Europameisterschaft 2009, FinaleTitelgewinn belohnt überragende FinalleistungEngland - Deutschland 2:6 (1:2) | ||
Text von ViolA 12.09.2009 Das Finale der Europameisterschaft 2009 im Olympiastadion von Helsinki wurde höchsten Ansprüchen gerecht. Die Kulisse mit über 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erfüllte ebenso die Erwartungen wie das von beiden Seiten offensiv geführte Spiel selbst, in dem England über weite Strecken ein gleichwertiger Gegner war, der dem deutschen Team alles abverlangte. Am Ende stand es aber dann doch 6:2 für den alten und neuen Europameister. England gegen Deutschland - das weckt Erinnerungen an die WM 2007, als beide Mannschaften in der Gruppenphase aufeinandertrafen. Die Partie war wichtig, bilanzierte Bundestrainerin Silvia Neid zum damaligen Zeitpunkt. Zuvor hatten die Deutschen Argentinien klar mit 11:0 besiegt und das 0:0 gegen England zeigte schnell, dass es so einfach nicht werden würde mit dem Titelgewinn. Es zeigte aber auch den stetigen Entwicklungsfortschritt, den Englands Frauenfußball seit einigen Jahren nimmt. Dies bewiesen sie 2007 bei der Wm, dann in der Qualifikation für die Europameisterschaft, und jetzt auch in der Endrunde selbst. So überraschte es auch nicht, dass sie bei manchem Trainer als Geheimfavorit auf dem Zettel standen. ![]() Englands Kapitänin Faye White ließ sich auch durch ihren im Viertelfinale erlittenen Jochbeinbruch nicht von der Teilnahme am Finale abhalten und schützte ihr Gesicht mit einer Maske. Hier liefert sie sich einen Zweikampf mit Birgit Prinz So auch bei Silvia Neid, die ihre Mannschaft dementsprechend auf den Gegner einstellte. Simone Laudehr hatte nach ihrer Einwechslung für Linda Bresonik gegen Norwegen so stark gespielt, dass Neid sie diesmal in der Startformation gleich auf der Doppelsechsposition von Bresonik einsetzte. Die wieder genesene Linda Bresonik rückte dafür an die Stelle der gegen Norwegen schwachen Bianca Schmidt rechts in die Viererkette. Hope Powell stellte ihre Mannschaft gleich auf drei Positionen um. Kapitänin Faye White, die sich zwischenzeitlich in England wegen ihres Jochbeinbruchs hatte operieren lassen, nahm ihre Position in der Abwehr mit einer schützenden Maske wieder ein. Karen Carney rückte ebenfalls wieder in die Startformation. Jill Scott, die den entscheidenen Treffer in der Verlängerung des Halbfinalspiels gegen die Niederlande erzielt hatte, lief zum ersten Mal von Beginn an auf. Bereits die ersten Minuten zeigten, dass es ein ausgeglichenes und munteres Spiel werden würde. Die erste Torchance verbuchte Birgit Prinz für sich, die ein überragendes Spiel ablieferte. Simone Laudehr passte quer nach vorne zu Kerstin Garefrekes, die auf Prinz ablegte, die dann jedoch bedrängt im Strafraum ins Stolpern kam. Fünf Minuten später strich Fara Williams Freistoß hauchdünn am Torpfosten vorbei. Die Partie wurde in der Folge immer verbissener, trotzdem sicherte sich das deutsche Team einen kleinen Vorteil und ging in der 20. Minute durch Birgit Prinz in Führung. Dem Tor war wieder ein Pass von Laudehr vorausgegangen, die passgenaue Vorlage erfolgte dieses Mal jedoch von Inka Grings, die später nicht nur als zum Player of Match, sondern auch als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde. ![]() Torjubel bei Karen Carney - soeben hat die kampfstarke englische Stürmerin die Partie durch ihren Treffer zum 1:2 wieder spannend gemacht |
Am Ende eines langen Turniers stand die erfolgreiche Titelverteidigung für das deutsche Team. Anja Mittag, Lira Bajramaj und Kim Kulig (v.l.) präsentieren den Europameister-Pokal | |
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Nur zwei Minuten darauf sorgte ein Weitschuss von Melanie Behringer aus 35 Metern für die komfortable 2:0-Führung, die jedoch nicht lange anhalten sollte. Weitere zwei Minuten später klingelte es erneut, allerdings auf der anderen Seite. Kelly Smith eroberte sich den Ball im Mittelfeld, ließ Annike Krahn im Zweikampf an der Grundlinie einfach stehen, passte durch Nadine Angerers Beine hindurch zu Karen Carney, die den Ball zum 1:2-Anschlusstreffer einschob. Kurz darauf hatte Fara Williams sogar den Ausgleich auf dem Fuß, ihr Schuss strich jedoch knapp am Toreck vorbei. Die Engländerinnen drängten immer mehr auf den zweiten Treffer und so wurde es in der 37. Minute noch einmal richtig gefährlich: Jill Scotts Kopfball wehrte Melanie Behringer, mit dem Rücken am Pfosten auf der Torlinie stehend, gerade noch per Kopf ab. ![]() Riesenfreude beim deutschen Team: die Tore von Inka Grings stellten den Sieg sicher Nach der Pause wehrte Casey Stoney einen Schuss von Birgit Prinz in letzter Sekunde zur Ecke ab. Melanie Behringer flankte den Ball direkt vor den Strafraum zu Simone Laudehr, deren Schuss vom Pfosten zurück ins Spielfeld und vor die Füße von Kim Kulig fiel. Die Hamburgerin ließ sich nicht lange bitten und beförderte den Ball zum 1:3 ins Netz. Doch die Engländerinnen konterten abermals wenige Minuten später: Karen Carney passte auf Kelly Smith, die Annike Krahn abermals stehen ließ und ihre Mannschaft erneut bis auf einen Treffer heranbrachte (55.). In der 62. Spielminute flankte Kerstin Garefrekes, die sich auf der rechten Außenbahn durchgesetzt hatte, zu Inka Grings. Die Duisburgerin köpfte den Ball direkt unter der Latte hindurch zum 2:4 ins Tor. Auch bei diesem Tor hatte Rachel Brown keinerlei Abwehrchance. Fünf Minuten später hätte sie beinahe einen Eigentreffer von Alex Scott kassiert, die den Ball zur Ecke abwehren wollte, dann jedoch den Pfosten traf. ![]() Kapitänin Birgit Prinz stemmte den Pokal in die Höhe, das deutsche Team feierte den fünften Sieg bei einer Europameisterschaft in Folge, den siebten Europameistertitel insgesamt In der 73. Minute setzte Prinz erneut Inka Grings in Szene, die Anita Asante und Kapitänin Faye White umkurvte und sicher zum 2:5 traf. Nur drei Minuten später bedankte sich Grings mit einer Vorlage auf Prinz, deren Treffer den 2:6-Endstand herstellte. |
Hope Powell zeigte sich nach dem Spiel natürlich sehr enttäuscht, mit der Leistung ihrer Mannschaft aber zufrieden: „Wir sind gut in die Partie gestartet, Deutschland hat den Ball aber sehr gut laufen lassen, während wir im weiteren Verlauf ein paar unnötige Fehler gemacht und uns damit selbst einige Probleme bereitet haben. Am Ende lagen wir 2:6 zurück. Trotzdem hat meine Mannschaft versucht anzugreifen. Darauf bin ich stolz. Wir nehmen einiges von diesem Turnier mit und werden weiter hart an uns arbeiten um noch besser zurück zu kommen. Eines Tages wird es unser Tag werden.” Silvia Neid zollte dem Gegner einigen Respekt: „Es ging lang hin und her. Ich habe immer wieder gedacht, dass England zurückkommen würde, auch bei 2:4 noch. Erst beim 2:5 war mir klar, dass wir es heimbringen würden, da die Engländerinnen müde wurden. Insgesamt hat die Europameisterschaft gezeigt, dass viele Mannschaften ein sehr sehr gutes Niveau erreicht haben. Niemand hätte erwartet, dass die Niederlande das Halbfinale erreichen würden, sie haben es aber geschafft und das zeigt, dass sich die Leistung insgesamt ausgeglichen hat. Das macht es natürlich schwieriger das Turnier zu gewinnen.” Die kommende Pflichtspielpause soll nun mit Freundschaftsspielen gegen starke Gegner gefüllt werden. Den Anfang macht das Spiel gegen die Vereinigten Staaten im Oktober, weitere werden folgen. „Schließlich,” so bemerkte die Bundestrainerin, „macht es riesig Spaß Turniere zu gewinnen und ich hoffe dass es so weitergeht.” ![]() Europameisterinnen 2009: Babett Peter und Bianca Schmidt (v.l.) mit Pokal, Medaille und T-Shirt
England:
Weitere Bilder von Nora Kruse von der Europameisterschaft: | |