen Tagen die nächste Überraschung... Der niederländische Fußballverband honoriert die Leistung der Elf um die beim FCR Duisburg spielende Annemieke Kiesel, die hier gegen Louisa Necib und Corine Franco den Ball führt
| |