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Europameisterschaft 2005
Traumhafter Konterfußball führt Norwegen ins Finale
Norwegen - Schweden 3:2 n.V. (2:2, 1:1) | ||
| Von Volker Lieberum
17.06.2005 Mit großer Spannung schaute man auf das zweite Halbfinalspiel zwischen Norwegen und Schweden. Es ging nicht nur um das Weiterkommen, sondern es war auch ein Prestigeduell zwischen den beiden skandinavischen Nachbarländern. Beide Mannschaften sind etwa gleich stark, jede von ihnen kann gewinnen, obwohl Schweden mit nur zwei Toren in drei Spielen bisher die Fußballwelt noch nicht überzeugen konnte. So gab auch Marika Domanski Lyfors die Favoritenrolle vor dem Spiel an Norwegen weiter. Anstoß im Rugbystadion von Warrington vor fast 6000 Zuschauern. In den ersten fünf Minuten konnte man auf beiden Seiten noch keine klaren Chancen ausmachen, beide Teams beschnupperten sich noch etwas. Die Schwedinnen, die mit der gleichen Mannschaft wie gegen England angetreten waren, schienen einen Tick mehr vom Spiel zu haben, da Norwegen etwas abwartend in die Partie ging. In der 7. Minute ergab sich die erste große Gelegenheit für Schweden. Nach einer gelungenen Aktion von Larsson auf Svensson, kam die 1,60 Meter große Hanna Ljungberg zu einem Kopfball, den Norwegens Nummer 1 Bente Nordby gerade noch abwehren konnte. Die herbeieilende Anna Sjöström kam aber nicht mehr zum Nachschuss. Drei Minuten später sah man den ersten gefährlichen Angriff Norwegens auf das schwedische Tor anrollen. Ane Stangeland stieß in der Mitte nach vorne, flankte auf die links laufende Isabell Herlovsen, deren Vorwärtsdrang von der schwedischen Abwehr erst einmal gestoppt wurde, da sie den Ball ins Aus beförderte. Die Gefahr war noch nicht gebannt, da der Einwurf auf Solveig Gulbrandsen kam, doch deren Schuss ging am rechten Pfosten vorbei und stellte Hedvig Lindahl, die wiederum den Vortritt vor Caroline Jönsson im schwedischen Tor erhielt, nicht in Verlegenheit. Nach einer Viertelstunde konnte man feststellen, dass Schweden seine bisher beste Leistung in diesem Turnier zeigte. Diesmal stimmte die Zuordnung im Mittelfeld, in dem die Spielführerin Malin Moström sehr gut die Fäden in der Hand hielt, auch die beiden Stürmerinnen Ljungberg und Svensson konnten sich in Szene setzen. Zu diesem Zeitpunkt wirkten die gelegentlichen Angriffe von Norwegen noch etwas mager. Nur Nordby konnte sich durch tolle Paraden auszeichnen, etwa gegen Sjöström (16.) oder Moström (19.). Gelegenheit für Norwegen gab es in der 21. Minute, aber Herlovsen sprang der Ball im Strafraum vom Fuß und in der 28. Minute, als ein Pass von der 16-jährigen Herlovsen Lise Klaveness fand, die das Leder aus 20 Metern Entfernung aber über das Tor drosch. Durch geschickte Kontervorstöße ergaben sich nun mehr und mehr Chancen für das norwegische Team. Ein Zuspiel von Ingvild Stensland in der 40. Minute auf Gulbrandsen leitete dann den ersten Treffer ein. Mit einem Heber überwand sie die herauseilende Lindahl, der Ball landete im Netz. 1:0 führte Norwegen, doch dieser Spielstand stellte den bisherigen Spielverlauf auf den Kopf.
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Zeigte eine Weltklasse-Leistung: Norwegens Torfrau Bente Nordby Archivfoto: Beate Wolter
Mit diesem Spielstand trennte man sich zur Pause. Die Zuschauer hatten bisher ein Klassespiel mit zwei Toren erlebt, das Hunger auf mehr Frauenfußball machte. Zur zweiten Hälfte kam Frida Östberg für Caroline Seger, doch Schweden musste anschließend schon wieder wechseln, da sich Svensson vertrat und am |
Marit Fiane Christensen (l., NOR) und die zweifache Torschützin Hanna Ljungberg
Quelle: Eurosport |
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Unterschenkel verletzte. Für sie kam Lotta Schelin ins Spiel, die in den anschließenden Minuten drei dicke Chancen hatte und damit „Vickan“ gut vertrat. Wie in der ersten Hälfte drückte Schweden nach vorne, Norwegen wartete auf Konter. Auch sie wechselten in der 59. Minute aus. Für Unni Lehn kam Trine Rønning.
Nach gut einer Stunde ergaben sich wieder vermehrt Chancen für die Norwegerinnen. Jane Törnqvist warf sich mutig in eine Granate von Ingvild Stensland und fälschte das Leder zum Eckball ins Aus. In der 64. Minute, kurz vor ihrer Auswechslung, köpfte Isabell Herlovsen über Lindahl hinweg zum 2:1 für Norwegen. Den Platz für die erst 16-jährige Stürmerin nahm Stine Frantzen ein. Wieder musste das Kronenteam einem Rückstand hinterher rennen. In der 71 Minute stellte Domanski Lyfors um: die 4-4-2-Formation ersetzte sie durch eine 4-3-3-Stellung. Für die im Mittelfeld agierende Sjögran kam als neue Stürmerin die Linköpingerin Öqvist. Doch weiterhin fuhr Norwegen gefährliche Konter auf. In der 75 Minute konnte Lindahl einen Ball gerade mal an den linken Pfosten abwehren. Norwegen hatte bis zur 80. Minute mehr vom Spiel.
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Sorgte mit ihren zwei Toren für Norwegens Einzug ins Finale und wurde zur "Spielerin des Spiels" gewählt: Solveig Gulbrandsen Archivfoto: Beate Wolter
Doch dann kurz vor Schluss Jubel beim schwedischen Anhang - auf der rechten Seite spielte sich Schelin durch, flankte nach innen und die kleine Hanna machte sich extra lang und verlängerte den Ball ins Tor. Ljungberg öffnete damit den Schwedinnen nochmals das Tor zum Finale, denn die sehr gut leitende amerikanische Unparteiische Kari Seitz pfiff wenig später die ersten 90 Minuten ab. Damit kam es zur Verlängerung. Die erste Hälfte zeigte das gewohnte Spiel, Schweden war mit einer diesmal “überragenden“ Ljungberg die aktivere Mannschaft, Norwegen wartete auf die Konter. Auch zu Beginn der zweiten Verlängerungshälfte war das so, doch nun hatten die Rot-Weißen in der 109. Minute endlich Glück mit ihrem Konterspiel. Es war ein Angriff zum “mit der Zunge schnalzen“. Von der rechten Seite flankte Dagny Mellgren auf Gulbrandsen, die das Leder direkt ins Gehäuse beförderte. |
3:2 für Norwegen und die drückten weiterhin nach vorne. Alle Versuche der schwedischen Spielerinnen, doch noch den Ausgleich und vielleicht das Elfmeter-Schießen zu erreichen, macht die norwegische Torhüterin Bente Nordby, die heute eine Weltklasseleistung zeigte, zunichte. Nach 120 Minuten pfiff Schiedsrichterin Kari Seitz die Partie ab. Norwegen hatte damit das Finale am Sonntag gegen Deutschland erreicht.
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Lotta Schelin kam für die verletzte Victoria Svensson ins Spiel und sorgte für viel Wirbel im schwedischen Offensivspiel Archivfoto: Beate Wolter
Ein gutes hat dieser Ausgang, ich komme damit nicht in die Zwickmühle, wem ich im Finale den Daumen drücke - ob für Malin Moström, der ich es beim Interview versprochen und die ganze Zeit auch gehalten hatte, oder für unsere deutsche Mannschaft. Norwegen: Bente Nordby, Marianne Paulsen, Marit Fiane Christensen (Maritha Kaufmann 80.), Ane Stangeland, Gunhild B Følstad, Solveig Gulbrandsen, Ingvild Stensland, Unni Lehn (Trine Rønning 59.), Dagny Mellgren, Lise Klaveness, Isabell Herlovsen (Stine Fransen 65.)
Schweden:
Tore:
Gelbe Karten:
Schiedsrichter:
Zuschauer:
Player of the Match: | |