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1. Bundesliga Saison 2007/2008

Offener als ihr Ruf

Eine Saisonvorschau

Von Katja Öhlschläger

13.08.2007   Mit neun Punkten Vorsprung auf den FCR 2001 Duisburg wurde der 1. FFC Frankfurt in der vergangenen Saison Deutscher Meister. "Viel zu einseitig, langweilig!", ertönte erneut die Kritik. Sicherlich, mehr Spannung bis zum letzten Spieltag wäre wünschenswert. Doch erst weil Duisburg resignierte, als Frankfurt uneinholbar war, entstand dieser vermeintlich große Vorsprung. Schon ein Blick auf die viel gepriesene schwedische Liga, in der Umeå IK mit ganzen 21 Punkten Vorsprung auf den Zweiten Djurgården die Saison beendete, sollte zudem helfen, die Sicht auf die Dinge zu relativieren. So einseitig ist die deutsche Bundesliga nicht. Und auch mit einem chancenlosen Absteiger wie dem FSV Frankfurt oder dem FFC Brauweiler Pulheim in den letzten Jahren ist diesmal nicht zu rechnen. Crailsheim oder Bayern München haben im letzten Jahr vorgemacht, was mit guter Taktik und eingespielter Mannschaft möglich ist.

Zweifellos führt in der Meisterfrage zunächst kein Weg am 1. FFC Frankfurt vorbei. Der Serienmeister hat den mit Abstand höchsten Etat, die meisten Nationalspielerinnen in seinen Reihen und kann mit Weltmeisterin Conny Pohlers eine weitere quirlige und trickreiche Offensivkraft im Team begrüßen, die die Offensive des Double-Gewinners noch schwerer ausrechenbar machen sollte. Ein Überangebot sollte es dabei nicht geben, stehen mit Meisterschaft, Pokal und UEFA-Cup doch drei Wettbewerbe an, die den Frankfurterinnen alles abverlangen werden. Schließlich soll nicht erneut nach dem Viertelfinale im internationalen Wettbewerb Schluss sein. Und nach einer WM, zu der der FFC schätzungsweise 6-8 Spielerinnen entsenden wird, kann es auch nicht schaden, der ein oder anderen Spielerin Ruhepausen zu gönnen.

Karolin Thomas, Conny Pohlers

Jubeln bald gemeinsam für den 1. FFC Frankfurt: Conny Pohlers (vorne) und Karolin Thomas.

Foto: Jan Kuppert

Eine etwas heikle Stelle dürfte die Torwartposition sein. Hier verließ Nationaltorfrau Ursula Holl, nachdem sie schon im Vorjahr wechselwillig, aber beruflich gebunden war, den Verein Richtung Bad Neuenahr. Als Ersatz kam Stephanie Ullrich vom VfL Wolfsburg, die beim Vier-Nationen-Turnier im Januar und beim Algarve Cup im März erste Länderspielerfahrungen sammelte. In der Folge wurde sie nicht mehr berufen, was damit zu begründen sein dürfte, dass die 23-Jährige nicht immer den sichersten Eindruck machte. Sie ist am Main nun erster Ersatz für Nationalkeeperin Silke Rottenberg, die nach ihrem Kreuzbandriss jüngst beim Länderspiel gegen Tschechien ihr Comeback feiern wollte, als ihr ein Bänderriss einen Strich durch die Rechnung machte. So muss der Verein darauf hoffen, dass Rottenberg rechtzeitig wieder fit ist. Sich im UEFA-Cup auf Ullrich verlassen zu müssen, könnte ein Unsicherheitsfaktor sein.

Anna Bornhoff

Crailsheims beste Torschützin Anna Bornhoff zog es nach Berlin und damit zum 1. FFC Turbine Potsdam (siehe Interview).

Foto: Tom Schlimme

Als härtester Konkurrent für die Frauen aus der Mainmetropole gilt wie schon in den letzten Jahren der FCR 2001 Duisburg. Die "Löwinnen" um Trainer Thomas Obliers hatten sich schon vor der letzten Saison das Ziel gesetzt, endlich einen Titel zu holen. Das


Bernd Schröder

Potsdams Trainer Bernd Schröder bei einer UEFA-Cup-Pressekonferenz. Gefilde, in die er mit seiner jungen Mannschaft in absehbarer Zeit wieder vorstoßen will.

Foto: Matthias Rotsch

misslang, weshalb Obliers zuletzt einräumte, seine Ziele verpasst zu haben - wenngleich Platz zwei in Pokal und Meisterschaft auch aller Ehren wert ist. Sein Team sei die "spielerisch bessere Mannschaft" gewesen, doch noch mangele es an Erfahrung. Ganz wichtig deshalb für den FCR, dass Nationalverteidigerin Annike Krahn nach langem Überlegen ihren Vertrag in Duisburg um ein weiteres Jahr verlängerte.

Katharina Baunach

Katharina Baunach im Trikot der U19, mit der sie gerade Europameisterin wurde. Mit dem FC Bayern München will sie ihre Erfolgsserie fortsetzen.

Foto: Volker Lieberum

Denn auch in diesem Jahr setzte der Club bei den Neuverpflichtungen vornehmlich auf die Jugend. Aus Gütersloh kam die frischgebackene U19-Europameisterin Stephanie Goddard, vom DJK SV Lowick U17-Nationalspielerin Marina Hegering. Da diesen Zugängen mit Andrea Lenart, Francesca Weber (nach Essen) und Viola Odebrecht nicht ganz unbedeutende Abgänge gegenüberstehen und Jennifer Oster ebenso wie Elena Hauer verletzungsbedingt noch nicht wieder auf dem Damm sind, schließt Obliers eine Last-Minute-Verpflichtung einer weiteren Spielerin auch nicht aus.

Nach durchwachsener Hinrunde konnte der 1. FFC Turbine Potsdam in der Rückrunde fast schon wieder an alte Zeiten anknüpfen. Die Abgänge von Petra Wimbersky, Britta Carlson und die frühzeitig angekündigten Wechsel von Conny Pohlers und Navina Omilade hatten die Wellen hochschlagen lassen und die zu weiten Teilen sehr junge Mannschaft nicht kalt gelassen. Eine Situation, in der sich Trainer Bernd Schröder zu einem radikalen Durchgreifen entschloss. Omilade und Pohlers kamen nur noch sehr sporadisch zum Einsatz, stattdessen ließ der Coach eine Mannschaft auflaufen, deren Altersschnitt sich durchschnittlich um die 20 Jahre bewegte. Damit gelang noch der kaum noch für möglich gehaltene Sprung auf den dritten Tabellenplatz.

Es wird also eine eingespielte Mannschaft sein, die die neue Saison in Angriff nimmt - zielgerichtet verstärkt um U17-Nationalspielerin Jessica Wich und Anna Bornhoff, im letzten Jahr mit elf Treffern erfolgreichste Torschützin des TSV Crailsheim. Trainer Schröder ist von dieser Truppe offenbar so angetan, dass er an seinem 65. Geburtstag verkündete, mit dem Grundgerüst dieser Truppe nochmal um Titel mitspielen zu wollen. Hoffnungen, die durch den Turniersieg beim Dragon Cup am ersten August-Wochenende noch einmal genährt wurden. Dort machten junge Spielerinnen wie die neuen U19-Europameisterinnen Monique und Isabel Kerschowski oder Stefanie Draws auf sich aufmerksam. "Da ist was drin", meinte Schröder anschließend mit Blick auf die anstehende Saison.

Man lehnt sich vermutlich nicht zu weit aus dem Fenster, räumt man diesen drei Vereinen einen gewissen Vorsprung vor der Konkurrenz ein. Doch auch Überraschungen wie die, dass der FC Bayern München im letzten Jahr auf Platz vier landete, sind jederzeit zu erwarten. Dafür ist der


Kreis derer, die für die obere Tabellenhälfte infrage kommen, ganz sicher groß genug. Bayern München etwa, die SG Essen-Schönebeck, der SC 07 Bad Neuenahr oder auch der letztjährige Tabellensiebte TSV Crailsheim, auch wenn für die Fränkinnen das zweite Jahr der Bundesligazugehörigkeit schwerer als das erste werden könnte.

Crailsheim und München, das waren die Überraschungsteams der vergangenen Saison. Beide bestachen bei ihren Aufstellungen über die gesamte Saison hinweg mit einer bemerkenswerten Konstanz. Ein Zeichen dafür, dass die Trainer, Günther Wörle beim TSV Crailsheim und Sissy Raith in München, genaue Vorstellungen haben, welches Spielsystem sie pflegen wollen und was mit ihrem Spielerinnenrepertoir umsetzbar ist. So verwundert es auch nicht, dass beide Clubs in der Sommerpause kaum einschneidende Transfers tätigten.

Crailsheim hatte schon frühzeitig die Verträge mit den Leistungsträgerinnen verlängert, nur Anna Bornhoff konnte nicht gehalten, weil diese in Berlin eine neue berufliche Herausforderung annahm. Neu hinzugekommen sind u.a. die mit viel Vorschusslorbeeren empfangene Anika Höss vom TSV Schwaben Augsburg und die ehemalige U19-Nationalspielerin Katharina Grießemer, die schon in der Rückrunde ihren Kreuzbandriss in Crailsheim auskuriert hatte. Jetzt wollte sie einen neuen Anlauf starten, der noch in der Vorbereitung jäh gestoppt wurde. Bereits zum dritten Mal zog sie sich einen Kreuzbandriss im Knie zu. Ein herber Rückschlag für Grießemer und den TSV. Dennoch sollte auch in der neuen Spielzeit der Klassenerhalt nicht in Gefahr geraten, wenngleich es schwer werden dürfte, ein erneutes Überraschungsjahr hinzulegen. .

Katharina Grießemer

Katharina Grießemer an Krücken. Ein Bild, an das wir uns leider gewöhnen müssen. FanSoccer wünscht gute Genesung!

Foto: Beate Wolter

Das gilt auch für den FC Bayern München, der zuletzt auch vom Verletzungspech von Essen und Bad Neuenahr profitierte. Was die Leistung der Truppe um Sissy Raith aber nicht schmälern soll, denn Jahr für Jahr gelingt es der eloquenten Übungsleiterin, aus bescheidenen Möglichkeiten ein schlagkräftiges Team zu formen. Mit Katharina Baunach, Nicole Banecki und Julia Simic gehören dieser Mannschaft nun auch drei U19-Europameisterinnen an. Mandy Islacker, die von der SG Essen-Schönebeck an die Isar wechselte, vergrößert die Möglichkeiten in der Offensive.

Zweiter Teil

1. Liga

Wechselübersicht 1. Liga

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