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1. Bundesliga

Noch ein Einkauf auf den letzten Drücker

Pressekonferenz des 1. FFC Frankfurt vor der Rückrunde 2010

Text und Bilder von Tom Schlimme

02.02.2010   Bei der Pressekonferenz des 1. FFC Frankfurt zum Wiederanpfiff nach der Winterpause gab es eine faustdicke Überraschung: Ganz kurz vor dem Ende der Wechselfrist war noch die Verpflichtung von Leni Larsen Kaurin perfekt gemacht worden. Die norwegische Nationalspielerin wechselt vom 1. FFC Turbine Potsdam nach Frankfurt und ist damit der zweite Neuzugang der Hessinnen in der Winterpause, nachdem zuvor schon Jang-Mi Lee aus Südkorea an den Main gekommen war, die in der Pressekonferenz ebenfalls vorgestellt wurde.

Die südkoreanische Nationalspielerin fliegt jetzt erst einmal in ihre Heimat zurück, um mit der Nationalmannschaft einige Termine zu bestreiten und wird am 17. Februar zurück erwartet. Offensichtlich hat sich Jang-Mi Lee aber schon etwas in Frankfurt eingelebt, ihre Teamgefährtin Conny Pohlers berichtete, wie leicht es sei, sich mit der Koreanerin "mit Händen und Füßen" zu verständigen, und Trainer Sven Kahlert lobte die schnelle Auffassungsgabe, mit der Jang-Mi Lee seine taktischen Vorgaben mit wenigen Blicken auf ein Stück Papier und einigen Gesten begreife.

Der 1. FFC Frankfurt sei auch in Korea bekannt, berichtete Jang-Mi Lee, und ihr Trainer in Korea habe ihr empfohlen, die Herausforderung anzunehmen, um sich sportlich weiter zu entwickeln. Am Anfang sei es etwas schwierig mit der ungewohnten Kultur gewesen, aber durch die gute Unterstützung im Umfeld fange sie schon an, sich einzuleben, berichtete die 24-jährige Mittelfeldspielerin, die schon beim DFB-Hallenpokal in Magedburg eingesetzt wurde. Sie habe sich auch schon das Streckennetz der Öffentlichen Verkehrsbetriebe in Frankfurt angesehen, und komme gut damit klar, das sei "nicht so schwierig wie in Seoul", erklärte Jang-Mi Lee.


Die Motivation von Leni Larsen Kaurin für den Wechsel ist leicht nachvollziehbar. Die 28-jährige Mittelfeldspielerin wurde in Potsdam nur wenig eingesetzt, die 56-fache Nationalspielerin möchte aber gerne an der WM 2011 für ihr Heimatland Norwegen teilnehmen, braucht also Spielpraxis. Außerdem suche sie die Herausforderung, erklärte Leni Larsen Kaurin mehrmals und machte damit deutlich, dass es ihr bewusst ist, dass auch in Frankfurt ein Platz in der Startelf nicht ohne weiteres zu erobern ist. Doch in Potsdam habe sie zuletzt kein Vertrauen mehr bekommen, und Trainer Bernd Schröder favorisiere eine junge Mannschaft, in der es für sie sehr schwer gewesen wäre, noch einen Platz zu finden.

Torhüterin Nadine Angerer gestand jedenfalls, die Flanken von Leni Larsen Kaurin zu fürchten, und Frankfurts Cheftrainer Sven Kahlert bekundete, in Leni Larsen Kaurin eine Spielerin zu sehen, die gut in seine Mannschaft passe, und die auf jeden Fall eine Bereicherung darstelle. Die Aufgaben, die sich der Coach und das ganze Team gestellt haben, sind auch nicht leicht zu bewältigen, denn um die acht Punkte Rückstand (bei einem Spiel weniger) nach ganz oben noch aufzuholen, muss praktisch jedes der verbleibenden elf Saisonspiele gewonnen werden. Genau das hat Kahlert auch vor, jedenfalls hält es es für möglich, alle elf Spiele gewinnen zu können.

Die Mannschaft habe gut trainiert, die meiste Zeit auf Schnee, was sicherlich fußballerisch nicht optimal gewesen sei, aber Kraft und Kondition aufgebaut habe. Kahlert wird in naher Zukunft Unterstützung durch einen neuen Co-Trainer bekommen (Kahlert ist ja selbst erst in der Saison vom Co- zum Cheftrainer aufgerückt, so dass dieser Posten noch vakant war). Der 31-jährige Kai Rennich wird mit dem selbst auch erst 39-jährigen Kahlert eines der jüngsten Trainerteams der Bundesliga bilden. Die beiden kennen sich gut, Rennich war bereits Kahlerts Assistent, als dieser die U16-Junioren von Mainz 05 betreute.

Sehnsüchtig zurück erwartet wird Ariane Hingst, die für Kahlert als "Leitwölfin" auf dem Platz und zur Stabilisierung der Abwehr eine ganz wichtige Rolle in seinem Konzept einnimmt. Die Reha nach ihrer Knie-OP verlaufe planmäßig, man dürfe jedoch nichts überstürzen und hoffe, Hingst Mitte bis Ende März wieder dabei zu haben. Angesprochen auf die zuletzt häufig kritisierte Abwehr erklärten Kahlert und auch Keeperin Angerer, die Probleme würden zu unrecht allein auf die Abwehr geschoben. Die ganze Mannschaft müsse sich im Defensivverhalten anders präsentieren, das habe man gemeinsam besprochen und sei sicher, dies auch umsetzen zu können. Wobei klar bleibt, die Ausrichtung des 1. FFC Frankfurt wird weiter offensiv sein. Vorne ein Tor mehr schießen als hinten reinlassen, die Gegner durch eigene Offensivstärke mit Abwehrarbeit beschäftigen, das ist die Philosophie, mit der der Erfolg wieder an dem Main geholt werden soll.

So kann man voller Erwartung und Spannung auf den Wiederanpfiff nach der Winterpause warten. Planmäßig sollte ja bereits am Samstag, 6.2., gegen Wolfsburg das Nachholspiel im Stadion am Brentanobad ausgetragen werden. Aufgrund der winterlichen Verhältnisse bestehen allerdings große Zweifel daran, dass am Samstag Fußball gespielt werden kann. Die Entscheidung durch die Vertreter der Stadt Frankfurt soll am Donnerstag mittag getroffen werden.

Doch auch wenn es noch etwas dauern sollte bis zum Anpfiff des ersten Spieles in 2010, gespannt sein kann man schon jetzt!

(Bilder: Oben links Jang-Mi Lee, rechts Nadine Angerer und Leni Larsen Kaurin, unten Trainer Sven Kahlert)

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