Erste Liga

Gar nicht so einfach!

Überlegungen zum Terminplan der Bundesliga

Text und Bilder von Tom Schlimme

13.7.2005    Vor kurzem hat der DFB den Terminplan für die kommende Saison bekannt gegeben. Seit Jahren schon sorgen die Terminpläne des DFB für Kritik, weil es immer wieder wegen Terminenge am Ende der Saison zu schwierigen, manchmal wettbewerbs- verzerrenden Situationen für die Vereine kommt. In der Hoffnung, dass es in dieser Saison endlich einmal gelungen sein könnte, die vorprogrammierten Termin- kollisionen zu reduzieren, haben wir uns den Terminplan angesehen. Soviel vorweg: Diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Wir haben aber auch erkennen müssen, wie viele Probleme es mit sich bringen würde, wenn man es anders macht.

Doch bevor wir in den aktuellen Terminkalender einsteigen, möchten wir in einem Rückblick auf die letzten zwei Jahre die Situation beleuchten, um deutlich zu machen, welche Probleme für die Vereine in der Vergangenheit durch enge Terminplanungen entstanden sind, und welche Konsequenzen für die Zukunft aus solchen Terminkonflikten erwachsen können.

Szene aus dem Spiel 1.FFC Frankfurt gegen Bad Neuenahr vom 26.5.2004, bei dem Frankfurt über ein Unentschieden nicht hinauskam und zwei wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft verlor. Damals mußte der FFC Frankfurt in 13 Tagen fünfmal antreten.

Beginnen wir mit der vorletzten Saison und dem Schlussprogramm des FFC Frankfurt: 23.5.04 in Duisburg, 26.5. gegen Bad Neuenahr, 29.5 DFB-Pokalfinale, 2.6. gegen Bayern, 5.6. Uefa-Cup Finale gegen Umea, also fünf Spiele in 13 Tagen, das war das Programm, und was dabei herauskam, ist bekannt: die beiden Finale wurden 0:3 und 0:5 in den Sand gesetzt, gegen Bad Neuenahr und gegen Bayern München gab es jeweils ein Unentschieden, so dass 4 Punkte in der Meisterschaft verspielt wurden, der bis dahin errungene Vorsprung aufgezehrt wurde und dann im letzten Spiel der Saison eine Woche später auch noch der letzte Titel flöten ging. Hohn und Spott wurden damals republikweit über dem FFC Frankfurt ausgeschüttet, weil man in allen drei Wettbewerben nur Zweiter geworden war. Sicher, das Team des FFC war damals durch eine beispiellose Verletztenmisere zusätzlich geschwächt, aber konnte man eigentlich wirklich ernsthaft erwarten, dass dieses Programm erfolgreich von irgendeiner Mannschaft zu bewältigen war?

Das Programm von Potsdam zum Ende der vergangenen Saison: 1.5. gegen Bad Neuenahr, 8.5 beim FSV, 10.5. in Crailsheim, 17.5. gegen Bayern München, 21.5. Uefa-Cup Finale gegen Stockholm und 28.5. dann DFB-Pokal. Potsdam schenkte sich den Versuch, in der Meisterschaft noch groß Punkte zu machen, spielte unentschieden beim FSV, verlor in Crailsheim, verlor mit einer B-Elf gegen München, gewann aber die beiden Finale. So ist Potsdam am Ende zwar nur Tabellendritter, nächstes Jahr aber wieder international dabei und DFB-Pokalsieger. Aber realistisch betrachtet, hatte Potsdam in dieser Saison gegen einen FFC Frankfurt, der sich voll auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren konnte, kaum eine Chance auf die Meisterschaft. Selbst wenn Potsdam das Meisterschaftsspiel in Frankfurt – das ja sehr eng war – gewonnen hätte, hätte man dann auch in Duisburg, wo man ja verlor, und dann am Ende der Saison beim FSV, in Crailsheim und gegen München voll durchziehen und alles geben müssen, und dabei leicht das Frankfurter Schicksal der vergangenen Saison teilen und alles verlieren können. Potsdam hat hier sicher auch davon profitiert, dass die Spiele gegen Frankfurt schon am dritten Spieltag angesetzt waren und damit die Entscheidung früh gefallen war. In der kommenden Saison aber liegen die Spiele der drei Großen gegeneinander wieder fast am Ende der Saison.

Das Team vom späteren Absteiger Crailsheim hier noch am Boden nach der Niederlage beim FSV Frankfurt. Nur wenig später konnte die gleiche Mannschaft den Uefa-Cup Sieger Turbine Potsdam mit 2:0 besiegen. Ein Sieg, der auch ohne übervollen Potsdamer Terminkalender möglich gewesen wäre?

Es gibt für die Vereine mehrere Möglichkeiten, mit der Problematik umzugehen. Man kann, wie Potsdam in dieser Saison, den einen Titel einfach „schenken“, was aber das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen mit sich bringt. So sehr ich die Leistung von Crailsheim beim 2:0 gegen Potsdam anerkenne, möchte ich doch behaupten, dass Crailsheim normalerweise gegen den Bezwinger von Djurgarden, Trondheim und FFC Frankfurt keinen Stich machen dürfte. Wir wünschen uns eine ausgeglichene Liga, aber wir wissen, dass wir momentan noch eine Zweiteilung zwischen den drei Großen und dem Rest haben. Ich will damit Potsdam nicht für die Niederlage in Crailsheim verurteilen, zumal es ja im Endeffekt den Abstiegskampf nicht wirklich beeinflusst hat, aber ich möchte auf das Risiko hinweisen, dass in der Liga der Abstiegskampf zukünftig durch solche Spiele verzerrt werden kann. So wie Potsdam in dieser Saison in dem Dilemma war, entweder gegen groß auftrumpfende Crailsheimerinnen alles geben zu müssen oder die


Zahlreiche Fans von Turbine Potsdam beim Auswärtsspiel in Frankfurt am 6.3.2005, einem Sonntag. Es ist kaum zu erwarten, dass an einem Wochentag auch so viele Fans ihre Mannschaft begleiten könnten.

Kräfte für die wichtigen Spiele zu schonen, kann es nächste Saison auch den FFC Frankfurt und die jeweiligen Gegner und deren Konkurrenten betreffen.

Die zweite Möglichkeit, mit der Terminenge umzugehen, ist, den Kader so aufzurüsten, dass man auch wichtige Spielerinnen schonen kann, ohne dann gleich in der Liga unentschieden zu spielen, oder gar zu verlieren. Auch dies bringt erhebliche Nachteile mit sich. Es besteht die Gefahr, dass der Abstand zwischen den „Großen“ und den „Kleinen“ der Liga wieder deutlich größer wird. Spielerinnen, die bei anderen Vereinen Stammspielerinnen wären, versauern bei den Großen auf der Bank. Eine Cristiane, die mit der Nationalmannschaft Brasiliens die Bronzemedaille bei Olympia holte, ist da das beste Beispiel. Bei Frankfurt wurden Sandra Albertz oder Christina Zerbe, beides weit überdurchschnittliche Bundesliga- spielerinnen, verhältnismäßig wenig eingesetzt, weil kaum noch Platz im Kader ist. Für Nachwuchs- spielerinnen wie die U19 Weltmeisterinnen Peggy Kuznik und Karolin Thomas ist plötzlich kein Platz mehr in der Potsdamer Stammelf. Jetzt holt Frankfurt mit Sandra Smisek und Sarah Günther zwei weitere deutsche Nationalspielerinnen, Potsdam sieht sich in Skandinavien intensiv nach hochkarätiger Verstärkung um.

U19 Weltmeisterin Peggy Kuznik wurde in der letzten Saison kaum noch eingesetzt, weil der Kader von Potsdam bereits übervoll ist. Doch es sollen weitere Spielerinnen verpflichtet werden, um auch in Zeiten von engen Terminen genug Reserven zu haben. Eine Entwicklung, die für Nachwuchsspielerinnen wie Kuznik problematisch ist.

Selbstverständlich liegt es im natürlichen Interesse der Vereine, möglichst stärker sein zu wollen, als die anderen. Aber es ist nicht unbedingt im Interesse der Liga und nicht im Interesse der Nachwuchsspielerinnen, wenn sich diese Tendenz weiter verstärkt und Spitzenvereine zwangsläufig 20 Spitzenspielerinnen im Kader haben müssen, auch wenn dann immer 10 davon auf der Bank sitzen. Wenigstens durch die Planung des DFB sollte alles getan werden, damit auch ein Verein, der nur 14 oder 15 Spitzenspielerinnen hat, genauso mithalten kann, wenn einfach die Qualität dieser ersten 15 stimmt. Wenn zwischen den Spielen genug Erholungszeit bleibt und eine übertrieben aufgeblähte Ersatzbank sich nicht lohnt, wird sich das schon auf einem vernünftigem Level einspielen, dann werden sich die Kader auch gleichmäßiger über die Republik verteilen, denn allein wegen des Geldes wird sich kaum eine talentierte Spielerin dauerhaft auf die Ersatzbank setzen, und kein Verein wird unnötig Geld für die 16. Nationalspielerin hinblättern.

Der Terminnotstand traf aber auch andere Vereine, Beispiel Duisburg: Duisburg spielte am 24.3.05 bis 20.45 Uhr gegen Potsdam (man gewann 3:2), die Spielerinnen packten ihre Sachen und fuhren nach Freiburg, wo sie am 26.3. um 14 Uhr todmüde auf dem Platz standen und prompt zwei wichtige Punkte verloren. Das hat mit regulärem Wettbewerb nichts mehr zu tun. Natürlich kostete die Energieleistung gegen Potsdam eine Menge Kraft, die dann in Freiburg eineinhalb Tage später einfach fehlte.

Zwei Spiele in eineinhalb Tagen kein Problem? Duisburg mußte 41 Stunden nach dem Heimsieg gegen Potsdam in Freiburg antreten und spielte prompt nur Unentschieden. Im Bild Duisburgs U19 Weltmeisterin Elena Hauer

So, und jetzt der Blick nach vorn:

Am 9.10.05, an dem das inter- nationale Viertelfinale angesetzt ist, wurde normaler Bundesliga- alltag festgelegt. Ebenso an beiden Halbfinalterminen, (20. und 27.11.). Am Donnerstag vor dem Finalrückspiel des Uefa-Cups, das Samstag 27.5 oder Sonntag 28.5 stattfinden wird, ist ebenfalls noch mal eben Bundesliga angesetzt. Damit haben deutsche Vertreter im Uefa-Cup einen schwerwiegenden Nachteil gegenüber gut ausgeruhten Schwedinnen oder Norwegerinnen, die sich solche Terminkollisionen in der Regel nicht zumuten und bei denen dazu noch die Saison im Frühjahr gerade erst begonnen hat.


Aber nicht nur Bundesliga und Uefa-Cup überschneiden sich, mit dem DFB-Pokal sieht es genauso aus: Am 16.10. sind nicht nur die Uefa-Cup-Hinspiele (Viertelfinale) angesetzt, bei denen man mit 99%iger Sicherheit noch von kompletter deutscher Beteiligung ausgehen kann, sondern auch die zweite Runde des DFB-Pokals, bei der die Bundesligavereine überhaupt erst einsteigen, also noch gar nicht ausgeschieden sein können!

Damit ist jetzt schon klar, dass die Terminplanung nach dem Weiterkommen der deutschen Vereine in der Gruppenphase des Uefa-Cups nur noch Makulatur darstellen wird.

Was kann man besser machen?

Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass es bei der Terminplanung Interessenskonflikte gibt, die man nicht vermeiden kann. Beispiel Halbfinale Uefa-Cup: Soll die gesamte Bundesliga von vorne herein pausieren, weil ein oder zwei von zwölf Vereinen an diesem Tag international aktiv sind? Bei zwei Wochenenden hintereinander ist das eine wirklich schwierige Frage, kommt man durch solch eine Zwangspause doch schnell aus dem Rhythmus, und statt vom Wetter her eher günstiger Termine im Oktober hat man sonst vielleicht den Spieltag im unfreundlicheren Winter! Andererseits leiden auch die „kleinen“ Vereine unter den somit schon vorher eingeplanten Spielverlegungen, wenn sie einen attraktiven Gegner wie Potsdam oder Frankfurt plötzlich mitten in der Woche empfangen müssen und entsprechend weniger Zuschauer kommen, oder wenn es zu Verzerrungen im Abstiegskampf kommt, weil einer der Großen unerwartet Kräfte schonen muss, um seine Ziele zu erreichen.

Ein Verschieben der Uefa-Cup Spiele auf die Wochenmitte hat auch viele Nachteile. Es sind dies die wichtigsten Spiele des Jahres für die Vereine, die eine ganze Saison auf diese Möglichkeit hingearbeitet haben. Da ist es nur angemessen, diese Spiele dann auch mit maximal möglichem Zuschauerzuspruch am Wochenende austragen zu können. Außerdem würde eine Verlegung in die Wochenmitte bei Beibehaltung der Bundesligaspiele an den Wochenenden bedeuten, dass die deutschen Vereine mit drei Spielen in 8 Tagen gegenüber der Konkurrenz deutlich benachteiligt wären.

Eine Verlängerung der Spielzeit in den Juni 2006 hinein brächte das Problem mit sich, dass dann durch die Männer-WM das Zuschauerinteresse zumindest beeinträchtigt wäre. Außerdem liegen, was fernsehstrategisch völlig richtig ist, die Spiele der Großen gegeneinander dieses Jahr wieder am Ende der Saison, so dass eine Live-Übertragung eines Bundesliga-Spitzenspiels möglich wäre – aber sicher nicht, wenn gleichzeitig die Männer-WM bereits begonnen hat!

Was man wirklich angehen könnte, wäre eine Verkürzung der Winterpause. Wenn man planmäßig bereits Anfang Februar anfinge, mit Nachholterminen vielleicht schon Ende Januar, wäre es möglich, die Terminballung um die Uefa-Cup Finals herum zu reduzieren. Außerdem könnte man das eine oder andere Wochenende im Frühjahr spielfrei halten, so dass verschobene Spiele wie gewohnt Sonntags nachgeholt werden könnten. Das Wetter ist gerade in den ersten drei Monaten eines Jahres unkalkulierbar. 2005 war es so, dass Ende Januar und bis Mitte Februar die Plätze gut bespielbar waren, dann jedoch Ende Februar bis Mitte März der große Regen auf Deutschland niederging und viele Spiele abgesagt werden mussten. Natürlich kann es auch mal umgekehrt kommen, doch wenn die ersten Spieltage dann doch ausfallen, hat man noch Raum zum Verschieben, während man, wenn man diese ersten Wochen von vorneherein „verschenkt“ hat, in größte Terminnot kommt, wenn es „wider Erwarten“ Ende Februar oder im März massiv regnet. Auch diese Lösung ist nicht perfekt, aber die perfekte Lösung gibt es hier wohl auch nicht.

Fazit: Wie man es macht, ist es verkehrt. Auch in der kommenden Saison wird es wieder zu massiven Terminproblemen kommen, ohne dass man jemandem dafür die Schuld geben kann. Wir wünschen uns, dass wenigstens darauf geachtet wird, dass die allergrößten Härten vermieden werden. Zwischen zwei Spielen sollten wenigstens drei Tage Abstand sein, und um die für das internationale Ansehen und die Öffentlichkeit wichtigen Uefa-Cup-Spiele herum sollte genug Zeit sein, damit sowohl das Abschneiden der deutschen Vereine nicht beeinträchtigt wird als auch die Liga nicht durch aufgestellte B-Mannschaften verzerrt werden muss. Einen wichtigen Beitrag kann der DFB auch dadurch leisten, dass die zusätzlichen Belastungen durch Spiele der Nationalmannschaften mit größter Rücksicht auf die Spiele der Vereine terminiert werden. Leider wird das Dilemma, das die großen Vereine ihre Kader weiter mit Spitzenspielerinnen aufblähen werden müssen, um die Belastungen bestehen zu können, zumindest in der nächsten Saison erhalten bleiben. Einzig eine Verkürzung der Winterpause könnte für die Zukunft etwas Entlastung bringen.


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