Von Christian Heidler 03.06.2005
Paitsio heißt Abseits und abseits des großen Weltgeschehens liegt Finnland doch in aller Regel – auch in der Welt des Fußballs. Und wenn bei dieser hochkarätig besetzten Europameisterschaft überhaupt ein Teilnehmer als Außenseiter bezeichnet werden kann, dann eigentlich nur Finnland, das sich bislang noch nie für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert hatte.

Daß Finnland etwas eigenartig ist, das haben wir im Gefühl, selbst wenn wir nicht allzu viel über das Land und seine Bewohner wissen. Man denke nur an Kaurismäki-Filme, finnischen Tango, Wodka und schweigsame Sportstars... Und dann erst diese Sprache, die dem Ungarischen näher als dem Schwedischen oder Russischen ist, den Sprachen der angrenzenden Völker! Lange Jahrhunderte unter der Herrschaft seiner Nachbarn, wurde das kleine Finnland erst 1914 unabhängig und ist im Gegensatz zu den skandinavischen Staaten, mit denen Finnland enge Beziehungen pflegt, kein Königreich, sondern eine Republik. Der Fußballverband wurde bereits 1907 gegründet, doch ist der jalkapallo in diesem nordischen Land nicht die beliebteste Mannschaftssportart. An erster Stelle steht das Eishockey. Auch hierin sind die Finnen also etwas anders.
Fußball spielende Frauen soll es zwar schon vor der Unabhängigkeit gegeben haben, doch verbandsmäßig organisiert wird das Spiel von Frauen erst seit 1971 betrieben. Den ersten Titel holte HJK Helsinki, das auch derzeit zu den besten Klubs im finnischen Frauenfußball gehört. So gelang HJK in der Premierensaison des UEFA-Cups gleich der Einzug in das Halbfinale, in dem dann zwei knappe Niederlagen gegen Umeå IK das Aus bedeuteten. Im Jahr darauf scheiterte Helsinki deutlich am 1. FFC Frankfurt im Viertelfinale. Im Klubvergleich ging es weiter bergab, denn dem Ausscheiden des FC United Jakobstad/Pietarsaari in den Gruppenspielen der Saison 2003/04 folgte zuletzt das Scheitern von Malmin Palloseura (Helsinki) bereits in der 1. Qualifikationsrunde. Daß viele Spitzenspielerinnen in der schwedischen Damallsvenskan spielen, mag da sicherlich eine Rolle spielen. So wechselten die HJK-Spielerinnen Laura Kalmari (jetzt Djurgården/Älvsjö), Sanna Valkonen und Jessica Julin nach besagtem UEFA-Cup-Duell zu UIK. Auch die Nationalspielerinnen Anne Mäkinen (UIK), Anna-Kaisa Rantanen (Linköpings FC) und Heidi Kackur (Kopparbergs/Göteborg FC, zuvor Malmö FF) sind jenseits des Bottnischen Meerbusens unter Vertrag.

Ihr Lieblingsspieler
ist David Beckham: Heidi Kackur, stürmt nunmehr für Göteborg Foto: Roger Larsson (Kopparbergs/Göteborg FC)
Doch die Europameisterschaft ist ja kein Vereinswettbewerb, die naisten maajoukkue ist da gefragt. In der EM-Qualifikationsrunde belegte die Frauennationalmannschaft Rang 3 hinter Schweden und Italien und vor der Schweiz und Serbien/Montenegro. Dabei mußte lediglich eine Niederlage gegen Schweden eingesteckt werden. Viermal endeten die Spiele remis, darunter eines gegen Schweden und beide Begegnungen mit Italien. Der gute dritte Platz berechtigte zu zwei Ausscheidungsspielen gegen Rußland, Teilnehmer an der Weltmeisterschaft 2003, in denen sich Finnland mit 1:0 und 3:1 behaupten konnte.
Weniger erfolgreich verlief das