Europameisterschaft 2005

Mit Frankreich wird zu rechnen sein

Frankreich : Italien 3:1 (3:0)

Von Nora Kruse

08.06.2005

Die Möglichkeit, zwei Frauen-Länderspiele direkt hintereinander zu sehen, hat man ja in Deutschland nicht allzu oft und daher muss sie genutzt werden. Direkt nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft trafen die zwei andere Gruppengegner Deutschlands aufeinander: Frankreich und Italien. Bundestrainerin Tina Theune-Meyer erklärte vor der EM, sie rechne mit der französischen Mannschaft in ihrer Gruppe am meistern und unsere Nachbarn zeigten auch, warum.

Zunächst standen die Französinnen um ihren Star Marinette Pichon noch nicht so ganz munter auf dem Platz, es war das Team aus Italien, was die ersten vorsichtigen Vorstöße in der Anfangsphase zeigte. Bereits in der vierten Minute spielten sie über Pamela Conti sehr schnell durchs Mittelfeld, der Abschluss war dann allerdings weniger zwingend. Drei Minuten später schoss sie einen sehr flachen – aber gar nicht ungefährlichen – Freistoß, doch auch hier konnte die Mannschaft von Trainerin Carolina Morace keinen Profit ziehen.

Doch dann hatten die Französinnen ihre Aufwärmphase beendet und fanden immer besser ins Spiel. In der 11. Minute kam Pichon gefährlich über die linke Seite, legte aber eher planlos ab. Fünf Minuten später dann eines der Tages-Highlights; nicht nur, weil es ein Tor war, sondern auch, weil es ein wunderschönes war. Sandrine Soubeyrand spielte einen tollen Pass in den Rücken der Abwehr zu Honda Lattaf, die den Ball mit einem schönen Heber im Tor unterbrachte.

Frankreich machte das Spiel, der Ball rollte einfach schön durchs Mittelfeld – es wurde wirklich Fußball gespielt. In der 20. Minute war es Pichon, die mit ihrem Vorstoß die italienische Abwehr auf sich zog, dann gekonnt in die Mitte zu Lattaf abgab. Ihren Schuss konnte Carla Brunozzi im Tor der Italienerinnen zunächst noch halten, der Nachschuss prallte gegen die Latte und erst dieser Abpraller konnte schließlich von Pichon im gegnerischen Kasten untergebracht werden.

Italien war druck- und einfallslos und auch die Standardsituationen konnten nicht verwertet werden. So meldeten sich die Italienerinnen nur in der 25. Minute noch einmal mit einem Freistoß, der allerdings direkt in die Arme der französischen Torfrau flog.

Elodie Thomis (in blau) brachte zum Ende noch einmal Schwung in das französische Spiel.

Quelle: Eurosport
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Auf der anderen Seite die Französinnen, die den Gegner früh unter Druck setzten und schon in der italienischen Hälfte die Räume dicht machten. Erneut war es Soubeyrand, die das 3:0 vorbereitete. Sie setzte einen Weitschuss an den Pfosten und Pichon verwertete den Abpraller.

Betitelte die deutsche Bundestrainerin Tina Theune-Meyer die Italienerinnen im Vorfeld noch als „kleine Biester“, zeigten diese, dass sie der Beschreibung durchaus gerecht wurden. Sie kämpften mit Haken und Ösen und in der 38. Minute sah Gioia Masia Gelb, als sie die französische Spielführerin, Sonia Bompastor, ummähte.

Bis zur Halbzeit passierte nichts mehr, auch wenn Frankreich noch ein paar Möglichkeiten hatte. In der Nachspielzeit setzte Lattaf einen Schuss von der rechten Strafraumgrenze gegen die Latte – auf die zielten die Französinnen heute wirklich oft -, Bompastor konnte den Ball im Nachschuss jedoch nicht mehr im Tor unterbringen. Zwei Minuten später boxte Brunozzi einen Freistoß von Stéphanie Mugneret-Beghe nicht weit genug weg, ihren Fehler machte sie aber durch das Halten des Nachschusses wieder gut.

Dann war Halbzeit im Gruppenspiel und man konnte sich auf die zweite Hälfte freuen, da die Französinnen in der ersten wirklich einen schönen Fußball gezeigt hatten.

Diese Hoffnungen wurden jedoch nicht so richtig erhört. In den folgenden 45 Minuten verlor das Spiel an Attraktivität. Die Französinnen schalteten drei Gänge runter – verständlich bei dem Spielstand – und die Italienerinnen waren nicht in der Lage, daraus ernsthaft Profit zu schlagen, Frankreich hatte das Spiel trotz allem im Griff.

Kämpferisch waren die Italienerinnen jedoch top. Trotz des großen Rückstandes gaben sie nicht auf und versuchten die spielerischen Mängel durch Kampf auszugleichen.
In der 62. Minute brachte Patricia Panico die französische Torfrau in Bedrängnis; versuchte es dann allerdings zu spielerisch und so wurde die Chance vergeben.


Fünf Minuten später schaffte es das französische Team dann zum dritten Mal, die Latte zu treffen. Erneut war es die toll spielende Soubeyrand, die einen Weitschuss ans Metall hämmerte.

Doch das Spiel plätscherte dann nur noch so vor sich hin, auch wenn Italien nochmal alles gab, um wenigstens zum Ehrentreffer zu gelangen. In der 81. Minute tauchte wieder Panico gefährlich im gegnerischen Strafraum auf, doch war es erneut etwas inkonsequent und sie drehte sich förmlich fest.
Der Lohn der italienischen Mühen kam dann aber doch noch in der 83. Minute. Einen schönen Pass von Elena Camporese über die französische Abwehr konnte Sara Di Filippo im Fallen noch verwerten – verdienter Ehrentreffer.

Nach diesem Tor hatte man dann das Gefühl, Italien wolle noch mehr, ihr Einsatz wurde noch gesteigert, auch wenn Frankreich das weiterhin im Griff und selbst noch zwei gute Möglichkeiten hatte. So erwies sich die Einwechselung von Jung-Talent Elodie Thomis hat Glücksgriff, der Jungstar brachte nochmal ein bisschen Schwung in den Sturm. Sie bewies in der 85. Minute ein wirklich gutes Auge und spielte Bompastor in der Mitte an. Die Spielführerin war jedoch im Abschluss etwas zu hektisch.
Die letzte Möglichkeit gab es dann in der 96. Minute – wieder war es Soubeyrand. Sie trat einen sehr schönen Freistoß, den Brunozzi jedoch hielt.

Es blieb beim 3:1 für die „Équipe Tricolore“ – ein Sieg, der insbesondere aufgrund der ersten Halbzeit voll verdient ist. Frankreich hat gezeigt, wie man die Bälle laufen lassen kann und selbst mit angezogener Handbremse in Halbzeit zwei hatten sie die Partie jederzeit im Griff. Das Team von Elisabeth Loisel hat seine Ansprüche auf einen Halbfinal-Platz mehr als deutlich gemacht - zumal sie nach dem ersten Spieltag aufgrund des besseren Torverhältnisses auch noch vor der deutschen Mannschaft platziert sind.

Aufstellungen

Frankreich:
Bouhaddi, Georges, Diacre, Soubeyrand, Mugneret-Béghé, Bompastor, Pichon (85. Abily), Dusang (91. Provost), Casseleux, Lattaf (72. Thomis), Bussaglia

Italien:
Brunozzi, Zorri, Di Filippo, Tona, Gazzoli (46. Ganniadini), Panico, Camporese, Pasqui, Masia (39. Ficarelli), Schiavi, Conti (69. Domenichetti)

Tore:
1:0 Lattaf (16.)
2:0 Pichon (20.)
3:0 Pichon (30.)
3:1 Di Filippo (83.)

Gelbe Karten: Soubeyrand - Conti, Masia, Panico,

Schiedsrichterin: Wendy Toms (England)

Zuschauer: 957

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