Text und Bilder von Tom Schlimme 22.5.2005
Die Frauenabteilung des FSV Frankfurt befindet sich in der größten Krise ihrer Geschichte. Dies wurde in einer Pressekonferenz nach dem letzten Saisonspiel gegen Heike Rheine deutlich. Alle Spielerinnen bis auf zwei planen, den Verein zu verlassen, die finanzielle Situation ist schlecht, es fehlt an Personen, die mit anpacken und Verantwortung übernehmen.
Seit zwei Wochen ist bekannt, dass es beim FSV Frankfurt derzeit nicht gut aussieht. Die Mannschaft kämpfte für die Weiterbeschäftigung von Trainer Frank Fahle, Abteilungsleiter Karl-Heinz Kauß hatte aber schon mit Frank Schwalenberg einen neuen Trainer engagiert. Nun wurden vor dem letzten Saisonspiel gegen den FFC Heike Rheine eine Reihe von Spielerinnen verabschiedet. Doch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel stellte sich heraus, dass fast alle Spielerinnen den Verein verlassen wollen. Bisher sieht es so aus, dass nur Torfrau Uschi Holl und Annika Stunz bleiben wollen.

Gaby König-Vialkowitsch, Rekord Bundesligaspielerin mit 300 Einsätzen, beendet ihre Karriere und wurde mit Applaus und Rosen verabschiedet. Doch sie ist nicht die einzige, die dem FSV in Zukunft fehlen wird.
Die Pressekonferenz wurde geleitet vom Vorsitzenden des Aufsichtsrats des FSV Frankfurt, Mario Blechschmidt. Blechschmidt erklärte, dass die Frauenabteilung jahrelang weit über ihre Verhältnisse gelebt habe. Als Beispiel nannte er die Verpflichtung von Nationalspielerin Sonja Fuss (in der Winterpause zu Turbine Potsdam gewechselt), die man sich nie und nimmer hätte leisten können. Auch andere Spielerinnen, Blechschmidt nannte keine weiteren Namen, wären für den FSV eigentlich zu teuer gewesen. Man könne nicht mehr Geld ausgeben, als eingenommen wird, dies sei jahrelang nicht beachtet worden. Im weiteren Verlauf wurde bekannt, dass der Verein bei der Auszahlung der Spielergehälter um Monate im Rückstand ist, schon nach dem letzten Heimspiel war bekannt geworden, dass die Spielerinnen bereits auf zwei Monatsgehälter verzichtet haben. Der Sanierungsplan von Blechschmidt sieht nun vor, in der nächsten Saison konsequent die Kosten zu reduzieren. Außerdem müssten die Strukturen in der Frauenabteilung verbessert werden, was konkret bedeutet, dass außer dem Abteilungsleiter und Einzelkämpfer wider Willen Karl-Heinz Kauß nun verstärkt andere Personen in die Arbeit eingebunden werden sollen. Diese Menschen müssen allerdings erst einmal gefunden werden, auch das wurde deutlich. "Alle sagen, was gemacht werden müßte, aber wenn man jemanden fragt, ob er es denn konkret anpacken würde, drehen sich 99 von 100 um und gehen weg", erklärte Blechschmidt. Außerdem soll die Frauenabteilung wieder stärker in den Gesamtverein integriert werden. Dazu sollen di e Frauen- und Mädchen- mannschaften künftig wieder am Bornheimer Hang trainieren und nicht, wie bisher, am anderen Ende Frankfurts in Nied.
In der nächsten Saison soll dann versucht werden, mit einer neu zusammengestellten Mannschaft die Klasse zu halten und die Finanzen und damit die Abteilung
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Schon vor Spielbeginn war bei der Verabschiedung einiger Spielerinnen die gedrückte Stimmung deutlich zu spüren
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langfristig zu stablisieren. Auf Nachfragen der Pressevertreter, ob
es denn realistisch sei, unter diesen Umständen eine bundesligataugliche Mannschaft zusammen zu bekommmen, erklärte Blechschmidt, dass man dies zumindest versuchen wolle. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde deutlich, als sich die Spielerin Jasmin Krämer, auf Krücken zur Pressekonferenz gekommen, zu Wort meldete und kritisierte, dass nur wenige der Spielerinnen, die den Verein verlassen wollen, offiziell verabschiedet worden seien. Vor dem Spiel waren vom Stadionsprecher nur Sandra Smisek, Saskia Bartusiak, Melanie Soyah und Jasmin Krämer genannt worden. Krämer erklärte jedoch, dass bis auf Annika Stunz und Uschi Holl alle Spielerinnen den Verein verlassen würden, und dies sei den Verantwortlichen auch bekannt gewesen. Blechschmidt widersprach der Darstellung von Krämer, dass fast alle Spielerinnen gehen werden, nicht.
Trainer Frank Fahle bedankte sich bei der Mannschaft für die in der Rückrunde gezeigte Leistung, die unter extrem schwierigen Bedingungen zustande gekommen war. Leider sei es nicht gelungen, sich mit einem Sieg zu verabschieden, dies lag jedoch vor allem daran, dass heute nur elf Spielerinnen zur Verfügung standen und nicht ausgewechselt werden konnte. (Annika Stunz hatte sich bereits Mitte der ersten Halbzeit verletzt, mußte aber bis zum Ende recht wirkungslos über den Platz humpeln). Auch die Leistung gegen Rheine in der ersten Halbzeit hätte noch einmal den Willen und den Mannschaftsgeist und auch das Leistungsvermögen dieses Teams gezeigt.

Tränen flossen reichlich nach dem letzten Spiel dieser Mannschaft des FSV
Mein Kommentar:
Mir tut es sehr leid für den Traditionsverein FSV Frankfurt, der große Erfolge feiern konnte und den Frauenfußball eine Zeit lang engagiert vorwärts gebracht hat. Mir tut es auch sehr leid für die Spielerinnen, die ja gerne beim FSV geblieben wären und sich auch bereit erklärt hatten, weitere finanzielle Abstriche zu machen. Das Team hat eine sehr gute Rückrunde gespielt und war auf dem besten Wege, zu einer Mannschaft zu reifen, die um einen Platz in den oberen Tabellenregionen hätte mitspielen können. Mannschaftsgeist und Einsatz waren immer beispielhaft.
Ob der jetzt eingeschlagene Kurs die Frauenabteilung des FSV vor der völligen Auflösung retten wird, ist momentan nicht absehbar. Die Einsicht, dass die Frauen besser in den Gesamtverein eingebunden werden müssen, ist nicht wirklich neu.
Mario Blechschmidt ist nicht erst seit gestern Vorsitzender des Aufsichtsrates, und laut Homepage des FSV ist sein Aufgabenbereich
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mit Kontakt zum Präsidium und der Zuständigkeit für den Frauenfußball angegeben. Aber dann sei die Frage erlaubt, wie hat Blechschmidt bisher diese Aufgabe definiert? Wie konnte die Frauenabteilung derart in die Miesen gewirtschaftet werden, ohne dass jemand eingriff? Blechschmidt machte auf mich einen guten und kompetenten Eindruck auf der Pressekonferenz, doch wo war er bisher gewesen, als es um Fragen der Frauen- abteilung ging?

Aufsichtsratsvorsitzender Mario Blechschmidt verabschiedete einige Spielerinnen mit je einer Rose und will sich jetzt verstärkt um die Frauenabteilung des FSV kümmern
Es mag sein, dass man jetzt nicht mehr anders kann, als so massiv Geld sparen, dass weder Trainer Fahle noch die Spielerinnen zu halten sind. Mit ganz viel Glück kann man in der nächsten Saison sogar zwei andere Vereine in der Tabelle hinter sich lassen und den Abstieg vermeiden, denn es gibt eine Reihe anderer Vereine, die auch mit großen Problemen belastet sind. Aber wenn sich beim FSV nicht grundlegend einiges ändert, wird Frauenfußball beim FSV Frankfurt keine Zukunft mehr haben. Es kann nicht sein, dass die Frauen für die Trainingseinheiten auf dem Vereinsgelände überhöhte Beträge an den Gesamtverein abdrücken müssen, was ja erst dazu geführt hat, dass die Frauen schon jahrelang in Nied trainieren, wo sie durch einen Kooperations- partner ein günstigeres Trainings- gelände gefunden haben. Die Frauenabteilung darf auch nicht nur auf einer Presskonferenz im Jahr Chefsache des Aufsichtsrats- vorsitzenden sein, sondern muss das ganze Jahr über gehütet werden wie ein Augapfel, denn sie war mal das Aushängeschild dieses Vereins und könnte es wieder sein. Die Frauen dürfen beim FSV Frankfurt nicht mehr als geduldetes Anhängsel nebenher laufen, sondern der Verein muss zeigen, dass er eine erfolgreiche Frauenabteilung haben will.
Nur wenn vom Verein jetzt klare Signale für den Frauenfußball am Bornheimer Hang kommen, besteht überhaupt eine Chance, Menschen zu finden, die sich in diesem Umfeld ehrenamtlich engagieren und die Abteilung neu aufbauen.
Ich will weiter Frauenfußball in Bornheim sehen und wünsche dem Verein in dieser schweren Zeit alles gute!
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