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1. Bundesliga/2. Bundesliga Nord, Testspiel

HSV muss sich steigern!

FFC Oldesloe - Hamburger SV 1:5 (0:4)

Text und Bilder von Fuxi

31.7.2007   Am Samstagnachmittag trafen auf dem Kunstrasen des Kurparks Bad Oldesloe der Zweitligaaufsteiger FFC Oldesloe und der Hamburger Sportverein aufeinander. Für beide war dies nicht der erste Test: Oldesloe hatte zuvor beim Regionalligisten TSV Nahe mit 9:0 gewonnen, der HSV im Trainingslager den VfL Wingst mit 24:1 besiegt. Zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung konnte von einem Härtetest für beide nicht die Rede sein, als kleinen Gradmesser jedoch konnte man diese Partie bezeichnen.

Bei den Gastgeberinnen bot Trainer Michael Clausen zunächst nur zwei Neuzugänge auf: In der Innenverteidigung Neuzugang Susann Kunkel vom Regionalligisten SV Lurup Hamburg und im Mittelfeld Sarah Schreiber vom FC Riepsdorf. Von den sechs Neuen war einzig Ellen Strüven nicht im Kader, dazu die frühere U19-Nationalspielerin Josephine Hinz. Die Viererkette vor Torhüterin Jasmin Dreessen bestand neben Susann Kunkel noch aus Desiree Steinike, deren Schwester Denise im Kader fehlte, sowie der vom HSV her bundesligaerfahrenen Kapitänin Mirja Herrmann und Talent Johanna Wöhler. Das Mittelfeld besetzten Theresa Blum, Sarah Schreiber, Bianca Löwenstrom und Judith Freiling. Davor als zurückhängende Spitze Janine Kulow und vorne Torjägerin Gaitana Lippert.

Marisa Ewers und Theresa Blum

Ordentliche Partie von Marisa Ewers (Nr. 6), die hier an Theresa Blum vorbei zieht

Auch beim HSV fehlten Neuzugänge. Neuzugang Heike Freese aus Gersten war überhaupt nicht dabei, Ersatzkeeperin Almuth Schult aus Gartow saß auf der Bank. Nur Jana Leugers durfte ran. Von den aus der erfolgreichen Zweiten aufgerückten Spielerinnen stand Marisa Ewers in der Anfangsformation und Denise Lehmann zur Einwechslung bereit. Neben Freese fehlten im Kader noch die spätere U19-Europameisterin Imke Wübbenhorst, sowie Anna Blässe, deren Rückkehr vom Nordic Cup bereits überfällig war, und Talent Johanna Borkowski. Co-Trainer Javier Navarro, der Achim Feifel vertrat, setzte auf das System von Huub Stevens mit Viererkette, 5er-Mittelfeld und einer Spitze. Vor Bianca Weech verteidigten Stephanie Ende, Janina Haye, Alexandra Gärtner und Vanessa Schröer. Davor mit Christina Plessen und Silva Lone Saländer zwei eher defensiver ausgerichtete zentrale Kräfte hinter einer offensiven Dreierreihe aus Christine Schoknecht, Jana Leugers und Marisa Ewers. Davor als einzige Spitze Tanja Vreden.

Alexandra Gärtner und Gaitana Lippert

Gegen den HSV hatte Oldesloes Torjägerin Gaitana Lippert (vorn) einen schweren Stand. Hier spitzelt ihr Routinier Alexandra Gärtner den Ball vom Fuß

Der HSV war von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft und kam nach zehn Minuten nicht unverdient zum Führungstreffer, als Neuzugang Leugers nach einem einstudierten Eckball Schoknechts an den zweiten Pfosten die Ablage von Vreden in die Maschen drückte. Nach einer halben Stunde legte dann Leugers nach einem Einwurf für Vreden auf, und das HSV-Urgestein setzte der chancenlosen Oldesloer Keeperin Dreessen per Direktabnahme den Ball ins Netz. Oldesloe kam erst kurz vor der Pause zur ersten Möglichkeit, als die insgesamt unsichere HSV-Abwehr zu zögerlich agierte, und Kunkel traf, von einer Mitspielerin bedrängt, aus dem Gewühl heraus nur den Pfosten. Im direkten Konter bediente Schoknecht die mitgelaufene Vreden. Deren Volley landete am Pfosten, prallte von dort gegen die Torhüterin und zum 0:3 ins Netz. Nur zwei Minuten später fing Ex-HSVerin Herrmann einen Steilpass ab, aber Leugers erahnte ihr Rückspiel und netzte zum 0:4 ein.

Das war der Pausenstand, denn Oldesloe vergab in Person von Lippert die letzte und beste Chance, als diese ein Zuspiel von Desiree Steinike, abgefälscht von


Tor durch Jana Leugers

TOR! Neuzugang Jana Leugers markiert nach Ablage von Tanja Vreden das 0:1 zugunsten des HSV

Haye, nicht im Kasten unterbringen konnte. Aber auch der HSV hatte noch einiges liegen gelassen: So ditschte ein Freistoß von Schoknecht in der Anfangsphase auf die Querlatte, Dreessen rettete nach 20 Minuten gegen die per Steilpass von Ende bediente Vreden, eine schöne Kombination von Schröer, Vreden per Hacke und Leugers per Zuspiel auf Saländer brachte nur einen weiteren Aluminiumtreffer ein, und als sich gegen Ende der ersten Hälfte Ewers nach Zuspiel von Leugers robust gegen Kunkel behauptete und Ewigkeiten Zeit hatte, sich eine Ecke auszusuchen, vergab nicht nur sie kläglich - Dreessens Abwehraktion konnte die frühere Oldesloerin Plessen trotz unbedrängter Einschussmöglichkeit und freier Bahn nicht nutzen.

Das Ergebnis war soweit okay, aber der HSV ließ die spielerische Linie vermissen und machte hinten einige Flüchtigkeitsfehler, die die Gastgeberinnen nicht zu nutzen wussten. Den Klassenunterschied beider Teams machte die individuelle Klasse der Hamburgerinnen aus. Beim FFC, dem in den Zweikämpfen das Durchsetzungsvermögen und insgesamt Dynamik und Genauigkeit fehlten, war vieles Stückwerk.

Alexandra Gärtner und Kirsten Stahmer

Freie Bahn für Kirsten Stahmer (Nr. 16)? Alexandra Gärtner hat in dieser Szene etwas dagegen und bereinigt. Dennoch kam Oldesloe in der zweiten Halbzeit öfter gefährlich vor das HSV-Tor

Zu Beginn der zweiten Hälfte gab es auf beiden Seiten je zwei Wechsel. Die Pausenansprache hatte FFC-Trainer Clausen wohl besser hinbekommen. Sein Einlauf hatte gewirkt, und Oldesloe kam wie ausgewechselt aus der Kabine. Sie waren nun bissiger und hatten zunächst zwei Möglichkeiten durch Lippert und Kulow. In diese Drangphase köpfte Saländer nach Eckball von Plessen das 0:5. Die nachfolgenden Wechsel sollten dem Spiel jedoch nicht gut tun. Denn nach zwei weiteren HSV-Auswechslungen und derer vier bei Oldesloe traf FFC-Neuzugang Kristina Kucharski (kam vom Verbandsligisten FC Riepsdorf) nach einer Hereingabe von Judith Freiling zum 1:5.

Kristina Kucharski und Janina Haye

Kristina Kucharski (rechts), hier vor HSV-Kapitänin Janina Haye, profilierte sich als Joker und markierte den Oldesloer Treffer

Der HSV ließ durch die Wechsel im 2. Durchgang merklich nach. Oldesloe wurde stärker und kam zu zwei weiteren guten Chancen durch Kucharski, die beide Male vergab. Erst gegen Ende war wieder ein leichter Aufwärtstrend im Spiel des HSV zu erkennen, wenn dieser auch nur marginal war, denn das Spielniveau war inzwischen auf ein Niveau zwischen Landes- und Bezirksliga abgesackt, so dass Ersatzcoach Navarro ein ums andere Mal fast verzweifelte und immer stiller wurde. Die letzten Möglichkeiten sprachen Bände: Ein Schussversuch der einge- wechselten Julia Weigel wurde abgeblockt, und die ebenso eingewechselte Gina Heinßen, die


mit ihrem einzigen gewonnenen Offensivzweikampf diese Möglichkeit eingeleitet hatte, schoss freistehend drei Meter am leeren Tor vorbei. Dann hatte auch noch Saländer Pech, als Leugers ihre flache Freistoßhereingabe verpasste und der Ball den Außenpfosten traf.

Unter dem Strich wurde der FFC Oldesloe unter Wert geschlagen. Sie verkauften sich weitaus besser, als es das Ergebnis und das Chancenverhältnis aussagten. Zeitweise boten sie gegen teils grotesk ungelenk wirkende Hamburgerinnen attraktiven Kombinationsfußball. Der HSV litt unter dem zweiten Anzug, der einen eklatanten Bruch im ohnehin stark verbesserungswürdigen Spiel bedeutete. Es passte nach dem 5. Treffer und der Auswechslung der Stammkräfte fast nichts mehr zusammen. In Kombination mit den mehr als fragwürdigen Abseitsentscheidungen des Schiedsrichtergespanns in beiden Durchgängen ergab sich ein unansehnliches Spiel, vor allem vom Erstligisten, der in den verbleibenden Wochen bis zum 19. August noch stark zulegen muss. Sonst könnten die beiden Spieltage vor der WM verdammt bitter und diese Saison die letzte im Oberhaus werden. Dem FFC Oldesloe, dessen einziges erklärtes Ziel der Verbleib "über dem Strich" ist, kann jedoch vor allem auf der zweiten Halbzeit aufbauen, in der vor allem durch Rachel Rinast, Kristina Kucharski und Marialiiza Kranz, die massiven Anteil am Zweitligaaufstieg der Stormarnerinnen hatte, offensiver Schwung herein kam.

Marialiiza Kranz und Julia Weigel

Marialiiza Kranz (Vordergrund) machte nach ihrer Einwechslung auf dem rechten Flügel des FFC Oldesloe viel Dampf. Im Hintergrund orientiert sich Teamkollegin Johanna Wöhler zum Ball, während Gegenspielerin Julia Weigel den freien Raum sucht




FFC Oldesloe 2000:

Dreessen - Desiree Steinike (60. Vonau), Kunkel (46. Fritz), Herrmann, Wöhler - Blum (46. Rinast), Schreiber (67. Kunkel), Löwenstrom (60. Grube), Freiling (62. Kranz) - Kulow (60. Stahmer) - Lippert (60. Kucharski)


Hamburger SV:

Weech - Ende (56. Rohrberg), Haye, Gärtner, Schröer - Plessen (56. Heinßen), Saländer - Schoknecht (46. Weigel), Leugers, Ewers (46. Schubert) - Vreden (71. Schoknecht)

Tore:
0:1 Leugers (10.)
0:2 Vreden (30.)
0:3 Vreden (41.)
0:4 Leugers (43.)
0:5 Saländer (49.)
1:5 Kucharski (61.)

Gelbe Karte: Rinast (FFC Oldesloe, 58. Minute, Foulspiel)

Schiedsrichter: Klaus-Dieter Prelle (SC Union Oldesloe)


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