"Ich fühle mich wohl in Brauweiler"

Susanne Kasperczyk im Interview

von Nora Kruse

18.10.2005

Du spielst jetzt schon länger in Brauweiler. Wie bist du zum Fußball gekommen und was hat dich an diesem doch recht „kleinen“ Verein gereizt, wie wurde er auf dich aufmerksam?
Ja, ich habe mit sieben Jahren angefangen zusammen mit meinem Bruder bei der SV Viktoria in Alsdorf einer Jungenmannschaft. Als ich dann in der C-Jungend war, musste ich in eine Mädchenmannschaft wechseln und bin zum FC Teutonia Weiden gegangen. Dort habe ich eine Zeit lang gespielt.
Brauweiler wurde durch die U19-EM auf mich aufmerksam, damals wusste ich gar nicht, dass sie Bundesliga spielen und es überhaupt in meiner Nähe eine Mannschaft gibt, die so hoch spielt. Ja, es gab dann zwei Anläufe, aber beim dritten habe ich den Sprung von der Regionalliga in die Bundesliga gewagt. Heute kann ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe und mich sehr wohl in Brauweiler fühle.

Und weg... Susanne Kasperczyk lässt Anja Barwinsky im wahrsten Sinne des Wortes links liegen.

Foto: Nora Kruse

Du hast die Schule beendet, wie geht es für dich weiter und wie gut lässt es sich mit dem Fußball – auch mit Länderspielreisen der U21 – verbinden?
Momentan bin ich mit der Fußballschule „Wolfgang Kleff und Klaus Arentz“ unterwegs, doch das ist auch bald zu Ende. Leider habe ich für dieses Jahr keine Ausbildungsstelle gefunden, aber für 2006 werde ich vermutlich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beginnen. Aus diesem Grund lässt sich im Moment Arbeit und Fußball recht gut miteinander verbinden und ich werde alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt.

Nach dem Abstieg 2004 habt ihr in der neu eingeführten zweiten Bundesliga gespielt – wie beurteilst du nach einem Jahr diese Einführung?
Anfangs war ich sehr misstrauisch, doch es war gut, die zweite Bundesliga einzuführen, auch wenn man in den unteren Klassen nun den Leistungsunterschied viel deutlicher spürt; zum Beispiel dass die Regionalliga vom Potenzial her schlechter geworden ist.

Nahtloser Übergang: Susanne Kasperczyk schaffte den Sprung von der U19 in die U21.

Foto: Nora Kruse

Der FFC hat den Aufstieg dann souverän gemeistert. Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen Liga eins und zwei? Welche Chancen siehst du für Brauweiler in dieser Saison?
Es ist ein sehr großer Unterschied zwischen der ersten und zweiten Liga. Man muss bedenken, dass Regionalliga-Mannschaften hochgezogen wurden, um in der zweiten Liga mitzuspielen. Die erste Liga ist natürlich viel stärker mit vielen hochkarätigen Spielerinnen, es wird für uns nicht so leicht sein, wie in der zweiten Liga, doch ich sehe eine Chance, dass wir im Mittelfeld mitspielen können.

Ungefähr 15 neue Spielerinnen sind zur Mannschaft gestoßen – wie eingespielt seid ihr schon?
Schwer wird es sein mit so vielen Neuzugängen kompakt zu stehen und zusammen zu spielen. Es wird für jede Spielerin eine Herausforderung sein, zumal der Trainer ja nur elf spielen lassen kann. Doch in den bisherigen Spielen konnte man schon einige gute Kombinationen erkennen und mit der Zeit werden wir uns schon einspielen.

Mit Tünde Nagy, Andrea Klein und Anja Koser stehen viele Routiniers in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung. Wie schmerzhaft sind diese „Lücken“?
Es wird schwer sein, diese starken Spielerinnen zu ersetzen, doch dafür haben wir andere junge Spielerinnen, die andere Stärken haben und sehr motiviert sind. In der Defensive wird es die größten Probleme geben, da wird uns vor allem Tünde Nagy besonders fehlen.

Der FC Bayern überrascht in der Vorbereitung immer mal wieder mit ein paar „Specials“


(Hochseilgarten, Wanderungen o.ä.). Gibt es Vergleichbares bei euch, wie sah eure Vorbereitung aus?
Ich kann jetzt nicht so genau sagen, wie die Vorbereitung meiner Mannschaft war, weil ich die ganze Vorbereitung über mit der U21 unterwegs war, aber wir haben vergleichbare Sachen gemacht. Als wir im Trainingslager im Allgäu waren, haben wir ebenfalls Wanderungen gemacht, waren Klettern, Fahrrad fahren und haben mehrmals am Tag trainiert. Nachdem du die U19 verlassen musstest, ging es direkt zur U21. Wie unterscheidet sich die Arbeit dort? Zum einen werdet ihr von einem anderen Trainergespann trainiert und dann genießt die U19 auch noch etwas mehr Aufmerksamkeit.
Ja, der Unterschied ist groß zwischen der U19 und der U21 auch vom Trainierstab her, der Zusammenhalt ist auch anders, neue Mannschaft, neue Leute und auch vom Ablauf ist alles anders. Doch es macht Spaß dort zuspielen.

Mit dem Nordic Cup stand in diesem Jahr auch schon dein erstes U21-Turnier an. Auch wenn ihr im Elfmeterschießen unglücklich gescheitert seid, wie hast du die Zeit erlebt?
Die Woche in Schweden war super - bis auf das Wetter. An Spieltagen hatten wir immer Regen und an den spielfreien Tagen war super Wetter. Da hat es richtig Spaß gemacht, etwas zu unternehmen, wie zum Beispiel Kart fahren, schwimmen oder ähnliches.

Die Zukunft des deutschen Fußballs unter sich: Anna Blässe und Susanne Kasperczk (v. r.)

Foto: Nora Kruse

Dein Tipp zum Schluss: Wo landet ihr am Saisonende und wer macht das Rennen um die deutsche Meisterschaft?
Also, ich hoffe, dass wir im Mittelfeld landen, schwer wird es allemal, aber es ist zu schaffen. Ich denke, dass die Meisterschaft zwischen drei Mannschaften entschieden wird, und zwar dem FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und FCR Duisburg. Sie alle haben eine starke Truppe und am Ende wird auch das Glück entscheiden.


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