| Text und Bilder von Tom
Schlimme
12.08.2011
Lange hatte sie hin und her geschwankt, bis zuletzt hatte der Manager des 1. FFC
Frankfurt, Siegfried Dietrich, versucht, sie dazu zu bewegen, noch ein Jahr beim
1. FFC Frankfurt dran zu hängen, doch schließlich entschied sich Birgit Prinz
doch, nach ihrem Rücktritt aus der Nationalmannschaft nun auch im Verein ihre
Karriere zu beenden. Auf einer eigens zu diesem Anlass einberufenen
Pressekonferenz erläuterte die dreifache Weltfußballerin und deutsche
Rekordnationalspielerin ihre Gründe.
Dabei wirkte Birgit Prinz so locker und gelöst, dass man sich sicher sein kann,
dass die leidenschaftliche Fußballerin inzwischen im Reinen ist mit sich selbst
und ihrer Entscheidung. Auf die Frage, sie habe doch immer gesagt, dass das
Fußball spielen ihr noch so viel Spaß machen würden, antwortete sie:
„Doch, das war ja gerade das Schwierige an meiner Entscheidung! Dass es
mir Spaß macht, wahrscheinlich immer Spaß machen wird, solange ich laufen kann,
aber es sind jetzt auch die anderen Sachen im Leben einfach wichtiger
geworden”.
An manchen Tagen habe sie mehrmals zwischen Rücktritt
und Weitermachen gependelt, bekannte Prinz. Sie sei deshalb auch sehr dankbar,
dass ihr der FFC ermöglicht habe, noch einmal am Training teil zu nehmen, um
das Gefühl dabei anzutesten. Auch dieses Training habe viel Spaß gemacht und
sie habe sich wohl mit der Mannschaft gefühlt, doch sie habe trotzdem gemerkt,
dass der Zeitpunkt zum Aufhören nun einfach gekommen sei.
„Ich bin
bekannt dafür, dass ich keine halben Sachen mache, und die anderen Dinge sind
nun einfach zu wichtig geworden”, erklärte Prinz.
Birgit Prinz hat schon vor einigen Jahren das Studium der Psychologie
erfolgreich abgeschlossen und will in dieser Richtung nun auch beruflich
einsteigen, wobei sie schon an eine Verbindung mit dem Sport denkt. So hat die
Frankfurterin, die mit dem 1. FFC Frankfurt alle Titel,
die es zu gewinnen gibt, mehrfach gewonnen hat, den Wunsch, mit ihrem alten
Verein auch weiter zusammen zu arbeiten. Sie könne sich vorstellen, hin und
wieder mit zu trainieren, als Psychologin ihre Profession einzubringen, zum
Beispiel bei der Beratung von jungen Spielerinnen in der schwierigen Phase des
Übergangs von der Jugend in den Erwachsenenbereich. Auch die Möglichkeit eines
kurzfristigen Einsatzes als "Stand-By-Spielerin" brachte Prinz ins Gespräch, um
dann aber später auf Nachfragen hin abzuschwächen, dass sie angesichts des
stark besetzten FFC-Kaders davon ausgehe, dass dies niemals notwendig werden
würde.
„Wir werden jetzt auch keine zusätzliche Spielerin mehr verpflichten,
unser Kader ist stark genug, jede Position ist doppelt besetzt, wenn Birgit
weiter gemacht hätte, wäre das das Sahnehäubchen gewesen”, unterstrich
auch FFC-Manager Siegfried Dietrich, dass, so gern er Birgit Prinz noch ein
Jahr aktiv gehalten hätte, nun trotzdem keine Not im Verein auftreten
wird.
Nach einer gewissen Pause und mit etwas Abstand könnte Birgit Prinz sich auch
vorstellen, mit der ersten Mannschaft im Bereich Psychlologie zu arbeiten.
Bereits aktiv ist sie im "Institut für Performance-Psychologie", das in
Frankfurt ansässig ist und den Einfluss der Psychologie auf die Leistung von
Menschen, nicht nur im Sport, sondern auch in anderen Bereichen, erforscht und
Methoden zur Leistungssteigerung erarbeitet.
Gefragt, ob es ein Abschiedsspiel mit der Nationalmannschaft geben werde,
erklärte Prinz: „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Da werden
wir mit Sicherheit noch drüber reden”. Zunächst wird es erst einmal eine
große Verabschiedung bei einem Heimspiel des 1. FFC Franfurt geben. Allerdings
nicht gleich beim ersten Saisonspiel in einer Woche, denn dann wird Birgit
Prinz erst einmal in Urlaub fahren. Manager Dietrich favorisiert eine
Verabschiedung bei einem der Top-Heimspiele gegen große Gegner im Herbst. Auf
jeden Fall wird man Birgit Prinz weiter im Stadion bei Heimspielen des 1. FFC
Frankfurt sehen, denn sie habe noch eine große Nähe zur Mannschaft und werde
sicherlich regelmäßig da sein. „Das Trikot mit der Nummer 9 werden wir
auch nicht mehr neu vergeben, ich gehe davon aus, dass, solange ich Manager in
Frankfurt bin, niemand anders mehr diese Nummer tragen wird”, erklärte
Siegfried Dietrich.
Kommentar:
Birgit Prinz gehörte immer zu meinen Lieblingsspielerinnen und deswegen bin ich
natürlich einerseits traurig, dass sie nun aufhört. Andererseits habe ich auf
der Pressekonferenz die Vorfreude von Birgit auf die neuen Herausforderungen,
die das Leben für sie bereit hält, gespürt, und ich kann ihre Entscheidung gut
verstehen. Nach 25 Jahren Fußball muss irgendwann einfach mal Schluss sein. Die
Karriere von Birgit Prinz ist einzigartig, und das kann auch das unglückliche
Ende bei der WM 2011 nicht mehr trüben. Ich wünsche Birgit Prinz alles Gute auf
ihrem weiteren Weg!
(Bilder: Oben links und mitte rechts Birgit Prinz und FFC-Manager
Siegfried Dietrich. Unten links: Das Medieninteresse war auch bei der sehr
kurzfristig einberaumten Pressekonferenz groß)
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