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Europameisterschaft 2009, Viertelfinale

Englische Nadelstiche setzen finnische Dauerläufer schachmatt

Finnland - England 2:3 (0:1)

Text von Roland Baumann
Fotos von Nora Kruse

05.09.2009   In der über 90 Minuten rasant gespielten Partie qualifizierte sich das englische Team als erster Teilnehmer für das kommende Halbfinale. Trotz des zwischenzeitlichen 1:3-Rückstandes gaben die Skandinavierinnen nie auf und hatten in der Schlussphase auch noch eine Riesenmöglichkeit, das Spiel in die Verlängerung zu bringen. Letztlich setze sich England aufgrund des wesentlich effektiveren Spiels mit zwei Toren von Eniola Aluko als der besten Spielerin des Tages, sowie einem Treffer von Fara Williams bei zwei Gegentreffern von Annica Sjölund und Linda Sällström durch.

Die 7247 Zuschauern im fast ausverkauften Veritas-Stadion zu Turku sorgten schon früh für eine klasse Atmosphäre. Sowohl englische wie finnische Fans feuerten lautstark, aber friedlich, ihre Teams an. Bereits in der zweiten Minute erarbeitete sich Sue Smith eine erste gute Möglichkeit, als ihr 20-Meter-Schuss knapp über das Tor strich. Wenig später bediente Williams ihre Teamkollegin Aluko, die jedoch aus abseitsverdächtiger Position gegen Tinja-Rikka Korpela das Nachsehen hatte. In der elften Minute bot sich Finnland eine prächtige Chance. Nach einem tollen Zuspiel auf Essi Sainio in Strafraum, legte diese auf Laura Österberg Kalmari ab, deren Schuss von Rachel Brown gerade noch um den Pfosten gedreht werden konnte.

Laura Österberg Kalmari vs. Katie Chapman

Finnlands erfolgreichste Torjägerin Laura Österberg Kalmari (weißes Trikot) hatte die erste große Chance für Finnland. Hier kommt sie aber nicht an den von Katie Chapman abgeschirmten Ball

Wie effektiv Forechecking sein kann, zeigte die 14. Minute. Bei einer schlappen Rückgabe von Majia Saari auf ihre Torhüterin setzte Aluko nach und zwang Korpela zu einem unplatzierten Befreiungsschlag. Der Ball kam auch gleich wieder zurück auf Aluko, die die Verwirrung in der finnischen Abwehr zum 0:1 nutze. Aber auch die englische Abwehr zeigte Nerven. In der 19. Minute verlor Anita Asante nach einem Abspielfehler den Ball an Österberg Kalmari, die auf Sainio ablegte. Nur durch beherzten Einsatz konnte Faye White den Ausgleich verhindern.

Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem zwar Finnland sich mehr Chancen erarbeitete, aber England die klar besseren Tormöglichkeiten hatte. Bei einem der finnischen Angriffe prallte White mit einer Gegenspielerin so unglücklich zusammen, dass sie nach einer mehrminütigen Behandlung taumelnd vom Platz geführt und durch Jill Scott ersetzt werden musste. Es blieb zur Pause bei der knappen 0:1 Führung Englands.

Faye White

Englands Abwehrchefin Faye White mußte nach einen Zusammenprall ausgewechselt werden

Auch in der zweiten Hälfte änderte sich das Bild nicht. Finnland spielte und suchte den Ausgleich. Aber England hielt dagegen und traf. In einem Zweikampf an der rechten finnischen Torauslinie wurde Karen Carney


Frauenfußball Nationalmannschaft England

Enland ist im Halbfinale der Europameisterschaft 2009! Nach dem Sieg gegen Gastgeber Finnland war die Freude bei den Spielerinnen entsprechend groß. Nach dem Spiel bedankte sich das Team bei seinen Fans für die Unterstützung: mit der Nr. 5 Lindsay Johnson, mit der Nr. 11 Sue Smith, mit der Nr. 12 Jill Scott

gefoult. Den fälligen Freistoß konnte Korpela zwar abfangen, ließ ihn aber abtropfen. Williams schaltete am schnellsten und schob das Leder zum 0:2 über die Linie.

Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde der finnische Einsatz belohnt. Sällström erkämpfte sich auf der rechten Außenbahn einen Eckball, den die eingewechselte Sjölund im Nachsetzen zum 1:2 über die Linie bugsierte. Die Freude war riesig, allerdings währte sie nicht lange. Vom Anstoßpunkt weg marschierte Aluko vor, ließ sich von niemanden aufhalten und stellte den alten Zweitorevorsprung wieder her.

Eniola Aluko

Eniola Aluko entschied mit ihren beiden Toren letztlich die Partie. Der zweite Treffer gelang ihr im Alleingang vom Anstoßpunkt weg!

Unermüdlich bemühte sich die finnische Elf um Ergebniskorrektur, was auch von den Zuschauern frenetisch unterstützt wurde. In der 78. Minute war es wieder so weit. Erneut hatte sich das finnische Team auf der rechten Seite einen Eckball herausgeholt, den Sällström zum 2:3 verwertete.

Bis zum Abpfiff sollte es turbulent bleiben. In der 85. Minute gab es erneut einen Eckstoß für Finnland. Diesmal fischte sich Brown den Ball aus dem Getümmel heraus. Vier Minuten später verlor Katie Chapman den Ball im eigenen Strafraum an Sällström, doch verhinderte Brown mit einem klasse Reflex den Ausgleich. Im Gegenzug narrte wieder mal Aluko die finnische Abwehr und hatte das 2:4 auf dem Fuß, doch ging ihr Schuss knapp am Tor vorbei. Dann war Schluss. Unter dem riesigen Jubel der 'Three Lions' und ihrer Fans pfiff Schiedsrichterin Dagmar Damkova die heiß umkämpfte Partie ab.

Für Aluko sei es ein großartiges Gefühl gewesen, erklärte die Stürmerin nach dem Spiel. Beim 1:3 habe sie nicht viel nachgedacht, nur den freien Raum gesehen, losgestürmt und den Abschluss gesucht. Es sei ein Tor, von dem man nur träumen könne. Sie anerkannte die finnische Abwehrleistung, gegen die sie einige Male auf ärgerliche Weise den Ball verloren habe.


Auch Englands Trainerin Hope Powell war sehr glücklich. Es schien ihr, als ob in den letzten 20 Minuten die Zeit still stehen geblieben wäre. „Wir hatten nicht den besten Fußball geboten, aber das lag auch an der Leistung der finnischen Elf, die nicht mehr zugelassen hat”. Jetzt möchte sie mit ihrem Team bis zum Endspiel dabei bleiben.

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Das Anschlusstor von Linda Sällström, die hier von Karen Carney bedrängt wird, reichte für Finnland letztlich nicht mehr

Der finnische Trainer Michael Käld war vom Ergebnis sehr enttäuscht. Er sei sehr stolz auf sein Team, das gezeigt habe, dass es gewinnen wollte und bis zum bitteren Ende gekämpft habe. „England gelangen 'einfache' Tore, was nicht hätte passieren dürfen, zumal wir erst fünf Stunden zuvor darüber gesprochen hatten. Die Situation zum 1:3 war ein totaler Blackout. Wir hatten unsere Chance, aber das Ergebnis ist nun mal das Ergebnis”.



Finnland:
Korpela – Vaelma, Julin (72. Westerlund), Salmén, Mäkinen, Österberg Kalmari, Hyyrynen, Sällström, Sainio (52. Sjölund), Talonen (75. Malaska), Saari

England:
Brown – Stoney, Williams, Johnson (68. Bassett), Asante, Carney, Chapmann, Aluko, K. Smith, S. Smith, White (41. J. Scott)

Tore:
0:1 Aluko (14.)
0:2 Williams (49.)
1:2 Sjölund (66.)
1:3 Aluko (67.)
2:3 Sällström (79.)

Gelbe Karten: - / -

Schiedsrichterin:Dagmar Damkova (Tschechien)

Zuschauer: 7247


Weitere Bilder von Nora Kruse von der Europameisterschaft:
http://www.ff-archiv.de/


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