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Europameisterschaft 2009

Glanzloser Arbeitssieg führt Deutschland ins Halbfinale

Deutschland - Italien 2:1 (1:0)

Von Roland Baumann (Text)
und Nora Kruse (Fotos)


06.09.2009

Mit zwei sehr frühen Toren von Inka Grings zu Spielbeginn und in der zweiten Halbzeit bei einem Gegentreffer von Italiens Kapitän Patricia Panico schaffte das deutsche Team den Einzug ins Halbfinale, wo man erneut auf den Gruppengegner Norwegen trifft, der im letzten Viertelfinalspiel Schweden aus dem Rennen warf.

Vor nicht ganz 2.000 Zuschauern im Lahti-Sport-Centre fand die deutsche Elf von Beginn an gut ins Spiel. Bereits in der vierten Minute gelang Grings nach einer schönen Kombination mit Melanie Behringer die frühe deutsche Führung. Dennoch sollte es keine Fußballgala geben. Es waren zwar gute Ansätze zu erkennen, wie zum Beispiel Kim Kuligs Slalomlauf durch die Italienische Abwehr in der 17. Minute, den erst Torhüterin Anna Picarelli stoppen konnte. Aber zu viele leichte Fehler in der Vorwärtsbewegung und ordentlich arbeitenden Abwehrreihen machten flüssige Kombinationen ungemein schwer. Deutschland dominierte zwar das Spiel, ohne aber echt zu überzeugen. Die italienische Elf dagegen kam nur sporadisch vor das Tor von Nadine Angerer. So blieb es bis zur Pause bei der 1:0-Führung.

Zwei Tore und vom Technischen Team zur besten Spielerin des Tages gewählt: für Inka Grings lief es optimal.

Mit der Einwechslung von Simone Laudehr wurde das Spiel augenscheinlich lebendiger. Schon der erste deutsche Vorstoß von Laudehr brachte Grings in gute Schussposition, doch konnte Picarelli die Situation entschärfen. Weniger Glück hatte Picarelli beim nächsten Angriff, der fast eine Doublette der vorherigen Szene war. Wieder kam die Vorlage von Laudehr auf Grings, die sich jetzt allerdings gegen die Keeperin der Los Angels Legends durchsetzen konnte. Damit sollte aber zunächst das Pulver verschossen sein. Zu viele Stockfehler bei der Ballannahme hemmten den Spielfluss. Aufregung gab es erst wieder in der 63. Minute. Patricia Panico setzte sich auf der rechten Seite gegen Babett Peter durch und ließ auch beim Abschluss der deutschen Torhüterin keine Chance.

Danach wachte die deutsche Elf wieder auf. Zwei Minuten nach dem 2:1 setzte Behringer aus halblinker Position Grings in Szene, deren Schuss von Picarelli gerade noch über die Latte gelenkt werden konnte. Wenig


Es war ein hartes Stück Arbeit für die DFB-Elf um Kerstin Garefrekes (l.) gegen die Italienerinnen, hier Sara Gama.

später war es Grings, die Birgit Prinz mustergültig bediente. Prinz konnte sich zwar gegen die italienischen Abwehrspielerinnen durchsetzen, scheiterte aber an der glänzend agierenden Picarelli. In der 79. Minute verpassten zwei Italienerinnen eine Flanke von Kerstin Garefrekes. Grings war wieder zur Stelle, aber erneut konnte Picarelli, die wohl beste Italienerin, zur Ecke klären.

In der Schlussminute wurde es richtig aufregend. Einen schnellen Angriff von Grings mit der für Prinz eingewechselten Martina Müller konnte die italienische Abwehr nur halbherzig klären. Doch ging Behringers Nachschuss knapp am Tor vorbei. Im Gegenzug ließ Panico die deutsche Abwehr schlecht aussehen. Nur dem klasse Reflex von Angerer war zu verdanken, dass es bei der 2:1-Führung blieb. Gleich drauf war Schluss.

Italiens Trainer Pietro Ghedin sah ein Spiel gegen eine der stärksten Mannschaften im Turnier. Um die unterschiedlichen Voraussetzungen zu dokumentieren, nannte Ghedin die Zahlen der registrieren Aktiven: über eine Millionen in Deutschland gegenüber 12.000 in Italien. Insgesamt sei er aber mit dem Ergebnis aus allen Spielen recht zufrieden.

Ein Treffer von Patrizia Panico war nicht genug für die Italienerinnen, um das Spiel noch zu drehen.


Inka Grings, die zur Spielerin des Tages ernannt wurde, freute sich über den Sieg und den Start ins Turnier. Sie fühle sich eher als Mannschaftsspielerin, weshalb für sie die mögliche Torjägerkanone nachrangig sei. Vielmehr möchte sie sich bei ihren Teamkolleginnen für die Vorlagen bedanken. „Wir sind schon auf dem Weg ins Turnier“. Silvia Neid bedankte sich bei Nadine Angerer, deren Reaktion in der Schlussminute Weltklasse gewesen sei. Sie bemängelte, dass ihr Team es nicht schaffte, das Tempo nach vorne hoch zu halten. Dadurch sei Italien immer wieder ins Spiel gekommen. Die Auswechslungen begründete sie damit, dass Ariane Hingst möglicherweise einen Meniskusschaden erlitten hatte. Mit dem Tausch von Bresonik für Schmidt in der rechten Verteidigung und der Hereinnahme von Laudehr ins Mittelfeld sollte mehr Druck in die Offensive kommen. Falls Hingst längerfristig ausfallen würde, was einen schweren Verlust darstellen würde, könnten Sonja Fuss oder Saskia Bartusiak einspringen. Insgesamt müsse noch im Defensivverhalten und bei der Kopfballverwertung gearbeitet werden.

Statistik

Deutschland
Angerer – Peter, Krahn, Behringer, Grings, Prinz (83. Müller), Bresonik, Kulig, Hingst (46. Fuss), Garefrekes, Schmidt (46. Laudehr)

Italien
Picarelli – Gama, D'Adda, Tuttino, Tona, Schiavi, Domenichetti, Gabbiadini, Panico, Pini (87. Fuselli), Carissimi (82. Zorri)

Tore
1:0 Grings (4.)
2:0 Grings (47.)
2:1 Panico (63.)

Gelb: Gabbiadini

Schiedsrichterin
Jenny Palmqvist (Schweden)

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