Europameisterschaft 2005

"Sjöa" schießt Schweden eine Runde weiter

England - Schweden 0:1 (0:1)

Text: Volker Lieberum

11.6.2005    Als hätte Trainerin Marika Domanski Lyfors meinen Wunsch nach dem letzen Spiel gehört, stellte sie in der Begegnung gegen England gleich Anna "Sjöa" Sjöström mit in die Startformation und das sollte sich auszahlen wie die erneute Nomination der Linköpinger Torhüterin Hedvig Lindahl.
Für beide Mannschaften ging es darum, sich für das Halbfinale zu qualifizieren. Während England ein Unentschieden zum Weiterkommen genügen würde, mussten die Skandinavierinnen unbedingt gewinnen.


England hatte Anstoß bei schönem Wetter und einer hervorragenden Kulisse von 25.654 Zuschauern. Schweden störte sofort, so dass die ersten Ballversuche der Engländerinnen im Seitenaus landeten. Das gelb-blaue Team machte genau da weiter, wo sie in der Partie gegen Finnland aufgehört hatten, Druck in das Spiel und mit Volldampf nach vorne. So gelang ihnen schon gleich in der 2. Minute der erste Eckball. Therese Sjögran legte sich das Leder an der linken Seite zurecht und zog ihn kurz vor das Tor. Die Kopfballabwehr von Kartie Chapman landete Anna Sjöström vor den Füssen und die schlenzte den Ball hinter sich. TOOOOOOOOR für Schweden, da hatte die in diesem Spiel neu hereingekommene Rachel Brown keine Abwehrmöglichkeit. 1:0, mit diesem Ergebnis in der 3. Min. war Schweden weiter. Entsetzen auf den englischen Rängen und unter den Spielerinnen. Schon eine Minute später setzte sich Bengtsson an der linken Seite durch, doch ihr Schuss landete am linken Außennetz.

In der 6. min. bekam Caroline Seger nach einem taktischen Foul an Kelly Smith, die sich über die gesamte Spielzeit immer wieder sehr theatralisch fallen ließ, aber selbst auch gerne effektvoll austeilte, die gelbe Karte gezeigt. Schweden war bisher die bestimmende Mannschaft, England gelang es kaum sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Teilweise waren die Vorstöße der Skandinavierinnen nur durch Fouls zu stoppen. So in der 8. min als Faye White Hanna Ljungberg über die Klinge springen lies.
Eine kleine englische Chance ergab sich zum ersten Mal in der 10. min als Eniola Aluko durch die ansonst sehr gut gestaffelte schwedische Abwehr wurstelte, doch ihr Schuss war keine große Prüfung für Lindahl. Auch der erste Eckball Englands in der 13. min. bedeutete keine Gefahr für sie.

In der 17. min sah Rachel Yankey bei der Ausführung eines Freistosses die gelbe Karte, wobei wahrscheinlich nur die schweizerische Unparteiische wusste warum. Vermutlich hatte Yankey den Freistoss vor der Freigabe ausgeführt oder sie hatte gemeckert. Das Spiel wurde jetzt von der gastgebenden Mannschaft etwas ruppiger gestaltet. Besonders fiel hier Faye White auf, die in der 19. min. Segers foulte, die daraufhin an der Seite am Handgelenk behandelt wurde und eine Minute später stieg sie bei Malin Moström hart ein und brachte diese zu Fall.

Schweden schaltete jetzt etwas zurück, hatte aber weiterhin ihre Gegnerinnen in fester Hand, da ihre Abwehr bombensicher stand. Die Aktionen verteilten sich zu diesem Zeitpunkt mehr im Mittelfeld. Ab und an kam es zu sehenswerten schwedischen Vorstößen, etwa in der als ein Pass Svensson fand, die sich das Leder aber etwas zu weit vorlegte, so dass der Ball von Rachel Brown vor ihr abgefischt werden konnte. Auch Sjöströms Antritte an der rechten Seite, z. B. 26. min., waren eine Augenweide.

Englands Team um Hope Powell hier beim Algarve Cup
Foto: Beate Wolter

Wieder erhielt eine Schwedin die gelbe Karte, diesmal war es die Mannschaftsführerin Malin Moström; auf der anderen Seite wurde Williams Elfmeter reif im Strafraum an der Hand angeschossen, doch Nicole Petignat lies weiterspielen. Die 34. Minute sah Englands größte Chance des Spiels, ein Rückpass drosch Lindahl nach vorne und traf dabei Aluko am Kopf. Der Ball trudelte Richtung Tor und der Anhang der Gastgeberinnen hielt den Atem an. Glück für Schweden,

Rachel Yankey (ENG, l.) gegen Sara Larsson

Quelle: Eurosport
Die nächsten Übertragungen:
15.6. 19:30 Uhr: Deutschland-Finnland
16.6. 19:30 Uhr: Schweden-Norwegen
(alles live bei Eurosport)"

dass er knapp am Tor vorbei ging. Wie fest dieser Billardschuss abgefeuert war, zeigte sich darin, dass die Nummer 18 benommen am Boden liegen blieb und etwa vier Minuten an der Seitenauslinie behandelt wurde.
Die Nachspielzeit, bedingt durch die häufigen Unterbrechungen betrug sie fünf Minuten, sah fast den Ausgleich. Einen Eckball von Karen Carney getreten, köpfte White auf das Tor. Der Ball wurde noch von einer Schwedin abgefälscht und landete auf der Torlatte. Mit Törnqvist erhielt wiederum eine Skandinavierin eine gelbe Karte, während bei einem Foul von Smith ungeahndet weitergespielt wurde. Die letzte Chance vor der Halbzeit hatte Ljungberg, die in den Strafraum startete, doch bevor Sjöström eingreifen konnte, hatte White zur Ecke geklärt.
Halbzeit, bisher führte Schweden nicht unverdient 1:0 und war damit im Halbfinale.

Die Ansprache der englischen Trainerin Powell musste in der Halbzeit entsprechend gewesen sein, denn ihre Mannschaft startete sehr beherzt in die zweite Hälfte und wollte den Ausgleich erreichen. Doch Schweden war viel zu sehr abgeklärt, um das zu zulassen. Nachdem der Ansturm wieder etwas nach lies, ging Seger für Östberg vom Platz.
Zwar versuchte Kelly Smith weiterhin ihre Mannschaft nach vorne zu treiben, doch es kam zu keiner größeren Gelegenheit für sie. Mitte der 60. min. gab Schweden wieder mal Gas. Vorlage Ljungberg auf Svensson, aber Torhüterin Brown passte auf. Wiederum wurde Svensson von White gefoult; warum die die ganze Spielzeit keine Karte sah, bleibt mir ein Rätsel. Sjögrans Freistoß an der linken Strafraumgrenze brachte nichts ein. Die gelb-blauen machen aber weiterhin Druck, man meinte sie wollten ein zweites Tor, das mehr Sicherheit bringen würde, nachlegen.

Fünf Minuten später wurde der Gastgeber wieder stärker, doch die Angriffe blieben in der gegnerischen Abwehr hängen oder wurden von der hervorragenden Hedvig Lindahl pariert. Auch der Wechsel von Amanda Barr für Carney brachte keine neuen Ideen. Zehn Minuten vor Schluss, nachdem Westberg für Bengtsson gekommen war, ist Schweden wiederum dem 2:0 näher wie England dem Remis. Die Gastgeberinnen waren bei der schwedischen Abwehr in guter Hand, auch fehlte ihnen der nötige Tordruck. Endlich, zwei Minuten vor Spielschluss erhielt auch Smith, die sich nun als schlechte Verliererin zu erkennen gab, die gelbe Karte, nach einem bösen Foulspiel an Westberg und anschließendem Provozieren gegenüber Sjögran. Ein letztes blindes Anrennen brachte für England nichts mehr. Als Petignat die Partie nach zwei Minuten Nachspiel abpfiff, ist der Traum für das Gastland ausgeträumt, Schweden ist durch Anna Sjöström goldenes Tor in der dritten Minute eine Runde weiter.

Da ich ein Fan Schwedens bin möchte ich nichts zur Schiedsrichterin sagen, nach Rücksprache mit Schweden vor Ort in England, fanden wir ihre Entscheidungen etwas merkwürdig, für mich war es nicht ihr Tag. Aber vielleicht sind wir da nicht ganz objektiv. Bei England gefiel mir Eniola Aluko recht gut und bei Schweden möchte ich die Torhüterin Hedvig Lindahl hervorheben, die ihr Gehäuse sauber hielt und etwas voreingenommen die Torschützin


Anna Sjöström. Die schwedische Mannschaft hat noch nicht ihre Bestform erreicht. Während sie mit Lindahl eine sehr gute Nummer 1 gefunden haben, die Abwehr um Bengtsson, Törnqvist und Marklund felsenfest steht, ist das Mittelfeld nicht immer überzeugend.

Während es mir gegen Finnland sehr gut gefallen hat, waren gegen England wieder etliche Abspielfehler deutlich. Die größten Probleme sehe ich aber im Sturm mit Ljungberg und Svensson. Beide bringen nach ihren Verletzungen noch nicht die volle Leistung. Hanna ist in der Anfangsspielzeit recht gut und lässt später nach; Vickan sieht man am Anfang nicht, sie dreht erst später auf. Auch finde ich bringt sich Ljungberg mehr im Mittelfeld ein als dass sie ihre Wirksamkeit im Sturm erreicht. Vielleicht sollte sie Marika ins offensive Mittelfeld zurückziehen und dafür Sjöström an die Seite von Svensson in den Sturm stellen. Dieses Gespann konnte ja schon im letzten Jahr einige gute Akzente setzen. Wenn man dann noch Öqvist als hängende rechte Spitze einsetzt, sollten auch wieder mehr Tore im schwedischen Sturm fallen.

Bot auch heute wieder eine große Leistung, Hedvig Lindahl (hier mit Malin Moström beim Algarve Cup)
Foto: Beate Wolter

Im Halbfinale trifft Schweden am nächsten Donnerstag auf Norwegen. Dieses Spiel wird um 19:30 Uhr auch wieder live von Eurosport übertragen und wir Frauenfußballfans sollten uns bei ihnen dafür bedanken.

England:
Brown, Scott, Unitt, White, Phillip, Chapman, Williams, Smith, Yankey, Aluko, Carney (Barr 69.)
Trainer: Hope Powell

Schweden:
Lindahl, Bengtsson (Westberg 79.), Larsson, Marklund, Törnqvist, Moström, Sjögran, Sjöström, Ljungberg, Seger (Östberg 54.), Svensson (Öqvist 90.)
Trainer: Marika Domanski Lyfors

Schiedsrichter: Nicole Petignat (SUI)

Zuschauer: 25.654

Tore:
Sjöström (3.)

gelbe Karten:
16' Yankey, 86' Smith
5' Seger, 28' Moström, 45' Törnqvist


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