Interview 1. Liga

"Ich freue mich auf die Spiele gegen den FFC Frankfurt und Potsdam"

Interview mit der U19-Weltmeisterin und Leistungsträgerin des FCR Duisburg, Annike Krahn

23.07.2005
Von Daniela Schumann
  

Annike Krahn spielte eine überaus erfolgreiche Saison 2004/2005. Mit der U19-Nationalmannschaft wurde sie als Spielführerin in Thailand Weltmeisterin. Und beim Vizemeister FCR Duisburg avancierte sie gleich in ihrem ersten Jahr zur Leistungsträgerin in der Abwehr. Die 20-Jährige absolvierte bereits 5 A-Länderspiele und bestreitet derzeit (das Interview wurde vorher geführt) mit der U21-Nationalmannschaft den Nordic-Cup in Schweden.

Ihr habt die Vizemeisterschaft zurecht groß gefeiert. Leider seid ihr im DFB-Pokal bereits in der ersten Runde gescheitert. Kann es sein, dass ihr durch die "Entlastung" gegenüber Potsdam, mit denen ihr lange um den zweiten Platz gekämpft hab, im Vorteil wart?
Natürlich hatten wir dadurch, dass wir in der 1.Runde aus dem Pokal geflogen sind, vielleicht etwas weniger Belastung. Allerdings muss man auch sagen, dass unsere Mannschaft im Schnitt noch ein bisschen jünger ist als Potsdam und wir durchaus weniger Nationalspielerinnen (auf Jugend und A bezogen) haben. Bei uns haben dafür 7 Spielerinnen an der U19-WM in Thailand, die bekanntlich während der Saison lief, teilgenommen, davon waren ca. 5 Spielerinnen dort Stammspielerinnen. Also, alles in allem würde ich sagen war es ausgeglichen, wobei wir vielleicht einen kleinen Vorteil hatten.p> Der FCR hat mit dem "Projekt 2006" eine sehr junge Mannschaft zusammengestellt und teilweise auch auf längere Zeit an sich gebunden. Denkst du, es ist dem FCR möglich in den nächsten zwei oder drei Jahren Turbine oder FFC Frankfurt vom "Thron" zu stoßen?
Das ist sehr schwer zu sagen, da wir nach der abgelaufenen Saison einen kleinen Umbruch vollzogen haben mit dem Trainerwechsel. Es bleibt abzuwarten, wie sich alles einspielt und natürlich auch, was die Konkurrenz macht. Ich denke, wir haben ein ganz gutes Potenzial, auf dem man aufbauen kann, aber man sollte diese junge Mannschaft nicht zu sehr unter Druck setzen und einfach mal abwarten.


Annike Krahn bedrängt hier Monique Kerschowski

Foto: Volker Lieberum

Euer Team war/ist - bereits gesagt - sehr jung. Wo denkst du - wenn sie es taten - haben ältere, erfahrene Spielerinnen gefehlt?
Naja, so genau kann man das nicht sagen, wobei uns sicherlich das eine oder andere Mal die Erfahrung auf dem Platz gefehlt hat, aber dies jetzt auf eine Position bzw. auf eine Spielerin zu beziehen, wäre zu hoch gegriffen. Es gibt bei uns viele junge Spielerinnen, die bereits viel Erfahrung mitbringen. Bei einer Mannschaft, in der fast nur junge Spielerinnen spielen, müssen diese ihre Leistung auf dem Platz zeigen und Erfahrungen sammeln. Da muss jeder ein Stück Verantwortung übernehmen.

Wo wiederum war/ist der Vorteil dieses jungen Kaders?
Einige haben schon zusammen in der U17 beim FCR gespielt oder kennen sich durch die Nationalmannschaft ganz gut, dass ist sicherlich ein Vorteil, denn dadurch haben sie oftmals den gleichen Stand, was das


Annike Krahn (l.) für die U21 beim Testspiel gegen die U19 in Iserlohn. Hier im Zweikampf mit Anna Blässe.

Foto: Nora Kruse

Fußballerische angeht. Zudem sind fast alle in einem Alter, was manchmal sicherlich ein Vorteil ist.

Shelley Thompson und Inka Grings führten souverän die Torschützenliste an, Simone Laudehr und Patricia Hanebeck gehören zu den wichtigen Stützen der U19-Mannschaft. Waren diese Konstellationen der Grund, wieso der FCR - wenn man es nur auf die Tore bezieht - so erfolgreich war?
Ich würde es gar nicht so sehr auf einzelne Spielerinnen beziehen bzw. auf die Offensivabteilung. Wobei man natürlich sagen muss, dass unsere Stürmer schon sehr viele Tore gemacht haben. Dies liegt allerdings nicht alleine an ihnen, denn sie müssen gute Vorlagen bekommen, um die Bälle auch verwerten zu können.

Auf der anderen Seite steht mit Silke Rottenberg eine der besten Torhüterinnen der Welt zwischen den Pfosten. Hinzu kommt eine mit dir, Elena Hauer und Anne van Bonn solide Abwehr. War dies der Grund für die wenigen Gegentreffer und die vielen "Zu Null"-Siege?
Ich denke, man darf in dieser Kette auch eine „Ernie“ (Madleen, Anm.) Wilder nicht vergessen, die sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen hat. Es muss insgesamt eine mannschaftliche Geschlossenheit sein, wo jeder jedem hilft, denn nur dadurch kann man viele Tore erzielen und viele verhindern. Wir haben mit unserer Spielweise und unserer taktischen Disziplin in den meisten Fällen erfolgreichen Fußball gespielt und das lag nicht an einer einzelnen Spielerin, jede Spielerin ist auf ihre Weise wichtig für die Mannschaft.

Eure Mannschaft wird in der nächsten Saison zum größten Teil in der gleichen Besetzung auflaufen. Ist das von Vorteil, da ihr euch nun alle kennt und wisst, wie der andere spielt, oder ist das eher ein Nachteil, weil es keine großen Neuzugänge gibt?
Es ist abzuwarten, wie wir nächste Saison auflaufen werden, denn der neue Trainer, Dietmar Herhaus, hat sicherlich auch seine eigenen Vorstellungen, die er umsetzen wird. Es hilft uns, dass wir uns untereinander schon kennen, allerdings kommt es auch immer ein bisschen auf die taktische Ausrichtung an, ob man sein Potential abruft oder nicht, aber man wird es im Verlauf der Saison und der Vorbereitung sehen.

Die SG Essen-Schönebeck hat den Klassenerhalt knapp geschafft. Sind die Spiele gegen Essen - die die einzigen beiden Revierderbys sind - etwas Besonderes für dich?
Für mich speziell ist fast jedes Bundesligaspiel etwas Besonderes, wobei ich die Revierderbys eigentlich hauptsächlich wegen der kurzen Anfahrtswege mag. Sonst freue ich mich eigentlich eher auf die Spiele gegen FFC Frankfurt und Potsdam.

Wie sehr spielt die Tatsache eine Rolle, dass viele der


Spielerinnen der SGS früher beim FCR waren und umgekehrt?
Bei vielen Spielerinnen unserer Mannschaft spielt das sicherlich eine große Rolle, da sie mit fast allen von ihnen schon mal in Duisburg gespielt haben. Aber ich habe da jetzt nicht so eine Verbindung zu.

Das Spiel gegen den HSV war das letzte Spiel für Jürgen Krust als euer Trainer. Wie hast du dieses Spiel erlebt?
Es war eigentlich ein Bundesligaspiel wie jedes andere, zumindest auf das Spiel als solches bezogen. Denn wenn ich auf dem Platz stehe, möchte ich gewinnen. Vorher und nachher hat man gemerkt, dass es doch etwas sehr besonderes war, denn eine Ära mit Jürgen Krust und dem FCR geht zu Ende. Es herrscht eine Ungewissheit, was nun folgt.

Wirst du auch am Dragon-Cup teilnehmen oder bekommst du vom neuen Trainer frei?

Zum Termin des Dragon-Cup bin ich wahrscheinlich gerade mit der U21-Nationalmannschaft beim Nordic-Cup in Schweden, daher erübrigt sich die Frage, ob der Trainer mir noch frei gibt.

Mal vom Fußball abgesehen, was hast du diesen Sommer vor?
Neben dem Fußball habe ich nicht soviel Zeit, denn bei uns läuft bereits die Vorbereitung, zudem muss ich einiges für die Uni tun in den Semesterferien.

Du studierst und hast Prüfungen und Pflichtseminare. Wie nachsichtig sind die Dozenten, wenn du wegen Lehrgängen fehlst?
Manchmal gibt es Probleme, doch die meisten sind sehr nachsichtig, Zudem arbeitet die Ruhr-Uni (Bochum) mit dem Olympiastützpunkt zusammen und fördert Leistungssportler, davon profitiere ich natürlich.

Kannst du dir vorstellen, einmal als Schiedsrichterin tätig zu werden?
Nein, auf gar keinen Fall, zumindest momentan nicht. Da ich noch so lange wie möglich selbst spielen möchte, steht das momentan auch gar nicht zur Frage.

Du warst für die EM nur als Abrufspielerin berücksichtigt worden. Warst du enttäuscht von dieser Entscheidung?
Natürlich war ich ein bisschen enttäuscht, denn immerhin habe ich die EM-Vorbereitung mitgemacht und bin dann leider „nur“ auf Abruf gewesen, wobei ich sagen muss, dass ich mit dieser Entscheidung gerechnet habe. Zudem bin ich noch jung und werde, solange ich an meinen Schwächen arbeite und mich verbessere, sicherlich noch mal eine Chance in der Nationalmannschaft bekommen.

Vielen Dank für das Interview!

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