Europameisterschaft 2005

Kurzer Abriss der Geschichte des englischen Frauenfußballs

Teil 3

Von Matthias Behlert

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05.06.2005

Zu einem echten Aufschwung im englischen Frauenfußball kam es jedoch erst Ende der Achtzigerjahre, und diese Entwicklung dauert unvermindert bis heute an. 1989 betrug die Zahl der Vereine 263, was bereits einem mehr als sechsfachen Zuwachs innerhalb von 20 Jahren entsprach. In jenem Jahr strahlte der private Fernsehsender Channel Four wöchentlich ein einstündiges Programm mit Zusammenfassungen von Pokalspielen der Frauen aus. Diese Sendungen wurden von bis zu drei Millionen Zuschauern verfolgt, womit die Existenz des Frauenfußballs endgültig in das Bewusstsein der meisten Engländer drang. Seither gab es in privaten Rundfunk- und Fernsehsendern immer häufiger Programme zum Thema, und im Jahre 2002 entschloss sich endlich auch die staatliche BBC zur Live-Übertragung des Pokalfinales zwischen den Londoner Lokalrivalinnen von Arsenal und Fulham.

1990 änderte die English School Football Association (ESFA) ihre Satzung dahingehend, dass sie fortan das gemeisame Fußballspiel von Jungen und Mädchen bis zum Alter von 11 Jahren gestattete. Gleichzeitig ernannte die Schulungsabteilung der FA drei Frauen zu Assistentinnen regionaler Direktoren.
Im September 1991 ging die englische Frauenliga Women's National League (WNL) an den Start. Sie bestand aus drei Staffeln (divisions) zu je acht Teams, nämlich National, North und South. Die in jenem Jahr erstmals stattfindende WM der Frauen in China veranlasste auch den Vorstand der FA zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem FF. Im November 1992 berief er einen Kongress ein, der ausschließlich der Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs gewidmet war. Damals betrug die Zahl der Frauenvereine 450; diese repräsentierten bereits 12 000 eingetragene Spielerinnen.

Foto mit freundlicher Genehmigung von  Donny Online

Anfang 1993 wurde die WFA völlig in die FA integriert und besteht in dieser seither als Kommitee für Frauenfußball mit einer eigenen Koordinatorin fort. Mit dem Beitritt erlangten die Frauen Zugriff auf alle organisatorischen Strukturen des englischen Fußballbundes, und dieser übernahm damit auch die volle Verantwortung für das Nationalteam der Frauen, dessen erster Manager Ted Copeland wurde.


Die Doncaster Belles im Jahr 1987

Foto mit freundlicher Genehmigung von  Donny Online

Infolge dieser Fusion musste auch der Pokal der Frauen umbenannt werden. Aus 'Women's Football Association Mitre Challenge Trophy' wurde FA Women's Challenge Cup, und um diesen bewarben sich im Herbst 1993 bereits 147 Vereine.

Im Jahr darauf übernahm die FA auch die Verantwortung für die Organisation und Verwaltung der Frauenliga; diese wurde auf 30 Teams – 10 pro Staffel – aufgestockt und besteht seither unter dem Namen Football Association Women's Premier League (FAWPL) fort.

Bis 1996 war die Zahl der englischen Fußballerinnen auf fast 22 000 angewachsen. Etwa 14 000 davon waren Frauen, die in nunmehr 600 Clubs spielten, die übrigen waren Juniorinnen in rund 750 Schulsportvereinen. Die Gesamtzahl der Ligen und Staffeln betrug mittlerweile rund 40. In jenem Jahr erschien 'On the Ball', das erste englische Frauenfußball-Magazin. Die Football Association entschloss sich zur Ausarbeitung eines detaillierten Plans zur Talenteförderung unter Mädchen und jungen Frauen, welcher alle Niveaus und Spielklassen umfassen sollte.

1998 übernahm mit Hope Powell die erste Frau das Amt des Auswahltrainers; gleichzeitig wurden 20 Sportschulen speziell für Fußballerinnen gegründet. Die Firma AXA wurde erster Sponsor für Premier League und Pokalspiele. Im Oktober desselben Jahres beherbergte der englische Fußballbund eine UEFA-Konferenz zum Frauenfußball, und im Jahr darauf gab er sein neues strategisches Ziel bekannt: Innerhalb von fünf Jahren, also bis 2004, sollte Fußball die am häufigsten betriebene Mannschaftssportart unter englischen Frauen und Mädchen werden. Bereits drei Jahre später konnte dieses Ziel als erreicht abgehakt werden.

Im September 2001 wurde ein professionelles internationales Trainingszentrum für Fußballerinnen eingeweiht, und seit 2003 sind die Spielerinnen der Premier League als Halbprofis tätig. Die Zahl der registrierten Fußballerinnen hat mittlerweile die 100 000 überschritten. Die Spielerinnen des FC Fulham wurden 1999 das erste Profi-Team


Großbritanniens und errangen im Jahr darauf mit einem Torverhaltnis von 196:3 (!) die Meisterkrone, ohne einen einzigen Punkt abgegeben zu haben. Ähnlich sollte es noch drei Jahre lang weitergehen, bis sie schließlich wie alle anderen Teams einen Status als Halbprofis erhielten. Seitdem ist es um ihre haushohe Überlegenheit geschehen; in der abgelaufenen Spielzeit ist ihnen mit nur 3 Siegen aus 18 Spielen knapp der Klassenerhalt gelungen.

Neben diesem Londoner Club sind vor allem drei Vereine zu nennen, die in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten eine herausragende Rolle im englischen FF gespielt haben und teilweise bis heute spielen. Wie schon erwähnt dominierte in den Siebzigerjahren der Southampton WFC das Pokalgeschehen (10 Endspielteilnahmen zwischen 1971 und 1981, davon achtmal Pokalsieger), dieser wurde 1983 von den Doncaster Belles abgelöst, einem Club aus Mittelengland, der anschließend 20 Jahre lang nur selten bei einem Pokalendspiel fehlte (13 Finalteilnahmen bis 2002, davon 6 Siege) und zudem 1994 als zweiter Verein überhaupt die englische Meisterschaft gewann. Mit letzterem Titel aber hatte der Stern der „Schönen aus Doncaster“ vorerst seinen Zenit überschritten und ist seither langsam aber sicher im Sinken begriffen. Um so strahlender leuchtet dagegen seit Anfang der Neunzigerjahre der Stern von Arsenal London, den Beinahe-Gegenerinnen von Turbine Potsdam im diesjährigen UEFA-Cup-Finale. Dem Gewinn der allerersten englischen Meisterschaft 1993 folgten fünf weitere Titel sowie ein halbes Dutzend Pokalsiege, und es scheint, dass dieser Verein seine beste Zeit noch nicht hinter sich hat.

Angesichts der rundum positiven Entwicklungen der jüngeren Zeit ließ sich Nationaltrainerin Powell bereits im Vorfeld der vorangegangenen Europameisterschaft zur Verkündung eines äußerst ehrgeizigen Vorsatzes hinreißen: „2007 wollen wir Weltmeister werden!“ „Warum nicht?“ erläuterte sie „Das ist kein unrealistisches Ziel. Es ist ja schön und gut, das jeweils nächste Spiel gewinnen zu wollen oder bei der EM 2001 so gut wie möglich abzuschneiden, aber wir müssen auch langfristig planen, und ich weiß nicht, warum der Gewinn der Welmeisterschaft 2007 nicht unser Ziel sein sollte.“

Nun, in den kommenden Wochen werden die Kickerinnen von der Insel im eigenen Land ausgiebig Gelegenheit haben, zu zeigen, ob sie diesem Ziel ein Stück näher gekommen sind.


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