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Europameisterschaft 2009, Gruppe C

Souveräne Vorstellung

Italien - Schweden 0:2 (0:2)

Text und Fotos von Martin Kochem

30.08.2009   Mit einem zwar nicht glanzvollen, aber mit klarer Überlegenheit herausgespielten 2:0-Erfolg unterstrich das schwedische Team eindrucksvoll seine Ambitionen auf den Viertelfinaleinzug und bestätigte einmal mehr seine (Mit-)Favoritenrolle auf den EM-Titelgewinn.

Im einigermaßen gut gefüllten Turku Stadium demonstrierten die „Tre Kroners” von Beginn an, wer Herrin im Hause ist. So vergab Mittelstürmerin Lotta Schelin bereits nach wenigen Sekunden eine hochkarätige Möglichkeit, als sie vom Anstoß weg plötzlich frei vor dem Gehäuse von Keeperin Anna Picarelli auftauchte, diese jedoch anschoss und ihr so die Gelegenheit gab, den sicheren Führungstreffer der Skandinavierinnen zu verhindern.

Frauenfußball Nationalmannschaft Italien

Noch ist alles drin für das Team aus Italien - hier die Startformation vor dem Spiel gegen Schweden. Durch einen Punktgewinn gegen Russland im letzten Spiel wären die Azurra auf jeden Fall schon mal nicht schlechtester Dritter. Bei einer gleichzeitigen Niederlage von England gegen Schweden „droht” sogar der zweite Platz in der Gruppe - dann wären die Italienerinnen die Gegner Deutschlands im Viertelfinale!

Nachdem Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus einem Treffer von Lisa Dahlkvist nach vorherigem Foulspiel zurecht die Anerkennung verweigert hatte (3.), war es nach 9 Minuten dann aber soweit. Kapitänin Vitoria Svensson schickte Lotta Schelin mit einem Zuckersteilpass auf die Reise und es hieß 1:0 für Blau-Gelb.

Lotta Schelin

Die entscheidende Szene aus der neunten Spielminute: Lotta Schelin erzielt im Fallen den Führungstreffer für Schweden

Nur 10 Minuten später bediente Lotta Schelin über die rechte Angriffseite Kosovare Asllani, die keine Mühe mehr hatte, zur 2:0-Vorentscheidung einzunetzen. Sichtlich geschockt von diesen beiden frühen Gegentoren brachten die Italienerinnen in der Folgezeit keinen einzigen vernünftigen Angriff mehr zustande und fast schien es so, als ob sich die Überraschungssiegerinnen des ersten Spieltags frühzeitig mit der (wohl eingeplanten) Niederlage abgefunden hatten.

Kosovare Asllani gegen Carolina Pini

Zwei junge im Zweikampf: links Kosovare Asllani, die das 2:0 erzielte und ein starkes Spiel machte, rechts Carolina Pini aus der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, die nicht ganz so zur Geltung kam

Die Schwedinnen ihrerseits taten in der Folgezeit nicht mehr als nötig und kamen vor der Pause nach Rückpass von Svensson durch Sjögran noch zu einer nennenswerten Torchance, doch diese hämmerte das Leder aus 20 Metern knapp über das Tor.


Kosovare Asllani

Die erst 20-jährige Kosovare Asllani hatte allen Grund zum Jubeln: eben hatte sie in ihr erstes Tor in einem Länderspiel der A-Nationalmannschaft erzielt und ihr Team damit ins Viertelfinale geschossen. Spielmacherin Therese Sjögran kommt zum Gratulieren

Nach dem Wechsel verwalteten die Schwedinnen das Ergebnis souverän, während die Azzurri kaum einmal bis zum Strafraum der Skandinavierinnen vordringen konnten. Jegliche zarten Angriffsbemühungen des gegenüber dem England-Spiel kaum noch wiederzuerkennenden Teams um Kapitänin Patrizia Panico wurde bereits im Ansatz durch die sicher stehende, allerdings auch kaum geforderte Viererabwehrkette der Schwedinnen unterbunden.

So kam es nicht von ungefähr, dass sich Abwehrspielerin Sara Thunebro dann und wann über die linke Angriffseite in die Offensive einschalten konnte und Pech hatte, mit einem Distanzschuss aus gut 25 Metern nur die Latte zu treffen (74.). Dies blieb in einer wenig ansehnlichen zweiten Spielhälfte der einzige Höhepunkt...

Sara Thunebro

FFC-Frankfurt-Neuzugang Sara Thunebro bot auf der linken Abwehrseite eine fehlerlose Vorstellung, sorgte für viel Druck nach vorne und hätte beinahe sogar ein Tor erzielt

Auf Seiten Italiens brachte eigentlich nur Keeperin Picarelli eine Klasseleistung, der Rest des Teams wirkte gegen die körperlich allerdings deutlich überlegenen Schwedinnen überfordert. Fast alle Schwedinnen waren deutlich kräftiger und ein ganzes Stück größer als ihre Gegenspielerinnen, die dieses Manko nicht durch technische oder fußballerische Fähigkeiten ausgleichen konnten.

Schweden ist nach jetzt zwei ganz starken Vorstellungen auf gleicher Höhe wie das deutsche Team einzuordnen, diese beiden boten bisher ganz klar die stärksten Leistungen des Turniers mit deutlichem Abstand zu allen anderen Mannschaften.

Schweden ist nach zwei Siegen sicher im Viertelfinale. Die Ausgangslage vor dem dritten Gruppenspieltag in der Gruppe C ist jedoch recht unübersichtlich. Sollte England im letzten Spiel gegen Schweden gewinnen, Italien gleichzeitig auch gegen Russland, so hätten Schweden, England und Italien je sechs Punkte. England hätte dabei gegen Schweden gewonnen, Italien gegen England und Schweden gegen Italien, so dass aus


dem direkten Vergleich keine Rangfolge abzuleiten wäre. Es käme auf das Torverhältnis an, wobei die gegen Russland erzielten Tore bei allen drei Teams aus der Wertung fallen würden. Es ist also noch offen, wer als Zweiter der Gruppe C im Viertelfinale auf die DFB-Auswahl trifft, die als Gruppensieger der Gruppe B bereits fest steht. Die Schwedinnen werden jedoch alles geben, um durch zumindest einen Punktgewinn gegen England dem deutschen Team im Viertelfinale aus dem Weg zu gehen. Damit könnte es eng für England werden, denn bei einer Niederlage gegen Schweden stünde das Team von der Insel am Ende der Gruppenphase mit drei Punkten da und müsste sich dem Risiko aussetzen, als schlechtester der Gruppendritten auszuscheiden.

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Victoria "Vickan" Svensson bereitete den frühen Führungstreffer vor und lässt hier Roberta D'Adda stehen - ein Zusammentreffen mit Svensson und ihrem Team bereits im Viertelfinale wäre ein dicker Brocken für die deutsche Mannschaft!




Italien:
Picarelli - Gama, D'Adda, Tuttino, Tona - Schiavi, Domenichetti, Gabbiadini (69. Fuselli), Zorri (75. Parisi) - Panico, Pini

Schweden:
Lindahl - Paulson, Segerström, Rohlin, Thunebro - Asllani (79. Liljegärd), Seger, Dahlkvist (66. Fischer), Sjögran (89. Fors) - Schelin, Svensson

Tore:
0:1 Schelin (9.)
0:2 Asllani (19.)

Gelbe Karten:Fischer

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Deutschland)

Zuschauer: ca. 5.000




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