Europameisterschaft 2005

Der Debütant zieht ins Halbfinale ein

Dänemark - Finnland 1:2 (1:2)

Von Katja Öhlschläger

13.06.2005

Die Ausgangsposition vor diesem Duell des letzten Spieltags der Gruppe A zwischen Dänemark und Finnland waren eindeutig. Dänemark führte die Tabelle an, ein Unentschieden würde zur Qualifikation für das Halbfinale reichen. Finnland dagegen hatte bisher – im Spiel gegen Schweden - einen Punkt erkämpfen können und musste unbedingt gewinnen, um im Turnier zu bleiben.

Dieses Gefühl, unbedingt gewinnen zu müssen, schien die Finninnen von Beginn an zu beflügeln, während die Däninnen von Beginn an etwas behäbig und nicht entschlossen genug wirkten. So ließ sich Laura Kalmari denn auch nach sechs Minuten nicht zweimal bitten, als Gitte Andersen vor der Strafraumgrenze ein kapitaler Abwehrfehler unterlief. Andersen wollte den Ball aus der Gefahrenzone schlagen, schoss dabei aber die heraneilende Kalmari an, und so war es für die Top-Stürmerin, die für den schwedischen Club Djurgarden/Alvsjö ihre Fußballschuhe schnürt, ein Leichtes, den Ball – alleine aufs Tor stürmend – an der dänischen Torfrau Tine Cederqvist vorbei ins Tor zu schießen.

Ein optimaler Start für Finnland und sichtbar ein Schock für die dänische Auswahl. Dänemark musste jetzt kommen, wirkte aber planlos. So ergaben sich für das Team von Trainer Peter Bonde zwar Chancen durch Cathrine Paaske Sørensen nach einer Ecke und für Anne Dot Eggers Nielsen mit einem Fernschuss – herausgespielt waren diese Chancen jedoch nicht. Eine schöne Kombination ging allerdings einer dänischen Chance in der 13. Minute zuvor, als Johanna Rasmussen mit einem Flügelwechsel – viel zu wenig von den Däninnen gezeigt – auf die linke Seite Nana Johansen bediente, deren Schuss aber knapp links am Tor vorbei strich.

Für eine Vorentscheidung sorgte dann in der 16. Minute Heidi Kackur. Einen Freistoß von Anna-Kaisa Rantanen köpfte Kackur – nicht unhaltbar für die etwas unsichere Cederqvist – ins rechte Toreck zum 2:0. Natürlich fällt eine Vorentscheidung nicht schon in der 16. Minute, mag man zu Recht einräumen. Doch war dieser Stand natürlich für das sehr abwehrstarke finnische Team optimal, während sich die Däninnen, die von Beginn an zu statisch und einfallslos spielten, nun noch schwerer taten.

Team Dänemark war mit großen Ambitionen nach England gekommen und muss nun bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten

Archivfoto: Beate Wolter

Dänemark fehlten die Ideen und Impulse aus dem Mittelfeld. Mit vielen hohen Bällen auf die auf sich allein gestellte einzige Sturmspitze Merete Pedersen und zu wenig Flügelspiel waren die Angriffsbemühungen für die Finninnen leicht ausrechenbar. Gleichzeitig bot sich den Finninnen so die Möglichkeit für Konter. Wie in der 22. Minute, als Anne Mäkinen einen weiten Pass auf Kackur spielte, Cederqvist diesmal aber zur Stelle war.

Erst in den letzten Minuten vor dem Pausenpfiff konnte Dänemark seine leichte Feldüberlegenheit auch in hochkarätige Chancen verwandeln. Dann allerdings ging es Schlag auf Schlag: In der 43. Minute kam Pedersen nach einer Flanke von Paaske Sörensen zu einem wuchtigen Kopfball, doch die glänzend aufgelegte finnische Torfrau Satu Kunnas – die zu Recht zur „Spielerin des Spiels“ gewählt wurde – lenkte den Ball noch mit den Fingerspitzen über die Latte.


Heidi Lindström (FIN) und Helle Nielsen (DEN)

Quelle: Eurosport
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Den direkt folgenden Eckball faustete Kunnas mühevoll aus dem Strafraum, der Ball kam zu Mia Olsen, die direkt abzog, doch Jessica Julin lenkte den Ball in höchster Not noch an die Latte. Bezeichnend, dass sich diese Großchancen ergaben, als Dänemark über die Außenpositionen angriff. Eine Strategie, die – auch in der zweiten Halbzeit – viel zu selten angewandt wurde.

Evelina Sarapää und ihr Trainer Michael Käld

Archivfoto: Nicole Tischhauser

Doch in der 45. Minute dann zappelte der Ball im finnischen Netz. Eine Flanke von Johansen wurde von Louise Hansen schnell weitergeleitet und Paaske Sörensen, die über die gesamte Spielzeit redlich bemüht war, konnten den Ball mit der Fußspitze an Kunnas vorbei ins Tor spitzeln. Nach der Drangphase und der vergebenen Großchancen zuvor ein durchaus verdienter Anschlusstreffer für Peter Bondes Team.

Man hätte nun erwarten könne, der Anschlusstreffer zu einem moralisch so wichtigen Zeitpunkt würde den Däninnen Auftrieb geben, sodass man sie 45 Minuten auf das finnische Tor anstürmen sähe – doch den Däninnen schien dafür sowohl die Strategie als auch die Kraft zu fehlen. Dem dänischen Team fehlte die Spielmacherin, die mit einem öffnenden Pass und überraschenden Aktionen die Offensivimpulse hätte geben können. Pedersen als einzige Sturmspitze musste sich oftmals die Bälle selber auf den Außenpositionen erarbeiten, was schon für sich spricht.

Das Team von Michael Käld hingegen stand mit Sanna Valkonen in der Abwehr sowie Anne Mäkinen und Anna-Kaisa Rantanen im Mittelfeld sehr sicher und schien in sich so gefestigt, dass ein 3:1 für Finnland – auch die Körpersprache der beiden Teams zeigte das – trotz der leichten Feldüberlegenheit Dänemarks wahrscheinlicher als der Ausgleich schien.

Insgesamt verflachte die Partie nun zusehends, Chancen waren Mangelware. Die größte Chance hatte Finnland, als Cederqvist einen Freistoß nur unzureichend wegfausten konnte, der Ball zu Kalmari kam und diese mit einem Lupfer um ein Haar ihr zweites Tor an diesem Tage erzielt hätte. Doch die Torlatte hatte etwas dagegen.
Bei Dänemark fehlte das letzte Aufbäumen, einzig in der 91. Minute hätte Anne Dot Eggers Nielsen noch einmal für Gefahr sorgen können, als sie sich im Strafraum durchsetzte, dann aber über ihre eigenen Füße stolperte und somit auch die letzte Chance auf den Ausgleich vertan war.


Finnland hat dem Gegner mit den zwei frühen Toren den Zahn gezogen und mit einer sowohl kämpferischen als auch souveränen Leistung durch diesen Sieg verdient das Halbfinale erreicht. Dort trifft der EM-Debütant am Mittwoch auf Deutschland. Dänemark hingegen muss seine Taschen packen und kann die Vorschlussrunde nur als Zuschauer verfolgen. Sicherlich eine herbe Enttäuschung für das so sympathische und ambitionierte Team von Peter Bonde, das vor dem letzten Spieltag noch die beste Ausgangsposition hatte.

Laura Kalmari brachte ihr Team auf die Siegerstraße

Archivfoto: Nicole Tischhauser

Gleichzeitig zeigte dieser letzte Spieltag der Gruppe A aber auch die Ausgeglichenheit in dieser Gruppe. Bis zur letzten Minute hätte ein Tor in einem der beiden Spiele wieder eine völlig andere Tabellenkonstellation ergeben. Sicher hätten es alle vier Teams verdient gehabt, das Semifinale zu erreichen, doch die entscheidenden Tore konnten am Samstag Schweden und Finnland einfahren, die sich am Mittwoch und Donnerstag nun mit Deutschland und Norwegen um die beiden Finalplätze streiten werden.

Dänemark:
Cederkvist - Olsen (70. Nielsen), Andersen, Katrine Pedersen, Dalum –Hansen (70. Christensen), Anne Dot Eggers, Sørensen - Johansen (61. Jensen), Merete Pedersen, Rasmussen

Finnland:
Kunnas, Vaelma, Julin, Valkonen, Salmén, Sarapää, Mäkinen, Kalmari (89. Mustonen), Rantanen, Kackur (74. Lindström), Thorn (59. Malaska)

Tore:
0:1 Kalmari (6.)
0:2 Kackur (16.)
1:2 Sørensen (45.)

Gelbe Karten:
Sørensen

Schiedsrichterin:
Alexandra Ihringova (Slowakei)

Zuschauer:
1.500

Player of the Match:
Satu Kunnas


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