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1. Bundesliga

Solidarisch miteinander, statt gegeneinander!

Bericht und Kommentar zum Ausfall des Spiels Hamburger SV - 1. FFC Turbine Potsdam

Text von Tom Schlimme
Bild von Roland Baumann

05.03.2010   Der Ausfall des für den kommenden Sonntag angesetzten Spiels der 1. Bundesliga zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FFC Turbine Potsdam hat Potsdams Trainer Bernd Schröder zu einer heftigen Reaktion getrieben, die ich im folgenden im Wortlauf veröffentlichen möchte, dazu aber auch die Stellungnahme des Hamburger SV. Insgesamt sollte der Spielplan des DFB kritisch hinterfragt werden, lautet dann der Tenor meines Kommentars zum Geschehen.

Hier die Stellungnahme von Bernd Schröder (Bild) zum Spielausfall:

"Trotz inniger Bitten unsererseits an den HSV, das Punktspiel am 7. März 2010 in Hamburg, egal auf welchem Platz, auch auf Kunstrasen, durchzuführen, ist es einem "Weltverein" nicht gelungen, einen Platz zu finden.
Damit entsteht für uns als einzigen Verein in der Liga die Situation, dass wir sechs "englische Wochen" bis zum Ende der Pflichtspiele verkraften müssen. Dazu kommt noch am 21./22. April ein A-Länderspiel und ein U20-Länderspiel. Für uns entsteht damit ein klarer Fakt der Wettbewerbsbenachteiligung, sowohl national als auch im Hinblick auf die Champions League.
Der Vorschlag, das Spiel vom 7. März 2010 am 31. März 2010 nachzuholen, ist für uns nicht nachvollziehbar, da sich unsere U19-Nationalspielerinnen in der EM-Qualifikation befinden und ein Teil unserer Spielerinnen beim U20-Länderpokal aktiv sind. Darüberhinaus müssen wir bereits am 3. April 2010 im DFB-Pokal-Halbfinale in Duisburg antreten.
Außerdem müssen wir noch ein Nachholspiel gegen den FC Bayern bestreiten.
Um es nochmals klar zu sagen, muss unsere Mannschaft ab 17. März 2010 bis zum 9. Mai 2010 ständig im Mittwochs/Sonntags-Rhythmus spielen.
Dieser Vorgang zeigt mir ganz deutlich, wie es mit dem Verständnis und der Solidarität bestimmer Vereine und Verbände für den Frauenfußball aussieht."

Auf der Website des Hamburger SV wird der Spielausfall folgendermaßen erklärt:

"Der Schnee ist geschmolzen, das Eis auch. Fußball aber kann auf Hamburgs Rasenplätzen noch immer nicht gespielt werden. So erklärte das zuständige Bezirksamt auch den Platz an der Hagenbeckstraße für unbespielbar. Die Folge: Die für Sonntag angesetzte Partie der HSV Frauen gegen den Tabellenführer 1. FFC Turbine Potsdam muss ausfallen und reiht sich so in die immer länger werdende Liste der nachzuholenden Spiele ein. Bereits das Heimspiel zum Rückrundenauftakt gegen die SG Essen/Schönebeck und die in der darauffolgenden Woche angesetzte Partie beim FF USV Jena waren vorzeitig abgesagt worden - damals noch wegen der Unmengen an Schnee und Eis. An dessen Folgeerscheinungen für den empfindlichen Rasenteppich scheiterte nun auch die Austragung des Topspiels gegen die Turbinen.

„Uns blieb keine andere Möglichkeit, auch wenn wir alle sehr gerne endlich wieder Bundesliga Frauenfußball gesehen hätten”, erklärte Christian Lenz, Leiter HSV Frauenfußball, am Freitag.

Auf Framba.de heißt es ergänzend dazu:

„In Abstimmung mit dem DFB, den städtischen Institutionen sowie dem Hamburger Fußball-Verband haben wir alle Optionen geprüft, da auch wir unbedingt spielen wollten. Sogar eine Austragung in der HSH Nordbank Arena wurde in Betracht gezogen. Da allerdings dort innerhalb von sechs Tagen ein Spiel der Bundesliga und eines der Europa League stattfinden werden, konnte diese Option nicht gezogen werden. Leider steht uns darüber hinaus keine Sportanlage zur Verfügung, die ansatzweise den Ansprüchen der Frauen-Bundesliga genügen würde”, erklärt Christian Lenz, sportlicher Leiter der HSV-Frauen."

Kommentar

Bernd Schröder ist nicht der erste, der auf die Probleme hinweist, die die Spielplangestaltung des DFB alljährlich für gerade die Vereine aufwirft, die um Spitzenpositionen in der Bundesliga und um ein gutes Abschneiden Deutschlands in der Champions League bzw. vorher im UEFA-Cup kämpfen. Nicht zuletzt sind es gerade auch diese Vereine, die viele Nationalspielerinnen abstellen und damit einen großen Beitrag zum Imagegewinn des DFB durch den Frauenfußball leisten. Seinerzeit war es der 1. FFC Frankfurt, der unter diesen Problemen zu leiden hatte. Erinnert sei nur an das Ende der Saison 2003/2004, als Frankfurter Nationalspielerinnen in 12 Tagen fünf Spiele leisten mussten, aus den englischen Wochen nicht mehr herauskamen , vom Verletzungspech dahingerafft wurden und auf der Zielgeraden der Saison regelrecht zusammen brachen. Im eigenen Stadion sowie im DFB-Pokal Endspiel gingen die Frankfurterinnen damals gegen die Turbinen aus Potsdam genauso mit hohen Klatschen unter wie im Finale des UEFA Cups gegen Umea IK.

In der vergangenen Saison war es Martina Voss-Tecklenburg, die Trainerin des FCR 2001 Duisburg, die in einem bemerkenswerten Kommentar "Frauenfußball ist kein Wintersport" darauf hin wies, dass eine Terminansetzung, die viele Spiele in den Winter verlagert, wo mit Spielausfällen zu rechnen ist, während im Sommer Monate spielfrei bleiben, um der Nationalmannschaft möglichst großen Spielraum frei zu räumen, falsche Prioritäten setzt. In der vergangenen Saison war es eben auch der FCR Duisburg, der besonders unter englischen Wochen und der engen Planung zu leiden hatte - und nicht zuletzt auch deswegen in der Liga nur Dritter wurde, obwohl man den UEFA-Cup gewinnen und im DFB-Pokal-Endspiel den 1. FFC Turbine Potsdam mit 7:0 vom Platz fegen konnte.

Nun ist die Reihe also an Bernd Schröder, darauf hinzuweisen, welche Probleme man als Spitzenmannschaft mit der Terminplanung hat. Pikanterweise ausgerechnet jener Bernd Schröder, der die Terminplanung des DFB für die kommende "WM-Saison" vor kurzem noch verteidigte. Eine Saison, in der die Terminplanung noch deutlich kürzer und absurder angesetzt ist. Viele Vereine, die sich beklagen würden, hätten sich in die Abstimmungen des DFB nicht eingebracht, obwohl ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wurde, erklärte Schröder vor wenigen Monaten. Und hatte Recht damit!

Bei der Terminplanung des DFB bleiben die Vereine ein Stück weit auf der Strecke, dies ist schon lange so und wird in der "WM-Saison" zum Höhepunkt geführt. Dies gemeinsam zu kritisieren, das wäre eine Aufgabe aller Trainer und Vereinsverantwortlichen der Bundesliga. Solidarisch miteinander, nicht gegeneinander.

Statt die Diskussion aber in diese Richtung zu lenken, macht es sich Schröder zu einfach, wenn er dem Hamburger SV den schwarzen Peter zuschieben will. Die Abteilung Frauenfußball des Hamburger SV ist eben so weit weg von einem "Weltverein", wie man nur sein kann. Der "Weltverein", das sind die Männer, und wenn die ihre Portokasse für den Frauenfußball aufmachen würden, kämen die reinen Frauenfußball-Vereine nur schwer hinterher. Wie beim FC Bayern übrigens auch. So ist es aber nicht, im Gegenteil, die Hamburger Frauen laufen bisher als bestenfalls siebtes Rad am Wagen irgendwo hinterher, trainieren auf Plätzen, die von Fans als Auslöser für das Hamburger Verletzungspech der vorigen Saison verantwortlich gemacht werden. Das war bisher auch ganz gut so für alle anderen, auch für Potsdam. Aber jetzt Hamburger Böswilligkeit zu unterstellen, weil bei diesem Winterwetter ein weiteres Spiel ausfällt, das ist dann doch zu eng gedacht.

Und vor allem zu unsolidarisch. Nicht gegen die Verantwortlichen der anderen Bundesliga-Vereine, sondern mit ihnen gemeinsam müssen die Veränderungen durchgesetzt werden. Martina Voss-Tecklenburg hat recht. Fußball ist kein Wintersport. Gemeinsam mit Voss-Tecklenburg, gemeinsam auch mit dem Frankfurter Manager Siegfried Dietrich, gemeinsam mit den Verantwortlichen des FC Bayern müsste Schröder zu Felde ziehen für eine bessere Terminplanung des DFB.



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