Von Christian Heidler, unter Mithilfe von Anke Gruska (Text), und Beate Wolter (Fotos) 02.06.2005
Norwegen hat bereits alles gewonnen, was für eine europäische Nationalmannschaft zu gewinnen ist: Europameister 1987 und 1993, Weltmeister 1995 und Olympiasieger 2000. Doch da alter Lorbeer nur allzu schnell welkt, streben die Nordländerinnen eine gute Plazierung, wenn möglich gar den erneuten Gewinn der Europameisterschaft an.
„Football´s coming home“ könnte ein passendes Begrüßungsständchen sein, wenn Norwegens Fußballerinnen zur EM in England eintreffen. Schließlich ist der Fußball aus seinem Mutterland an Norwegens Küste geschwappt.

1885 wurde in Christiana, dem heutigen Oslo, der erste Fußballverein gegründet, der ein Jahr darauf sein erstes Spiel vor 2000 Zuschauern gegen eine Mannschaft von englischen Seeleuten bestritt. 1902 wurde dann der Norwegische Fußballverband (NFF) gegründet, ein Spielbetrieb eingerichtet. Später folgten die ersten Länderspiele und zahlreiche Turnierteilnahmen, von denen die Olympischen Spiele von 1936 in Deutschland besonders hervorzuheben sind. Da bezwang Norwegen überraschenderweise das Gastgeberland und gewann am Ende die Bronzemedaille. Diese Olympiamedaille bedeutet gleichzeitig den größten Erfolg der norwegischen Nationalmannschaft – bei den Männern.
Dann Anfang der 70er kamen die Frauen ins Spiel und entwickelten sich bald zu einer der führenden Nationen im internationalen Frauenfußball. 1987 war Norwegen Ausrichter der zweiten Europameisterschaft, die genauso gewonnen wurde wie die erste, noch inoffizielle Weltmeisterschaft 1988 in China – beide Erfolge übrigens gegen den großen Rivalen Schweden. Die beiden folgenden Turniere, die EM 1989 und die WM 1991, beschloß Norwegen jeweils als Silbermedaillengewinner. Daran fügen sich der Weltmeistertitel 1995 mit Weltfußballerin Hege Riise, Olympiabronze 1996 und ein vierter Platz bei der WM 1999 an, ehe im Jahre 2000 Olympiagold folgte.
Die EM 2001 (3. Platz), die WM 2003 (Ausscheiden im Viertelfinale gegen die USA) und damit die verpaßte Teilnahmeberechtigung für die Olympiade 2004 ließen Norwegen in der Nationenwertung auf Rang 3 abrutschen. Auch die Qualifikationsrunde zur EM in England verdeutlichte, daß die norwegischen Frauen im internationalen Vergleich zurückgefallen sind. Gegen Dänemark gab es zu Hause nur ein Remis und auswärts gar eine Niederlage, was nur Rang 2 in der Gruppe bedeutete und zwei Entscheidungsspiele gegen Island notwendig machte. Diese konnten dann allerdings souverän gewonnen werden.

Dagny Mellgren
Ende 2004 begann ein noch andauernder Umbruch in der norwegischen Natio, als Bjarne Berntsen das Traineramt von Åge Steen übernahm. Mit der richtigen Mischung aus Erfahrung und