Von Nora Kruse
16.06.2005
Eigentlich mögen ihn die Frauen ja nicht, den Vergleich mit den Männern. Aber bei dieser EM wollten
die sogenannten Außenseiter dann doch gerne so sein, wie die Männer Griechenlands im letzten
Jahr – wen wundert’s. Carolina Morace erklärte dies schon vor dem Beginn des Turniers – ihre italienische
Truppe musste sich allerdings mit drei Niederlagen direkt verabschieden. Besser machte es da das Team Finnlands.
Die größte Überraschung des Turniers schaffte es bis ins Halbfinale und dann fiel Trainer Michael Käld die
Farbgleichheit der finnischen Trikots mit denen der griechischen auf. Ein Zeichen von oben? Nein.
Die Finninnen bekamen im Halbfinale recht deutlich ihre Grenzen aufgezeigt und die These, den Frauenfußball
nicht mit dem der Männer zu vergleichen, hat sich wieder einmal bewahrheitet...
Die deutsche Mannschaft trat mit leichten Veränderungen auf. Für Navina Omilade, die im letzten Spiel an der
Seite von Renate Lingor im Mittelfeld spielte, kam Vereinskollegin Britta Carlson wieder zum Einsatz. Offensiv
wurde auch ein bisschen umgestellt und so wurde Anja Mittag auf die Außenposition geschickt, während Inka Grings
in die Spitze rückte.
Britta Carlson (r., hier mit Anne Mäkinen) ersetzte heute Navina Omilade im Mittelfeld, absolvierte ein gutes
Spiel und durfte zur Belohnung die vollen 90 Minuten spielen.
Quelle: Eurosport
Die nächste Übertragung:
19.06., 16 Uhr: Deutschland - Norwegen (Finale / live)
So traten sie also an, um das Ziel EM-Finale zu realisieren. Bundestrainerin Tina Theune-Meyer wollte von Beginn
an Tempo sehen und ihre Mannschaft schien die Worte zu beherzigen, denn sie legte los, wie die Feuerwehr. Die erste
Viertelstunde wäre nicht besser überschrieben, als mit den Worten „jeder Schuss ein Treffer“.
In der dritten Minute ergatterte sich die deutsche Mannschaft den Ball und setzte zum schnellen Konter an.
Spielführerin Birgit Prinz überbrückte mit einem weiten Ball – auch diese liefen heute besser als in vorherigen
Spielen – sehr schön das Mittelfeld zu Mittag, die steil auf Grings vorlegte. Die Duisburgerin bewahrte in der
1:1-Situation mit der finnischen Torfrau Satu Kunnas einen klaren Kopf – es stand 1:0 für den Weltmeister.
Für die verletzte Kerstin Stegemann rückte, wie schon in den vergangenen Spielen, Kerstin Garefrekes in die Abwehr.
Die Frankfurterin suchte jedoch immer wieder den Weg nach vorne, was sich schon fünf Minuten nach dem Führungstreffer
auszeichnen sollte. Kunnas konnte eine Flanke von Garefrekes nicht festhalten, Conny Pohlers stand am richtigen
Fleck und musste nur noch einschieben.
Man rieb sich doch etwas verwundert die Augen, denn die Finninnen hatten sich doch einiges vorgenommen, hatten große
Schlachtrufe formuliert und waren angetreten, um den Weltmeister zu ärgern. Doch stattdessen stand es 2:0 für
„Tinas tolle Truppe“, die bis dato aus zwei Tormöglichkeiten auch zwei Tore machte – eher ungewöhnlich für das
deutsche Team. Und es sollte vorerst noch nicht aufhören, denn es
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Sorgte heute wieder für viel Wirbel auf der linken Seite: Conny Pohlers.
Archivbild: Nora Kruse
vergingen nur knapp vier Minuten und es brannte
erneut im finnischen Strafraum. Lingor setzte auf der linken Seite zur Flanke an und wieder sah Kunnas im Tor
Finnlands nicht gut aus – wie ihre Abwehr allerdings auch, denn es gelang ihr nicht, den Ball aus dem Strafraum
zu befördern. Stattdessen tat Sanna Valkonen Grings noch den Gefallen, ihr den Ball vor die Füße zu spielen. Dies ließ
sich die Torjägerin nicht entgehen und lochte zum 3:0 ein.
Es schien also, als ob man sich keine Sorgen um die deutsche Mannschaft machen müsse. Drei Schüsse, drei Treffer,
das alles nach 12 Minuten – besser geht es nicht. Doch als man sich gerade zurückgelehnt hatte, traten die Finninnen zur
Ecke an. Diese wurde auf den kurzen Pfosten gespielt, dort stand Minna Mustonen, blockte Silke Rottenberg gut weg und
lenkte den Ball mit dem Bauch ins Tor. Da war es also geschehen, das erste Gegentor Deutschlands im Turnier und die
Finninnen feierten es, als sei es der Siegtreffer.
Diese Freunde schien aber nur ein Symbol für die Moral der Mannschaft zu sein, denn auch wenn sie nach einer
Viertelstunde doch recht hoch zurücklag, aufgegeben hat sie nicht. Sie machten hinten nicht dicht und mauerten sich ein,
sondern hielten das Tempo weiter hoch und suchten ebenfalls den Weg nach vorne und hatten binnen einer Minute zwei
Möglichkeiten. Ein Freistoß Finnlands erreichte Jessica Julins Kopf, eine Glanztat Rottenbergs verhinderte ein
zweites Gegentor. Nur wenig später versuchten es die Finninnen mit einem Weitschuss, weil Rottenberg recht weit vorm Tor
stand, doch auch dieser Schuss konnte von ihr pariert werden.
In der 23. Minute schoss Prinz ein Tor, was (korrekterweise) wegen Abseits nicht gegeben wurde, danach spielte sich
die Partie hauptsächlich im Mittelfeld ab, ernsthafte Tormöglichkeiten gab es keine.
Erst in der 41. Minute wurde es im deutschen Strafraum wieder etwas heißer. Erneut war es eine Ecke Finnlands und Rottenberg
konnte den Ball nicht festhalten. Ihren Fehler machte sie jedoch wieder gut, als sie den Nachschuss parierte.
An den beiden Ecken – aus der einen resultierte immerhin das Tor – und dem Freistoß wurde auch das Problem der deutschen
Mannschaft sichtbar. Rollte der Ball zwar auf der einen Seite gut im Mittelfeld und die Chancen wurden verwertet, hatte
die Mannschaft bei den Standards jedoch so ihre Probleme, denn hier stimmte die Zuordnung teilweise nicht. Finnland
blockte Rottenberg zwar sehr gut, dennoch stand die Abwehr teilweise zu weit von den Gegenspielerinnen weg oder
man verschätzte sich – wie Ariane Hingst beim Anschlusstreffer.
Die zweite Hälfte begann die deutsche Mannschaft sehr offensiv. Garefrekes – die sich gegenüber den anderen
EM-Spielen deutlich steigerte - suchte direkt wieder den Weg nach vorne. Doch es sollte erneut ein Fehler von Kunnas sein,
der in der 53. Minute fast das 4:1 gebracht hätte – die Abwehr konnte Grings allerdings stoppen.
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Auf der linken Seite lief das Spiel mit einer sehr stark spielenden Conny Pohlers jedoch auch gut und flott nach vorne.
So in der 61. Minute nach einer schönen Kombination zwischen Lingor und Pohlers. Der Ball wurde hereingegeben zu
Grings – diese setzte ihn jedoch über den Kasten.
Eine Minute später konnte der Ball dann allerdings doch noch im gegnerischen Kasten untergebracht werden. Prinz holte sich
den Ball im Mittelfeld und war bis zum für die Finninnen bitteren Ende untrennbar mit ihm verbunden. Sie spielte sich
bis zum Strafraum vor, umspielte alle Gegnerinnen und schloss dann noch erfolgreich ab – starke Leistung der an diesem Tag
sonst recht unscheinbaren Prinz.
In der letzten halben Stunde stellte sich jedoch wieder ein altbekanntes und immer wieder verfluchtes Problem der
deutschen Mannschaft ein: die mangelnde Chancenverwertung. Die eingewechselte Petra Wimbersky scheiterte in der 68. Minute
an Torfrau Kunnas, ähnlich machte sie es mit einem wunderschönen Schuss von rechts kurz vor Schluss, der das Tor
allerdings wirklich nur extrem knapp verfehlte. Auch Prinz und Grings hätten in den letzten Minuten noch die Chance zur
höheren Führung gehabt, es blieb jedoch beim 4:1, welches von Rottenberg in der 87. Minute auch noch verteidigt werden
musste. Nach einem Fehler von Steffi Jones zog Laura Kalmari aus spitzem Winkel hart ab, Rottenberg war jedoch
reaktionsschnell genug.
Alles in allem ein hochverdienter Sieg für das deutsche Team. Im Vergleich gerade zu den Spielen gegen Norwegen und
Frankreich fiel heute das starke Mittelfeld auf. Der Ball lief durch die Reihen, die Mannschaft bewies Übersicht und bot
ein wirklich nettes, flottes und unterhaltsames Spiel, in dem Deutschland wirklich als Mannschaft stark aufspielte und
jetzt nur noch einmal 90 Minuten überstehen muss...
Auf die Plätze, fertig - ab ins Finale. Deutschlands Trainerinnen Tina Theune-Meyer (Mitte) und Silvia Neid
(l.) haben die deutsche Mannschaft zum sechsten Mal in der Geschichte ins EM-Finale geführt.
Archivbild: Nora Kruse
Aufstellungen
Deutschland:
Rottenberg, Garefrekes (62. Wimbersky), Hingst, Jones, Minnert,
Carlson, Grings, Lingor (75. Günther), Pohlers, Mittag (46. Fuss), Prinz
Finnland:
Kunnas, Sarapää (69. Thorn), Salmen, Valkonen, Vaelma,
Mustonen, Julin (81. Malaska), Mäkinen, Rantanen (46. Uusi-Luomalahti),
Kalmari, Kackur
Tore:
1:0 Grings (3.)
2:0 Pohlers (8.)
3:0 Grings (12.)
3:1 Mustonen (15.)
4:1 Prinz (62.)
Gelbe Karten: Salmen
Schiedsrichterin: Dagmar Damkova (Tschechien)
Zuschauer: 2.785
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