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Europameisterschaft 2009, Gruppe A

Kalmari köpft Finnland ins Viertelfinale

Niederlande - Finnland 1:2 (1:1)

Text und Bilder von Nora Kruse

27.08.2009   „Wenn mir vor einem Monat jemand gesagt hätte, dass wir am 26. August als Sieger der Gruppe A feststehen würden, hätte ich das nicht geglaubt”, so ein stolzer Michael Käld nach dem 2:1-Sieg gegen die Niederlande. Doch während Finnland sicher im Viertelfinale ist, haben die Rechenspielchen auf niederländischer Seite schon begonnen. Trainerin Vera Pauw begann das Taktieren nach 70 Minuten und handelte sich sowohl Unverständnis als auch Pfiffe der Fans ein.

„Zunächst einmal möchte ich mich für die letzten zwanzig Minuten entschuldigen”, waren Pauws erste Worte auf der Pressekonferenz. In der 69. Minute fiel das finnische 2:1, und Pauw stellte die Taktik um. Anstatt ihre Spielerinnen nach vorne stürmen zu lassen, verlangte sie ein Defensivbollwerk. „Ich kenne meine Mannschaft sehr gut, kann deren Stimmung einschätzen”, so die Trainerin, die sich an das Spiel in Deutschland erinnert fühlte und fürchtete, in einen Strudel zu geraten und von Finnland noch mehr Gegentreffer zu kassieren.

Vera Pauw

Die niederländische Trainerin Vera Pauw ging auf Nummer Sicher und ließ ihr Team die 1:2-Niederlage 20 Minuten lang fest mauern. Eine höhere Niederlage hätte eine schlechtere Ausgangsbasis für das letzte Gruppenspiel bedeutet

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch ein Tor erzielen, war weit geringer, als dass Finnland uns noch mehr einschenkt.” Und das war Pauws größte Angst; die Niederländerin wollte um jeden Preis vermeiden, am Ende des Spiels ein negatives Torverhältnis zu haben. Also hieß es ausharren und zwanzig Minuten mauern. Im Publikum kam das nicht gut an, in zwei Szenen kickten sich die Finninnen den Ball in der Abwehrkette hin und her, Pauw verbot ihren Spielerinnen nach vorne zu gehen und wies sie an, in der eigenen Hälfte zu bleiben und abzuwarten.

Die Wellen, die das Taktieren der Niederländerin nach der Partie schlug, waren hoch. „Ich bin schon sehr lange im Trainergeschäft, so etwas habe ich noch nicht gesehen”, so Finnlands Nationaltrainer Michael Käld. Kommentieren wollte er es nicht weiter, doch Pauw musste sich vor der Presse immer wieder rechtfertigen. „Ich habe gefühlt, nein gewusst, dass wir das Spiel gar mit einem 1:4 verlieren könnten, dann wären wir so gut wie aus dem Turnier.” Jetzt haben die Niederländerinnen ein Torverhältnis von 3:2, sogar mit einer knappen Niederlage gegen die Däninnen am Samstag könnte das Viertelfinale als Gruppendritter machbar sein.


Kirsten van de Ven

Kirsten van de Ven, hier im orangenen Trikot im Zeikampf mit Tiina Salmen, erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für die Niederlande

Es mag keine schöne Schlussphase in einer ansonsten attraktiven Begegnung gewesen sein, überbewerten sollte man es aber nicht – taktieren gehört dazu, „Turnierfußball” nannte es Pauw. Und trotz der defensiven Einstellung hatten die Niederländerinnen kurz vor Schluss noch zwei Möglichkeiten zum Ausgleich. In der 82. Minute musste Finnlands Torhüterin Tinja-Riika Korpela sich bei einem Flachschuss von Chantal de Ridder strecken. Zwei Minuten später waren es de Ridder und Manon Melis, die einen schöne Kombination zeigten; Sanna Valkonen konnte aber klären.

Sanna Valkonen

Sanna Valkonen vereitelte eine gute Chance der Niederländerinnen kurz vor Ende des Spiels

Am Ende hieß es also 2:1 für Finnland, die 16.000 Fans waren außer sich vor Freude, und zur besten Spielerin der Partie wurde Laura Österberg Kalmari gewählt. Sie erzielte beide Treffer und war darüber stolz, erfreut und überrascht zugleich. „Ich glaube, ich habe noch nie zwei Kopfballtore in einem Spiel gemacht.” Nach gerade einmal sieben Minuten netzte die Stürmerin erstmals ein, an der Grenze zum Fünfmeterraum flog ihr Kopfball unhaltbar über Torhüterin Loes Geurts hinweg. Der zweite Treffer gelang ihr in der 69. Minute, als sie nach einem Getümmel im Strafraum für die Entscheidung sorgte.

Finnland, die viele nicht so stark wie vor vier Jahren erwartet hatten, haben sich nun als erstes Team für das Viertelfinale qualifiziert. Das Olympiastadion werden sie dabei als Spielstätte verlassen, die Reise wird nach Turku gehen. Gut für die Stadt, denn bislang sehen die Spiele ohne Beteiligung der


Gastgeberinnen in den kleineren Stadien des Landes doch eher blass aus. Der Zuschauerzuspruch ist gering, Werbung nicht vorhanden. Vielleicht kann die Heimmannschaft dazu beitragen, etwas von der Euphorie, die im Olympiastadion herrscht, in die anderen Städte zu tragen.

Laura Österberg Kalmari

„Ich glaube, ich habe noch nie zwei Kopfballtore in einem Spiel gemacht.” Laura Österberg Kalmari hätte sich vor dem Spiel kaum träumen können, was dann geschah

Niederlande:
Geurts - Bito, Koster, Meulen, Hogewoning, Hoogendijk, Kiesel, van de Ven, Melis, Stevens (68. de Ridder), Smit

Finnland:
Korpela - Vaelma, Julin (78. Rantanen), Valkonen, Salmén, Mäkinen, Österberg Kalmari, Westerlund (46. Sjölund), Sällström, Sainio, Saari

Tore:
0:1 Österberg Kalmari (7.)
1:1 van de Ven (25.)
1:2 Österberg Kalmari (69.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Jenny Palmqvist (Schweden)

Zuschauer: 16.148


Weitere Bilder von Nora Kruse von der Europameisterschaft:
http://www.ff-archiv.de/


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