Europameisterschaft 2009, HalbfinaleSpätes Tor besiegelt verdienten FinaleinzugEngland - Niederlande 2:1 n.V. (1:1; 0:0) | ||
Text von ViolA 07.09.2009 Im ersten Halbfinale der Europameisterschaft 2009 trafen England und die Niederlande aufeinander. England ging als haushoher Favorit in dieses Spiel gegen einen Gegner, der sich bei seiner ersten EM-Endrundenteilnahme durch ein 0:0 gegen Frankreich mit nachfolgendem Sieg im Elfmeterschießen ins Halbfinale regelrecht gemauert hatte. Doch beinahe hätte England mit den Niederlanden dieselbe leidvolle Erfahrung gemacht - beinahe... Die Engländerinnen, die ohne ihre verletzte Spielführerin Faye White auskommen mussten, zeigten sich von Beginn an spielstark und hatten bereits in der sechsten Spielminute ihre erste Großchance. Den Volleyschuss von Kelly Smith, der die Unterkante der Querlatte berührte, hatte die niederländische Torhüterin Loes Guerts erst im Nachfassen sicher. Auch in der Folgezeit zeigte sich die Mannschaft von Trainerin Hope Powell gefährlich, Stürmerin Eniola Aluko und auch Kelly Smith wurden jedoch mehrfach in letzter Sekunde von der Abwehr gestoppt. Nach knapp einer halben Stunde kamen die Niederländerinnen durch einen Abwehrfehler von Lindsay Johnson zu einer ersten Torchance. Karin Stevens hatte jedoch nicht ihren besten Tag erwischt und vergab die Möglichkeit frei vor dem Tor. Wenig später wären die Engländerinnen beinahe durch Eniola Aluko in Führung gegangen, ihr Tor wurde jedoch wegen Abseitsstellung nicht anerkannt (34.). Die Engländerinnen zeigten sich klar feldüberlegen, taten sich aber gegen die dichtgestaffelte und von der niederländischen Kapitänin Daphne Koster hervorragend organisierte Abwehr schwer. ![]() Meist war Marlous Pieëte (rechts) mit Abwehrarbeiten beschäftigt, wie hier gegen Karen Carney, doch im entscheidenden Moment stürmte sie mit nach vorne und erzielte den Ausgleichstreffer für die Niederlande Auch nach der Pause dominierten die Engländerinnen die Partie, wenn gleich die Gäste, die etwas offensiver als noch gegen Frankreich spielten, zunächst noch zu vereinzelten Chancen kamen. In der 61. Minute erzielte Kelly Smith nach einer Vorlage von Eniola Aluko per Volleyschuss schließlich die verdiente 1:0-Führung. Torhüterin Loes Guerts hatte keinerlei Abwehrchance. Damit schien der taktische Knoten, der dieses Spiel einschnürte, geplatzt zu sein, alles deutete darauf hin, dass die Niederlande nun aufmachen müssten und die Engländerinnen leichter angreifen könnten. Doch schon nach drei Minuten war die alte Ausgangsbasis wieder hergestellt: Nachdem Aluko einen Pass der zur Pause eingewechselten Karen Carney verpasste, nutzten die Niederländerinnen die sich bietende Konterchance: Manon Melis flankte in den freien Raum und die heranstürmende Marlous Pieëte traf zum 1:1-Ausgleich. Die englische Keeperin Rachel Brown hatte nicht den Hauch einer Chance. Nach wenigen Schreckminuten drängten die Engländerinnen nun mit allen Mitteln auf die Entscheidung, versuchten, die sich anbahnende Verlängerung abzuwenden, doch sie vermochten kein Tor mehr zu erzielen und so ging es in die, für das Team der niederländischen Trainerin Vera Pauw schmeichelhafte, Verlängerung. |
Ihr Duell entschied das Spiel: die eingewechselte Jill Scott (links) hatte gegen die niederländische Abwehrchefin Daphne Koster fast immer das Nachsehen - doch vier Minuten vor Schluss gewann Scott das Kopfballduell gegen Koster und erzielte den Siegtreffer für England | |
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Englands Coach Hope Powell, die als Spielerin 1984 schon selbst im Finale einer Europameisterschaft stand, wechselte noch einmal aus und brachte Jill Scott in die Partie, was sich im weiteren Verlauf als kluge Entscheidung erwies. Zunächst war das Glück jedoch nicht auf Englands Seite. Lianne Sandersons Schuss in der 94. Minute traf nur die Unterkante der Querlatte und sprang von dort aus zurück ins Feld. Nur eine Minute später hatte Jill Scott das erste Mal die Führung auf dem Kopf, verpasste den Ball nach einer Ecke jedoch knapp. In der 99. Minute wehrte Loes Geurts die Nachschüsse von Kelly Smith und Lindsay Johnson erfolgreich ab. Eine Viertelstunde später zirkelte Karen Carney den Ball aufs Tor, doch auch dieser ging haarscharf am Pfosten vorbei. Das Anrennen der Engländerinnen gegen das niederländische Tor wirkte immer verzweifelter, je mehr Minuten auf der Uhr verstrichen. Es war offensichtlich, dass die niederländische Elf darauf abzielte, wie gegen Frankreich ins Elfmeterschießen zu kommen - auf dem gleichen Rasen, der ihnen auch im Viertelfinale Glück gebracht hatte! ![]() Kelly Smith wurde zur Spielerin des Spiels gewählt, verdientermaßen. Das erste Tor erzielte Smith selbst, ansonsten war sie die spielbestimmende Figur bei den Engländerinnen Die Chancen für England mehrten sich zusehends und schließlich fiel vier Minuten vor Schluss dann doch noch das hochverdiente Tor durch einen Standard. Carney, die das Spiel unermütlich antrieb, flankte den Ball vom Eckpunkt in den Strafraum und Jill Scott köpfte den Ball unhaltbar zum 2:1 ins Netz. Kurz vor dem Abpfiff wäre es beinahe noch zum Ausgleich gekommen, Kirsten van de Ven verpasste das Tor jedoch knapp. Damit steht England verdient im Finale und trifft dort auf den Gewinner der Partie zwischen Deutschland und Norwegen. (Inzwischen steht Deutschland als Sieger des zweiten Halbfinales fest). |
Trainerin Powell zeigte sich nach der Partie überglücklich: "Es ist eine Riesenehre für mich das Finale als Trainerin zu erreichen. Ich habe großen Respekt für das, was meine Mannschaft geleistet hat." Auf wen sie dort treffen, sei ihr egal, bekräftigte sie. "Wichtig ist nur, dass wir es erreicht haben und wir waren die bessere Mannschaft heute." Dem stimmte auch Kelly Smith zu, die zur Spielerin der Partie gewählt wurde. "Wir mussten viel Geduld haben und die Niederländerinnen haben es uns wirklich schwer gemacht. Wir haben aber eine großartige Leistung gezeigt und verdient gewonnen." ![]() Nach dem erlösenden Tor von Jill Scott kannte der Jubel der englischen Spielerinnen keine Grenzen mehr. Karen Carney, die den entscheidenden Eckstoß getreten hatte, ballt die Siegerfaust Auch Vera Pauw zeigte sich nach dem Spiel zufrieden: "Wir hätten Chancen gehabt wenn es zum Elfmeterschießen gekommen wäre, so hat aber das bessere Team gewonnen. Ich bin sehr stolz. Das habe ich meiner Mannschaft auch gesagt. Sie ist von Spiel zu Spiel besser geworden, selbst heute und sie hat bei dieser Europameisterschaft Mannschaften geschlagen, die in der FIFA-Weltrangliste besser platziert sind."
England:
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