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1. Bundesliga

Eine Duisburger Ära geht zu Ende!

Zur Vertragsauflösung des Duisburger Urgesteins Inka Grings

Bericht von Marion Kehren, Bilder von Katrin Müller und Marion Kehren

21. August 2011
   Schock auf der Sonderpressekonferenz des FCR, direkt im Anschluss an den Bundesligaauftakt gegen Aufsteiger Lokomotive Leipzig. Soeben verkündete Vorstandsvorsitzender Thomas Hückels die Vertragsauslösung mit Nationalspielerin und Rekordtorschützin Inka Grings – Eine Duisburger Ära geht zu Ende!

Angelika Kirsch, Petra Hauser, Nicole Südholt, Jörg Schemberg

Zusammen mit Inka Grings holte der FCR 2001 Duisburg 1x die Deutsche Meisterschaft, 3x den DFB-Pokal und 1x den UEFA-Cup - Eine erfolgreiche Zusammenarbeit geht zu Ende! (Foto: Katrin Müller)


Inka Grings Torschützin 2010Als nach dem verkrampften aber gewonnenen Auftaktspiel in die neue Saison alle Löwinnen plötzlich in die Kabine zitiert wurden, ahnten die eingefleischten Medienvertreter nichts Gutes. Und als sich kurze Zeit später die meisten Spielerinnen mit gesenkten und verheulten Köpfen von Inka Grings in der Mixed-Zone verabschiedeten war klar, hier ist eine Entscheidung gefallen, die wohl nicht mehr rückgängig zu machen ist: Inka Grings sagt Adieu!

Vieles wurde in der Vergangenheit über das „Enfant Terrible“ des Frauenfußballs, an deren Person sich oftmals die Geister schieden, geschrieben und spekuliert. Höhen und Tiefen durchlebte die Kickerin und ehemalige Kapitänin, beim FCR (vormals Rumeln-Kaldenhausen) genauso wie in der Nationalmannschaft, wie kaum eine andere. Was bleibt sind die Erinnerungen an eine hervorragende Stürmerin, Knipserin, eine Frau für die besonderen Tore und einer Frau, die sich auch nicht zu schade war ihre Meinung zu äußern. So überlies der FCR die Bühne nochmals Inka Grings für einen letzten Auftritt im Löwenkäfig. Die 32-Jährige ließ es sich nicht nehmen am heutigen Tag selbst den Takt vorzugeben und so war sie es auch, die zuerst das Team und danach die Öffentlichkeit über ihre Vertragsauflösung informierte.

Bild links: Insgesamt 6x wurde Inka Grings Torschützenkönigin und 2x Spielerin der Saison. (Foto: Katrin Müller)


Inka GringsIn einer eigens erstellten Pressemitteilung lies die Stürmerin nochmals ihre Karriere Revue passieren und scheute sich auch nicht nochmals ihrer langjährigen Wegbegleiterin Martina Voss-Tecklenburg zu danken. Mit ihrer Hilfe fand Grings in die sportliche Erfolgsspur zurück und schaffte ihr Comeback in der Nationalmannschaft. „Ich habe hier viel gelernt und möchte mich auch bei den Menschen bedanken, die mir positiv in Erinnerung geblieben sind. Eigentlich wollte ich meine Karriere hier in diesem Verein beenden, “so Grings teilweise unter Tränen weiter. „Ich hab mich in allem in Duisburg sehr wohl gefühlt. Aber manchmal im Leben, musste selbst ich fest stellen, machen einem aufkommende Gegebenheiten die oftmals nicht vorhersehbar und nicht planbar sind und Meinungsverschiedenheiten mit sich bringen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Somit habe ich mein Pläne und mein Engagement mit dem FCR Duisburg, mit dem ich viel erreicht habe, wo mir allerdings am Ende des Tages nach einigen fragwürdigen Entscheidungen die Herausforderung fehlt, nach langem Überlegen und schweren Herzens geändert und werde nun einen neuen Weg einschlagen.“

Bild rechts: Inka Grings beim Verlesen der eigens erstellten Pressemitteilung. (Foto: Marion Kehren)


Thomas Hückels Vorstandsvorsitzender FCR 2001 DuisburgBevor sie ihre Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängen wird, wechselt Inka Grings nun erstmals in ihrer Karriere ins Ausland um nochmals international auf hohem Niveau spielen zu können. Um Spekulationen direkt im Keim zu ersticken betonte Grings ausdrücklich, dass dieser Schritt nichts mit dem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM zu tun hatte. Als Abschiedsgeschenk erhielt Grings übrigens ihr Trikot mit der Nummer 9, welches als Wertschätzung nie wieder vergeben werden soll.

Im Trainingslager auf Borkum hatte die 353-fache Torjägerin den Vorstand über ihre Wechselabsichten informiert und dieser hatte zugestimmt trotz des laufenden Vertrages diesen aufzulösen. Welcher Verein in Zukunft ihr neuer Arbeitgeber sein wird, ließ Grings noch offen. Sicher ist auf jeden Fall, dass sie die Sprache des Landes nicht spricht. Spekulationen zu Folge soll es sich dabei um den aktuellen UEFA Champions League Sieger Olympique Lyonais handeln oder um den russischen Meister  WFC Rossiyanka, der zurzeit auf Spielerinnensuche in den westlichen Regionen ist.

Bild links: Vorstandsvorsitzender Thomas Hückels überreicht Inka Grings ihr eigenes Trikot mit der Nr. 9, welches nie wieder vergeben werden wird. (Foto: Marion Kehren)


Stimmen zum Abschied von Inka Grings

Martina Voss-Tecklenburg: „Natürlich ist die Entscheidung sehr bedauerlich. Inka Grings war und ist einer der tragenden Figuren beim FCR Duisburg und wird mit Sicherheit eine große Lücke hinterlassen. Dennoch kann ich ihre Entscheidung nachvollziehen.“

Thomas Hückels: Es ist eine traurige Entscheidung, Inka wird nicht so schnell zu ersetzen sein. Wir haben versucht sie noch umzustimmen, haben es aber leider nicht geschafft. Jetzt müssen wir schnellstens versuchen noch die eine oder andere Spielerin zu verpflichten. Ich wünsche Inka Grings alles Gute für die Zukunft.


Inka GringsKommentar:

Gut, dass ich bei einem Fanmagazin arbeite, so kann ich auch meinen Gedanken einmal freien Lauf lassen! Inka Grings und auch Martina Voss-Tecklenburg waren vor vielen Jahren die Hauptgründe dafür mir überhaupt einmal ein Frauenfußballspiel anzuschauen. Genau wie alle anderen Fans habe ich mich seit dieser Zeit mit dem Verein gefreut aber auch geweint wenn es an der Zeit war. Aber jetzt schnürt es mir förmlich den Hals zu wenn ich sehe, was in den letzten 12 Monaten hier geschehen ist. Für mich ist definitiv ein großes Stück „Fan sein“ verloren gegangen. Je öfter ich die Aussagen von Inka lese bzw. höre, desto mehr wird mir klar, wie sehr es immer noch hinter den Kulissen brodelt und die Spielerin allem Anschein nach keinen anderen Ausweg mehr sah wie die Flucht nach vorn anzutreten, um nicht selber mit dem in Schlagseite geratenen Flagschiff Duisburg unter zu gehen. Inka selber wünsche ich auf diesem Wege viel Glück und ziehe den Hut vor ihr für ihre Leistungen beim FCR! Danke für eine schöne Zeit!

Bild links: Immer die Regisseurin auf dem Platz! (Foto: Katrin Müller)




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